751. Tatort: Weil sie böse sind (HR; EA: 03.01.2010)
| Ermittler: Hauptkommissarin Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki), Hauptkommissar Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf), Kommissariatsleiter Rudi Fromm (Peter Lerchbaumer), Staatsanwalt Dr. Scheer (Thomas Balou Martin) Besetung: Rolf Herken (Milan Peschel), Balthasar Staupen (Matthias Schweighöfer), Reinhard Staupen (Markus Boysen), Freya Staupen (Adele Neuhauser), Mike Staupen (Peter Davor), Sandra Jakesch (Sandra Borgmann), Drehbuch: Michael Proehl; Story: Matthias Tuchmann, Florian Schwarz Regie: Florian Schwarz |

Rolf Herken ist ein Verlierer. Seine Frau hat er verloren, in der Firma schmücken sich andere mit seinen Fahnen, und er kämpft um seinen Sohn, der Autist ist. Die Gehaltserhöhung, die er dringend für die Förderung seines Sohns benötigt, bekommt er nicht. Balthasar Staupen ist ein Spross der vermögenden Staupen-Dynastie. Sein Vater ist der zynische Lebemann Reinhard Staupen, der sich nur für Antiquitäten interessiert. Balthasar kann mit seiner Familie nichts anfangen.
Der Hobby-Geneaologe Herken findet heraus, daß seine Vorfahren für das, was die Staupens begangen haben, aufs Schafott mussten. Der Epressungsversuch bei Reinhard Staupen misslingt – er erntet nur Hohn und Spott. In seinem Zorn erschlägt Herken Staupen mit einem Morgenstern. Er gibt sich nicht die Mühe, seine Tat zu verschleiern, weil er bemerkt, daß er von einer Kamera gefilmt wurde. Zuhause wartet er auf die Polizei und versucht die ihm verbleibende Zeit mit seinem Sohn zu genießen.
Der junge Rächer und der verzweifelte Vater
Balthasar Staupen ist über den Tod seines Vaters nicht traurig. Im Gegenteil, er lässt die Aufzeichnung von der Tat verschwinden, liest interessiert in Herkens Aufzeichnungen und sucht Herken auf. Er will Herkens Sohn die teure Therapie finanzieren und zieht den Grundgütigen in seinen Rachefeldzug, in dessen Verlauf Balthasars Onkel Mike und seine Tante Freya, die die geschäftlichen Fäden zieht, umkommen.
Es entspinnt sich ein rasantes Spiel zweier unterschiedlicher Figuren, die unterschiedlicher nicht sein können. Matthias Schweighöfer und Milan Peschel laufen zur Hochform und erfüllen diesen zunächst unglaubwürdig wirkenden Plot mit Leben. Der gute Herken wird für den bösen Staupen zum Rächer, während es dem jungen Schnösel gelingt, gar nicht erst den Verdacht auf Herken zu lenken.
Selbst als Sandra Jakesch, Herkens Kollegin, nach dessen Geständnis zur Polizei geht, gelingt es dem jungen Rächer, sie mit Geld und klugen Worten vor der Aussagen zu bewahren. “Wir opfern und benutzen Menschen, wie wir wollen. Und wissen Sie warum? Weil wir böse sind”, belehrt sie Balthasar, bevor sie mit dem Auto in die Luft gehen.
Die Dynastie ist aber nicht ganz vernichtet, weil Staupens Freundin ein KInd von ihm erwartet.
Die versagenden Kommissare
Charlotte Sänger und Fritz Dellwoo gelingt es nicht, diesen Fall zu lösen, weil sie mit sich und ihren Befindlichkeiten beschäftigt sind. Sie haben sich nichts mehr zu sagen und konkurrieren um das Erbe ihres Vorgesetzten Fromm, der plant, in den vorgezogenen Ruhestand zu gehen. In ihrem vorletzten Fall wird die Wirklichkeit zur Fiktion, denn die Unstimmigkeiten zwischen den Darstellern wurden letztes Jahr öffentlich. Die Eiszeit wird wunderbar in die Geschichte eingeflochten, so dass die Unfähigkeit, den Fall gemeinsam zu lösen, hervorragend passt.
Ein furioser Auftakt
“Weil sie böse sind” ist ein hervorragender Tatort. Eine abstruse Geschichte wurde wurde hervorragend umgesetzt. Die beiden Hauptdarsteller boten glanzvolles Schauspiel, auch die Nebenfiguren konnten überzeugen.
Diesen furiosen Auftakt ins Tatort-Jahr 2010 rundet die Musikauswahl ab. Antonín Dvořák, Beethoven und Bob Dylan untermalen diesen Tatort.
(9,5/10)
Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus
Meinungen: Annbell, Fielitz, Kasse4, Sopran, Tatort-Forum


Anett Berger, die rechte Hand der Stararchitektin Sofia Martens, ist spurlos verschwunden. Der mit Martens befreundete Staatsanwalt Dr. Scheer bittet Charlotte Sänger und Fritz Dellwo, die junge Architektin zu suchen. Widerwillig nehmen die Kommissare die Ermittlungen auf und müssen herausfinden, wer am Verschwinden der jungen Architektin ein Interesse haben kann. Was haben die Droh-E-Mails und obszönen Anrufe, die die Karrierefrau erhalten hat, mit ihrer Assistentin zu tun? Wie ist die Verletzung von Sofia Martens zustande gekommen? Was hat Callboy Charlie in Bergers Wohnung gesucht? Von wem stammt das Blut an ihrer Wohnungstür? Was will Eva Kaufmann den Kommissaren erzählen?
Der Titel dieser Folge ist passend. Der Film zeigt in diesem Ablauf die Verfolgung, die Gefangenschaft und schlussendlich den Mord an Anett Berger. Teilweise werden Rückblenden eingesetzt, in der die Tatverdächtigen und der Täter während der Vernehmungen bei ihren letzte Begegnungen mit der jungen Architektin gezeigt werden. Auf die gängige Dramaturgie, die Leiche spätestens nach zehn Minuten zu zeigen, wird verzichtet. Das ist nicht nur bemerkenswert, sondern passt auch hervorragend in die Dynamik der Geschichte.
Judith Angerbauer hat einen frauenaffinen Tatort geschrieben, der erfolgreiche Frauen zeigt. Sie gibt einen Blick hinter die glänzende Fassade, der zeigt, dass Erfolg einen teuren Preis haben kann. Deshalb werden diese Frauentypen nicht verklärt, sondern mit einer Menschlichkeit gezeichnet, in der die Einsamkeit dominiert. Von Titus Selge mit grauen und düsteren Bildern inszeniert, wird daraus ein Film, der aufzeigt, daß Karriere nur die eine Seite der Medaille ist.
Nach einem Besäufnis mit tadschikischen Im- und Exporteur Nazarov (
Die Frankfurter Kommissare Charlotte Sänger (
Lena (
Gegenstand dieses Tatorts mit dem Frankfurter Ermittlerduo Charlotte Sänger (
Fremdneurosen