768. Tatort: Hauch des Todes (SWR; EA: 22.08.2010)
| Ermittler: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), Mario Kopper (Andreas Hoppe), Peter Becker (Peter Espeloer), Edith Keller (Annalena Schmidt), Gerichtsmedizinerin Sonja Römer (Brigitte Zeh) Besetzung: Daniel Tretschok (Lars Eidinger), Hauptkommissarin Martina Schönfeld (Katja Bürkle), Mirko Klingspohn (Sven Pippig), Christian Brenner (Lars Rudolph), Birgit Tretschok (Judith Engel), Kapitän Stauer (Gerhard Piske), Bettina Frommelt (Buenaventura Braunstein), Tierärztin (Stephanie Kämmer), Andrea May (Rita Winkelmann), Opernsängerin Sarah Sanders (sowie Anette Kreßling, Carlo Böhler) Drehbuch: Jürgen Werner; Regie: Lars Montag |

Die Kommissarin gerät ins Visier eines Frauenmörders, der seine Hinrichtungen inszeniert. Plastisch und plump wird gezeigt, wie er seine Opfer zu Kokons verpackt. Kopper trifft bei den Ermittlungen auf eine alte Bett-Bekanntschaft aus Mannheim, wo der Mörder vor einigen Jahren auch tätig war. Dazu wird “Ein deutsches Requiem” von Johannes Brahms gespielt.
Der Täter ist schon im Vorspann zu sehen. Der Schiffsdisponent Mirko Klingspohn hatte eine dominante Mutter, die ihn zuhause an der kurzen Leine hielt und zu Gesangsabenden einlud. Er arbeitet sich zum deutschen Reqiuem an seiner Vergangenheit ab.
Zu Lena Odenthals 50. Fall, der streng genommen ihr 51. Auftritt am Tatort war, denn sie war auch schon zu Besuch in München, gab’s viel Plastikfolie und Psycho. Der Autor Jürgen Werner wollte sich wohl an “Das Schweigen der Lämmer” anlehnen. Herausgekommen ist viel mehr ein schlechter Horror, bei dem im Vergleich zu diesem Tatort “Im Land der Raketenwürmer” als Autorenfilm daherkommt. Ein unglaublich schlechter Schocker. NIcht nur ür ein Jubiläum ist “Hauch des Todes” beschämend. Jemand, der vor allem Drehbücher für Vorabend-Schmonzetten wie das “Forsthaus Falkenau” schreibt, ist ein Tatort vielleicht eine Nummer zu groß. Das hat Leipziger Niveau.
(1,5/10)
Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus, SWR
Meinungen: Tittelbach.tv, Tatort-Forum

