Ein bisschen

BL 10/11 #01: FCB – VfL Wolfsburg 2:1 (1:0)

Herrjeh! Da passiert eine fast drei Monate umfassende Vorbereitung – nichts. Keine Buddhas, kein neuer Trainer, kein neuer Spieler – nichts. Rechtzeitig geweckt gehe ich nach einem Streifzug über die im Aufbau befindliche Wiesn den 1. Spieltag sehr entspannt an. Ich schalte PC und Fernseher an, als ich lesen muss, daß sich Marin Demichelesi über seine NIcht-Nominierung über seine Startelf derart gedmütigt fühlt, daß er den warmen Tribünenplatz der Bank vorzieht. Als er das letzte Mal aufbegehrte, wollte er nicht im defensiven Mittelfeld spielen, sondern lieber in der Innenverteidigung. Woher seine Verweigerung rührt, darüber kann ich nur rätseln. Eine überragende WM hat er nicht gespielt. Gewohnt unaufgregt betrachtete Louis van Gaal in der ARD diese Angelegenheit unmittelbar vor dem Spiel:

Damit muss er noch ein bisschen umgehen.

So saß Micho ein bisschen auf der Tribüne und verpasste ein bisschen den Saisonauftakt.

Kommen wir somit ein bisschen zum Spiel, daß Steffen Simon noch ein bisschen mehr scheppernd kommentierte als sonst. Ein bisschen Tonprobleme sollen schuld gewesen sein. Ein bisschen peinlich sind solche Ausfälle schon, aber man ist ein bisschen dankbar, daß es im Stadion keinen Stromausfall gab.
Von ein bisschen Erschöpfung war zu Beginn beim FC Bayern nichts zu sehen. Die Spieler ließen dem VfL Wolfsburg in der 1. Halbzeit nicht ein bisschen Raum. Thomas Müller benötigte nur ein bisschen WM-Form, als er eine wunderbare Vorlage von Toni Kroos mit einem fulminanten Linksschuss zum 1:0 verwandelte. Danach zauberte Franck Ribéry ein bisschen brotlos in der gegnerischen Hälfte, was aber nicht weiter störte, weil die Autokicker nicht in der Lage waren, den Gang ein bisschen hochzufahren. So sahen zu, wie Ribérys Hintermann Contento ein bisschen an dem gemeinsamen Spiel feilte und für einige einige Offensivaktionen sorgte. Der frischgekürte Kaptän der Wolfsburger Edin Džeko war in der 1. Halbzeit vollkomen abgemeldet, weil der als Spielgestalter auserkorene Cicero es nicht verstand, seinen Stürmer in Szene zu setzen. Cicero mag ja ein brillanter Rhetoriker gewesen sein, aber nicht mal verbale Vorlagen hat er seinem Kapitän ermöglicht.
In der Halbzeitpause hat der FC Bayern wohl ein bisschen zu viel geschlafen, denn sonnst hätte die Mannschaft mitbekommen, daß Zvjezdan Misimović eingewechselt wurde, der nicht nur ein bisschen Wirbel veranstaltete. Es war nicht nur ein bisschen Logik, daß die Passivität mit dem Ausgleich von Džeko nach Misimović-Vorlage bestraft wurde. Danach geriet der FCB gehörig ins Schwimmen. Wolfsburg drehte auf – wir hätten uns über einen bisschen Rückstand nicht beschweren können. Gegen Ende des Spiels nahm die Mannschaft das Heft wieder in die Hand und hatte auch ein bisschen Glück, als Schweinsteiger einen langen Ball von Ribéry versenkte.

Nach zwei Jahren gab’s wieder einen Auftaktsieg, der aufzeigte, daß die Mannschaft wohl noch ein bisschen Zeit benötigt, um wieder an die Form der Vorsaison anzuknüpfen. Jetzt reden sie erst mal ein bisschen mit Martin Demichelis.

Aufstellung: Butt – Lahm, van Buyten, Badstuber, Contento – van Bommel, Schweinsteiger, Kroos (73. Pranjic), Ribery – Müller – Klose (73. Gómez)

Schuld ist der Gabelstapler

“Wenn’s D’ mei’ Hosentürl ned photographierst” antwortete dieser Wiesnaufbauer auf meine höfliche Frage, ob ich von seiner Arbeitsklamotte ein Bild machen dürfe. Dann zeigte er mir seinen linken zerfurchten Unterschenkel. “Des war der Gabelstapler.” Aber den durfte ich nicht ablichten.

Bundesliga-Saisonvorschau

Ich glaskugel mal mit dem Halbwissen aus dem kicker-Sonderheft die neue Saison. Seriöser geht’s bei Dogfood und im Rasenschach Magazin zur Sache.

