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Die Kann-aber-darf-nicht-Niederlage

BL 10/11 #02: 1. FC Kaiserslautern – FCB 2:0

Jetzt schreibe ich doch über dieses Spiel, von dem ich nichts gesehen habe.
Ich habe die 2. Halbzeit im Radio und auf Twitter verfolgt – der Schichtdienst hat auch seine Vorteile, die sich auf diese subtile Art und Weise äußern. Der Ärger bleibt der gleiche. Denn es gibt kaum eine Niederlage, die ungesehen so wurmt, wie die gegen Kaiserslautern, den der geschätzte Zechbauer als “Lieblingsfeind” bezeichnet. Zu recht.
Die Rivalität mag nach vier Zweitligajahren zwischen zwei zwei WM-Turnieren abgenommen haben, aber so ein Spiel hat die Qualität eines Derbys gegen den Giesinger Nachbarverein. Daß mit dem Trainer Marco Kurz ein ehemaliger Giesinger auf der gegenerischen Bank hockt, ist anscheinend ein übersehenes Detail. Der versteht es auch noch seine Mannschaften gegen uns hervorragend einzustellen, wie man beim letzten Pflichtspiel sehen konnte. Man kann gegen diese Mannschaft verlieren, aber man darf es nicht. So einfach und wohl auch so schwer ist das. Dann lieber ein Hackentrick zum 1:5 von Grafite gegen den Werksclub aus der selbsternannten Autostadt.

Kurze Vorbereitung?
Geschenkt. In der Pfalz hat man angeblich 15 neue Spieler verpflichtet, um einen Sieg gegen Bayern feiern die Liga halten zu können. Wir mussten nur Toni Kroos integrieren, der aber auch nur eingewechselt wurde. Die Taktik “Wir haben ein Feindbild” kann auch eine neu zusammen gestellte Mannschaft zum Erfolg führen…

Aber vielleicht war diese Niederlage auch nur Taktik. Wir rufen nicht alles ab, lassen die Pfälzer gewinnen, in dem Glauben, daß sie ein halbes Jahr feiern und weinselig (die diesjährigen Trikots sind ja weinrot…) einn paar Monate später wieder absteigen. Dann hätten die Mannschaft um Mark van Bommel alles richtig gemacht. Aber mir fehlt der Glaube daran…
Deshalb überwiegt derzeit der Ärger über diese Niederlage vor der zweiwöchigen Länderspielpause. Es ist nicht unsere Aufgabe, den Weinkonsum in der Pfalz anzukurbeln. Frustsaufen ist mir bei so einem Spiel der sympathischere Konjunkturfaktor.

Liebe und Haas

Martin Demichelis hat unmittelbar vor dem ersten richtigen Saisonspiel für einigen Wirbel gesorgt. Der Sitzplatz auf der Tribüne erschien ihm angemessener als der auf der Bank. Das kann man sich erlauben, wenn man verletzt, rekonvaleszent, eine überragendere WM als Thomas Müller gespielt hat oder Liebling des Trainer ist. Nichts von alle dem kann Micho auf sich vereinen. Mehmet Scholl fiel zu ihm nicht viel ein, außer der neuen Frisur: “Ein schönes Gesicht braucht Platz.” Auf der Triibüne wurde es zumindest nicht standesgemäß gewürdigt. Scholl, nach seiner freiwilligen Demission als ehemaliger Trainer der II. Manschaft inzwischen ex officio und sonst um klare Worte nicht verlegen, schwieg zu dem Thema. Mark van Bommel bemerkte nach dem Spiel vielsagend, mit ihm wieder einmal intensiv reden zu wollen; er wirkte genervt. Louis van Gaal sprach von “ein bisschen Gewöhnung” an die neue Situation. Der gelassene Eindruck des Trainers sollte aber auch für Demichelis ein Warnsignal gewesen sein.
Was am Freitag als erneuter Sturm im argentinischen Wasserglas interpretiert wurde und am Wochenende im Reagenzglas der Medien entsprechend aufgearbeitet wurde, hat Bastian Schweinsteiger im gestrigen “Blickpunkt Sport” eindeutig konkretisiert:

Wenn einer unbedingt weggehen möchte, sollte man gehen ihn lassen.

Rückhalt in der Mannschaft, die sich letzte Saison nicht durch Zwist und Zerstrittenheit hervorgetan hat, sondern nach einer schwierigen Phase zueinander gefunden hat, sieht anders aus. Schweinsteiger, ganz Kapitän, hat sehr eindeutig Position bezogen, die er in der Sendung auf die Frage nach Maximilian Haas mit dem Vertrauen in Gerlands Nachwuchs bekräftigte.
Schweinsteiger mag damit seinem langjährigen Mannschaftskameraden in den Rücken gefallen sein. Der Mannschaft hat er indes einen Gefallen getan. In seinen sieben Jahren hat Demichelis nur ein Jahr konstant herausragende Leistungen gezeigt. Und diese Spielzeit liegt auch schon zwei Jahre zurück. Stefan Rommel von Spox hat sicher recht wenn er festestellt, daß Demichelis “im Ausland einen sehr guten Ruf” “und es gute Innenverteidiger nicht im Überangebot” gebe. Der Nachweis Demichelis’ war indes dürftig und hält folglich dieser Argumentation nicht stand.
Wahrscheinlich wird Demichelis bei Atletico Madrid oder wo auch immer der herausragende Innenverteidiger, nach dem sich die Bundesliga die Finger schleckt. Beim FC Bayern bliebe man bei siner fortwährenden seiner Anwesenheit sehr durstig..
So ist ein unter Umständen dilettierender Spieler der II. Mannschaft im ersten Profijahr leichter zu vermitteln als ein hoch dekorierter Spieler, dem man zwar ein unheimliches, aber eigentlich nie abgerufenes Potential nachsagt.

Demichelis’ neuerliches Kaprizieren ist das letzte Argument, ihn zu verkaufen.

