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Mieze singt nur kurz

653. Tatort: Schwelbrand (RB/Degeto; EA: 21.01.2007)

Ermittler: Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), Kommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen), Assistent Karlsen (Winfried Hammelmann)
Drehbuch und Regie: Thorsten Näter

Der Fall Dana (Jeanette Biedermann) soll mit ihrer Band gegen Rechtsradikalismus singen. Im Vorfeld dieses Konzerts wird ein türkischer Plakatekleber so schwer verletzt, daß er später stirbt. Lürsen und Stedefreund ermitteln sofort im Milieu. Wenig später wird ihre Assistentin Susanne Wolters (Marie Lucht) ermordet aufgefunden. Zunächst wird eine Verwechslungstat vermutet, weil sie Dana sehr ähnlich sieht und ihren Mantel trug.
Die Kommissare finden heraus, daß Danas Bruder Markus (Sven Fricke) MItglied einer rechten Gruppe ist, die vom Ideologen und Demaogogen Seitz (Thomas Sarbacher) geleitet wird. Die Ermittler fischen lange im Trüben, bis sie im Elternhaus der Assistentin eine Entdeckung machen.

Der Täter Susanne Wolters hat für Dana belastendes Material. Dana war früher mit dem Adlaten des Demaogen, Wolfgang Hübner (Florian Panzner), zusammen. Logisch, daß Dana nicht wollte, daß ihre Vergangenheit ans Licht kommt. Der Plakatekleber wurde erwartungsgemaäß vom Neonazi-Mob ermordet.

Die Bewertung Ein überzeugendes Plädoyer gegen Rechts war dieser Film nicht. Die Idee, rechtsradikales Milieu mit dem Showbusiness zu vermischen ist nicht schlecht, aber sie wurde nur halbherzig umgesetzt. Stalking als Nebenstrang noch einzubauen, trug auch nicht zur Verbesserung bei. Die Glatzen und ihre Strippenzieher wurden arg schablonenhaft dargestellt, die Glitzerwelt sehr unausgegoren, was auch an der Hauptdrastellerin Jeanette Biedermann liegt. Sie kann weder singen noch schafft sie es, als Schauspielerin zu überzeugen. Daß sie am Schluss Imagine singt, ist eine Beleidigung für jedes halbwegs musikalisches Ohr. Sie mag ein bei dem jüngeren Publikum ein bekanntes Gesicht sein, mehr aber auch nicht. Warum man sich nicht bei der kurz zu sehenden und wesentlich ausdrucksstärkeren Frontfrau Mietze Katz von MIA. bedient hat, verstehe ich nicht.

Link: YouTube

Für diese Stückwerk gibt es nur 3,5 Punkte.

Mehr Informationen gibt es im Fundus.

Ermüdende Verbindung

678. Tatort: Satisfaktion (WDR; EA: 28.10.2007)

Ermittler: Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl), Prof. Boerne (Jan Josef Liefers), Silke Haller “Alberich” (ChrisTine Urspruch), Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter), Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Grossmann)
Drehbuch: Johannes W. Betz; Regie: Manuel Flurin Hendry

Der Fall Boerne darf wieder mal ein Skelett untersuchen. Es ist der seit elf Jahren vermisste Raimund Stielicke, der nach seinem ersten Staatsexamen nach Italien fahren wollte. Er war, wie sein Vater, der angesehene Kardiologe (Michael Degen), und sein Bruder Carsten (Godehard Giese) Mitglied einer Studentenverbindung. Boerne natürlich auch, dem es nicht recht, daß der “protestantische Prolet” (Klemm) Thiel dort ermittelt. Andeutungen über Raimunds Ableben bekommen sie vom krebs- und alkoholkranken Baltus (Aljoscha Stadelmann), der wenig später auch tot aufgefunden wird. Thiel rüpelt sich durch diese Studentenverbindung und die angesehene Familie, während Boerne alte Kontakte (der alte Stielicke war sein Doktorvater) aufleben lässt.

Der Täter Raimund hat seiner Schwägerin Clara (Victoria Mayer) ein Kind gemacht. Das verletzte Carsten so sehr, daß er seinen Bruder nach einer Mensur erschossen hat. Der kranke Baltus war bereit, das Familiengeheimnis zu lüften. Das wiederum konnte die Schwiegermutter (Tatja Seibt) nicht akzeptieren und entfernte ihn.