18. Hanover 96 Daß Präsident Martin KInd Hörgeräte an seine Spieler verteilt, damit sie die Anweisungen von Bojan Prasnikar, dem 3. Trainer in der Saison, besser verstehen, bringt nichts. Am 30. Spieltag steht der Abstieg fest.
17. SC Freiburg Der Abstieg wird nicht mal an der Dreisam wahrgenommen.
16. FC St. Pauli Gerald Asamoah macht sich vor allem als Maskottchen bezahlt.
15. 1. FC Nürnberg Ein läppisches Tor von Mehmet Ekici reicht aus, um dem Relegationstriple zu entkommen.
14. 1. FC Kaiserslautern Die beste Abwehr im unteren Drittel ermöglicht den Klassenerhalt.
13. FSV Mainz 05 Thomas Tuchel lernt den Tabellenkeller kennen, findet dort aber edle Tröpfchen, die für die nötigen Punkte sorgen.
12. Eintracht Frankfurt Die Griechen trinken zu viel Ouzo und treffen deshalb das Tor nicht. Skibbe fordert erneut Investitionen und wird mit einer Flasche Ouzo am 25. Spieltag verabschiedet.
11. 1899 Hoffenheim Wie gehabt: Rangnick jammert, die Mannschaft streitet. Hopp beruft seinen Aufsichtsrat wöchentlich ein.
10. 1. FC Köln Podolski trifft öfter als letzte Saison. Das reicht.
9. Borussia Mönchengladbach Marco Reus muss auch seine 3. Einladung zur Nationalmannschaft ausschlagen, spielt aber groß auf.
8. VfL Wolfsburg Trotz des Regens wird Steve McClaren in der Autostadt nicht glücklich und wird mit einem Beetle-Cabrio zurück auf die Insel geschickt. Dieter Hoeneß tritt zurück, weil er im Umkreis von 30 KIlometern keine neue Schreibmaschine bekommt.
7. Hamburger SV Als Veh am 22. Spieltag beschließt, ohne Stürmer anzutreten, steht der HSV auf Platz 10. Fortan ohne Trainer, aber mit zwei Stürmern wird die Europa-League nur knapp verfehlt.
6. Borussia Dortmund Die Derby-Siege kosten zu viel Substanz.
5. VfB Stuttgart Stuttgart21 überlagert alles, so daß der VfB erst dann wahrgenommen wird, als er sich an den Montagsdemonstrationen gegen den tieferzulegenden Hauptbahnhof beteiligt.
4. Schalke 04 Magath setzt 37 Spieler ein, darunter 4 Spielmacher. Er bestimmt Konditionstrainer Werner Leuthard zum neuen Fanbeauftragten, weil er fitte Fans haben will. Für die Champions League reicht das allerdings nicht.
3. Werder Bremen Sie stürmen ihre schlechte Verteidigung weg und haben ohne Özil ein Problem weniger.
2. Bayer Leverkusen Jupp Heynckes vergisst seinen Freund Ulrich vom Tegernsee nicht. Außerdem fehlt Ballack das Bayer-Vize-Triple in der Bundesliga.
1. Bayern München Rummenigge schimpft zwar über die Weihnachtsfeier, die erstmals auf dem Rathausbalkon stattfindet, aber als Louis van Gaal “Stille Nacht, heilige Nacht” anstimmt, kurbelt er den in diesem milden Advent mauen Glühweinverkauf auf dem Christkindlmarkt ordentlich an und stimmt Killer-Kalle milde.

Leipziger Minimalismus

766. Tatort: Heimwärts (MDR; EA: 06.06.2010)

Ermittler: Hauptkommissarin Eva Saalfeld (Simone Thomalla), Hauptkommissar Andreas Keppler (Martin Wuttke), Kriminaltechniker Wolfgang Menzel (Maxim Mehmet), Rechtsmediziner Reichau (Kai Schumann)
Besetzung: Daniel Bergmann (Stefan Konarske), Mike Breuker (Dirk Borchardt), Karl Holst (Joachim Tomaschewsky), Anna Kowski (Anne Werner), Marie Holst (Johanna Gastdorf), Hannes Holst (Karl Kranzkowski), Svenja Holst (Nina Gummich), Nachtschwester (Antonia Gerke), Amtsarzt (Günter Kurze), Inge Saalfeld (Swetlana Schönfeld)
Drehbuch: Heike Rübbert; Drehbuch: Johannes Grieser

Man kann Product Placement sehr geschickt einsetzen. Die Amerikaner können das in ihren Filmen ganz gut, beim Schimamski war es stimmig, weil selbst die herumliegende Marlboro zu der Figur passte. Man kann es aber auch schlecht machen wie der MDR, indem man eine ungelernte, mobile Krankenpflegerin im Mini durch Leipzig schickt. Das gibt es nicht einmal im an reich an neuen und teuren Autos versehenen München. Schlimmer noch: man hätte das schicke Auto in die Ermittlungen einbauen können, aber darauf ist der MDR vor lauter Dankbarkeit, daß BMW in Leipzig Autos baut, nicht gekommen. Man möchte schreien.

Denn dieses Kommissare-Paar findet zwar heraus, daß es die ermordete Altenpflegerin Anna Kowski es für ihren Berufsstand zu unglaublich viel Geld gebracht hat, aber an dem schicken Flitzer nehmen sie keinen Anstoß. Anscheinend stiftet das örtliche Arbeitsamt jedem, der nicht von Hartz IV keben will, so einen attraktiven Kleinwagen. Sie kümmerte sich liebevoll um den kranken Karl Holst, der in ihrer Anwesenheit seinen letzten Frühling erleben durfte. Nebenbei versuchte sie ihren Arbeitgeber Mike Breuer -Vorsicht: Realitätsbezug! -, bekannt für seine miserable Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen, zu erpressen. Die Bilanz seines Pflegedienst hübscht er mit erpressten testamenten zu seinen Gunsten auf.
Holsts Nachkommen haben kein Geld, um einen angemessene Pflege für ihn zu bezahlen. So bleibt der Wunsch seiner Enkelin Svenja, für ein Jahr nach Kalifornien zu gehen, unerfüllt.