Ein bisschen

BL 10/11 #01: FCB – VfL Wolfsburg 2:1 (1:0)

Herrjeh! Da passiert eine fast drei Monate umfassende Vorbereitung – nichts. Keine Buddhas, kein neuer Trainer, kein neuer Spieler – nichts. Rechtzeitig geweckt gehe ich nach einem Streifzug über die im Aufbau befindliche Wiesn den 1. Spieltag sehr entspannt an. Ich schalte PC und Fernseher an, als ich lesen muss, daß sich Marin Demichelesi über seine NIcht-Nominierung über seine Startelf derart gedmütigt fühlt, daß er den warmen Tribünenplatz der Bank vorzieht. Als er das letzte Mal aufbegehrte, wollte er nicht im defensiven Mittelfeld spielen, sondern lieber in der Innenverteidigung. Woher seine Verweigerung rührt, darüber kann ich nur rätseln. Eine überragende WM hat er nicht gespielt. Gewohnt unaufgregt betrachtete Louis van Gaal in der ARD diese Angelegenheit unmittelbar vor dem Spiel:

Damit muss er noch ein bisschen umgehen.

So saß Micho ein bisschen auf der Tribüne und verpasste ein bisschen den Saisonauftakt.

Kommen wir somit ein bisschen zum Spiel, daß Steffen Simon noch ein bisschen mehr scheppernd kommentierte als sonst. Ein bisschen Tonprobleme sollen schuld gewesen sein. Ein bisschen peinlich sind solche Ausfälle schon, aber man ist ein bisschen dankbar, daß es im Stadion keinen Stromausfall gab.
Von ein bisschen Erschöpfung war zu Beginn beim FC Bayern nichts zu sehen. Die Spieler ließen dem VfL Wolfsburg in der 1. Halbzeit nicht ein bisschen Raum. Thomas Müller benötigte nur ein bisschen WM-Form, als er eine wunderbare Vorlage von Toni Kroos mit einem fulminanten Linksschuss zum 1:0 verwandelte. Danach zauberte Franck Ribéry ein bisschen brotlos in der gegnerischen Hälfte, was aber nicht weiter störte, weil die Autokicker nicht in der Lage waren, den Gang ein bisschen hochzufahren. So sahen zu, wie Ribérys Hintermann Contento ein bisschen an dem gemeinsamen Spiel feilte und für einige einige Offensivaktionen sorgte. Der frischgekürte Kaptän der Wolfsburger Edin Džeko war in der 1. Halbzeit vollkomen abgemeldet, weil der als Spielgestalter auserkorene Cicero es nicht verstand, seinen Stürmer in Szene zu setzen. Cicero mag ja ein brillanter Rhetoriker gewesen sein, aber nicht mal verbale Vorlagen hat er seinem Kapitän ermöglicht.
In der Halbzeitpause hat der FC Bayern wohl ein bisschen zu viel geschlafen, denn sonnst hätte die Mannschaft mitbekommen, daß Zvjezdan Misimović eingewechselt wurde, der nicht nur ein bisschen Wirbel veranstaltete. Es war nicht nur ein bisschen Logik, daß die Passivität mit dem Ausgleich von Džeko nach Misimović-Vorlage bestraft wurde. Danach geriet der FCB gehörig ins Schwimmen. Wolfsburg drehte auf – wir hätten uns über einen bisschen Rückstand nicht beschweren können. Gegen Ende des Spiels nahm die Mannschaft das Heft wieder in die Hand und hatte auch ein bisschen Glück, als Schweinsteiger einen langen Ball von Ribéry versenkte.

Nach zwei Jahren gab’s wieder einen Auftaktsieg, der aufzeigte, daß die Mannschaft wohl noch ein bisschen Zeit benötigt, um wieder an die Form der Vorsaison anzuknüpfen. Jetzt reden sie erst mal ein bisschen mit Martin Demichelis.

Aufstellung: Butt – Lahm, van Buyten, Badstuber, Contento – van Bommel, Schweinsteiger, Kroos (73. Pranjic), Ribery – Müller – Klose (73. Gómez)

Bundesliga-Saisonvorschau

Ich glaskugel mal mit dem Halbwissen aus dem kicker-Sonderheft die neue Saison. Seriöser geht’s bei Dogfood und im Rasenschach Magazin zur Sache.

