Das Pferd spricht

Bei der Übertragung von Olympischen Spielen wird man als pasionierter Sesselsportler mit Sportarten konfrontiert, von denen man während der der Olympiade wenig mitbekommt. Das Schießen ist so wenig interessant wie telegen. Beim Beachvolleyball der Frauen ist der Sport Nebensache, beim Turnen fühlt man sich bisweilen als Pädophiler, wenn man die jungen Mädels sieht, die angeblich alle mindestens 16 Jahre alt sind. Und es gibt Sportarten, die durch den Kommentator erst interessant werden. Das ist insofern bemerkenswert, daß man häufig den Eindruck hat, daß das Gezeigte eher zerredet denn begleitend kommentiert wird.
Carsten Sostmeier kommentiert die Reitsportwettbewerbe in der ARD. Der Mann kennt sich als ehemaliger Reiter und Pferdezüchter nicht nur mit den Befindlichkeiten von Ross und Reiter aus, er versteht es auch, sein Wissen, metaphorisch bis blumig dem Ignoranten vor dem Bildschirm nahezubringen. Dabei geht ihm in seiner Begeisterung für das Gezeigte schon mal der Gaul durch, und man kann ihm nicht nachsagen, die nötige Distanz aufzubringen. Er lobt, er tadelt, er wird hymnisch und macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl, wenn die deutschen Springreiter nicht das zeigen, was sie in seinen Augen können:

Wenn Ihr so weitermacht, lauft Ihr alle als Schimmel aus Hongkong heim!

Ja, er wird sogar massiv:

Jetzt blamiert Euch nicht weiter, Ihr deutschen Sattelakrobaten!

Dem Laien gibt er eine leicht verständliche Einschätzung:

Die Chance der Italiener, eine Medaille in der Mannschaft oder gar im Einzel zu bekommen, ähnelt der, mit gekochten Spaghetti Mikado spielen zu wollen.

Seine Art zu kommentieren, erklärt Sostmeier so:

Ich möchte die Poesie, die Schönheit und die Dramatik des Pferdesports mitteilen. Neben den Bildern. Damit die Zuschauer etwas Erläuterung haben und vielleicht eine Sensibilität bekommen. (Berliner Zeitung)

Carsten Sostmeier, fernsehpreisdekoriert für seine Kommentare aus Athen 2004, hat mich während dieser Spiele so weit gebracht, daß ich im Programm nach den Reitwettbewerben, die im Ersten ausgestrahlt werden, geschaut habe. Umso größer war die Enttäuschung, daß er gestern nur kurz zum Einsatz kam, weil später das Viertelfinale der deutschen Fußballfrauen anstand.
Vollkommen euphorisch war Sostmeier, als Hinrich Romeike auf Marius die Goldmedaille im Vielseitigkeitsreiten gewann:


(Link: YouTube)

Carsten Sostmeier – ein Höhepunkt der im Fernsehen vollkommen zerschnippelten Olympischen Spiele!

(Bild: Chefsna / Wikipedia Commons)

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