Die Bewertung Wieder mal ein unglaublicher Stuss aus Münster. Jeder kennt jeden, und Boerne kennt alle. Die auf Dauer platten Dialoge kennt auch jeder, und nebenbei wird ein Fall gelöst.
Dafür gibt’s 3 Punkte.

Mehr Informationen gibt’s im Fundus.

(Bild: ARD/WDR)

Die saubere Lösung

668. Tatort: Investigativ (NDR; EA: 10.06.2007)

Ermittler: Hauptkommissar Jan Casstorff (Robert Atzorn), Oberkommissar Eduard Holicek (Tilo Prückner), Staatsanwätin Wanda Wilhelmi (Ursula Karven)
Drehbuch: Christoph Silber und Thorsten Wettcke; Regie: Claudia Garde

Der Fall | Der Täter | Die Bewertung

Der Fall Der ehemals erfolgreiche und schwerkranke Journalist Gregor Schulz wird im Hamburger Gericht erschossen. Staatsanwältin Wilhelmi ist Zeugin und übernimmt die Ermittlungen. Schnell stellt sich heraus, daß er an Beweismateralien über den Gönner und Sohn einer Kiezgröße Alexander Radu (Tonio Arango) Verbindungen in die Politik hatte. Daran hatte er sich vor Jahren die Zähne ausgebissen und wurde aus dem Magazin “Investigativ” geworfen. Das Material hat er seiner Tochter Kathrin (Anna Schudt), die nun für dieses Magazin arbeitet und zu der er einige Jahre keinen Kontakt hatte, zuspielen lassen. Der leitende Oberstaatsanwalt (Falk Rockstroh) ist von diesen Ermittlungen nicht begeistert. Er hat es auch nicht verhindert, daß dem damals leitenden Ermittler (Peter Benedict) eine Kinderpornographieaffäre angedichtet wuirde, die zu seiner Entlassung aus dem Staatsdienst und zur Einstellung sämtlicher Verfahren gegen Radu geführt hat.

Der Täter Der ehemalige Ermittler hat, um an Entlastungsmaterial zu kommen, den Journalisten erschossen. Er hat sich auch seiner Tochter gegenüber vor der Kamera sehr ausführlich dazu geäußert. Radus Netzwerk verhindert allerdings die Ausstrahlung der Sendung, so daß alle Verstrickungen ungesühnt bleiben.
ZUr Lösung des Falls führt die Reinigungsfirma “Die saubere Lösung”, die im POlizeipräsidium reinigt und zum Radu-Imperium führt.

Bewertung Zu meiner Überraschung war das wirklich ein guter Casstorff-Tatort. Das Liebesgesäusel zwischen dem Kommissar und der Staatsanwältin war auch hier unnötig, was in erster Linie den leider wirklich nicht überzeugenden Protagonisten geschuldet war.
Die Geschichte und die Episodendarsteller (vor allem Tonio Arango) waren wirklich sehr gut. Trotz Auflärung wurde auf ein Happay End verzichtet – wohl leider realistisch.
7,5 Punkte.

Töchter

655. Tatort: Das Ende des Schweigens (NDR; EA: 11.02.2007)

Ermittler: Hauptkommissar Klaus Borowski (Axel Milberg), Polizeipsychologin Frieda Jung (Maren Eggert), Kriminalrat Roland Schladitz (Thomas Kügel);
Buch: Jörg von Schleebrügge, Regie: Buddy Giovinazzo

Die Altenpflegerin Silke Roheweder bandelt mit dem Polizeibeamten Claes Möller (Thomas Heinze) auf einer Parkbank an. Sie verbindet ihn den Daumen, den er sich beim Apfelschneiden verletzt hat. Wenig später wird ihr Boot auf der Ostsee verwaist aufgefunden. Als vermisst geltend wird ihre Leiche erst viel später gefunden. Silke Rohweder weiß zunächst nicht, daß ihr Claes Doppelleben führt und sich nach dem Tod des ihm ähnlich sehenden Uhrmachers Sandor Kovac dessen Papiere angenommen hat. Ihre nach dem Selbstmord des Vaters aus der Bahn geratene und bei Silke lebende Schwester Maxie (Anna Brüggemann) findet es aber heraus und versucht ihn zu erpressen. Die angereiste Mutter (Susanne Lothar) kann zur Klärung wenig beitragen.
Über die rebellische Schwester gelangen Borowski und die Psychologin Jung an die Täterin. Vermuten sie anfangs, daß die um sich schlagende Maxie, der sie massive Probleme mit der Schwangerschaft Silke attestieren, die Täterin ist, konzentrieren sie sich auf den Kollegen Möller, auf den sie erst spät stoßen. Maxie schenkt ihrer Schwester reinen Wein ein, was Silke schließlich zum Verhägnis wird, als sie bei Möllers Frau Karin (Sandra Nedeleff) vorstellig wird.
Obwohl Maxie Claes als Feind betrachtet, findet sie immer wieder Zugang zu ihm, weil er seine Tochter, die annähernd gleich alt wäre, bei einem selbstverschuldeten Autounfall verloren hat.