18. Hanover 96 Daß Präsident Martin KInd Hörgeräte an seine Spieler verteilt, damit sie die Anweisungen von Bojan Prasnikar, dem 3. Trainer in der Saison, besser verstehen, bringt nichts. Am 30. Spieltag steht der Abstieg fest.
17. SC Freiburg Der Abstieg wird nicht mal an der Dreisam wahrgenommen.
16. FC St. Pauli Gerald Asamoah macht sich vor allem als Maskottchen bezahlt.
15. 1. FC Nürnberg Ein läppisches Tor von Mehmet Ekici reicht aus, um dem Relegationstriple zu entkommen.
14. 1. FC Kaiserslautern Die beste Abwehr im unteren Drittel ermöglicht den Klassenerhalt.
13. FSV Mainz 05 Thomas Tuchel lernt den Tabellenkeller kennen, findet dort aber edle Tröpfchen, die für die nötigen Punkte sorgen.
12. Eintracht Frankfurt Die Griechen trinken zu viel Ouzo und treffen deshalb das Tor nicht. Skibbe fordert erneut Investitionen und wird mit einer Flasche Ouzo am 25. Spieltag verabschiedet.
11. 1899 Hoffenheim Wie gehabt: Rangnick jammert, die Mannschaft streitet. Hopp beruft seinen Aufsichtsrat wöchentlich ein.
10. 1. FC Köln Podolski trifft öfter als letzte Saison. Das reicht.
9. Borussia Mönchengladbach Marco Reus muss auch seine 3. Einladung zur Nationalmannschaft ausschlagen, spielt aber groß auf.
8. VfL Wolfsburg Trotz des Regens wird Steve McClaren in der Autostadt nicht glücklich und wird mit einem Beetle-Cabrio zurück auf die Insel geschickt. Dieter Hoeneß tritt zurück, weil er im Umkreis von 30 KIlometern keine neue Schreibmaschine bekommt.
7. Hamburger SV Als Veh am 22. Spieltag beschließt, ohne Stürmer anzutreten, steht der HSV auf Platz 10. Fortan ohne Trainer, aber mit zwei Stürmern wird die Europa-League nur knapp verfehlt.
6. Borussia Dortmund Die Derby-Siege kosten zu viel Substanz.
5. VfB Stuttgart Stuttgart21 überlagert alles, so daß der VfB erst dann wahrgenommen wird, als er sich an den Montagsdemonstrationen gegen den tieferzulegenden Hauptbahnhof beteiligt.
4. Schalke 04 Magath setzt 37 Spieler ein, darunter 4 Spielmacher. Er bestimmt Konditionstrainer Werner Leuthard zum neuen Fanbeauftragten, weil er fitte Fans haben will. Für die Champions League reicht das allerdings nicht.
3. Werder Bremen Sie stürmen ihre schlechte Verteidigung weg und haben ohne Özil ein Problem weniger.
2. Bayer Leverkusen Jupp Heynckes vergisst seinen Freund Ulrich vom Tegernsee nicht. Außerdem fehlt Ballack das Bayer-Vize-Triple in der Bundesliga.
1. Bayern München Rummenigge schimpft zwar über die Weihnachtsfeier, die erstmals auf dem Rathausbalkon stattfindet, aber als Louis van Gaal “Stille Nacht, heilige Nacht” anstimmt, kurbelt er den in diesem milden Advent mauen Glühweinverkauf auf dem Christkindlmarkt ordentlich an und stimmt Killer-Kalle milde.

6 Fragen, 42 Antworten – Saisonvorschau

Der erste Titel ist unter Dach und Fach, morgen steht für den FC Bayern die erste DFB-Pokal-Hauptrunde an – die Saison geht also endlich los. Ich erspare mir diesmal eine selbstgeschriebene Vorschau, sondern habe stattdessen profunde Kenner des Vereins befragt. @Kaisergrantler, @Helmi, @7stringwizard, @Probek, @Zechbauer, @Chapi und @Breisacher (nach eigenen Angaben ein Printdino) haben meinen Ruf auf Twitter erhört und sich meinen Fragen gestellt.
Herzlichen Dank an die Herren!

Wird der FCB bis Ende August/Ende Januar auf Einkaufstour gehen?
Kaisergrantler: Ich denke, dass im Sommer nichts mehr passieren wird. Wie zugesagt, geht man mit Contento in die Saison. Sollte er aber nicht konstant genug sein, kann ich mir vorstellen, dass im Winter auf der Position noch mal nachgelegt wird. Ansonsten passt alles.
Helmi: “Einkaufstour” wird es wohl keine werden, ich denke aber schon, dass punktuell noch was passieren muß. Gerade im Defensivbereich ist das wohl auch nicht vermeidbar. Da muß sich was tun.
7stringwizard: Das will ich schwer hoffen. Am besten noch bis Ende August. Ich habe wahrlich viel Vertrauen darin, wie LvG junge Spieler aufbaut aber praktisch alternativlos mit Contento hinten links zu planen ist mir dann doch zu heikel. Zumal Badstuber innen besser aufgehoben ist. Und auch unsere Innenverteidiger Demichelis und van Buyten sind immer für eine Katastrophensaison gut. Muss man es darauf ankommen lassen?
Also: Ich wünsche mir eine solide Verstärkung der Abwehrkette. Gerne bald. Denn Ende Januar heißt wohl, dass die Hinrunde eher unglücklich gelaufen ist und das wollen wir doch nicht hoffen. ;-)
Probek: Ende August: Nein, soweit mit “Einkaufstour” mehr als ein Spieler gemeint ist. Und auch nur einen Spieler mehr im Kader gibt’s nur, wenn eine echte Verstärkung auf dem Markt sein sollte. Sage ich mal, mehr hoffend als wirklich wissend. Hast du Nerlinger auch gefragt?
Ende Januar: Was in der Winterpause passiert, ist doch recht abhängig vom Saisonverlauf. Wenn ich was prophezeien muss: auch eher keine Tour, da der Saisonstart bei weitem nicht so dramatisch wie in van Gaals erster Saison ausfallen sollte. Zwei Abgänge, ein Zugang.
Zechbauer: Nein, das denke ich nicht. Es sei denn in der Abwehr verletzt sich noch einer der Stammspieler schwer und fällt länger aus.
Chapi: Ich denke nicht. Louis van Gaal bleibt seiner Linie treu und setzt auf die eingespielte Truppe.
Breisacher: Wäre dringend nötig. Vor allem hinten fehlen: ein Linksverteidiger, ein Manndecker. Und anders als van Gaal finde ich auch nicht, dass zu viele Stürmer im Kader sind. Gomez sollte verkauft werden. Und ob sich Müller als Mittelstürmer durchsetzt, ist genauso fraglich wie ob Klose jemals aus der Krise kommt. Vor allem wäre es aber wichtig, nochmal ein Alphatier zu holen, um die Hierarchie im Team durcheinander zu wirbeln. Von dieser Art Auseinandersetzungen lebt eine Mannschaft.

