Tag Archive for 'Stark'

Hinterhof-Phantasien

764. Tatort: Hitchcock und Frau Wernicke (RBB; EA: 24.05.2010)

Ermittler: Hauptkommissar Till Ritter (Dominic Raacke), Hauptkommissar Felix Stark (Boris Aljinovic); Kommissar Lutz Weber (Ernst-Georg Schwill)
Besetzung: Irmgard Wernicke [Rentnerin] (Barbara Morawiecz), Robert Benkelmann [Weinhändler] (Hans-Jochen Wagner), Renate Müller [Krankenpflegerin] (Lotte Ohm), Timo [Zivi] (Robert Höller), Ella Leiser (Jenny Schily), Gernot Schuber (Steffen Münster), Sebastian Stark (Aaron Altaras)
Drehbuch & Regie: Klaus Krämer

Frau Wernicke, alt und alleinstehend, hat viel Zeit. Die verbringt sie gerne vor ihrem Wohnzimmerfenster. Von dort aus kann sie dem Treiben im Nachbarhaus zusehen. Und sie hat Unglaubliches beobachtet. Sie hat gesehen, wie der Weinhändler Benkelmann am frühen Morgen seine Frau um die Ecke gebracht hat. Die Kommissare, die anscheinend nicht viel zu tun haben, lassen sich auf die Geschichte der alten Dame ein und beginnen zu ermitteln. Seine Frau sei in den Urlaub gefahren; er habe sie am Morgen zum Bahnhof gebracht, gibt der Verdächtigte zu Protokoll.
Ritter und Stark geraten schnell an ihre Grenzen, denn es gibt weder eine Leiche noch eine Vermisstenmeldung. Daß die redeselige Rentnerin in der besagten Nacht “Das Fenster zum Hof” gesehen hat, lässt den Fall endgültig im Sand verlaufen. Ritter lässt sich abends von Frau Wernicke mit strammen Max verköstigen, Stark versucht mit ihrer Krankenpflegerin Lotte anzubandeln, und der brave Zuarbeiter Weber telefoniert nach Portugal, um wenig zu erfahren.
Es plagt sie das schlechte Gewissen, als die alte Frau nicht mehr zuhause ist. Die Ermittlungen werden wieder intensiviert. Nach intensiver Recherche finden sie sowohl die angebliche Leiche als auch Frau Wernicke wieder.

Wer ist der Täter? »

Der Weinhändler Benkelmann hat tatsächlich seine Frau umbringen lassen, um frei für seine neue Liebe Ella Leiser zu sein. Frau Wernicke finden die Kommissare in einem Krankenhaus, wo sie sich von einem Schwächeanfall erholt. Die Krankenpflegerin Lotte hat sie zunächst zu sich nachhause geholt, bevor sich ihr Gesundheitszustand verschlechterte.

Ohne Barbara Morawiecz, die eine liebenswerte Frau Wernicke verkörperte, wäre dieser Tatort vollkommen langweilig gewesen. Autor und Regisseur wollte wohl den Hitchkock-Klassiker in einen Berliner Hinterhof verlegen. Das ist ihm mehr schlecht als recht gelungen. So ist der Titel dieser Folge das beste an diesem Tatort.
(4,5/10)

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus
Meinungen: Annabell, Fielitz & Tatort-Forum

(Bilder: rbb/Hans-Joachim Pfeiffer)

