So, der erste Tag ist vorbei. Eine kurze wie belanglose Feier eröffnete die Europameisterschaft, beendete aber nicht das inhaltsleere Gerede.
Schweiz – Tschechien 0:1
Ein typisches Eröffnungsspiel. Die leidenschaftlich kämpfenden Schweizer, die mit Alexander Frei früh ihren einzigen richtigen Stürmer verloren, brachten die gefälligen aber uninspirierten Tschechen an den Rand einer Niederlage, musste aber das 0:1 kassieren und konnte den Rückstand nicht mehr ausgleichen. Für mich wirkten die Tschechen wie ein Schatten vergangener Tage. Pavel Nedved und Karel Poborsky konnten nach ihrem Rücktritt nicht adäquat ersetzt werden, auch der ausfall von Thomas Rosicky wiegt sehr schwer. Es ist schon bezeichnend, daß nun der spielerisch wenig überzeugende David Jarolim in der Zentrale spielt. Die junge Schweizer Mannschaft machte den Eindruck, als ob dieses Turnier noch eine Nummer zu groß für sie wäre.
Ärgerlich war in der Nachbetrachtung durch durch die selbsternannte Dreierkette Johannes B. Kerner, Jürgen Klopp und Urs Meier, das Breittreten von Freis vorzeitigem Turnier-Aus. Daß Klopp als zukünftigem Trainer von Frei das naheging, ist nachzuvollziehen, daß Kerner aber das Spiel darüber vergaß, war absolut unnötig. Alerdings it ihm zugute zu halten, daß es über das Spiel wirklich nicht allzu viel berichten gab…
Portugal – Türkei 2:0
Wow! Es war keine überrragende Leistung der Seleccao, aber eine sehr geschlossene mannschaftliche Darbietung, die gezeigt hat, daß Portugal nicht nur aus Cristiano Ronaldo besteht (was mich angesichts des Hypes um ihn sehr beruhigt). Er war zwar an den meisten Offensivaktionen beteiligt, aber das Aufrücken und die Anspielbarkeit in der türkischen Hälfte war wirklich beeindruckend. Nuno Gomez, mittlerweile der letzte Spieler der goldenen Generation um Luis Figo und Rui Costa, war sehr agil, Deco kommt langsam wieder zurück, Joao Mutinho und Simao bilden wirklich eine beeindruckende Offensive. Die Abwehr trägt viel zum Spielaufbau bei, und daß Pepe das 1:0 schoss, entsprang keinem Zufall. Neben dem spielerischen Vermögen scheint die Mannschaft auch über das entscheidende Killergen zu verfügen. Genau lässt sich das wohl erst im Viertelfinale überprüfen, denn von den verbleibenden Gruppengegner Schweiz und Tschechien in der heute gezeigten Verfassung muss sich Portugal wahrlich nicht fürchten. Mit Luiz Felipe Scolari als Trainer hat man die passende Drecksau einen ausgefuchsten Taktiker und Dompteuer auf der Bank. Überhaupt war es das Spiel der cholerischen Trainer, Solari und Fatih Terim zeigten sich sehr engagiert in ihrer Coaching Zone, während im Eröffnungsspiel mit Jakob “Köbi” Kuhn und Karel Brückner eher zurückhaltende Typen im feinen Zwirn das Spiel verfolgten.
Leider wurde das Spiel vopm deutschen Schiri Herbert Fandel geleitet. Das hat dem Spiel nicht geschadet, aber leider war der Fokus während und nach dem Spiel sehr auf ihn gerichtet. Beim Kommentator Wark hatte man den Eindruck, er sei der beste Mann auf dem Platz gewesen. Sehr schön, daß Urs Meier – ohne überheblich und düpierend zu wirken – das abgepfiffene Tor von Pepe als Fehlentscheidung auflöste.
Nachbetrachtung
Der Auftakt war nicht vielversprechend, was in erster Linie an den Mannschaften lag. Überzeugen konnte nur Portugal, die vorne wirkungslose Türken hinten viel beschäftigten. Ein Geheimfavorit ist die Seleccao nicht, sie ist ein Favorit, wie auch zurecht bei Dogfodd angemerkt wurde. Die Schweiz lebt von ihrer Leidenschaft, mit Glück reicht es fürs Viertelfinale. Gewinnen aber die Tschechen gegen die nach den heutigen Eindrücken gleichstarke Türkei, bleibt den Eidgenossen der nur der Blick durchs Alphorn ins Gebirge.
Bei der Dreierkette des ZDF ist Kerner als Moderator das schwächste Glied. Wenn Kahn auf Klopp und Meier folgt, kann man nur auf markige Sprüche von ihm hoffen. Taktische Erkenntnisse wird es leider nicht mehr geben. Denn das macht der begeisterungsfähige Klopp wirklich hervorragend und lässt sich auch nicht vom faselnden Moderator beeindrucken.

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