Wird sich Toni Kroos durchsetzen?
Kaisergrantler: Auf welcher Position? Das ist die Frage. Er wird seine Chance durch den Ausfall von Robben bekommen. Danach wird man weitersehen. Einen Müller kann er zur Zeit nicht verdrängen. Die Saison ist aber lang und Robben wird wahrscheinlich nicht nur einmal ausfallen.
Helmi: Schwer zu sagen. Ich denke er wird die Chancen nutzen die er bekommt, ob er sie in ausreichendem Maße bekommt… fraglich. Ich könnte mir die kolportierte 4er-Spitze mit Kroos hängend, Müller vorne drin und RibRob auf den Flügeln gut vorstellen, aber ob das in der Praxis klappt müsste sich wohl auch erst zeigen. Andernfalls wirds schwer werden.
Ein zweiter möglicher Fall wäre evtl. noch dass man ihn auf der 6 neben Schweini aufbaut. IMHO hat er dafür auch sehr gute Ansätze, aber ob er das will und seine Anlagen dafür wirklich ausreichen kann wohl nur er selbst bzw. der Trainerstab entscheiden. Fakt ist, dass man sich nen Bommel-Ersatz ranziehen muß und Kroos wäre dafür IMHO zumindest ein Kandidat (eine Art Khedira für die Bayern um die Parallele zur N11 zu ziehen).
7stringwizard: Kommt darauf an, was man unter “durchsetzen” versteht. Für mich ist er erste Alternative bei Einwechslungen und sobald Müller verletzt/gesperrt/in einer Formkrise ist, wird er seine Chance von Anfang an kriegen.
Auf Dauer sehe ich ihn aber neben Bastian Schweinsteiger auf der 6. Wollen wir wetten?
Probek: Ja.
Zechbauer: Schwer zu sagen. Das Talent ist vorhanden, aber seine Konkurrenz gewaltig. In dieser Saison wird er nicht die große Rolle spielen, prognostiziere ich jetzt mal.
Chapi: Ich denke dass er es am Anfang schwer haben wird. Die einzige
Position, auf der er für mich die größte Chance hat zu spielen, ist die von van Bommel – als Doppel-6 oder in der Raute. Er wird dieses Jahr heran geführt an die Mannschaft und die Spielphilosophie, darf regelmäßig spielen (bei 3 Wettbewerben machbar) und wird dann nächste Saison Stammspieler.
Breisacher: Wenn nicht jetzt, wann dann? Kroos ist eines der größten Talente des deutschen Fußballs und hat auch genügend Biss, sich in einer großen Mannschaft durchzusetzen. Man muss ihm halt nur Vertrauen schenken (so wie Heynckes dies – anders als Klinsmann – getan hat).

Welcher Spieler der II. Mannschaft wird sein Profi-Debüt feiern?
Kaisergrantler: Ich denke da an Thomas Kraft. Er hat ausgezeichnet gegen Schalke gehalten. Der Vertrag von Butt läuft aus. Vielleicht ist man nach dieser Saison nicht mehr auf Neuer angewiesen. Würde mich freuen. Neuer ist zu sehr Schalker.
Helmi: Ich kenne den Kader zu wenig, denke aber dass Thomas Kraft ganz gute Chancen hätte – Profipflichtspiel hat der ja noch keins bestritten oder?
7stringwizard: Deniz Yilmaz. Wobei ich die Amateure kaum im Bewegtbild oder gar live sehe und mich daher mit einer wirklich soliden Einschätzung schwer tue.
Probek: Haas steht zumindest schon im Profi-Kader … ansonsten Boy Deul. Feiern
wird aber nur Alaba. Der hat sein Debüt zwar schon hinter sich, wurde aber zu schnell verheizt. Dabei ist der einfach nur klasse und sollte mehr als sporadische Einsätze bekommen. Und um spitzfindig auf deine Frage zu antworten: natürlich Mehmet Ekici!
Zechbauer: Knasmüllner – die anderen hatten ja schon ihr Debüt.
Chapi: Thomas Kraft fällt hier ja raus oder? Dann würde ich sagen Deniz Mujic. Aber eigentlich ist das egal, wer es ist. Hauptsache die grundsätzliche Bereitschaft ist da, dem Nachwuchs eine Chance zu geben.
Breisacher: Keiner? Hat das nicht selbst Gerland gesagt? Was er und van Gaal letztes Jahr mit dem Einbau der Talente geschafft haben, wird sich nicht beliebig wiederholen lassen. Wichtiger wäre, dass sich junge Spieler wie Müller, Badstuber, Contento, Alaba auch im zweiten Jahr durchsetzen und nicht ins Loch fallen.

Wann wird Karl-Heinz Rummenigge das erste Mal Louis van Gaal öffentlich kritisieren?
Kaisergrantler Gar nicht. Kalle ist van Gaal körperlich und geistig unterlegen. Der wird schön die Klappe halten.
Helmi Im Spätherbst -> Oktober/November.
7stringwizard Nach dem 4. Vorrundenspiel in der Champions League.
Probek: Im November 2011. Aber, sag mal: hat er das erste Mal nicht schon hinter
sich gebracht?
Zechbauer: Wenn es länger nicht gut läuft. Also nicht in der kommenden Saison.
Chapi: Gar nicht. In dieser Saison stehen alle geschlossen hinter Louis. Eher läuft die Kritik dieses Jahr andersrum ;)
Breisacher: Weil Fußball keine Mathematik ist? Und der FC Bayern keine Nationalmannschaft (die, welcher Nation auch immer, van Gaal ja so gerne im Anschluss trainieren würde. Wenn van Gaal so weitermacht wie im letzten halben Jahr, sollte Rummenigge schnell mit einer Vertragsverlängerung ankommen. Wenn nicht, wird van Gaal schon selbst für Provokation sorgen.