Taxi nach Frankfurt – oder: Architektur eines Tatort-Jahres

Taxi nach Frankfurt

Seit knapp drei Jahren lasse ich meinen Eindrücken über den Tatort freien Lauf; das sonntägliche Glotzen ist die Konstante des Blogs, wenn man es so betrachten will. Angefangen hat es an einem Ostermontag mit “Engel der Nacht”, einer Folge, an der ich kein gutes Haar gelassen habe.
Einige andere gucken ebenfalls regelmäßig und lassen ihren Eindrücken freien Lauf: Annabell (herzlichen Dank noch einmal für die Gastkritik, die ich schreiben durfte), Fielitz, MayavonderSpree und ChloevomSee sowie Sopran begleiten mich.
Mit einem Ritter-Schlag habe ich nicht gerechnet. Dennoch folgte auf das Augenreiben der Stolz, als ich nach der Kritik zu einem der besten Münchner Tatorte das Angebot bekam, für das Flagschiff im Netz, den Tatort-Fundus, Rezensionen zu schreiben. Danach war ich für einige Tage außer Gefecht gesetzt. Das Angebot erfüllt mich immer noch mit Stolz.
Nach der Benommenheit stieg ich ins Taxi nach Frankfurt, denn mein Erstling war die Rezension einer Folge des von mir sehr geschätzten Ermittler-Duos Dellwo und Sänger war. Man könnte es auch als Anfängerglück bezeichnen…
Nicht vergessen möchte ich den einen oder anderen Tatort-Abend in der Niederlassung.

So, nach der langatmigen Einleitung komme ich nun zu dem Rückblick auf das abgelaufene Tatort-Jahr.

Tatort-Rückblick 2009
Ich habe nicht alle Folgen gesehen, aber die wirklich guten habe ich wohl mitbekommen, wenn ich die Kritiken in den Blogs und im Tatort-Forum näher betrachte.

Höhepunkte
“Architektur eines Todes”
Frauenaffin, stlistisch sehr schön. Es ist nicht der beste Frankfurter Tatort, aber es gelingt den Machern, eine stimmungsvolle und ebenso stimmige Atmosphäre zu schaffen. – ich werde Sänger und Dellwo, wenn sie nächstes Jahr im November abtreten, vermissen.

“Borowski und die heile Welt”
Steife Brise aus Kiel. Kindsmord kann man mit sehr viel Patina inszenieren, aber das geht zumeist schief. Den Autoren und dem Regisseur ist es gelungen, schwer verdauliche Kost zuzubreiten, aber keinen Klumpen, den man nur mit vielen Schnäpsen zu Leibe rücken kann.

“Vermisst”
Zu Odenthals Jubiläum bekamen die Zuschauer Feinkost serviert. Neben weißen Piemont-Trüffeln und selbst gemachten Gnocchi mit selbst gemachten Pesto Genovese durften sie eine spannende Geschichte sehen, die trotz der Vierschachtelung präzise und nachvollziehbar war. Hätte mir vor zwei Jahren jemand gesagt, daß die Figur Ĺena Odentahl noch Entwicklungspotentail hat, hätte ich es nicht geglaubt.

“Häuserkampf”
Das Konzept des NDR, einen verdeckten Ermittler ins Rennen zu schicken, scheint aufzugehen. Schnörkellose Geschichte für die es nur wegen das wenig inspirierte SEK = böse Abzüge gibt.

“Altlasten”
Nachdenkliches zum Jahresabschluss feinfühlig ungesetzt und hervorragend dargestellt (v.a. Bibiana Zeller!). Und die Stuttgarer bringen den Nachweis, daß man Lokalkolorit auch durch ortstypische Bilder wie die Standseilbahn oder Kulinarisches (selbstgeschabte Spätzle) darstellen kann.

Tiefpunkte
“Wir sind die Guten”
Für Münchner Verhältnisse einfach nur schlecht; dieser Tatort hatte Münsteraner Niveau… Eine mit Originalität geizende Amnesie-Story gepaart mit den üblichen Verdächtigen lässt die Lokalmatadoren tief sinken. Hoffentlich wird das Wirre nicht zum Konzept des BR. Eine Story ohne persönliche Verwicklung eines Kommissars wäre ein guter Ansatzpunkt…

“Rabenherz”
Die einzig wirklich gute (und unbeabsichtigte) Pointe dieses Tatorts waren die Magenschmerzen von Ballauf. Der Fall war wirklich schwer verdauliche Kost, die auch die blasse Anna-Maria Mühe nicht schmackhafter machte. Man musste keine persönliche Verwicklung eines Kommissars verdauen, aber Orangensaft kann auch ganz üble Folgen haben…

“Mauerblümchen”
Nicht nur wegen Helmut Zierl nur schwer erträglich. Sich über die schauspielerischen Fähigkeiten einer Simone Thomalla negativ auszulassen, ist wohl frauenfeindlch. Aber die Geschichte war schlecht genug, darauf nicht näher einzugehen.

