Wenn ich kurz nach halb acht in den Supermarkt gehe, sind meine Erwartungen an das Sortiment gering. Frische Biomilch am Abend zu bekommen, ist ein Glücksspiel. Meistens suche ich ihn nur auf, wenn ich vorher vergessen habe, etwas zu besorgen, was für das Abendessen wesentich ist. Die Übersichtlichkeit in den Kühlregalen und und an der Kasse lässt den Eindruck zu, daß es vielen anderen Konsumenten ähnlich geht.
Nur wenige sind darüber erbost, tun dies dafür umso lautstarker kund. Ich packte meinen Einkauf in die Tragetasche, als die Dame nach mir ihr Leid klagte.
“Haben Sie wenig Auswahl an Frischfleisch. Schnitzel, Steak. Vom Schwein!” So groß schienen die Ansprüche ans Fleisch nicht zu sein. Das freundliche junge Mädel auf der anderen Seite des Warenbands wusste nicht, was sie sagen sollte. Ich drehte meinen Kopf langsam zur Fleischjägerin und entgegnete ihr: “Um diese Uhrzeit…” Das erzürnte sie vollends: “Halten Sie sich raus. Geht Sie nix an.” Ich entschied mich, darauf nicht zu antworten. Nachdem die Tasche gefüllt war, bedankte sich die Kassiererin bei mir.
Und nach mir gab es wohl keine Balkanplatte zum Abendessen…
Monthly Archive for Mai, 2010
Eine bewegte wie eindrucksvolle Spielzeit liegt hinter uns. Eine Saison, von der man im Herbst nicht ahnen konnte, daß sie – fußballerisch! – einen drei Monate anhaltenden Mai beinhalten würde. Louis van Gaal hat aus einem Acker eine blühende Landschaft gemacht, die nicht nur mit zwei Titeln belohnt wurde, sondern auch mit vielen Lorbeeren bedacht wurde.
Tor
Michael Rensing (1) Als Nummer 1 gestartet, mit der Hoffnung, daß das immer noch unwürdige Absägen durch Klinsmann vor dem 0:4 in Barcelona blinder Aktionismus war. Er leistete sich nicht wirklich zumindest einen Klops, strahlte aber nicht die Sicherheit aus und wurde am 4. Spieltag durch Hans Jörg Butt ersetzt. Inzwischen ist er nicht mal mehr bei Red Bull Salzburg im Gespräch. Die haben Gerhard Tremmel, einen gebürtigen Münchner, der zuletzt das Tor vom Zweitligisten Cottbus gehütet hat, verpflichtet. Er kann noch auf einen Job bei Hertha BSC hoffen.
Hans Jörg Butt (22) Er ist auch eine Kampfansage an die Kahn-Ära. Verbissenheit und Stärke auf der Linie sind nur zwei Kriterien. Aber er ist trotz seiner 36 Jahre ein mitspielender Torwart, der nach seinen Angaben auch im hohen Alter vom Trainer der Niederländer profitiert hat. Er stellte seinen Wert nicht nur im vergangenen Finale in Madrid unter Beweis. Dennoch weiß ich nicht, was ich von seiner WM-Nominierung halten soll.
Abwehr
Philipp Lahm (21) Nach anfänglichen Schwierigkeiten etablierte er sich auf der rechten Außenbahn. Er ergriff, als es wieder mal ernst wurde, beherzt das Wort. Fortan lief es. Er hat im Herbst wohl den richtigen Gladiolen-Dünger geschluckt.
Christian Lell (30) Saß nicht mal auf der Bank auf rechten Seite, dennoch durfte er ein Spiel bestreiten: gegen SpVgg Greuther Fürth, wo er in der 2. Halbzeit Contento weichen musste. War im Winter nicht erreichbar. Die vergeblich anrufenden Vereine dürfen sich im Nachhinein glücklich schätzen.
Andreas Görlitz (13) Er saß zumindest am richtigen Mischpult. He’s gone to Bernabéu, wenn auch nur als Tribünengast. Angeblich sucht der FSV Mainz 05 einen neuen Einheizer – sei es auf rechts oder als Stadion-Support.
Daniel van Buyten (5) Der Catcher-Sohn schwang sich zu Saiosnbeginn in Abwesenheit des verletzten Demichelis zum Abwehrchef auf. Er spielte eine solide Spielzeit, offenbarte aber immer wieder Schwächen – zuletzt im Finale gegen Mailand.
Martin Demichelis (6) Machen wir uns nichts vor: Der Mann kann es – wenn er wil. Er wollte es zu selten. Er spielte eigentlich nur zweimal gut. Daheim gegen Lyon – und im Rückspiel. Der in der Rückrunde einzige Südamerikaner spielt eine geile WM und ist danach weg.
Breno (15) Wurde zur Rückrunde an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen, wo er sich so sehr mit dem Verein identifizierte, daß er sich einen Kreuzbandriss zuzog.