Wer ist der Täter? »

Nicht unerwartet entwicklet sich “Heimwärts” zu einem Familiendrama mit einer überdrehten Enkeltochter. Ihre verzweifelte Mutter hat die Pflegerin getötet. Sie konnte nicht mit ansehen, wie Anna Kowski sich trotz der Differenzen mit Breuker zu dessen Handlanger machte und Grundstücke für ihn ergaunerte. Enkelin Svenja streckte de Breuker nieder, als sie einsehen muss, daß das Haus der Familied nicht mehr zurückzugewinnen ist.

Der MDR kann’s nicht. Man hätte aus der Geschichte der toten Altenpflegerin, die mit einem Bestatter liiert ist, einen herrlich skurrilen, mit dem Krimi-Genre spielenden Stoff spinnen können. Aber Ironie und Komik sind dem Sender, der Armin Menzel lange Jahre ein wohliges Zuhause bot, fremd. Ich bin immer wieder in der Versuchung, Martin Wuttke zu bedauern, aber der gute Mann ist volljährig und wird für seine Zusammenarbeit mit der mimisch-gestisch auf der unteren Skala agierenden Simone Thomalla sicher nicht schlecht entlohnt werden: Schmerzensgeld kann auch eine lukrative Entlohnung sein. Und Heiner Müller sieht’s ja nicht mehr… Davon hat der Zuschauer allerdings nichts, denn er darf sich dreimal im Jahr ärgern, wenn der MDR mit Filmen zum Sonntag Abend aufwartet, die zwar ein einziger Horror sind, aber mit diesem Genre, geschweige denn mit einem anständigen Krimi, nichts gemeinsam haben.
Es schließt sich der Kreis zum Beginn dieser Kritik: Tatorte aus Leipzig sind einfach Minimalistisch. (1,5/10)

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus

(Bilder: MDR/Saxonia/Steffen Junghans)

Die Sehnsucht nach Normalität

Politik lebt nicht nur von ihren wechselnden und leicht zu verwechselnden Inhalten, sondern auch von Figuren, die sie verkörpern. Sie wird glaubwürdiger, wenn sie von Menschen vertreten wird, die zumindest den Eindruck vermitteln, im Leben zu stehen. Deswegen finden Karrieren wie die eines Ronald Pofalla, Guido Westerwelle oder Hubertus Heil allerhöchstens Gespött. Solchen Lebensläufen sollte mehr zugrunde liegen als ein Leben in der Politik und den damit verbundenen Jugendorganisationen.
Politik ist auch Bodenständigkeit. Sie kann sich vielfältig ausdrücken, dazu muss man nicht Bauer aus Leidenschaft sein. Ein erlernter und nicht nur nebenbei ausgeübter Beruf, verbunden mit einer Passion, schadet nicht. Regelmäßiger Kontakt zum Stimmvieh gehört natürlich auch dazu.

Sepp Daxenberger † (Bildausschnitt: Mlucan/Wikipedia Commons)

Sepp Daxenberger gehörte zu der Spezies Politiker, die nicht nur kraftvoll auftreten konnte. Er war auch in der Lage, authentisch zu wirken. Und er hatte wohl das für das Geschäft notwendige Selbstbewusstsein. Für Bayern abseits der CSU sorgte er dafür, daß die gerne unter der Hand formulierte Redewendung, daß die CSU diesen schönen Flecken Erde erfunden habe, dann doch nur ein Märchen ist.
Das kommt offenbar an. Sich in einer als als schwarze Hochburg verschrieenen Gemeinde wie Waging gegen einen Kandidaten der Hauspartei und dessen prominente Helfer wie Peter Gauweiler und Alfons Schubeck durchzusetzen und sechs Jahre später bestätigt zu werden, erreicht man nicht alleine durch inhaltsleere Worthülsen. Daß die Grünen als Opposition im bayerischen Landtag mehr wahrgenommen werden als die SPD, ist auch diesem kernigen und traditionellem Mannsbild, das seine Kraft zusehends verlor, zu verdanken. Er war ein Vollblut-Politiker, der seine Wurzeln weder verleugnet noch vergessen hat. Er verkörperte Bodenständigkeit, Authenzität und Normailität im Trachtenjanker.

Mit Sepp Daxenberger stirbt die Sehnsucht nach Normalität im politischen Alltag. Ja, und vielleicht auch nach Romantik.