Nein, es ist nicht nötig, daß die Leiche spätestens nach zehn Minuten zu sehen sein muss. Es war mehr als die Hälfte des Films verstrichen, als die Leiche gefunden wurde. Geschadet hat es dieser Folge nicht, deren Auflösung früh abzusehen war. Sie wurde ruhig und spannend erzählt.
Immer wieder faszinierend an den Kieler Folgen ist das Ambiente, das an die Tatorte der 70er Jahre erinnert. Die Hauptfiguren Borowski und Jung scheinen auch aus dieser Zeit zu stammen. Speziell die Psychologin, die einerseits sehr emanzipiert erscheint, wirkt durch ihr Äußeres und ihre Wohnungseinrichtung sehr altbacken. Vielleicht ist das auch der Grund, warum dieses ansonsten ungleiche Gespann funktioniert.
Es hat diesem Tatort auch nicht geschadet, daß Borowskis Tochter Carla auftauchte. Ihre Figur passte gut in die Geschichte, in dem es eben auch um Töchter ging – sei es rebellisch, pubertär oder tot.
7 von 10 Punkten.

Mehr Informationen gibt’s im Fundus.

Köln kompakt

Zwei Kritiken zu Tatort-Wiederholungen liegen noch rum. Während in Köln Karneval gefeiert wird, feier ich die Folgen kurz ab…

589. Tatort: Schürfwunden (WDR; EA: 13.02.2005)

Ermittler: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Freddy Schenk (Dietmar Bär); Sekretärin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt), Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch), Staatsanwalt von Prinz (Christian Tasche);
Drehbuch: Frank Posiadly und Niki Stein; Regie: Niki Stein

Die Kommissare ermitteln mühevoll in einem Geldtransporter-Überfall, als ihnen ein Daumen zugeschickt wird. Sie finden heraus, daß er in Schaffrath abgeschickt wurde, dem Dorf, das wegen des Braunkohletagebaus umgesiedelt wird. in der Kneipe des alten Dorfs spielt das umgesiedelte Leben. Als Schlüssel zu dem Fall stellen sich die Wirtstochter Tatjana (Karoline Teska) und der geistig behinderte Hansi Lensen (Jona Mues), der aber mit dem Bagger in den Tod geschickt wird.
Der Daumen stammt von einem der gesuchten Geldtransporter-Räuber, der aber nicht von seinen Komplizen umgebracht wurde, sondern vom sehr engagierten Dorfpolizisten Ackermann (Stefan Kampwirth).

Sehr skurriler Tatort in einem schrägen Ambiente mit wunderbaren Bildern (u.a. die Leichentransporte vom Friedhof des alten Dorfs ins neue Dorf) – 7,5 Punkte.

651. Tatort: Die Blume des Bösen (WDR; EA: 01.01.2007)

Ermittler: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Freddy Schenk (Dietmar Bär); Sekretärin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt), Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch);
Drehbuch und Regie: Thomas Stiller

Max Ballauf soll sich um die Tochter seiner Cousine Beatrice (Nadeshda Brennicke), die wegen einer wenig verheißungsvollen Untersuchung einige Tage stationär aufgenommen werden muss, kümmern. Er wird auch von einem anonymen Arufer bedroht, und eine Frau, mit der er vor Jahren einen One Night Stand hatte, wird umgebracht. Der Anrufer, der über Ballauf sehr gut Bescheid weiß, hat sie getötet. Ballauf wird mit Charles Baudelaire konfrontiert und muss tatenlos zuschauen, wie seine Großnichte vom Anrufer in Beschlag genommen wird, und seine Cousine nur knapp dem Tod durch ihn entkommt. Durch Rechercherieren in alten Ermittlungsakten findet er heraus, daß der Anrufer der Vater einer von Ballauf bei einem Einsatz versehentlich getöteten Frau ist. Es gelingt ihm, den Rächer Kuschmann (Jürgen Schornagel) dingfest zu machen.

