765. Tatort: Schlafende Hunde (RB/Degeto; EA: 30.05.2010)
| Ermittler: Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), Kommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen), Assistent Karlsen (Winfried Hammelmann) Besetzung: Hans Rodenburg (Jürgen Prochnow), Anna Korzius (Laura Tonke), Kurt Schröder (Heinz Werner Kraehkamp), Dr. Katzmann [Pathologe] (Matthias Brenner), Mats (Kai Ivo Baulitz), Hannah Berger (Elisabeth Schwarz), Staatsanwältin Johannsen (Julika Jenkins), Ruth Thalheim (Marie Anne Fliegel), Nachbarin (Liane Düsterhöft), BKA-Mann (Thomas Ziesch) Drehbuch: Wilfried Huismann, Dagmar Gabler; Regie: Florian Baxmeyer |

Viele Fragezeichen und wieder mal einen Hund hinterlässt den Ermittlern aus Bremen der Mord an der Renterin Ruth Tahlheim. Durch ein mysteriöeses Gift, das erst nach der Obduktion nachgewiesen wird, ist sie umgekommen. Ruth Tahlheim hat vor der Wende für Firma Intertec, die Hans Rodenbruch aus dem Westen mit Material und Knowhow beliefert hat, gearbeitet und saß acht Jahre in Bautzen.
Nach einem behäbigen Anlauf versucht dieser Tatort eine Mischung aus Wirtschafts- und Politkrimi zu werden. Die Kommissarin sieht sich mit einer Vergangenheit konfrontiert, die nicht ihre ist, was ihr Assistent zunächst nicht wahrhaben will. Sie fahren nach Berlin um herauszufinden, daß die Stasi und ihre nach der Wende immer noch aktiven Arme ihre Finger im Spiel haben- “eine Stasibude”, wie Stedefreund recht bald konstatiert. Beide erfahren, daß es durchaus einen Zusammenhang zwischen fair gehandeltem Kaffee und illegalen Waffenexporten nach Venezuela gibt. Sie lernen: “Wer mit dem Teufel essen will, braucht einen langen Löffel.”
Dem ehemaligen Stasi-Mitarbeiter und jetzigen Sicherheitsschef von Rodenburg, Kurt Schröder, wurde die Rentnerin zu gefährlich. Denn sie hat herausgefunden, daß ihre zur Adpotion freigegebene Tochter die Geleibte von Rodenburg war.
Die Autoren haben einen Plot entworfen, der nicht mit Spannung geizt. Er zeigt, daß auch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer die Stasi nur auf dem Papier tot ist. Allerdings wird er mit Liebesgeschichten und scheinbaren Verwicklungen überfrachtet. Daß das Ende ein wenig offen bleibt, ist nicht die Schwäche dieses Falls.
Jürgen Prochnow als Rodenburg überzeugt überhaupt nicht, sondern spielt ziemlich lieblos eine Figur, die einige Widersprüche in sich birgt. Er deutet sie aber höchstens an. Dagegen ist Heinz Werner Kraehkamp als Sicherheitschef eine tragfähige Figur mit ordentlich Zynismus und übersteigertem Selbstvertrauen. Laura Tonke hatte schon stärkere Auftritte – ihre Anna Korzius kratzt zu sehr an der Oberfläche. Gelegentlicher Tiefgang wird zu schnell im Keim erstickt.
Überzeugen kann dieser Tatort mit seinen Bildern – klar und schonungslos. Das hätte auch der Geschichte gut getan. “Schlafende Hnde” kommt aus der Enge der Bude nicht heraus, was angeswichts der Fülle an Stoff wirklich zu bedauern ist. Daß der gefundene Hund sterben muss, passt insofern ganz gut ins Bild.
(6/10)
Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus, Radio Bremen
Meinungen: Fielitz, Tittelbach.tv, Tatort-Forum

Es gehört leider zum schlechten Ton, dass Ermittler in einen Fall persönlich involviert sind. Dieses Mal ist es Lürsens Assistent, der das tote Opfer kannte. Mit Sonja Messenburg war Stedefreund einst zusammen, als er mit ihrem Bruder Bernd Petermann in Bremerhaven die Polizeischule absolvierte. Zusammen mit Edith Siemers bildeten sie eine Clique. Vom Fall wird Stedefreund nicht abgezogen, weil es von Vorteil ist, dass er sich in Bremerhaven auskennt. Außerdem soll er seine ehemaligen Kumpel Petermann daran hindern, auf eigene Faust zu ermitteln.
Der Fall Dana (
Die Bewertung Ein sehr mühsamer Tatort mit guten Darstellern, die aber nicht zeigen konnten, was sie wirklich können (v.a. Fritzi Haberlandt, die sehr stereotyp spielte). Zur Hälfte war die Luft raus. Hätte man die Figuren besser ausgearbeitet, hätt es kurzweilig werden können.

Ich habe vor der Austrahlung das Schlimmste befürchtet. Es gab in Bremen schon einige emotionale Schlachten, der Mord in türkischen Familien wurde bisher nicht sonderlich glücklich in Szene gesetzt und bei 
Es ist wieder eine emotionale Schlacht, in der Inga Lürsen mittendrin agiert. Vielleicht erklärt das den verschnupften und dreitagebärtigen Assi Stedefreund. Ein enervierendes Dienst-Jubiläum.
Ein Enthüllungsjournalist an einem kalten Januar-Morgen wird tot aufgefunden. Er steht in Verdacht, heute angesehene Leute wie den Buchhändler Armin Wulf (
Ein Heckenschütze, der von der Presse Todesengel genannt wird, versetzt Bremen in Angst und Schrecken. Der letzte Anschlag erfordert zwei Tote. Auffallend, daß die demoliierten Autos alle älter als 10 Jahre sind…
Fremdneurosen