…und sonst
Ich bilde mir ein, dieses Jahr bessere Folgen gesehen zu haben als letztes Jahr. Solides gab es regelmäßig aus Kiel, Stuttgart, Konstanz (“Im Sog des Bösen” ist nur knapp an den Tops vorbeigeschrammt) und mit Abstrichen aus Berlin. Enttäuschend hingegen waren die Beiträge aus Köln und – aus der Sicht eines Millionendörflers wirklich niederschmetternd – München (Ausnahmen “Mit ruhiger Hand” und “Gesang der toten Dinge”). Aus Münster gab es mit “Tempelräuber” in der zweiten Hälfte statt eines “Hilfe! Nicht schon wieder!” ein Aha-Erlebnis. Sie können auch ernst.

Auf ein gutes Tatort-Jahr 2010!

(Bilder: [1] (Robbrink/flickr), [2] (HR/Bettina Müller)

Das Erbe des Schnitzelkönigs

746. Tatort: Schweinegeld (RBB/Degeto; EA: 01.11.2009)

Ermittler: Hauptkommissar Till Ritter (Dominic Raacke), Hauptkommissar Felix Stark (Boris Aljinovic); Kommissar Lutz Weber (Ernst-Georg Schwill)
Figuren: Maximilian Merklinger (Lucas Gregorowicz), Joachim Kahle (Ole Puppe), Liljana Selkova (Ana Stefanovic), Christa Merklinger (Maren Kroymann), Frau Balthasar (Johanna Gastdorf), Kathi Dambrowski (Alexandra Finder), Ronny Maurer (Aaron Hildebrand), Sergej Litvin (Lenn Kudrjawizki), Viktor Selkov (Alexander Altomirianos)
Drehbuch: Christoph Silber, Thorsten Wettcke; Regie: Bodo Fürneisen

Stark muss ohne den niedergestreckten Ritter ermitteln

Wer kann ein Interesse am Verschwinden des Schnitzelkönig Hans Merklinger haben? Er hatte vor nicht all zu langer Zeit großen Ärger mit Gammelfleisch. Sein Sohn Maximilian ist offiziell der Chef des Betriebs, aber sein Vater mischt immer noch mit und hat vor allem das letzte Wort. Seine Frau (herrlich biestig: Maren Kroymann!) ist nicht erfreut, daß ihr Mann eine sehr junge Geliebte hat.

Subunternehmer und EU-Subventionen
Der Fleischfabrikant beschäftigt in seinem Schlachthof Billiglohnarbeiter aus Bulgarien, die der Subunternehmer Kahle zur Verfügung stellt. Merklingers haben viele EU-Subventionen bekommen, um dann vergammeltes Fleisch zwischen Belgien, Deutschland und Polen zu transportieren.
Das wissen die ukrainischen Investoren, die den Betrieb übernehmen wollen und den jungen Merklinger mit ihrem Wissen unter Druck setzen. Der Junior verkauft schließlich, aber die Kommissare Stark und Weber (Ritter wurde von einem der Bulgaren außer Gefecht gesetzt) kommen die Betrug auf die Schliche.

Tödliches Fleisch
Die Ermittler finden aber auch heraus, daß Kahles Freundin Liljana eine Tochter hatte, die an Merklingers Gammelfleisch gestorben ist. Darüber sehr wütend entführte der Subunternehmer den Schnitzelkönig, der an einem Herzinfarkt in seinem Kühlhaus starb.