Gut gemachtes Katz-und Maus-Spiel, bei der eigentlich nur Schornagels schlechte Perücke unangenehm auffällt – 7 Punkte.

(Bilder: ARD / WDR )

…dreimal hat’s gekracht – Reprise

674. Tatort: A gmahde Wiesn (BR; EA: 23.09.2007)

Ermittler: Hauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec), Hauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), Oberkommissar Carlo Menzinger (Michael Fitz)

Wird ein mäßiger Tatort besser, wenn man ihn noch einmal anschaut? Es kommt darauf an, unter welchem Gesichtspunkten man ihn erneut betrachtet.
Nach einigen Bieren kommt der Oktoberfest-Tatort, den der BR im Rahmen seines Wiesn-Abends wiederholt hat, ein wenig anders daher. Die dürftige Story wirklt dank der Dialoge zwischen den Kommissaren ein wenig süffiger. Und vielleicht ist es doch Wiesn-adäquat, daß die Putzfrau die Mörderin ist. Denn das Geld, das sie in ihren Augen zu wenig verdient hat, hätte sich auf der Festweiese hervorragend investieren lassen.
Nüchtern betrachtet ist diese Folge nach der Erstbetrachtung noch milde bewertet…

Morgen gibt’s den 50. Tatort mit den Münchner Kommissaren. Hoffentlich bringe ich den DVD-Rekorder zum Laufen…

(Bild: ARD / BR)

Milch und Blut

654. Tatort: Roter Tod (SWR; EA: 28.01.2007)

Ursprünglich war die Ausstrahlung der Folge Schatten der Angst vorgesehen. Die wurde aber nach dem Brand in Ludwigshafen verschoben. So weit, so verständlich. Aber wie unflexibel ist diese föderalistische Anstalt ARD, stattdessen nicht eine andere Erstausstrahlung vorzuziehen? Es kann mir doch niemand erzählen, daß die Folgen erst zwei Tage vor dem geplanten Sendetermin fertigwerden. Definitiv fertig war Seenot; denn der wurde schon im Schweizer Fernsehen gezeigt…
Alternativ hätte man auch einen älteren Tatort zeigen können.

Ermittler: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), Mario Kopper (Andreas Hoppe); Peter Becker (Peter Espeloer), Frau Keller (Annalena Schmidt)

Ich glaube, bei diesem Tatort bin ich letztes Jahr eingeschlafen. Mal schauen, ob ich diesmal durchhalte…

Die Ärztin Dr. Wegener liegt mit aufgeschnittenen Pulsadern in der schnieken Badewanne ihres noch luxuriöser wirkenden Badezimmers (es lebe das Klischee der reichen Ärzte), während im Haushalt Odenthal / Kopper die Milch überläuft und die Kommissarin sich schneidet. Die Ärztin hat in der Klinik von Prof. Dr. Klaus Merheim (Markus Hering) gearbeitet, wo sie aber kurz vor ihrem Tod entlassen wurde. Die Nachforschungen in der Klinik ergeben zunächst wenig, auch weil sich das Personal, Oberschwester Kathrin (Petra Welteroth) und Schwester(nschülerin?) und Songül (Sesede Terziyan) eher grenzdebil den professionell geben. Der Boxer Enzo Marchese (Josef Heynert) wurde bei einer Operation von Dr. Wegener durch durch eine Bluttransfusion mit HIV infiziert. Enzo wurde seiner Freundin, der Alimentari-Verkäuferin Tiziana (Marleen Lohse, was für eine Mähne!) wegen des Virus verlassen. Bei der Festnahme verletzt der heißblütige Enzo die Kommissarin, die fortan von der Angst vor Aids dominiert wird.
Die Arztgattin Silvia Merheim (Esther Esche) probt mit dem Blutplasmavertreiber und passionierten Cellisten Peter Benda (Andreas Schmidt) Leoncavallo für ein Benefizkonzert. Der Professor hat’s mehr mit Pferden und hat einen verschuldeten Reiterhof übernommen.
Das Benefizkonzert wurde durch Farbbeutel von der Anwätin Enzos, Vera Launhardt (Ana Kerezovic), abgebrochen, die ihre Tochter nach durch Aidas verloren hat.
Eine Menge Verdächtige. Ich mach’s kurz. Es war der Blutplasmaverteiber, der Angst hatte aufzufliegen, weil die Ärztin wusste, daß die Konserve kontaminiert war. Sie wurde vom Professor dienstlich wie privat abserviert und beabsichtigte, das verseuchte Blutplasma publik zu machen.