Wer nimmt Jose Ernesto Sosa?
Kaisergrantler Ich finde man sollte ihn, so wie damals Mihajlovic, teuer an Schalke verkaufen. Die scheinen ja wieder Geld zu haben. Außerdem brauchen die noch gute Leute. Hat man Samstag gesehen.
Helmi Der bleibt. Ob’s daran liegt weil man ihn nicht los wird oder einfach weil man niemanden einkaufen will, werden wir am Ende wohl nur erraten können, aber ich tipp jetzt einfach mal drauf, dass er bleibt.
7stringwizard Wahrscheinlich nur ein Verein in seiner Heimat.
Probek: Wie nehmen? Wofür? Als Fußballspieler? Na, irgendein anderer Verein wird sich schon finden. Bitte. Helfen Stoßgebete?
Zechbauer: Ein Klub mit viel Geduld. Demnach kein Spitzenklub.
Chapi: Wenn sich für ihn überhaupt ein Abnehmer findet, dann wird es wohl eine italienische Mannschaft sein.
Breisacher: Jose Ernesto wer? Ach, der ist immer noch da? Vielleicht Bayern 2? Oder 1860? Oder Nürnberg (die nehmen doch jeden). Oder Paul Breitner entdeckt ihn für Brunnthal. Oder: ist doch auch egal.

Am wievielten Spieltag bringt die Mannschaft Meisterschaft Nummer 22 unter Dach und Fach?
Kaisergrantler: Spätestens am 31. Spieltag sollte der Sack zugemacht werden. Dann ist auch genug Zeit, um sich auf das Champions League-Finale zu konzentrieren.
Helmi: Du hast vergessen nach der Saison zu fragen :-D – aber natürlich in dieser Saison am 32. Spieltag.
…und Schalke verpasst um einen Punkt die CL-Quali, Magath wechselt zu ManUtd und Peter Neuruhrer führt 2011/12 die Schalker zum Titel
okok ich hör schon auf ;-)
7stringwizard: Nicht vor dem 33. Spieltag.
Probek: Da sie in der Champions League diesmal leider früher rausfliegen, können sie sich voll auf das Double konzentrieren und holen die Meisterschaft vorzeitig: am 32. Spieltag.
Zechbauer: 4 Spieltage vor Schluss. Ich protze vor Optimismus.
Chapi: Es wird wieder relativ knapp werden, aber ich tippe auf den 32. Spieltag.
Breisacher: Heuer wird’s eher schwer. Weil niemand weiß, was aus Ribery wird und wann Robben wirklich wiederkommt. Weil die WM an Müller & Co. zehrt, die Verteidigung und auch der Sturm schwächeln. Und weil kein Hochkaräter geholt wurde. Weil Schalke und Leverkusen sich gezielt verstärkt haben. Also: Wenn’s der 34. Spieltag wird, soll’s mir auch recht sein.

Kalter Entzug im Sommer

Ein Sommer gleicht dem anderen. Es spielt keine Rolle, ob er nun besonders verregnet oder extrem heiß ist. Es ist immer der gleiche Sommer. Im Herbst, im Winter und im Frühjahr stehe ich samstags nach dem Frühdienst vor der Frage, wie ich denn nun den Nachmittag gestalte. Gehe ich in eine Kneipe, oder schalte ich den Hörfunk ein? Im Sommer muss ich mir etwas anderes überlegen. Alle zwei Jahre wird der Sommer durch ein Turnier unterbrochen.
Sehr fatal, weil mit erhöhter Schlagzahl viel gesendet wird, um dann, nach Beendigung der Festspiele, ums so tiefer ins Loch zu fallen. Ich spreche natürlich nicht von Festspielen auf den hochkulturellen Bühnen wie Salzburg oder Bayreuth, sondern von Fußball-Weltmeisterschaften oder -Europameisterschaften.

Darauf folgt der kalte Entzug.
Der bevorzugte Verein meint es in der einen oder anderen Sommerpause ganz gut mit mir. Gespielt wird nicht, aber der neu verpflichtete Trainer sorgt für amüsante Schlagzeilen. Buddha muss keine Tore schießen. Oder Uli Hoeneß beschert seine Fans mit spektakulären Geschenken, die man sich nicht mal zu Weihnachten erträumen ließe. Heuer gibt es weder das Eine noch das Andere.
Aber das ist alles nur Geplänkel. Es fehlt das Adrenalin des Spieltags. Es geht nichts über Schiedsrichterentscheidungen, Trainerrauswürfe, maulende Ersatzspieler, Kreuzbandrisse.

Ich bin nicht der Einzige, der unter diesem kalten Entzug leidet. Als bloggender Gemischtwarenladen kann ich die innere Leere mit anderen Themen kaschieren, aber das kann über meine Rammdsöigkeit während dieser langen Monate nicht hinweg täuschen. Andere können die Leere wortgewandt überschreiben, testen Burger, erfreuen sich an Testspielen und Neueinkäufen oder sie fahren in den Urlaub und lassen schreiben. Wohl dem, der das Geschehen immer global betrachten kann und dabei immer Stoff findet. Sehr raffiniert!

Vor lauter Verzweiflung schalte ich am Samstag nachmittag die Regionalsportsendung ein, um mich über die 3. Liga zu informieren. Aber dieses Methadon-Programm ist ziemlich lasch. Jahn Regensburg gegen SpVgg Unterhaching ist eben nicht Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen. Gut gemeinte Versuche der 2. Mannschaft des Leib-und-Magen-Vereins, Spieltag und Liga mit Kuriositäten anzureichern, bringen auch nichts.

Nein, auch Qualifikationsspiele zur Europa League oder ein Supercup sind uninteressant. KIndergeburtstag – mehr nicht. Sie sind nur Vorzeichen einer neuen Spielzeit, auf die man noch lange warten muss.

Es dauert noch lange zwei Wochen, bis die neue Bundesliga-Saison angepfiffen wird. Zeit wird’s. Denn ich kaue bereits an meinen Fingernägeln.

Gladiolen und Unkraut – der Saisonrückblick

Eine bewegte wie eindrucksvolle Spielzeit liegt hinter uns. Eine Saison, von der man im Herbst nicht ahnen konnte, daß sie – fußballerisch! – einen drei Monate anhaltenden Mai beinhalten würde. Louis van Gaal hat aus einem Acker eine blühende Landschaft gemacht, die nicht nur mit zwei Titeln belohnt wurde, sondern auch mit vielen Lorbeeren bedacht wurde.