Viele Stränge
„Schweinegeld“ ist ein komplexer Fall mit vielen Handlungssträngen und ebenso vielen Verdächtigen. Ein Motiv hatten alle, die unter Verdacht gerieten. Deshalb war es nicht einfach, dem Geschehen zu folgen. Es gab eine plausible Auflösung. Die zahlreichen Figuren waren trotz ihrer teilweise kurzen Auftritte sehr gut herausgearbeitet.
(7/10)

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus
Meinungen: Fielitz, MayavonderSpree, Taort-Forum

(Bild: rbb/Christiane Pausch)

Unterm Alex

730. Tatort: Oben und unten (RBB)

Ermittler: Hauptkommissar Till Ritter (Dominick Raacke), Hauptkommissar Felix Stark (Boris Aljinovic); Kommissar Weber (Ernst-Georg Schwill)
Drehbuch: Natja Brunckhorst, Regie: Nils Willbrandt

Die Berliner Kommissare beschäftigen sich mit der Frage, wie man am unauffälligsten eine Leiche in die U-Bahn bringt. Denn der pleitegegangene Bauunternehmer Bauman wurde nämlich erschlagen in einer U-Bahn aufgefunden. Sie begeben sich in die Angründe seines Familien- und Geschäftslebens und des Berliner Untergrunds. Dort finden sie neben dem eigenbrötlerischen Künstler Gregor Sasmussen (Harald Schrott) auch den Betreuer einer Jugendgruppe, Daniel (Marlon Kittel). Baumann hatte mit seiner Frau Alissa (Muriel Baumeister) vor dem Mord ziemlich Ärger, ebenso wie sein Kompagnon Alsfeld (Hansjürgen Hürrig). Die ominöse Obachlose (Tatort-Königin Anke Sevenich), die auf dem entschidenden Bahnhofsvidoe zu sehen ist, führt sie zur Lösung. Sie war die erste Frau des Bauunternehmers, der hilfsbereite Daniel deren Sohn. Er hat sich für das Verlassen seines Vaters gerächt.
Und Peter Fox besingt den Berliner Morgen…

Ein Tatort für U-Bahnfreunde. Der Einblick in den Untergrund war ganz interessant. Wenn man allerdings schon immer denselben Zug zeigt, sollte es kein auffälliges Reklamefahrzeug sein. Atmosphärisch eine schöne Folge mit leider einer etwas schwachen Geschichte.
6,5 Punkte.

Mehr dazu gibt’s im Fundus. Geguckt haben noch Sopranisse, chloevomsee, Stralau-Blog, Fielitz und die Foren-Diskutanten.

(Bild: ARD / RBB)

Rumba, Chips und letzte Zeugen

703. Tatort: Blinder Glaube (RBB; EA: 31.08.2008)

Ermittler: Hauptkommissar Till Ritter (Dominic Raacke), Hauptkommissar Felix Stark (Boris Aljinovic); Kommissar Lutz Weber (Ernst-Georg Schwill), Wiegand (Veit Stübner)
Besetzung: Dr. Mareike Andresen (Judith Engel), Dr. Tim Nicolai (Justus von Dohnányi), Manfred Andresen (Jörg Gudzuhn), Kerstin Vonk (Anne Kanis), Judith Wenger (Gesine Cukrowski), Prof. Lutz Manteuffel (Dietrich Mattausch)
Drehbuch: Andreas Pflüger; Regie: Jürgen Bretzinger