(Nachrufe in der Süddeutschen, Abendzeitung, Spiegel, lesenswert auch das Interview mit dem SZ-Magazin einige Wochen vor seinem Tod; Kondolenzbuch der bayerischen Grünen)

6 Fragen, 42 Antworten – Saisonvorschau

Der erste Titel ist unter Dach und Fach, morgen steht für den FC Bayern die erste DFB-Pokal-Hauptrunde an – die Saison geht also endlich los. Ich erspare mir diesmal eine selbstgeschriebene Vorschau, sondern habe stattdessen profunde Kenner des Vereins befragt. @Kaisergrantler, @Helmi, @7stringwizard, @Probek, @Zechbauer, @Chapi und @Breisacher (nach eigenen Angaben ein Printdino) haben meinen Ruf auf Twitter erhört und sich meinen Fragen gestellt.
Herzlichen Dank an die Herren!

Wird der FCB bis Ende August/Ende Januar auf Einkaufstour gehen?
Kaisergrantler: Ich denke, dass im Sommer nichts mehr passieren wird. Wie zugesagt, geht man mit Contento in die Saison. Sollte er aber nicht konstant genug sein, kann ich mir vorstellen, dass im Winter auf der Position noch mal nachgelegt wird. Ansonsten passt alles.
Helmi: “Einkaufstour” wird es wohl keine werden, ich denke aber schon, dass punktuell noch was passieren muß. Gerade im Defensivbereich ist das wohl auch nicht vermeidbar. Da muß sich was tun.
7stringwizard: Das will ich schwer hoffen. Am besten noch bis Ende August. Ich habe wahrlich viel Vertrauen darin, wie LvG junge Spieler aufbaut aber praktisch alternativlos mit Contento hinten links zu planen ist mir dann doch zu heikel. Zumal Badstuber innen besser aufgehoben ist. Und auch unsere Innenverteidiger Demichelis und van Buyten sind immer für eine Katastrophensaison gut. Muss man es darauf ankommen lassen?
Also: Ich wünsche mir eine solide Verstärkung der Abwehrkette. Gerne bald. Denn Ende Januar heißt wohl, dass die Hinrunde eher unglücklich gelaufen ist und das wollen wir doch nicht hoffen. ;-)
Probek: Ende August: Nein, soweit mit “Einkaufstour” mehr als ein Spieler gemeint ist. Und auch nur einen Spieler mehr im Kader gibt’s nur, wenn eine echte Verstärkung auf dem Markt sein sollte. Sage ich mal, mehr hoffend als wirklich wissend. Hast du Nerlinger auch gefragt?
Ende Januar: Was in der Winterpause passiert, ist doch recht abhängig vom Saisonverlauf. Wenn ich was prophezeien muss: auch eher keine Tour, da der Saisonstart bei weitem nicht so dramatisch wie in van Gaals erster Saison ausfallen sollte. Zwei Abgänge, ein Zugang.
Zechbauer: Nein, das denke ich nicht. Es sei denn in der Abwehr verletzt sich noch einer der Stammspieler schwer und fällt länger aus.
Chapi: Ich denke nicht. Louis van Gaal bleibt seiner Linie treu und setzt auf die eingespielte Truppe.
Breisacher: Wäre dringend nötig. Vor allem hinten fehlen: ein Linksverteidiger, ein Manndecker. Und anders als van Gaal finde ich auch nicht, dass zu viele Stürmer im Kader sind. Gomez sollte verkauft werden. Und ob sich Müller als Mittelstürmer durchsetzt, ist genauso fraglich wie ob Klose jemals aus der Krise kommt. Vor allem wäre es aber wichtig, nochmal ein Alphatier zu holen, um die Hierarchie im Team durcheinander zu wirbeln. Von dieser Art Auseinandersetzungen lebt eine Mannschaft.

Wird sich Toni Kroos durchsetzen?
Kaisergrantler: Auf welcher Position? Das ist die Frage. Er wird seine Chance durch den Ausfall von Robben bekommen. Danach wird man weitersehen. Einen Müller kann er zur Zeit nicht verdrängen. Die Saison ist aber lang und Robben wird wahrscheinlich nicht nur einmal ausfallen.
Helmi: Schwer zu sagen. Ich denke er wird die Chancen nutzen die er bekommt, ob er sie in ausreichendem Maße bekommt… fraglich. Ich könnte mir die kolportierte 4er-Spitze mit Kroos hängend, Müller vorne drin und RibRob auf den Flügeln gut vorstellen, aber ob das in der Praxis klappt müsste sich wohl auch erst zeigen. Andernfalls wirds schwer werden.
Ein zweiter möglicher Fall wäre evtl. noch dass man ihn auf der 6 neben Schweini aufbaut. IMHO hat er dafür auch sehr gute Ansätze, aber ob er das will und seine Anlagen dafür wirklich ausreichen kann wohl nur er selbst bzw. der Trainerstab entscheiden. Fakt ist, dass man sich nen Bommel-Ersatz ranziehen muß und Kroos wäre dafür IMHO zumindest ein Kandidat (eine Art Khedira für die Bayern um die Parallele zur N11 zu ziehen).
7stringwizard: Kommt darauf an, was man unter “durchsetzen” versteht. Für mich ist er erste Alternative bei Einwechslungen und sobald Müller verletzt/gesperrt/in einer Formkrise ist, wird er seine Chance von Anfang an kriegen.
Auf Dauer sehe ich ihn aber neben Bastian Schweinsteiger auf der 6. Wollen wir wetten?
Probek: Ja.
Zechbauer: Schwer zu sagen. Das Talent ist vorhanden, aber seine Konkurrenz gewaltig. In dieser Saison wird er nicht die große Rolle spielen, prognostiziere ich jetzt mal.
Chapi: Ich denke dass er es am Anfang schwer haben wird. Die einzige
Position, auf der er für mich die größte Chance hat zu spielen, ist die von van Bommel – als Doppel-6 oder in der Raute. Er wird dieses Jahr heran geführt an die Mannschaft und die Spielphilosophie, darf regelmäßig spielen (bei 3 Wettbewerben machbar) und wird dann nächste Saison Stammspieler.
Breisacher: Wenn nicht jetzt, wann dann? Kroos ist eines der größten Talente des deutschen Fußballs und hat auch genügend Biss, sich in einer großen Mannschaft durchzusetzen. Man muss ihm halt nur Vertrauen schenken (so wie Heynckes dies – anders als Klinsmann – getan hat).

