BL 09/10 #21: Arroganz und Schmach

Ich finde nicht, dass wir gut Fußball gespielt haben. Ich bin sehr böse. Wir haben arrogant gespielt.

Der Trainer hat gesprochen. Arjen Robben hat es wohl schon geahnt, denn er verzichtete diesmal darauf, nach seinem frühen Tor seinen Vorgesetzten anzuspringen. In der 2. Halbzeit hat man wirklich nicht viel gesehen, aber ich hatte nicht den Eindruck, daß mehr notwendig gewesen wäre. Dennoch sprang der achte, ungefährdete Sieg am Stück heraus.
Zugegeben, die sich und ihre Form suchenden Wolfsburger waren nicht wirklich ein ernstzunehmender Maßstab. Die Abwehr ist ein Schatten ihrer selbst. Letzte Saison hätte ein van Buyten nicht so sträflich alleine im Strafraum stehen und können und in aller Ruhe den Kopfball zum 2:0 einnicken können. Der gutmütige Franke Lorenz-Günther Köstner wird wohl froh sein, wenn er von der Herkules-Aufgabe, diese Mannschaft wieder auf Vordermann zu bringen, erlöst wird. Aber das ist nicht unser Problem.

Auf leichtfüßige wurde die Vorjahresschmach zwar nicht vergessen gemacht, aber wenigstens relativiert. Auch Grafites unnötiges Tor, bei dem Abwehr wieder nicht gut aussah, ändert daran nichts. Dabei fällt auf, daß van Gaal die Mannschaft auch personell gehörig umgebaut hat. Mehr, als man vor der Saison vermuten konnte. Nur vier Spieler – Lahm, van Bommel, Schweinsteiger, Ribéry – standen letzte Saison auch beim 1:5 auf dem Platz. Spieler wie Butt, Demichelis, van Buyten, Klose waren verletzt oder saßen auf der Bank. Acht in der Vorsaison eingesetzte Spieler sind gar nicht mehr im Verein. Wolfsburg hingegen trat bis auf drei Ausnahmen mit der gleichen Mannschaft an.

Louis van Gaal macht es jedoch nicht verkehrt. Die Mannschaft nach so einem Spiel wachzurütteln, ist richtig. Zu leicht funktioniert es derzeit, der Weg zur Arroganz und Selbstgefälligkeit ist nicht weit. Damit dürfte es sam Samstag erst einmal vorbei sein, denn Dortmund ist eine unangenehm zu spielende Mannschaft, die vor allem defensiv besser sortiert ist, als es die letzten Gegner waren.

Bemerkenswert ist auch, daß es bei van Gaal so etwas wie Unantastbare gibt, die vor der Saison niemand auf der Rechnung hatte. Thomas Müller ist so einer, der fast immer durchspielt. Seine taktische Flexibilität und gute Schulung – der Pass zu Robbens 1:0 war zum Zungeschnalzen – erspart ihm die Auswechslung, die der felißige, aber manchmall irrlichternde Olic häufig bekommt. Sollte Franck Ribéry mal wieder von Anfang an spielen, wird der Kroate wohl auf der Bank Platz nehmen müssen; vermutlich nächsten Samstag gegen Dortmund.

Kommenden Mittwoch ist mal wieder Pokal; Gegen Greuther Fürth bietet sich für den einen oder anderen Bankdrücker (Klose!) die Gelegenheit, mal wieder von Anfang an zu spielen.

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