Die ersten 25 Minuten habe ich dank der S7-Baustelle verpasst…
Die Augenchirurgin Katja Manteuffel wurde umgelegt. Sie war Chefärztin, sollte es aber nicht werden, weil dafür eigentlich Dr. Mareike Andresen vorgesehen war, die s ieaber durch eine Indiskretion ihres Verlobten Dr. Tim Nicolai nicht bekommen hat. Der Informatiker Nikolai arbeitet für Phydra, einem einem Projekt, das Blinde wieder sehen lassen soll. Das untersteht der Cornea AG, die Manfred Andresen, der Vater der verhinderten Chefärztin, leitet.
Es geht um eine große Nummer. Die erblindete Kerstin Vonk soll mit Hilfe eines operierten Mikrochips, der von Cornea entwickelt wurde, wieder sehen. Um dieses Projekt finanzieren zu können, bedarf es Zuschüsse vom Forschungsministerium, das Judith Wenger vertritt.
Alles nicht ganz einfach, denn Nikolai hatte ein Verhältnis mit seiner alten WG-Liebe Tanja Manteuffel. Zu dieser WG gehörte auch Judith Wenger. Mit der Dame aus dem Forschungsministerium versucht Hauptkommissar Ritter anzubandeln und läasst sich dafür von seinem Kollegen Stark Nachhilfestunden im Rumba geben (und beheligt noch den Zuarbeiter Weber: “Gab’s im Osten auch Rumba?”, Weber: “Kubanische Gesellschaftstänze gehörten zur ideologischen Grundausbildung.”). Getanzt wird zu Doris Day.

Wer ist der Täter? »

Und keiner darf wissen, wer mit wem verflochten ist, sonst gibt’s keine Zuschüsse. Alle halten dicht, so daß eigentlich nichts an Tageslicht tritt, bevor die Kommisaare darin rumwühlen. Dummerweise kann die mit einem Chip versehene Kerstin Vonk entgegen aller Beteuerungen doch nicht sehen. Die Demonstration im Hörsaal ist ein Fake, was auch alle wissen. Nur Tanja Manteuffel wollte es der Polizei melden, was der Cornea AG nicht gepasst hat. Der eigentlich unselbständige Nikolai hat es seinem Chef gesteckt, der die Pleite vor Augen hatte, und die Frau seines Besten Freundes, Prof. Lutz Manteuffel ermordet hat.

Das war ein Tatort, der vor einem wirklich guten Ensemble getragen wurde. Die Geschichte war zwar ganz amüsant, aber eigentlich eher mittelprächtig. Dem Lonesome Cowboy Ritter wurde mit der attraktiven Judith Wenger von Andreas Pflüger eine nette Affäre auf den Leib geschrieben, die Komik hatte. Boris Aljinovic als Felix Stark kam diesmal nicht so zum Zuge. Jörg Gudzuhn als besessener Wissenschaftler hatte zwar nicht seine Paraderolle, überzeugte dennoch vollkommen. (Daß mit Gesine Cukrowski und Jörg Gudzuhn die verbliebenen letzten Zeugen als Verdächtige auftraten, hatte schon etwas.) Justus von Dohnanyi gab eine wirklich profillosen Informatiker, der an seine Vorstellungen glaubt, auch wenn es einige Fehlversuche gibt. Anne Kanis als Blinde konnte ihre Rolle nicht ausspielen. Schade, das wäre interessant gewesen. Der Tatort-erfahrene Jürgen Bretzinger hatte wohl wenig Probleme, diese Folge zu inszenieren.

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus, RBB
Meinungen: Tatort-Forum, bei Annabell und Fielitz. Sopran hat mitgebloggt.

(Bilder: rbb/Hardy Spitz)

Brunft in Berlin

647. Tatort: Liebe macht blind (RBB; EA: 19.11.2006)

Ermittler: Hauptkommissar Till Ritter (Dominick Raacke), Hauptkommissar Felix Stark (Boris Aljinovic); Kommissar Weber (Ernst-Georg Schwill), Wiegand (Veit Stübner)