Welcher Spieler der II. Mannschaft wird sein Profi-Debüt feiern?
Kaisergrantler: Ich denke da an Thomas Kraft. Er hat ausgezeichnet gegen Schalke gehalten. Der Vertrag von Butt läuft aus. Vielleicht ist man nach dieser Saison nicht mehr auf Neuer angewiesen. Würde mich freuen. Neuer ist zu sehr Schalker.
Helmi: Ich kenne den Kader zu wenig, denke aber dass Thomas Kraft ganz gute Chancen hätte – Profipflichtspiel hat der ja noch keins bestritten oder?
7stringwizard: Deniz Yilmaz. Wobei ich die Amateure kaum im Bewegtbild oder gar live sehe und mich daher mit einer wirklich soliden Einschätzung schwer tue.
Probek: Haas steht zumindest schon im Profi-Kader … ansonsten Boy Deul. Feiern
wird aber nur Alaba. Der hat sein Debüt zwar schon hinter sich, wurde aber zu schnell verheizt. Dabei ist der einfach nur klasse und sollte mehr als sporadische Einsätze bekommen. Und um spitzfindig auf deine Frage zu antworten: natürlich Mehmet Ekici!
Zechbauer: Knasmüllner – die anderen hatten ja schon ihr Debüt.
Chapi: Thomas Kraft fällt hier ja raus oder? Dann würde ich sagen Deniz Mujic. Aber eigentlich ist das egal, wer es ist. Hauptsache die grundsätzliche Bereitschaft ist da, dem Nachwuchs eine Chance zu geben.
Breisacher: Keiner? Hat das nicht selbst Gerland gesagt? Was er und van Gaal letztes Jahr mit dem Einbau der Talente geschafft haben, wird sich nicht beliebig wiederholen lassen. Wichtiger wäre, dass sich junge Spieler wie Müller, Badstuber, Contento, Alaba auch im zweiten Jahr durchsetzen und nicht ins Loch fallen.

Wann wird Karl-Heinz Rummenigge das erste Mal Louis van Gaal öffentlich kritisieren?
Kaisergrantler Gar nicht. Kalle ist van Gaal körperlich und geistig unterlegen. Der wird schön die Klappe halten.
Helmi Im Spätherbst -> Oktober/November.
7stringwizard Nach dem 4. Vorrundenspiel in der Champions League.
Probek: Im November 2011. Aber, sag mal: hat er das erste Mal nicht schon hinter
sich gebracht?
Zechbauer: Wenn es länger nicht gut läuft. Also nicht in der kommenden Saison.
Chapi: Gar nicht. In dieser Saison stehen alle geschlossen hinter Louis. Eher läuft die Kritik dieses Jahr andersrum ;)
Breisacher: Weil Fußball keine Mathematik ist? Und der FC Bayern keine Nationalmannschaft (die, welcher Nation auch immer, van Gaal ja so gerne im Anschluss trainieren würde. Wenn van Gaal so weitermacht wie im letzten halben Jahr, sollte Rummenigge schnell mit einer Vertragsverlängerung ankommen. Wenn nicht, wird van Gaal schon selbst für Provokation sorgen.

Wer nimmt Jose Ernesto Sosa?
Kaisergrantler Ich finde man sollte ihn, so wie damals Mihajlovic, teuer an Schalke verkaufen. Die scheinen ja wieder Geld zu haben. Außerdem brauchen die noch gute Leute. Hat man Samstag gesehen.
Helmi Der bleibt. Ob’s daran liegt weil man ihn nicht los wird oder einfach weil man niemanden einkaufen will, werden wir am Ende wohl nur erraten können, aber ich tipp jetzt einfach mal drauf, dass er bleibt.
7stringwizard Wahrscheinlich nur ein Verein in seiner Heimat.
Probek: Wie nehmen? Wofür? Als Fußballspieler? Na, irgendein anderer Verein wird sich schon finden. Bitte. Helfen Stoßgebete?
Zechbauer: Ein Klub mit viel Geduld. Demnach kein Spitzenklub.
Chapi: Wenn sich für ihn überhaupt ein Abnehmer findet, dann wird es wohl eine italienische Mannschaft sein.
Breisacher: Jose Ernesto wer? Ach, der ist immer noch da? Vielleicht Bayern 2? Oder 1860? Oder Nürnberg (die nehmen doch jeden). Oder Paul Breitner entdeckt ihn für Brunnthal. Oder: ist doch auch egal.