Tor
Michael Rensing (1) Als Nummer 1 gestartet, mit der Hoffnung, daß das immer noch unwürdige Absägen durch Klinsmann vor dem 0:4 in Barcelona blinder Aktionismus war. Er leistete sich nicht wirklich zumindest einen Klops, strahlte aber nicht die Sicherheit aus und wurde am 4. Spieltag durch Hans Jörg Butt ersetzt. Inzwischen ist er nicht mal mehr bei Red Bull Salzburg im Gespräch. Die haben Gerhard Tremmel, einen gebürtigen Münchner, der zuletzt das Tor vom Zweitligisten Cottbus gehütet hat, verpflichtet. Er kann noch auf einen Job bei Hertha BSC hoffen.
Hans Jörg Butt (22) Er ist auch eine Kampfansage an die Kahn-Ära. Verbissenheit und Stärke auf der Linie sind nur zwei Kriterien. Aber er ist trotz seiner 36 Jahre ein mitspielender Torwart, der nach seinen Angaben auch im hohen Alter vom Trainer der Niederländer profitiert hat. Er stellte seinen Wert nicht nur im vergangenen Finale in Madrid unter Beweis. Dennoch weiß ich nicht, was ich von seiner WM-Nominierung halten soll.

Abwehr
Philipp Lahm (21) Nach anfänglichen Schwierigkeiten etablierte er sich auf der rechten Außenbahn. Er ergriff, als es wieder mal ernst wurde, beherzt das Wort. Fortan lief es. Er hat im Herbst wohl den richtigen Gladiolen-Dünger geschluckt.
Christian Lell (30) Saß nicht mal auf der Bank auf rechten Seite, dennoch durfte er ein Spiel bestreiten: gegen SpVgg Greuther Fürth, wo er in der 2. Halbzeit Contento weichen musste. War im Winter nicht erreichbar. Die vergeblich anrufenden Vereine dürfen sich im Nachhinein glücklich schätzen.
Andreas Görlitz (13) Er saß zumindest am richtigen Mischpult. He’s gone to Bernabéu, wenn auch nur als Tribünengast. Angeblich sucht der FSV Mainz 05 einen neuen Einheizer – sei es auf rechts oder als Stadion-Support.
Daniel van Buyten (5) Der Catcher-Sohn schwang sich zu Saiosnbeginn in Abwesenheit des verletzten Demichelis zum Abwehrchef auf. Er spielte eine solide Spielzeit, offenbarte aber immer wieder Schwächen – zuletzt im Finale gegen Mailand.
Martin Demichelis (6) Machen wir uns nichts vor: Der Mann kann es – wenn er wil. Er wollte es zu selten. Er spielte eigentlich nur zweimal gut. Daheim gegen Lyon – und im Rückspiel. Der in der Rückrunde einzige Südamerikaner spielt eine geile WM und ist danach weg.
Breno (15) Wurde zur Rückrunde an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen, wo er sich so sehr mit dem Verein identifizierte, daß er sich einen Kreuzbandriss zuzog.
Holger Badstuber (28) Der Allgäuer ist einer der Aufsteiger. Als Linskfuß musste er, gemäß der Doktrin des niederländischen Gladiolen-Züchters, auf der linken Außenbahn häufiger ran, als es der Mannschaft guttat. Er bot allerdings als Demichelis-Backup bessere Spiele als das Original. Er darf zur WM.
Edson Braafheid (4) Er galt zu Saisonbeginn als Unfehlabrkeitsdogma des Trainers. Seine Langsamkeit auf Links wurde allerdings undogmatisch unerträglich. Zur Winterpause nach Schottland verliehen darf er dennoch zur WM. Verstehe einer die Holländer…
Diego Armando Contento (26) Alleine der Name schon! Wäre er im CL-Finale eingewechselt worden, wäre das Spiel mit zwei Italienern abgepfiffen worden. In der Rückrunde häufiger zum Einsatz gekommen, zeigte er mutige Ansätze nach vorne.
David Alaba (27) Ihm hätte das Spiel in Frankfurt das noch junge Kreuz brechen können. 17 Jahr, dunkles Haar durfte er in den letzten Minuten in Lyon ran. Jung, unverbraucht und dennoch Rekordhalter: er ist jüngster A-Nationalspieler in Österreich.

