Ernschd beiseite

690. Tatort: Hart an der Grenze (SWR; EA: 09.03.2008)

Ermittler: Hauptkommissar Torsten Lannert (Richy Müller), Hauptkommissar Sebastian Bootz (Felix Krahe), Staatsanwältin Emilia Alvarez (Carolina Vera), Kriminaltechnikerin Nika Banovic (Miranda Leonhardt), Rechtsmediziner Daniel Vogt (Jürgen Hartmann)

Während Kommissar Bootz von Frau (Maja Schöne) und Kindern zu seinem Geburtstag beglückwünscht wird, trifft Torsten Lannert aus Hamburg ein und macht sich auf dem Weg in seine neue Dienststelle. Ein Penner (Christian Grashof) zieht ein totes Mädchen aus dem Neckar und beschert dem neuen Stuttgarter Tatort-Team den ersten Fall.
Das Mädel ist die weißrussische Adoptivtochter Sara des Paars Melanie (Susanne Schäfer) und Rainer Bongartz (Johannes Hitzblech), das sich an die Agentur New Life gewandt hat, weil es aufgrund seines Alters auf herkömmlichem Weg kein Kind mehr vermittelt kriegt. Ein Alexander Fauser (Stefan Rudolf) hat ihnen Sara vermittelt und es vor ein paar Tagen wieder abgeholt.
Um Licht ins Dunkel zu bringen, geben sich die Kommissare als Schwulenpärchen aus und sprechen bei der Agentur vor. Tags drauf bekommen sie einen Anruf von Fauser unhd fahren mit dem schicken CLS der Staatsanwältin zum TReffpunkt. Fauser ist schlauer und flieht. Die wilde Verfolgungsjagd endet mit teurem Blechschaden, einem untergetauchten Fauser und viel Ärger mit der Staatsanwältin. Eine Hausdurchsuchung ergibt nicht viel, außer, daß Lannert und Bootz auf Platz 257 von 258 bei der Vermittlung landen. Der glatte Geschäftsführer Frank Lüders (Jeroen Willems) gibt sich als Wohltäter für wohlhabende, kinderlose Paare.
Der einzige Schwabe im Team, der Gerichtsmediziner Vogt entdeckt auf den Photos der Bongartz, daß Sara im Gegensatz zur Leiche keine Fingerkuppe fehlt. Bei dem Mädchen muss es sich um die Zwillingsschwester Lena handeln. Fauser, der von einem Stammheim-Häftling als Michael Lehmann geoutet wird, flieht, bevor die Kommissare eintreffen.
Eine inszenierte Beerdigung fördert die Existenz von Eva Stein (Geno Lechner) zutage, die das Gspusi von Lüders ist. Lena war ein Geschenk an sie, weil er mit ihr kein Kind haben wollte. Schwer krank verstarb das Kind, und sie hat es im Neckar beerdigt.
Lehmann will Sara wieder an weißrussische Schlepper übergeben und schafft es auch über die tschechische Grenze. Lannert und Bootz bekommen Sara nach der obligatorischen Schießerei dennoch.
Und ihre Schwester Lena kriegt noch eine anständige Beerdigung.

Solider Auftakt der Bienzle-Nachfolger Lannert und Bootz. Mit der Gemütlichkeit ist es vorbei, es schwäbelt nur noch der Rechtsmediziner, und es wird nun Bier statt Wein getrunken. Die Schnitte sind schneller, was allerdings auch bedingt, daß Stuttgart, nicht nur wegen des fehlenden Dialkekts nun auch in Bielefeld oder Dessau liegen könnte. Warum nun auch in Stuttgart auf den Lokalkolorit verzichtet wird, ist mir unverständlich, erfreut sich zum Beispiel der Münchner Tatort großer Beliebtheit. Das ist aber der einzige Kritikpunkt.
Die Figuren werden als normale Menschen ohne großartigen Ballast eingeführt. Daß Bootz Frau und Kinder hat, wird gezeigt, aber nicht hochgespielt. Lannert steht wohl eher für den Großstadt-Cowboy, der noch ein wenig entwickelt werden kann.
UNter Holger Karsten Schmidt (Buch) und Elmar Fischer (Regie) entstand ein guter Auftakt, der Lust auf mehr weckt. Sehr angenehm: das Thema Adoption gegen Geld wurde ohne Pathos dargestellt.

Ein umfassendes Kompendium zu diesem Tatort gibt es im Fundus, Sopran hat liev gebloggt.

(Bild: ARD / SWR)

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