Am wievielten Spieltag bringt die Mannschaft Meisterschaft Nummer 22 unter Dach und Fach?
Kaisergrantler: Spätestens am 31. Spieltag sollte der Sack zugemacht werden. Dann ist auch genug Zeit, um sich auf das Champions League-Finale zu konzentrieren.
Helmi: Du hast vergessen nach der Saison zu fragen :-D – aber natürlich in dieser Saison am 32. Spieltag.
…und Schalke verpasst um einen Punkt die CL-Quali, Magath wechselt zu ManUtd und Peter Neuruhrer führt 2011/12 die Schalker zum Titel
okok ich hör schon auf ;-)
7stringwizard: Nicht vor dem 33. Spieltag.
Probek: Da sie in der Champions League diesmal leider früher rausfliegen, können sie sich voll auf das Double konzentrieren und holen die Meisterschaft vorzeitig: am 32. Spieltag.
Zechbauer: 4 Spieltage vor Schluss. Ich protze vor Optimismus.
Chapi: Es wird wieder relativ knapp werden, aber ich tippe auf den 32. Spieltag.
Breisacher: Heuer wird’s eher schwer. Weil niemand weiß, was aus Ribery wird und wann Robben wirklich wiederkommt. Weil die WM an Müller & Co. zehrt, die Verteidigung und auch der Sturm schwächeln. Und weil kein Hochkaräter geholt wurde. Weil Schalke und Leverkusen sich gezielt verstärkt haben. Also: Wenn’s der 34. Spieltag wird, soll’s mir auch recht sein.

Schönheitschirurgie für ein Kellerkind

Das Stachus-Untergeschoss vor dem Umbau

Keine Angst! So greislig schaut Münchens zentralstes Untergeschoss nicht mehr aus, das im November 1970 für das unter die Erde vertriebene Volk freigegeben wurde. Ursprünglich sollte es drei Aufgaben erfüllen: “Sanierung des Oberflächenverkehrs im Zuge des Altstadtringes” (1a), eine Verknüpfung von U- und S-Bahn sowie Platz für eine Menge Autos.
Entsprechend vollmundig kündigte der damalige Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel den damals noch Stachusbau genannten Großraum-Keller an:

Die Bewältigung dieser Aufgabe verlangte ein Bauwerk, das nach Dimension und Volumen wohl das größte darstellt, das in München bisher zusammenhängend an einer Stelle errichtet worden ist. Wäre es über statt der Erde ausgeführt worden, so würde es sowohl an Umfang wie umbauten Raum selbst den gesamten Komplex der Residenz übertreffen.(1b)

MIt Bescheidenheit ist man in München noch nie weit gekommen.
Doch die half dem Bauwerk nicht recht weiter, es wurde aus ihm sehr schnell ein Kellerkind.
Die großräumige Theke im Zentrum des Baus lud ebenso wenig zum Verbleib ein wie viele Geschäfte. Man ging vor allem durch, um schnellstmöglich seine U- oder S-Bahn zu erwischen oder an die vergleichsweise frische Luft an der weniger stickigen Oberfläche zu gelangen. Man durfte dort eigentlich nie gehen. Warten war auch nicht gerne gesehen.
Irgendwann machte das Stachus-Einkaufszentrum nur noch Schlagzeilen, wenn Polizei und Presse von Schlägereien berichteten. Die Stadt hatte auch nach über 20 Jahren ein Einsehen mit den Menschen, die die Sonnenstraße einfach nur kreuzen wollten und schaffte vor dem Justizpalast eine ebenerdige Überführung, die man aber bis heute nur in zwei Anläufen schafft. Der Zeitgewinn sollte gegenüber der Unterquerung soll höchstens marginal sein…

Auch das half dem Untergeschoss nicht mehr, das sehr viele Durchläufer aber keine Fans hatte. Einen Umbau im großen Stil konnte die Stadt nicht bewältigen, also verkaufte sie die unterirdische Residenz an die Stadtwerke, die wiederum in der Landesbank (!) Baden-Württemberg einen Investor fand.
Dennoch schritt der Umbau langsam voran, der Boden wurde marmoriert, die Decken mit runden Leuchtern versehen.

Die frisch marmorierten Stachus-Passagen (Bildausschnitt: fabi42/Flickr)

Das war aber nicht alles. Das Kellerkind sollte nun Namen bekommen. Für das gesamte Bauwerk entschied man sich für Stachus-Passagen, auch wenn die URL nur den Singular kennt.
Damit sich der Münchner Unterquerer auch schnell mit den aufgehübschten Räumlichkeiten identifiziert, wurde noch ein Wettbewerb ausgerufen, der den einzelnen Stockwerken eigene Namen geben sollte.
Kreativ durften die Teilnehmer nicht sein, denn “-Passage muss unbedingt vorkommen. Ob man “Karls-Rondell” direkt unter dem Brunnen als Sinn für Ironie oder als Audruck des Hasses werten kann, wird die Zukunft weisen. Der vom ungeliebten pfälzischen Kurfürsten Karl-Theodor errichtete Englische Garten wurde zu Beginn auch mutwillg zerstört. Die Liebe zu ihm entbrannte erst später.
Aber da das Sitzen unter dem Brunnen wohl auch zukünftig verboten sein wird, werden die Stachus-Passagen nur schwer als Naherholungsgebiet betrachtet werden.