MIttelfeld
Mark van Bommel (17) Der Kapitän stand in Augen vieler (auch meiner) vor der Saison auf der Kippe – Anataloly Tymoshchuk winkte mit seinem Stirnband. Nach seiner Zehen-Verletzung war er fast schon abgeschrieben. Aber er kam zurück – und wie! Nicht gerade geläutert, aber reifer. Er nahm Bastian Schweinsteiger an die Hand und zeigte ihm, wie man sich im defensiven Mittelfeld so benimmt. Darüber hinaus zeigte er, was ein Kapitän ist. Ein Mannschaftspieler muss man sein. Eine klare Steigerung zu Oliver Kahn.
Anatoly Tymoshchuk (44) Ein grundsolider Mensch. Angeblich mit eigenem Friseur, Masseur und Pressesprecher augestattet hat man von ihm in der Saison wenig wahrgenommen. Er fügte sich klaglos in seine Rolle als Bankhalter. Leider ist sein Spiel für van Gaals System zu langsam. Gilt als Klinsmann-Einkauf – diese Schmach hat er nicht verdient, weil er gezeigt hat, daß auf ihn Verlass ist, wenn man ihn braucht. Der tragische Held dieser Gladiolensaison.
Bastian Schweinsteiger (31) Ohne Wenn und Aber: Er ist ist der Spieler der Saison! Zur Verwunderung vieler galt er vor der Saison als gesetzt, weil der Stellvertreter des Stellvertreters bei van Gaal immer spielt. Aber wo? Zu Beginn hoffte er, auf der Zehn eingesetzt zu werden. Auf der durften sich als Platzhalter für Franck Ribéry, Jose Ernesto Sosa, Alexander Baumjohann und Thomas Müller versuchen. Alle wenig erfolgversprechend – zwei wurden transferiert, der dritte fand seine Rolle, aber dazu weiter unten mehr. Nach der Systemumstellung wurde Schweinsteiger neben van Bommel gestellt und fand seine Bestimmung. Er wurde Abräumer und war für den Spielaufbau zuständig. Unvorhergesehene Belohnung: Er darf bei der WM den Ballack geben und zeigen, was er bei van Gaal und an van Bommels Seite gelernt hat.
Danijel Pranjic (23) Noch so eine van Gaal-Verpflichtung, die sich nicht durchgesetzt hat. Nach vielen ungestümen Auftitten auf der linken Außenbahn war er erst einmal untendruch. Er fügte sich in der Rückrunde als Ergänzungsspieler unauffällig ein, ohne jedoch zu überzeugen.
Andreas Ottl (16) Für mich immer noch unerklärlich. Unter Felix Magath groß geworden bekam er danach keinen Fuß mehr auf den Boden der AllianzArena. Er trug maßgeblich zum Klassenerhalt des 1. FC Nürnberg bei. Aber Relegation ist keine Champions League.
Hamit Altintop (8) Er legte eigentlich wie die von van Gaal verpflichteten Spieler eine katastrophale Hinrunde hin. Folglich war er auch lange abgemeldet. Kam aber gegen Ende der Rückrunde wieder in Form und ließ sich einsetzen, wo man es gerade von ihm verlangte. Taktisch limitiert, aber mit großem Kämpferherz spielte er sich zurück, als er gebraucht wurde; gemäß dem Motto: “Reden ist silber, Spielen ist Gold”.
Jose Ernesto Sosa (20) Soossa! Eine Phonetik, die auf dem Platz nichts hielt, was sie versprach. Durfte sich auf der dann doch nicht vergebenen Spielgestalter-Position in der Mitte verwirklichen. Der 1. FC Köln ließ sich dann doch nicht auf einen zweiten Kaufvertrag mit dem FCB ein, damals nicht ahnend, daß Podolski nur zwei Tore in einer Saison schießen würde. Das ergibt jetzt zwar wenig Sinn, aber Sosa war wohl mal in Köln im Gespräch. Doch er ging zurück nach Argentinien: “In seinem achten Spiel am 20. März 2010 (10. Spieltag) erzielte er beim 3:1-Auswärtserfolg über Atlético Tucumán auch sein erstes Tor.” Hätte Podolski in jedem achten Spiel getroffen, häte er mindestens mindestens drei Treffer erzielt…
Alexander Baumjohann (19) Er wurde zur Überraschung vieler am 1. Spieltag in Hoffenheim aufgeboten, danach zur Freude ebenso vieler nicht mehr. Im Gegensatz zu Ivica Olić erwies er sich nicht als das erhoffte Schnäppchen. Im Spiel auf Schalke bewies er in der 2. Halbzeit auch, warum.
Thomas Müller (25) Am Anfang fehlte Louis van Gaal der Mut; in den ersten Spielen wurde er nur eingewechselt. Danach war er eigentlich immer von Beginn auf dem Platz. Er erwies sich als kongenialer Partner zwischen den Zauberern Robben und Ribéry und sorgte für die oeder andere Stafette. Hinzu kamen 19 Tore in 52 Spielen; sein Tief während der Rückrunde wurde nur von Wenigen wahrgenommen. Aber es fand wirklich statt! Dennoch der Aufsteiger der Saison.
Arjen Robben (10) Für ein Schweinegeld nach einem vollkommen verkorksten Saisonbeginn verpflichtet. Die kolportierte Glaskochenkrankheit gestaltete sich als offener Bruch für die gegnerischen Mannschaften. Trägt lange Unterhosen offen wie der Stadtneurotiker Röcke (letzterer trägt sie ganzjährig).
Franck Ribéry (7) Was für eine Saison! Eine quasi nicht stattgefundene Hinrunde, die er als Zehner bestreiten sollte, auf die eine Rückrunde mit einem wesentlich besserem Gebiss fogt. Genie und Wahnsinn – die Meinungen teilen sich. “Isch ‘abe gemacht fur funf Jahre.” Spätestens da war ihm das Publikum wieder hold. Er war so ziemlich der einzige Soieler, der die Schlagzeilen des FCB außerhalb des Platzes beherrschte. Daß Franz Beckenbauer ob seiner Fähigkeiten den Blick für die Realität von Madrid verlieren sollte, ist allerdings nicht seine Schuld.

Angriff
Mario Gomez (33) Ein schwerer Fall. Ich sehe sein erstes Jahr beim FCB als glücklos. Spielte er, war er immer bemüht – um dann ebenso häufig ins Abseits zu rennen wie Luca Toni. Er muss sich des Verdachts, seine Nationalmannschaftsform nach München mitgenommen zu haben, schnell entledigen. Er traf trotzdem beim FCB und in der Nationalmannschaft öfter als Lukas Podolski.
Miroslav Klose (18) Er ist eigentlich nicht zu bewerten. Entweder war er verletzt – oder nicht in Form. Als passionierter Kopfballspieler passt er eigentlich nicht in das System eines Louis van Gaal. Dementsprechend häufig kam er zum Einsatz. Begeht zum Glück wohl nicht den Fehler eines Lukas Podolski: er geht nicht nach Kaiserlslautern. Würde gut nach Bremen passen.
Ivica Olić (11) Der legitime Nachfolger von Hasan Salihamdzic. Kam wie seinerzeit Brazzo ablösefrei vom HSV, war darauf eingestellt, sich als Stürmer No. 4 einzureihen, um sich in den Vordergrund zu spielen. Taktisch ähnlich limitiert wie Hamit Altintop gibt es für ihn keinen verlorenen Meter. Daß er in der CL-Torschützenrangliste nur knapp hinter Lionel Messi rangiert, ist vielleicht ein wenig dick aufgetragen. Aber der Platz im Bayern-Olymp ist ihm sicher.
Luca Toni (9) Die Schickeria trauert, der Fan bedingt. In der Hinrunde meistens verletzt erlaubte es sich der italienische Beau, zur MIttagspause im falschen Leiberl aufzukreuzen – zu viel für den im Herbst noch um Autorität ringenden Louis van Gaal. Durfte, glaube ich, einmal spielen, bevor er an den AS Rom ausgeliehen wurde. Spielte dort auf Pump eine mehr oder weniger erfolgreiche Rückrunde. Darf im Gegensatz zu den weniger erfolgreichen Gomez und Klose nicht an der WM teilnehmen. Die Welt ist ungerecht.