Dieser Tatort von Horst Freund (Buch) und Christoph Stark (Regie) war nicht berauschend. Es ging zwar nicht um Türken oder Kindsmisshandlung, aber die Blutkonserven-Geschichte war auch nicht das Gelbe vom Ei. Die Musik versuchte Spannung zu erzeugen, die wegen der wenig fesselnden Geschichte und der flachen Charaktere nicht vorhanden war. Der Form von Andreas Hoppe (u.a. als Leoncavallo-Interpret) war es zu verdanken, daß das Ermittlerteam trotz drohender HIV-Infizierung von der Odenthal nicht von vollkommen in Belanglosigkeit versank.
Anzumerken ist noch, daß es den Betreibern der offiziellen Tatortseite anscheinend nicht gelingt, den Namen türkischer Schauspieler/innen richtig zu schreiben. Meine Recherche hat ergeben, daß die Songül-Darstellerin Sesede Terziyan heißt. Da mir das nicht zum ersten Mal passiert ist, möchte ich es an dieser Stelle einmal erwähnt haben.

Im Fundus gibt es noch mehr Informationen, bei Sopran noch eine Meinung.

(Bild: ARD / SWR)

Tim allein zuhause

683. Tatort: Kleine Herzen (BR; EA: 16.12.2007)

Ermittler: Ivo Batic (Miro Nemec), Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl)
Figuren: Anne Kempf (Janina Stopper), Tim Kempf (Felix von Opel), Frau Kempf (Anne Schwiekowski), Herr Kempf (Michael A. Grimm), Marc Sommer (Max Mauff), Kathrin Sommer (Samia von Arx), Herr Sommer (Eisi Gulp), Hannes (Philipp Moschitz), Herr Hage [Filialleiter] (Gerd Lohmeyer) Frau vom Jugendamt (Petra Einhoff), Ute [Trainerin] (Antje Brauner), Platzwart (Django Asül), Gerichtsmediziner (Jan Messutat), Radiosprecher (Dominik Pöll)
Drehbuch: Stefanie Kremser; Regie: Filippos Tsitos

Bevor ich auf den letzten Münchner Tatort näher eingehe, beantworte ich gleich diese Frage, die unmittelbar nach der Sendung in meiner Statistik aufgetaucht ist:
“Ist Carlo Menzinger nicht mehr dabei?” Nein, der Carlo ist nicht mehr dabei. Der treibt sich in Thailand rum, schreibt aber seinen Ex-Kollegen Postkarten und hat Ivo seine Dienstmarke vermacht. Unter seiner Handynummer ist er auch nicht mehr erreichbar, deswegen müssen Ivo und Franz jetzt auch die Drecksarbeit machen. Und es kommt viel unangenehme Ermittlungsarbeit auf die beiden zu.
Anne Kempf ist 18 Jahre und alleinerziehende Mutter des vierjährigen Tim. Sie hält sich mit verschiedenen Jobs über Wasser: sie putzt und gießt bei einer Frau in einem nicht mehr neuen Einfamilienhäuschen, trägt Zeitungen aus und arbeitet in einem Supermarkt. Tim verbringt viel Zeit alleine, ihre Mutter will von den Problemen ihrer Tochter nicht viel wissen. Der Vater Marc Sommer kümmert sich nur sehr sporadisch um seinen Sohn. Seine Schwester Kathrin ist dafür dafür wesentlich involvierter in die Erziehung von Tim. Sie macht Anne auch immer wieder deutlich, daß Tim nicht alleine sein darf. Vor dem Konzert der Band Franz Friedrich (sollte das eine Anspielung auf Franz Ferdinand sein?) kommt es zum Streit zwischen den beiden jungen Frauen, bei dem Kathrin über die Brüstung einer Brücke gestürzt wird und stirbt.
Kathrins und Marcs Vater, ebenfalls alleinerziehend, kämpft mit dem Alkohol und kann mit seinem Sohn nicht viel anfangen. Der Tod seiner Tochter verstört ihn noch mehr.
Annes ElternDie Ermittlungen bei Annes Eltern sind nicht ergiebig.
Während Anne sich mit dem Filialleiter Hage und der Dame vom Jugendamt, die es nicht stört, daß Tim nicht da ist, herumschlägt, tappen die Kommissare im Dunkeln und betrauern Carlos Abgang. Marc verheddert sich allerdings in Widersprüche, die beim Platzwart seines Fußballvereins auftreten. Denn die Auswertung der Telefonnummern auf Kathrins hat ergeben, daß Marc, der auf ein College in Stanford spart, kurz vor ihrem Tod mit seiner Schwester telefoniert hat. Das Spiel endete früher, als er angegeben hatte, und so ist er der Hauptverdächtige.
AnneAnne lässt sich vom Kollegen Hannes zu einem Kneipenabend überreden. Davor sperrt sie Tim nach einer heftigen Auseinandersetzung im Bus im Haus, in dem sie putzt, ein. Sie genießt den Abend, während Tim seinen Hunger mit Bonbons stillt. Im Morgengrauen am Café Münchner Freiheit endet ihre Nacht.
Als Marc den Brief abschicken will, entdecken ihn die Kommissare und stellen ihn. Er gibt zu, mit Kathrin gesprochen zu haben, berichtet aber auch, daß sie noch mit Anne verabredet war. Sie suchen Anne auf, die entkräftet behauptet, ihr Sohn sei überfahren worden. Tim sendet telefonische Hilferufe nach draußen.
Tim wird gerettet. Das letzte Bild zeigt ihn auf den Armen seiner Mutter, Ivo und Franz stehen daneben.

