Edmund Stoiber verabschiedet sich von “der Südkurve der CSU”
Drei Stunden hat er nun zu seinem Volk, das ihn vor vier Wochen verschmäht und ihm in der Dreiländerhalle heute wieder zu Füßen lag, gesprochen. Es war der “voraussichtlich letzte Aschermittwoch mit Stoiber” (Markus Söder). Nein, das wollen wir doch nicht hoffen. Er soll schon nocht etwas von seinem Leben nach der großen, bayerischen Politik haben.
Seiner 46-seitigen Rede war nichts Neues zu entnehmen. Er lästerte über die anderen Parteien, hob die Errungenschaften seiner Amtszeit und seiner Partei hervor, wetterte gegen einen möglichen EU-Beitritt der Türkei, usw..
Aber es ist wirklich wirklich bemerkenswert, daß auch 18 Jahre nach seinem Tod Franz Josef Strauß immer noch über der CSU schwebt. Der abdankende Stoiber erwähnte seinen Vor-Vorgänger und Ziehvater in seiner Rede alleine zehn Mal!
“Eine starke und volksnahe Partei zu sein und zu bleiben, heißt, nah an den Menschen zu sein. Franz Josef Strauß pflegte zu sagen: Wir müssen ‘dem Volk aufs Maul schauen, aber nicht nach dem Munde reden!’”
“Klarheit in der Haltung, Klarheit in der Sprache – das gibt es nur bei der CSU! Das hat mich Franz Josef Strauß gelehrt und das muss auch so bleiben!”
“Soziale Marktwirtschaft ist eben nicht Marktwirtschaft pur. Sie ist geprägt von Ludwig Erhard, der aus Nürnberg kommt, und erst Wirtschaftsminister und dann in Deutschland. Und sie ist natürlich geprägt von Franz Josef Strauß.”
Die anderen sieben folgenden Bezugspunkte schenke ich mir an dieser Stelle.
Von seinen potentiellen Nachfolgern wurde lediglich Erwin Huber erwähnt. Das hat er wohl dem Umstand, daß er als niederbayerischer CSU-Vorsitzender mehr oder weniger der Gastgeber ist, zu verdanken.
Renate Künast, die kein Regierungsamt mehr bekleidet, dagegen wurde zweimal erwähnt…
Insgesamt blickte Stoiber auf sich (“Deswegen habe ich als junger Mann meine berufliche Laufbahn gestartet im ersten Umweltministeriums Europas.”) und die CSU zurück. Und er drohte an: “Ich werde alles dazu beitragen, was ich kann, dass die CSU auch in Zukunft erfolgreich ist.” Um die heimischen Blumen darf sich auch nach dem 30.09. seine Frau kümmern.
Bei aller Selbstbeweihräucherung war Stoiber so galant zuzugeben, “dass die Partei nicht direkt die schöne Landschaft (Bayern) gemacht hat.” Will heißen: Die blühenden Landschaften, die Helmut Kohl einst den neuen Bundesländern versprochen hat, verdankt Bayern der tatkräftigen Unterstützung durch die CSU.
Und was passierte bei der “unter Minderheitenschutz” stehenden SPD in Vilshofen? Sie beschäftigte sich in erster Linie mit dem Requiem, “wo der Leichnam seinen eigenen Nachruf halten darf.”
Das ist zwar gut gebrüllt, Herr Stiegler, zeigt aber gleichzeitig das Dilemma der bayerischen SPD. Anstatt einen zünftigen Wahlkampf einzuläuten, zieht Ihr es vor, Euch mit mit der CSU zu beschäftigen. So wird es nicht mal hinhauen, die absolute Mehrheit zu knacken.
Das riecht eher nach 15% als nach 30%, liebe Genossen!
Django Asül wartet schon mit seiner Fastenpredigt – auf eine süffige Fastenzeit!
Nachtrag:
Im Manuskript ist natürlich nicht vom amerikanischen Präsidenten Breschnew de Rede…

Der Versprecher ist ja echt nett: “Ich habe es für wohltuend empfunden, dass die Bundeskanzlerin gegenüber dem amerikanischen Präsidenten Breschnew Guantanamo kritisiert hat.”
Im übrigen scheint der Geist von Franz Josef Strauß ja auch über der Diskussion über den Nachfolger zu schweben.