Trainer
Louis van Gaal hätte wohl nichts dagegen, die nächste Lobpreisung zu lesen. Daß er sie verdient hat, steht außer Zweifel. Garniert mit der Perle Arjen Robben hat er aus einem Sauhufen eine Mannschaft geformt, die bei ihrer Meisterschaft Symapthien außerhalb des Fankosmos’ geerntet hat. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger war er sich auch nicht zu fein, mit Hermann Gerland einen Assistenten aus den eigenen Reihen in den Trainerstab zu berufen. Spieler aus dem eigenen Nachwuchs haben davon ebenso profitiert wie die Mannschaft. Das Feierbiest hat in dieser Saion viele Gladiolen zum Blühen gebracht. Nur wenig bleibt als Unkraut übrig.
Chapeau!

Wenn wir in Spanien spielen, blühen dennoch die Gladiolen.

CL-Finale: FCB – Inter Mailand 0:2

Es hat nicht sollen sein.

Wenn wir in Spanien ein Finale spielen, haben wir wohl nichts zu holen.
Sei’s drum. Die Niederlage war verdient. Sie fällt leider nicht nur unter die Rubrik “Lehrgeld”, sondern auch in die Schublade “Unvermögen”. Und das lag nicht an einem fehlendem Ribéry, wie es der Firlefranz selbst in Anwesenheit des Trainers weismachen wollte.
Es waren verschiedene Faktoren, die zu dieser Niederlage führten. Philipp Lahm gestand nach dem Spiel, daß die Mannschaft zu viel Angst gehabt habe. Mark van Bommel führte noch die fehlende Erfahrung an. Daran alleine lag es aber nicht.
Uns mangelte es auch am Können – vorne wie hinten. Bei beiden Toren von Diego Millito, denen blitzsaubere Konter vorausgingen, war unsere Innenabwehr nicht im Bilde. In dieses Boot muss auch Holger Badstuber steigen, der vor dem 0:1 nicht entscheidend eingreifen konnte.
Wesentlich erschreckender aber war die Offensive. Arjen Robben war viel unterwegs, aber auch dank der Mailänder Defensive wenig effektiv. Ivica Olic fand kaum ins Spiel, während Thomas Müller einige gute Szenen hatte.
Aber die letzten 25, 30 Minuten waren ein offensiv ein Offenbarungseid. Die gesetzten Nationalstürmer Mario Gomez und Miroslav Klose bekamen überhaupt keinen Fuß auf den gepflegten Rasen. Ich weiß nicht, warum van Gaal nach der Pause nicht Diego Contento für den schon verwarnten und damit auch gehemmten Demichelis, vor dem 0:1 wirklich schlecht aussehend, gebracht hat. Er hätte den eigentlich guten Altintop auf links gut unterstützen können. Aber vielleicht wollte er mal wieder ein Exempel statuieren, wohl wissend, daß die Messe schon vor dem 0:2 im Tempel Santiago Bernabéu gelesen war. Wenn das seine Absicht war, so ist ihm das eindrucksvoll gelungen. Van Gaal hat die Beiden eigentlich der Lächerlichkeit preisgegeben. Der abwesende Bundestrainer kann froh sein, das Dilettieren der WM-Stürmer nicht live gesehen zu haben. Wenigstens haben sie den Rasen, auf dem der Triple-Gewinner José Mourinho die Achtelfinal-Galaktischen ab nächster Saison gewinnen sehen will, nicht kaputt gemacht.
Es war nicht der befürchtete Catenaccio, über den wir gestolpert sind, sondern die eigenen Unzulänglichkeiten. Das ist keine Tragik, auch wenn ein Champions League-Finale keine alljährliche Selbstverständlichkeit ist. Die Mannschaft hat sich nie aufgegeben und uns somit ein neuerliches 1987 (für mich eigentlich immer noch schlimmer als das 1999-Isch-kenne-kein-Barschelona) erspart.

Drei Tage danach überwiegt die Freude über eine wunderbare Saison. Die Gladiolen blühen.

Aufstellung: Butt – Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber – van Bommel, Schweinsteiger – Robben , Altintop (63. Klose) ), Müller – Olic (74. Gomez)

2001

…habe ich noch keine Röcke getragen.
…war ich noch knapp unter 30.
…hatte ich schon ein graues Haar.
…war ich schlanker.
…war ich in derselben Firma angestellt wie heute.
…habe ich das letzte Mal nach einem Fußballspiel geweint – vor Freude.

Pack ma’s: Estadio Santiago Bernabéu

(Link: Sephriot1989/YouTube)

Ein musikalisches Zuckerl ist es nicht, was Bayern-Hinterbänkler Andreas Görlitz mit seiner Band Room77 aufgelegt hat. Aber das ist heute wurscht. “Mailand oder Madrid, Hauptsache Finale”, schrieb der @kaisergrantler nach dem grandiosen Spiel in Lyon.

Kluft heute: schwarzes Trikot, schwarzer Rock, schwarze Schuhe – Bestia Negra also.

Unabhängig vom heutigen Spielausgang: Danke für eine geile Saison!

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