Zunächst war ich ein wenig genervt, schon wieder Kinderverwahrlosung auf dem Krimiteller serviert zu bekommen. Stefanie Kremser und Filippos Tsitos ist es gelungen, einen beklemmenden Film ohne moralischen Zeigefinger zu inszenieren. Janina Stopper verkörperte Anne, die sich immer mehr von der Mutterrolle entfernt, sehr gut. Eisi Gulp als desillusionierter wie wortkarger Vater war eine sehr gute Besetzung. Miro Nemec und Udo Wachtveitl nahmen sich wohltuend zurück, ohne zu Statisten zu verkommen. Inwieweit die Darstellug des Jugendamts der Realität entspricht, möchte ich nicht weiter vertiefen.
Ein leiser Tatort, der ohne hysterische Effekte wie in Frankfurt auskam. Wer auf einen klassischen Krimi gehofft hat, wird sicher enttäuscht gewesen sein.

Mehr dazu beim Bayerischen Rundfunk, im Fundus, bei Sopran, Fielitz und im Forum.

(Bilder: BR/avista Film/klick/Christian A. Rieger)

Nikotin kann tödlich sein!

682. Tatort: Schleichendes Gift (RBB; 09.12.2007)

Ermittler: Till Ritter (Dominick Raacke), Felix Stark (Boris Aljinovic); Weber (Ernst-Georg Schwill), Wiegand (Veit Stübner)

So, diesmal wieder Politik für die Herren aus Berlin: Joseph Feinlein, Referatsleiter bei Ulla Schmidt wird tot im Ministerium aufgefunden – mit Abschiedsbrief. Seine Frau Rebekka (Corinna Kirchhoff), die an MS leidet, glaubt nicht an Selbstmord. Ihre Schwester Maria (Tina Engel) hält sich etwas bedeckter. Feinleins Referentin Julia Jansen (Anja Kling) kann den Tod auch nicht fassen. Es stellt sich heraus, daß Feinlein mit Nikotin in Flüssigkeit vergiftet wurde. Die Obuktion ergibt auch, daß er Krebs im Endstadium hatte.
Feinlein erwartete noch einen Fahrradkurier, der aber vor dem Ministerium angefahren wurde. Der Fall zieht ziemliche Kreise, hat Feinlein Gefälligkeitsgutachten für die Pharmazie erstellt. Die Fäden laufen beim Lobbyistenanwalt Dr. Böhler (Hansjürgen Hürrig) zusammen. Mit Informationen gespickt ist der Journalist Hendrik Koch (Jürgen Tarrach), der ebenso hinter dem Fahrradkurier her ist und den Kommissaren ständig entwischt. Raacke hält an sich die Kurierdisponentin Marielle (Jule Böwe), die ihm den Zgang zum verletzten Mischka ermöglicht.
Feinlein hat sich von den Lobbyisten losgesagt und ein Dossier über im Ministierium Korrumpierte angelegt. Er hat sich auch nur aus edlen Motiven kaufen lassen: eine teure Behandlung in den USA sollte seiner Frau Leid ersparen. Sein Nachfolger, Dr. Siegen (Ingo Hülsmann), der Gesetzesvorlagen durch das Austauschen von Wörtern manipuliert, macht sich ebenso verdächtig. Aber es war die biedere Jansen, die um die PLeite des Mannes zu amortisieren, sich ebenfalls kaufen ließ. Sie tauchte ursprünglich auf der Liste nicht auf, wurde aber von Feinlein wieder gestrichen.

