756. Tatort: Königskinder (RB/WDR; EA: 07.02.2010)
| Ermittler: Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), Kommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen), Assistent Karlsen (Winfried Hammelmann) Figuren: Markus Messenburg (Oliver Stokowski), Sonja Messenburg (Christine Kutschera), Bernd Petermann (Dirk Borchardt), Edith Siemers (Bibiana Beglau), Rüdiger Wilke (Lars Rudolph), Udo Bolz (Frank Jacobsen), Adrian Plöger (Peter Kremer), Jelena Tiburski (Julia Gorr), Ratko Jacopec (Ivan Shvedoff), Timo Zeschnig (Ronnie Paul) Drehbuch & Regie: Thorsten Näter |
Es wird erneut privat am TATORT. Die Kommissarin Inga Lürsen fällt nach einem Treppensturz ihrem behandelnden Arzt in die Arme, während Nils Stedefreund mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird.

Immerhin: Morde
Man kann dem Autor und Regisseur Thorsten Näter, der schon einige Bremer TATORTe geschrieben und inszeniert hat hat, nicht vorwerfen, mit Morden zu geizen. Zu Beginn wird die Gattin des Industriellen Markus Messenbach bei einem Raubüberfall in dessen Haus ermordet. Dem gefesselten Messenbach gelingt es, sich zu befreien, dabei erschießt er einen der Täter in Notwehr. Der Überfall in das schicke Anwesen in Bremerhaven gleicht drei zuvor begangenen Raubüberfällen. Nur die Leiche irritiert die Ermittler – und im weiteren Verlauf auch den Zuschauer, weil er nicht einordnen kann, was dieser Mord bezweckt.
Ist es die Rache Messenburgs ehemaligen Angestellten Timo Zeschnig? Wie steckte die Messenburgs in einer Ehekrise? Was verschweigt Messenburgs Sekretärin Edith Siemers? Sehr schablonenhaft wird eine Kriminalgeschichte erzählt, die zwar Spannung bietet, aber wenig begeistern kann, weil Motiven und Charakteren zu wenig Entfaltungsmöglichkeiten geboten werden. Einzig Bibianas Beglaus Sekretärin wird etwas konkreter gezeichnet, wenn auch klischeehaft.
Es wird – auch sehr stereotyp – eine dubiose Prostituierte in die Geschichte eingeflochten, die etwas zu wissen scheint. Doch die muss auch sterben und kann deshalb zur Klärung des Falls nicht beitragen. Mit einer Falle gelingt es Inga Lürsen, den Täter zu überführen, während Nils Stedefreund damit beschäftigt ist, mit den Schatten seiner Vergangenheit zu kämpfen.
Stedefreunds Vergangenheit
Es gehört leider zum schlechten Ton, dass Ermittler in einen Fall persönlich involviert sind. Dieses Mal ist es Lürsens Assistent, der das tote Opfer kannte. Mit Sonja Messenburg war Stedefreund einst zusammen, als er mit ihrem Bruder Bernd Petermann in Bremerhaven die Polizeischule absolvierte. Zusammen mit Edith Siemers bildeten sie eine Clique. Vom Fall wird Stedefreund nicht abgezogen, weil es von Vorteil ist, dass er sich in Bremerhaven auskennt. Außerdem soll er seine ehemaligen Kumpel Petermann daran hindern, auf eigene Faust zu ermitteln.
Lürsens Gegenwart
Nach ihrem Treppensturz beschließt Inga Lürsen Gleichmut. Sie will sich nun gar nicht mehr aufregen. Sie akzeptiert, dass ihre Tochter Helen ausgezogen ist, ohne ihr vorher Bescheid zu geben. Helen hinterlässt ihrer Mutter Paul, weil im Polizeiwohnheim keine Hund erlaubt sind. Für den Zuschauer ist das erfreulich, weil Helen weder zu sehen noch zu hören ist. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass die Tochter ihre Karriere außerhalb Bremens fortsetzt. Paul hat nun kein Frauchen mehr und wird zwischen Lürsen, Stedefreund und Karlssen hin- und hergeschoben. Der gutmütige Zuarbeiter Karlssen wird so etwas wie eine Bezugsperson für den waisen Vierbeiner. Doch auch ohne Tochter hat Inga Lürsen ein Privatleben. In aller Gelassenhet verliebt sich die Kommissarin in ihren Arzt Dr. Adrian Plöger, dem sie am Schluss auch noch das Leben rettet.
Schon lange vorbei?
“Die wilden Zeiten sind schon lange vorbei”, sagt der Doktor zu seiner geliebten Kommissarin. Die guten Zeiten des Bremer TATORTs anscheinend auch, denn der dritte schwache Fall nacheinander legt diese Befürchtung nahe.”Königskinder” hat wenig TATORT-Qualitäten, bisweilen driftet er sogar ins Pilchereske ab. Doch dafür gibt es im ZDF parallel zur TATORT-Sendezeit einen eigenen Platz. Einzig die Bilder aus Bremerhaven können gefallen.
Die inzwischen schon regelmäßige persönliche Verknüpfung der Kommissare in ihre Fälle ist keine Garantie für eine gute Geschichte. Diese Folge beweist das eindrucksvoll.
Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus, Radio Bremen
Meinungen: Annabell mit Gastbeitrag, Fielitz, MayavonderSpree, Tittelbach.tv, Tatort-Forum

So, und nun mal auf Deutsch:
Ich habe zufällig zwei Minuten des Tatorts mitbekommen: Die Kommissarin kam nach ihrem Treppensturz gerade wieder zu sich, ihre Kollege hockte neben ihr. Was dann folgte, war der schlechteste Filmdialog, den ich seit langem gehört habe, von den Darstellern entsprechend hölzern vorgetragen. Zum Glück war die Szene aber auch dermaßen schlecht aufgelöst, dass Dialog und Bild eine Einheit des Grauens bilden konnten. Wenigstens gab es auf 3sat eine Dokumentation mit niedlichen Tieren (Hammerhaie), die mich wieder mit der Fernsehwelt versöhnen konnte.