“Jede Menge Dreckarbeit” (Weiler) wartet auf Eisner und seinen Assistenten. Die als Angestellte von der Müllabfuhr verkleideten Mörder hinterlassen wenig Verwertbares: die DNA von 27 Zigarettenstummel muss untersucht werden.
Eisner kann das Drogenkartell nicht ausheben, weil Dr. Ziu herausfindet, woher der V-Mann seine Informationen hat. Als Czermak und Eisner in Bratislava die “Operation Hiob” erfolgreich zum Abschluss bringen wollen, müssen sie feststellen, daß Ziu wieder schlauer war. “special box No. 18″ ist sauber, und Eisner bleibt nichts als die Wut auf seinen Vorgesetzten Rauter, der als Mittel zum Zweck Claudias Drogenvergangenheit weitergegeben hat.
Auch nach 12 Jahren nehme ich Harald Krassnitzer den Inspektor immer noch nicht recht ab. Diesmal war er allerdings wirklich überzeugend. Dazu gesellten sich hervorragende MItspieler. Heribert Sasse als unmittelbar vor der Pension stehender Assistent war eine Augenweide, ebenso Nichoals Ofcharek als arroganter und dennoch abhängiger Leiter der “Operation Hiob”. Gezeigt wurde eine Geschichte, die nicht ganz rund war, aber bis zum Schluss nichts von ihrer Spannung verlor. Ja, man kann auch mal eine private Verquickung unterbringen, ohne daß es vollkommen unglaubwürdig oder langweilig wird. Die kurze Drogenvergangenheit Eisners Tochter ist ein ein dramaturgischer Kniff, der seine Rolle in dieser Sonderkommission nach außen glaubwürdiger macht. “Operation Hiob” bot vor allem eine Menge Dialekt: jede Menge Schmäh und die Akzente osteuropäischer Verdächtiger. Und es wurde viel geraucht. Das darf man heute wohl auch nur noch in österreichischen Produktionen zeigen.
Denn dieses Kommissare-Paar findet zwar heraus, daß es die ermordete Altenpflegerin Anna Kowski es für ihren Berufsstand zu unglaublich viel Geld gebracht hat, aber an dem schicken Flitzer nehmen sie keinen Anstoß. Anscheinend stiftet das örtliche Arbeitsamt jedem, der nicht von Hartz IV keben will, so einen attraktiven Kleinwagen. Sie kümmerte sich liebevoll um den kranken Karl Holst, der in ihrer Anwesenheit seinen letzten Frühling erleben durfte. Nebenbei versuchte sie ihren Arbeitgeber Mike Breuer -Vorsicht: Realitätsbezug! -, bekannt für seine miserable Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen, zu erpressen. Die Bilanz seines Pflegedienst hübscht er mit erpressten testamenten zu seinen Gunsten auf.
Die Autoren haben einen Plot entworfen, der nicht mit Spannung geizt. Er zeigt, daß auch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer die Stasi nur auf dem Papier tot ist. Allerdings wird er mit Liebesgeschichten und scheinbaren Verwicklungen überfrachtet. Daß das Ende ein wenig offen bleibt, ist nicht die Schwäche dieses Falls.
Ritter und Stark geraten schnell an ihre Grenzen, denn es gibt weder eine Leiche noch eine Vermisstenmeldung. Daß die redeselige Rentnerin in der besagten Nacht “Das Fenster zum Hof” gesehen hat, lässt den Fall endgültig im Sand verlaufen. Ritter lässt sich abends von Frau Wernicke mit strammen Max verköstigen, Stark versucht mit ihrer Krankenpflegerin Lotte anzubandeln, und der brave Zuarbeiter Weber telefoniert nach Portugal, um wenig zu erfahren.
Das war wieder ein typischer Münster-Tatort. Man mag ihn, oder man mag ihn nicht. Ich packe diese Albernheiten, um die man eine Geschichte bastelt, nur schwer. Bonuspunkte gibt es nur für Alberich und die Dogge Wotan. Das Kleinstadtgefrotzel erfreut sich dennoch 

So wird aus dieser Dienstreise ein Trip der besonderen Art für den Kieler Kommissar. Und so wird aus einer wenig spektakulären Geschichte ein besonderer Tatort. Hannu Salonen, gebürtiger Finne, inszeniert einen Film, der vor allem von der Atmosphäre und den Begegnungen lebt. Der überforderte Kommissar, kämpft im finnischen Mittsommer mit der nächtlichen Helle und seiner Schlaflosigkeit. Mit seinen Kollegen, die mit dem Kieler Kauz nur wenig anfangen können, muss er sich zusammenraufen. Er muss tatenlos ansehen, wie der Häftling in den Weiten des Waldes entkommt, während Kollege Mikko im Saab seine Musikcassettensammlung sortiert. Daß ihm Frieda Jung nachreist, ist nur eine kleine Unterstützung. Sie liefert zwar entlastendes Material für den vermeintlichen Mörder, kann aber nicht verhindern, daß er sich im Gestrüpp verläuft. Am Ende verschwindet sie. Übermüdet tanzt er Tango, isst Pilze und landet so auf einem ganz komischen Trip, der nach einigen Tagen und 17 Stunden Schlaf am Stück ein Ende findet. Den Mord am Hauptverdächtigen kann er nicht verhindern, aber er kann mit Hilfe seiner finnischen Kollegen den Fall klären.
Mit gemächlichem Tempo wird der Zuschauer durch diesen ungewöhnlichen Tatort geführt. Er bekommt Gelegenheit, ein wenig von dieser für unsere Verhältnisse fremden Kultur einzufangen. Die Kamera nimmt sich Zeit, die unendlich wirkenden Wälder mit den vielen Seen einzufangen und diese Folge somit zu einer Reise in eine andere Welt zu machen. Es wird nicht viel gesprochen, aber freundlicherweise entgegen gängiger Klischees nicht ständig gesoffen. Daß Borowski nach seinem Trip den Schnaps nicht verträgt, ist nur eine kleine Anspielung.
Das gelingt ihm auch, aber auch nur, weil Kohnau die Notbremse zieht, in dem er Batu festnimmt. Der will aber seinen Afra nicht über Bord werfen, und so bleibt er an der Industriespionage dran. Daß auch der BND an der Geschichte dran ist, weiß er nicht. Es gelingt ihm, die heißen Daten auf dem Zentralrechner zu sichern. Konrad von der EDV hindert ihn nicht daran.

Fremdneurosen