1a, b Planungsbüro Obermeyer in Zusammenarbeit mit Landeshauptstadt München, der Deutschen Bundesbahn, et al: “Stachus Karlsplatz Stachusbau – Festschrift zur Vollendung der unterirdischen Ladenstadt und der Tiefgarage im Münchner Stachusbauwerk”; München, 1970

Nur eine Stasibude

765. Tatort: Schlafende Hunde (RB/Degeto; EA: 30.05.2010)

Ermittler: Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), Kommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen), Assistent Karlsen (Winfried Hammelmann)
Besetzung: Hans Rodenburg (Jürgen Prochnow), Anna Korzius (Laura Tonke), Kurt Schröder (Heinz Werner Kraehkamp), Dr. Katzmann [Pathologe] (Matthias Brenner), Mats (Kai Ivo Baulitz), Hannah Berger (Elisabeth Schwarz), Staatsanwältin Johannsen (Julika Jenkins), Ruth Thalheim (Marie Anne Fliegel), Nachbarin (Liane Düsterhöft), BKA-Mann (Thomas Ziesch)
Drehbuch: Wilfried Huismann, Dagmar Gabler; Regie: Florian Baxmeyer

Viele Fragezeichen und wieder mal einen Hund hinterlässt den Ermittlern aus Bremen der Mord an der Renterin Ruth Tahlheim. Durch ein mysteriöeses Gift, das erst nach der Obduktion nachgewiesen wird, ist sie umgekommen. Ruth Tahlheim hat vor der Wende für Firma Intertec, die Hans Rodenbruch aus dem Westen mit Material und Knowhow beliefert hat, gearbeitet und saß acht Jahre in Bautzen.
Nach einem behäbigen Anlauf versucht dieser Tatort eine Mischung aus Wirtschafts- und Politkrimi zu werden. Die Kommissarin sieht sich mit einer Vergangenheit konfrontiert, die nicht ihre ist, was ihr Assistent zunächst nicht wahrhaben will. Sie fahren nach Berlin um herauszufinden, daß die Stasi und ihre nach der Wende immer noch aktiven Arme ihre Finger im Spiel haben- “eine Stasibude”, wie Stedefreund recht bald konstatiert. Beide erfahren, daß es durchaus einen Zusammenhang zwischen fair gehandeltem Kaffee und illegalen Waffenexporten nach Venezuela gibt. Sie lernen: “Wer mit dem Teufel essen will, braucht einen langen Löffel.”

Wer ist der Täter? »

Dem ehemaligen Stasi-Mitarbeiter und jetzigen Sicherheitsschef von Rodenburg, Kurt Schröder, wurde die Rentnerin zu gefährlich. Denn sie hat herausgefunden, daß ihre zur Adpotion freigegebene Tochter die Geleibte von Rodenburg war.

Die Autoren haben einen Plot entworfen, der nicht mit Spannung geizt. Er zeigt, daß auch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer die Stasi nur auf dem Papier tot ist. Allerdings wird er mit Liebesgeschichten und scheinbaren Verwicklungen überfrachtet. Daß das Ende ein wenig offen bleibt, ist nicht die Schwäche dieses Falls.
Jürgen Prochnow als Rodenburg überzeugt überhaupt nicht, sondern spielt ziemlich lieblos eine Figur, die einige Widersprüche in sich birgt. Er deutet sie aber höchstens an. Dagegen ist Heinz Werner Kraehkamp als Sicherheitschef eine tragfähige Figur mit ordentlich Zynismus und übersteigertem Selbstvertrauen. Laura Tonke hatte schon stärkere Auftritte – ihre Anna Korzius kratzt zu sehr an der Oberfläche. Gelegentlicher Tiefgang wird zu schnell im Keim erstickt.
Überzeugen kann dieser Tatort mit seinen Bildern – klar und schonungslos. Das hätte auch der Geschichte gut getan. “Schlafende Hnde” kommt aus der Enge der Bude nicht heraus, was angeswichts der Fülle an Stoff wirklich zu bedauern ist. Daß der gefundene Hund sterben muss, passt insofern ganz gut ins Bild.
(6/10)

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus, Radio Bremen
Meinungen: Fielitz, Tittelbach.tv, Tatort-Forum

Goldzahn-Uwe und das Blues-Feeling

Eigentlich wollte ich etwas über Moosach schreiben, aber dann kam mir Schwabing dazwischen. Moosach muss also noch etwas warten…

Ich habe vorgestern vergessen, eine Fernsehsendung, auf die ich kürzlich aufmerksam gemacht wurde, anzukündigen, die ich nie gucke und heute auch nur in einer Aufzeichnung gesehen habe.
Das monothematische Magazin laVita des Bayerischen Fernsehens zeigte ein recht ansprechendes Portrait über Schwabing. Die durch das Viertel radelnde Moderatorin Janina Nottensteiner interviewte Menschen, die für die kulturelle Vielfalt zwischen Siegestor und Freimann stehen.