Der Tatort hat gezeigt, daß die Gesundheitsreform keine gesunde Angelegenheit ist. Und wenn’s nicht schnell genug geht, muss man eben mit Gift oder Backschich nachhelfen. Der Dauerbrenner und Langweiler Gesundheitsreform wurde von Thomas Kirchner (Buch) und Uwe Janson (Regie) erfrischend umgesetzt. Hervorzuheben sind noch die Darstellungen von Jürgen Tarrach und Hansjürgen Hürrig, die hervorragend zwielichtig agierten.

Fakten sowie Meinungen, Meinungen, Meinungen.

(Bild: ARD /RBB)

Opa Freddy, Freund Max und die Autoschieberbande

Was lange währt, wird endlich gut. Fein portioniert gibt’s die die Tatort-Rezensionen der letzten Wochen…

681. Tatort: Spätschicht (WDR; 02.12.2007)

Ermittler: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Freddy Schenk (Dietmar Bär); Sekretärin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt), Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch), Staatsanwalt von Prinz (Christian Tasche)

Mal wieder ein Familien-Tatort, denn Freddy Schenk wird Opa und ist damit beschäftigt, den scheinbar treulosen Kindsvater Kevin (Tino Mewes) von seiner Tochter Melanie (Melanie Schuch, die bereits im letzten Tatort zu sehen war) fernzuhalten, der angeblich mit einer Prostituierten rummacht. Dumm nur, daß Kevin sowieso schon Melanie getrennt lebt, aber dennoch seinen Vaterpflichten nachkommen muss, und die vermeintliche Prostituierte seine Neue ist.
Beim Kollegen Max Ballauf wird’s auch familiär. Sein langjähriger Freund Gerd Samland, der bei der Autobahnpolizei arbeitet, wird erschossen in einem Bordell aufgefunden. Die Abteilung “Interne Ermittlungen”, die vorrangig von Kriminalrat Brauer (Michael Lott) vertreten wird, vertreten wird, schaltet sich ein und steigt Ballauf, der sich als Witwentröster für Britta Samland (Christina Große) betätigt, unangenehm auf die Zehen.
Dann taucht auch noch Agnieszka Sobinski (Magdalena Boczarska) auf, die ihren Bruder Marek vermisst, der für die Spedition von Wilfried Monhaupt (Matthias Brenner) arbeitet. Es wird wenig später am Rhein die Leiche eines Osteuropäers (wegen des Goldzahns) gefunden, mit dem Marek unterwegs war.
Natürlich verweben sich die beiden Fälle, und die Kommissare geraten in Bedrängnis; Ballauf wird angebliches Schmiergeld untergeschoben, Schenk die Tatwaffe. Die beiden werden suspendiert und polizeilich gesucht und nisten sich bei ihrer Sekretärin Franziska ein.
Drahtzieher der Schiebereien sind der Leiter des Autobahnreviers Walter Lemke (Thorsten Merten) und der Spediteur, der mit halbscharigen Tochterunternehmen Fahrer zu Dumpingpreisen beschäftigt. Samland ist seinem Chef auf die Schliche gekommen und musste dafür mit seinem Leben zahlen.
Am Schluss ist Freddy Opa und hält mit seinem verhinderten Schwiegersohn das Baby im arm.

Für Kölner Verhältnisse eine sehr unspektakuläre Geschichte (tatort-erprobt: Torsten Näter), die aber recht komplex aufgeblasen wurde. Außerdem war’s auch wieder ein wenig zu persönlich. Wann lernen wir endlich Freddys Frau kennen?

Hintergründe zu diesem Tatort gibt’s im Fundus, Meinungen bei Sopran, Fielitz und im Forum.

(Bild: ARD / WDR

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