Der Wirtschaftsanwalt Dr. Erik Mohr (Robert Schupp) wird nach einem “Schpeed Dating” (so der einzige mit Berliner Dialekt im Team, Kommissar Weber) erschlagen in seiner Wohnung aufgefunden. Erste Anhaltspunkte sind die drohende Kirsten Ziller (Elena Uhlig) auf dem Anrufbeantworter und das Portrait von Nina Emmerich (Aglaia Szyszkowitz). Kirsten wurde vom schnieken Anwalt für blöd verkauft, während Nina Sozia in seiner Kanzlei ist, die er mit Dr. Matthias Krone (Christian Maria Göbel) betreibt. Nina und der Tote waren ein Paar. Allerdings hatte Nina auch privaten Kontakt zum Kompagnon und zum Rechtsreferendar Arndt Baumeister (Steffen Schroeder). Ein Motiv hat auch Kirstens Bruder Paul (Timo Dierkes), der eine Autowerkstatt betreibt. Paul ist damit beschäftigt, seine privat wie beruflich strandende Schwester vor Unheil zu bewahren – sehr zum Leidwesen seiner Frau Marie (Heidrun Gärtner).

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Nikotin kann tödlich sein!

682. Tatort: Schleichendes Gift (RBB; 09.12.2007)

Ermittler: Till Ritter (Dominick Raacke), Felix Stark (Boris Aljinovic); Weber (Ernst-Georg Schwill), Wiegand (Veit Stübner)

So, diesmal wieder Politik für die Herren aus Berlin: Joseph Feinlein, Referatsleiter bei Ulla Schmidt wird tot im Ministerium aufgefunden – mit Abschiedsbrief. Seine Frau Rebekka (Corinna Kirchhoff), die an MS leidet, glaubt nicht an Selbstmord. Ihre Schwester Maria (Tina Engel) hält sich etwas bedeckter. Feinleins Referentin Julia Jansen (Anja Kling) kann den Tod auch nicht fassen. Es stellt sich heraus, daß Feinlein mit Nikotin in Flüssigkeit vergiftet wurde. Die Obuktion ergibt auch, daß er Krebs im Endstadium hatte.
Feinlein erwartete noch einen Fahrradkurier, der aber vor dem Ministerium angefahren wurde. Der Fall zieht ziemliche Kreise, hat Feinlein Gefälligkeitsgutachten für die Pharmazie erstellt. Die Fäden laufen beim Lobbyistenanwalt Dr. Böhler (Hansjürgen Hürrig) zusammen. Mit Informationen gespickt ist der Journalist Hendrik Koch (Jürgen Tarrach), der ebenso hinter dem Fahrradkurier her ist und den Kommissaren ständig entwischt. Raacke hält an sich die Kurierdisponentin Marielle (Jule Böwe), die ihm den Zgang zum verletzten Mischka ermöglicht.
Feinlein hat sich von den Lobbyisten losgesagt und ein Dossier über im Ministierium Korrumpierte angelegt. Er hat sich auch nur aus edlen Motiven kaufen lassen: eine teure Behandlung in den USA sollte seiner Frau Leid ersparen. Sein Nachfolger, Dr. Siegen (Ingo Hülsmann), der Gesetzesvorlagen durch das Austauschen von Wörtern manipuliert, macht sich ebenso verdächtig. Aber es war die biedere Jansen, die um die PLeite des Mannes zu amortisieren, sich ebenfalls kaufen ließ. Sie tauchte ursprünglich auf der Liste nicht auf, wurde aber von Feinlein wieder gestrichen.

Der Tatort hat gezeigt, daß die Gesundheitsreform keine gesunde Angelegenheit ist. Und wenn’s nicht schnell genug geht, muss man eben mit Gift oder Backschich nachhelfen. Der Dauerbrenner und Langweiler Gesundheitsreform wurde von Thomas Kirchner (Buch) und Uwe Janson (Regie) erfrischend umgesetzt. Hervorzuheben sind noch die Darstellungen von Jürgen Tarrach und Hansjürgen Hürrig, die hervorragend zwielichtig agierten.

Fakten sowie Meinungen, Meinungen, Meinungen.

(Bild: ARD /RBB)