Sepp Maier geht in Rente

Namen waren genügend im Angebot: Marco van Basten, Rafael Benítez, Paul Breitner, Volker Finke, Guus Hiddink, Gérard Houllier, Mark Hughes, Dieter Hecking, Marcello Lippi, Jürgen Klopp, Lothar Matthäus, José Mourinho, Peter Neururer, Frank Rijkaard, Bernd Schuster, Armin Veh und Arsène Wenger.
Diese Namen sind Schall und Rauch: Jürgen Klinsmann wird neuer Bayern-Trainer. Eine mutige und überraschende Entscheidung, wenn man bedenkt, daß Klinsmann nicht gerade im Frieden aus München gegangen ist. Die Auseinandersetzung um Oliver Kahn (“Mich tangiert es nicht mehr”, in der Pressekonferenz vom heutigen Mittag) vor der WM, in der gerade Uli Hoeneß sehr viel Öl ins Feuer gegossen hat, das in der Presse kolportierte Hausverbot von Klinsmanns Berater beim FC Bayern, hinterlassen zumindest einige Fragezeichen. Antworten darauf gab es nicht.

Die Pressekonferenz offenbarte, daß Klinsmann vor allem Rummenigges Kandidat war. Uli Hoeneß hat den polyglotten Schwaben durchgewunken, der Franz durfte abnicken (und gab dementsprechende Allgemeinplätze ab).

Wirklich sinnvoll ist dieser Coup eigentlich nur dann, wenn es Klinsmann gelingt, einen Nachfolger aufzubauen, der das von ihm begonnene Werk weiterführt (oder eben länger bleibt). Ob er wie bei der Nationalmannschaft einen wie Löw aufbaut, bleibt nach dieser Pressekonferenz offen. Einen größeren Trainerstab mit “Spitzenleuten aus Amerika und Europa” wird er mitbringen. Sicher ist eigentlich nur, daß Torwarttrainer Sepp Maier in Rente gehen wird.
Klinsmann steht einerseits für große Emotionalität, andererseits für Kalkül und projektorientiertes Denken. Die tägliche Vereinsarbeit wird sicher energieraubender sein als die beim DFB. Der vereinbarte Zeitrahmen von zwei Jahren lässt darauf schließen, daß er bei den Bayern nicht alt werden will.
Spieler wie Klose, Podolski, Schweinsteiger und Jansen werden sich sicher auf ein Wiedersehen mit Klinsmann, der sie als Bundestrainer sehr gefördert hat, freuen. Der Respekt internationaler Spieler wie Ribery, Toni und Lucio dürfte ihm sicher sein, auch wenn er als Vereinstrainer noch nicht gearbeitet hat (übrigens der erste seit Sören Lerby…).

Auch wenn Klinsmanns Tätigkeit beim FC Bayern “kein Reformprojekt ist”, überrascht das Engagement dennoch. Der Liga-Primus hat bei einem möglichen Scheitern mehr zu verlieren als Klinsmann. Für die Bundesliga könnte diese Personalie indes eine größere Signalwirkung haben und konzeptionell arbeitenden Trainern wie Favre, Hecking, Klopp und Veh weiteren Auftrieb geben. Wenn man sich das internationale Abschneiden der Bundesliga-Vereine der letzten Jahre so betrachtet, ist die Entscheidung gar nicht so egoistisch, wie sie auf den ersten Blick vermuten lässt.

Die Blogger-Szene ist überrascht.

(Bild: FC Bayern München)

7 Responses to “Sepp Maier geht in Rente”


  • Überraschend die Entscheidung, nachdem Franz Beckenbauer Jürgen Klinsmann vor der WM doch recht ordentlich kritisiert hat. Für reichlich Diskussion ist gesorgt. Bzw. hoffe ich, daß die Boulevard-Blätter aus Klinsmann nicht wieder “Klinsi” kreieren, so vorschulmäßig. Ich selbst hätte mir lieber “Kloppi” gewünscht.

  • Der Klinsmann braucht ja noch seinen “Löw”. Deshalb ist für Kloppo der Zug noch nicht abgefahren…

  • “Kloppo” klingt auf alle Fälle erwachsen.

  • Eine mutige und überraschende Entscheidung, wenn man bedenkt, daß Klinsmann nicht gerade im Frieden aus München gegangen ist.

    Das fand ich auch. Aber die Münchener denken eben auch immer an die Publicity, die eine solche Meldung hat und natürlich die nachhaltige Wirkung bei den Fans. Aber an Zuschauerzahlen mangelt es dem FC Bayern ja sicher nicht. Ich bin gespannt, wie es sein wird, wenn die kritische Münchener Presse die ersten Stockhiebe auf den neuen Trainer niederprasseln wird. Für seine Geduld ist Klinsmann ja nicht gerade bekannt. Aber man wird ja älter (und klüger?).

  • Also, gestern hab ich’s dann gleich in einem der täglichen Boulevard-Blätter gesehen, auf der ersten Seite: “Klinsi”. Kann man nix machen. Schreibt man sich die Hände blutig. Vielleicht hat Klinsmann sich ja weiter entwickelt. Das Boulevard jedenfalls verharrt auf dem unlehrbaren Stand von Schultütenträgern

  • @Giovanni:
    Es ehrt Dich ja, daß Du noch daran glaubst, daß sich die Yellow Press weiterentwickelt. Aber ist das nicht vergebliche Liebesmüh?

  • Es ist vollkommen sinnlos. Es steht geschrieben in einem weiteren Boulevard-Blatt: Klinsi. Es ist vergeblich.

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