Zensur 2.0

Die Photogemeinschaft flickr ist eigentlich eine feine Sache. Man kann Bilder in einer breiten Öffentlichkeit präsentieren und Kontakte in aller Welt knüpfen.
Nun wurde vor einiger Zeit flickr für gutes Geld von Yahoo gekauft. Das war für die Erfinder wohl ein großer Reibach (denen ich ihnen auch gönne), der Sache tat es aber nicht gut. Denn während man einerseits die Menüführung auf deutsch, französisch, italienisch, porugiesisch und spanisch erweitert, hat man andererseits für Nutzer aus Deutschland, Hongkong, Korea und Singapur die Zensur eingeführt. Die erspart es dem unselbständigen Mitglied darüber zu befinden, ob es ein Bild anstößig findet oder nicht. Das übernimmt flickr für mich, indem es Bilder, die als “moderate” (“mittel”) und “restricted” (eingeschränkt”) in der Suche rausfiltert. Eigentlich kann diese Entscheidung auch nicht verwundern, wenn man sieht, wie Yahoo zu den Menschenrechten steht. Yahoo bzw. flickr lassen sich über die Motive dieser Entscheidung nicht aus, deshalb kann man nur Vermutungen anstellen, ob diese Entscheidung, über die die Kunden nicht per e-mail informiert wurden, mit den Hamburger Forenurteilen zusammenhängt.
Noch findet man Bilder aus Heiligendamm und von Männern, die ihre Männlichkeit durch eindeutige Positur darstellen. Aber wenn man sich Schäubles Gebaren der letzten Monate anschaut, kann einem schon angst und bange werden…

Der Protest in den diversen flickr-Gruppen ist vehement und dennoch kreativ:
Keine Zensur!!
Keine flickr-Zensur!
Against censorship at Flickr

Bloggermeinungen:
Don, Zufallsfaktor, Blogbar, Sprechblase und Sopran

Noch kann ich mich nicht dazu durchringen, meinen flickr-Zugang zu löschen, was auch daran liegt, daß die Alternativen (noch) nicht die Möglichkeiten bieten, die die Yahoo-Tochter offeriert. Wäre ich wirklich mal konsequent, müßte ich den Zugang plattmachen…

4 Responses to “Zensur 2.0”


  • Leider haben alle Alternativen (teilweise erhebliche) technische oder auch administrative / rechtliche Mankos. Das wesentlichste Problem ist aber das, was ja auch die Stärke von Flickr ist – die community. Mit einem Weggang beraube ich vor allem mich selbst vieler gewachsner Beziehungen und Freundschaften, die über die Community entstanden sind, des täglichen Blicks in das Leben von Leuten die einem ans Herz gewachsen sind, egal ob sie in einem australischen Kaff, East Anglia, Kota Bahru, Seattle oder Brasilien leben… das kann derzeit keiner der anderen Abieter leisten (und selbst wenn, migrieren die Kontakte ja nicht mit). Es gibt also nur win-lose Situationen….

  • 23hq probiere ich gerade aus. Aber so richtig überzeugt mich das nicht…

  • Ich bin jetzt probeweise bei ipernity http://www.ipernity.com/home/sopran
    Sieht aus wie flickr, aber alles auf französisch, Übersetzung in Arbeit. Auch in Arbeit: Gruppen. Dass es die nicht gibt, ist derzeit das (einzige?) große Manko. Dafür geht auch Video, Audio, Dokumente, Blog. Einige flickr-Kunden sind da schon aufgeschlagen.

  • Bei 23hq geht alles, wie bei Flickr und mehr. Allerdings fehlt mir da dreistufige Rechtekonzept mit Familie, Freund, Andere. Bei 23hq gibt es nur Famile und Andere. Die Kategorisierung bei Flickr fand ich nicht schlecht, so lange ich das Recht auf Selbstbestimmung hatte. Ich erwarte nicht, das Flickr auf den Protest eingeht und einlenkt. Die paar Tausend kritische Deutsche sind verzichtbar es gibt auch in Deutschland genügend Leute, denen ihre Bürgerrechte gleichgültig sind.

    Ich ziehe um zu 23hq, weil mir Zooomer zu fehlerhaft ist, und das Konzept besser gefällt. Bei Flickr lasse ich einen Account, um lieb gewonnene Kontakte weiter zu pflegen. Geld sieht Flickr von mir nicht!

    Was bei Flickr passiert ist ärgerlich. Was in Deutschen Landen unter dem Vorwand der Terrorabwehr passiert ist viel bedrohlicher.

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