Freundlicherweise wurden neben schönen, schmeichelnden und klischeehaften Bildern hauptsächlich Kulturschaffende portaitiert und interviewt. Kritische Ansichten über die begeisterten Zugezogenen, die aber die urbane Ruhe in ihrem Quartier schätzen, werden in Nebensätzen erwähnt.
Der Geist des alten Schwabings wehte durch die Sendung, als der Maler Brosi Ambros ein wenig von früher erzählte. Er lebt und arbeitet seit über 40 Jahren in Schwabing, genauer im Schwabinger Kunstkabinett. Seine Werke thematisieren München, Schwabing und seine Menschen – Großstadtbilder eben. Schwabing sei zwar überschaubar, dennoch fehlen ihm Typen wie der Goldzahn-Uwe oder der Schotten-Schorsch. Er verklärt sie nicht, weil jede Generation ihr Schwabing entdeckt. Dazu gehört aber unbedingt der Blues. Ich weiß nicht, ob er montags im Drugstore gespielt wird, wenn sich alteingesessene Schwabinger dort treffen.
In dem liebevollen, gewachsenen Chaos des Ateliers stecken eine Menge Geschichte und Geschichten.

Ich hätte davon gerne mehr gehört und gesehen, stattdessen sehr gerne auf die Trambahnfahrt durch die Leopoldstraße des Oberschwabingers und selbst ernannten Kulturschaffenden Christian Ude verzichtet. MIt der Tour in die Parkstadt zog der schlechte Geruch des Wahlkmapfs in dieses ansonsten wirklich schöne Portrait, das Lutz Neumann (auch ein vor Jahrzehnten nach Schwabing Gezogener) sehr schön inszeniert hat.

(Die Sendung ist in der Mediathek des BR leider nicht zu sehen.)

[Nota bene:
Brosi Ambros und seine Frau stehen mir näher als die anderen in dem Portrait erwähnten Künstler.]

(Bild: BR)

Kalter Entzug im Sommer

Ein Sommer gleicht dem anderen. Es spielt keine Rolle, ob er nun besonders verregnet oder extrem heiß ist. Es ist immer der gleiche Sommer. Im Herbst, im Winter und im Frühjahr stehe ich samstags nach dem Frühdienst vor der Frage, wie ich denn nun den Nachmittag gestalte. Gehe ich in eine Kneipe, oder schalte ich den Hörfunk ein? Im Sommer muss ich mir etwas anderes überlegen. Alle zwei Jahre wird der Sommer durch ein Turnier unterbrochen.
Sehr fatal, weil mit erhöhter Schlagzahl viel gesendet wird, um dann, nach Beendigung der Festspiele, ums so tiefer ins Loch zu fallen. Ich spreche natürlich nicht von Festspielen auf den hochkulturellen Bühnen wie Salzburg oder Bayreuth, sondern von Fußball-Weltmeisterschaften oder -Europameisterschaften.

Darauf folgt der kalte Entzug.
Der bevorzugte Verein meint es in der einen oder anderen Sommerpause ganz gut mit mir. Gespielt wird nicht, aber der neu verpflichtete Trainer sorgt für amüsante Schlagzeilen. Buddha muss keine Tore schießen. Oder Uli Hoeneß beschert seine Fans mit spektakulären Geschenken, die man sich nicht mal zu Weihnachten erträumen ließe. Heuer gibt es weder das Eine noch das Andere.
Aber das ist alles nur Geplänkel. Es fehlt das Adrenalin des Spieltags. Es geht nichts über Schiedsrichterentscheidungen, Trainerrauswürfe, maulende Ersatzspieler, Kreuzbandrisse.

Ich bin nicht der Einzige, der unter diesem kalten Entzug leidet. Als bloggender Gemischtwarenladen kann ich die innere Leere mit anderen Themen kaschieren, aber das kann über meine Rammdsöigkeit während dieser langen Monate nicht hinweg täuschen. Andere können die Leere wortgewandt überschreiben, testen Burger, erfreuen sich an Testspielen und Neueinkäufen oder sie fahren in den Urlaub und lassen schreiben. Wohl dem, der das Geschehen immer global betrachten kann und dabei immer Stoff findet. Sehr raffiniert!

Vor lauter Verzweiflung schalte ich am Samstag nachmittag die Regionalsportsendung ein, um mich über die 3. Liga zu informieren. Aber dieses Methadon-Programm ist ziemlich lasch. Jahn Regensburg gegen SpVgg Unterhaching ist eben nicht Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen. Gut gemeinte Versuche der 2. Mannschaft des Leib-und-Magen-Vereins, Spieltag und Liga mit Kuriositäten anzureichern, bringen auch nichts.

Nein, auch Qualifikationsspiele zur Europa League oder ein Supercup sind uninteressant. KIndergeburtstag – mehr nicht. Sie sind nur Vorzeichen einer neuen Spielzeit, auf die man noch lange warten muss.

Es dauert noch lange zwei Wochen, bis die neue Bundesliga-Saison angepfiffen wird. Zeit wird’s. Denn ich kaue bereits an meinen Fingernägeln.

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