Holger Badstuber (28) Der Allgäuer ist einer der Aufsteiger. Als Linskfuß musste er, gemäß der Doktrin des niederländischen Gladiolen-Züchters, auf der linken Außenbahn häufiger ran, als es der Mannschaft guttat. Er bot allerdings als Demichelis-Backup bessere Spiele als das Original. Er darf zur WM.
Edson Braafheid (4) Er galt zu Saisonbeginn als Unfehlabrkeitsdogma des Trainers. Seine Langsamkeit auf Links wurde allerdings undogmatisch unerträglich. Zur Winterpause nach Schottland verliehen darf er dennoch zur WM. Verstehe einer die Holländer…
Diego Armando Contento (26) Alleine der Name schon! Wäre er im CL-Finale eingewechselt worden, wäre das Spiel mit zwei Italienern abgepfiffen worden. In der Rückrunde häufiger zum Einsatz gekommen, zeigte er mutige Ansätze nach vorne.
David Alaba (27) Ihm hätte das Spiel in Frankfurt das noch junge Kreuz brechen können. 17 Jahr, dunkles Haar durfte er in den letzten Minuten in Lyon ran. Jung, unverbraucht und dennoch Rekordhalter: er ist jüngster A-Nationalspieler in Österreich.
MIttelfeld
Mark van Bommel (17) Der Kapitän stand in Augen vieler (auch meiner) vor der Saison auf der Kippe – Anataloly Tymoshchuk winkte mit seinem Stirnband. Nach seiner Zehen-Verletzung war er fast schon abgeschrieben. Aber er kam zurück – und wie! Nicht gerade geläutert, aber reifer. Er nahm Bastian Schweinsteiger an die Hand und zeigte ihm, wie man sich im defensiven Mittelfeld so benimmt. Darüber hinaus zeigte er, was ein Kapitän ist. Ein Mannschaftspieler muss man sein. Eine klare Steigerung zu Oliver Kahn.
Anatoly Tymoshchuk (44) Ein grundsolider Mensch. Angeblich mit eigenem Friseur, Masseur und Pressesprecher augestattet hat man von ihm in der Saison wenig wahrgenommen. Er fügte sich klaglos in seine Rolle als Bankhalter. Leider ist sein Spiel für van Gaals System zu langsam. Gilt als Klinsmann-Einkauf – diese Schmach hat er nicht verdient, weil er gezeigt hat, daß auf ihn Verlass ist, wenn man ihn braucht. Der tragische Held dieser Gladiolensaison.
Bastian Schweinsteiger (31) Ohne Wenn und Aber: Er ist ist der Spieler der Saison! Zur Verwunderung vieler galt er vor der Saison als gesetzt, weil der Stellvertreter des Stellvertreters bei van Gaal immer spielt. Aber wo? Zu Beginn hoffte er, auf der Zehn eingesetzt zu werden. Auf der durften sich als Platzhalter für Franck Ribéry, Jose Ernesto Sosa, Alexander Baumjohann und Thomas Müller versuchen. Alle wenig erfolgversprechend – zwei wurden transferiert, der dritte fand seine Rolle, aber dazu weiter unten mehr. Nach der Systemumstellung wurde Schweinsteiger neben van Bommel gestellt und fand seine Bestimmung. Er wurde Abräumer und war für den Spielaufbau zuständig. Unvorhergesehene Belohnung: Er darf bei der WM den Ballack geben und zeigen, was er bei van Gaal und an van Bommels Seite gelernt hat.
Danijel Pranjic (23) Noch so eine van Gaal-Verpflichtung, die sich nicht durchgesetzt hat. Nach vielen ungestümen Auftitten auf der linken Außenbahn war er erst einmal untendruch. Er fügte sich in der Rückrunde als Ergänzungsspieler unauffällig ein, ohne jedoch zu überzeugen.
Andreas Ottl (16) Für mich immer noch unerklärlich. Unter Felix Magath groß geworden bekam er danach keinen Fuß mehr auf den Boden der AllianzArena. Er trug maßgeblich zum Klassenerhalt des 1. FC Nürnberg bei. Aber Relegation ist keine Champions League.
Hamit Altintop (8) Er legte eigentlich wie die von van Gaal verpflichteten Spieler eine katastrophale Hinrunde hin. Folglich war er auch lange abgemeldet. Kam aber gegen Ende der Rückrunde wieder in Form und ließ sich einsetzen, wo man es gerade von ihm verlangte. Taktisch limitiert, aber mit großem Kämpferherz spielte er sich zurück, als er gebraucht wurde; gemäß dem Motto: “Reden ist silber, Spielen ist Gold”.
Jose Ernesto Sosa (20) Soossa! Eine Phonetik, die auf dem Platz nichts hielt, was sie versprach. Durfte sich auf der dann doch nicht vergebenen Spielgestalter-Position in der Mitte verwirklichen. Der 1. FC Köln ließ sich dann doch nicht auf einen zweiten Kaufvertrag mit dem FCB ein, damals nicht ahnend, daß Podolski nur zwei Tore in einer Saison schießen würde. Das ergibt jetzt zwar wenig Sinn, aber Sosa war wohl mal in Köln im Gespräch. Doch er ging zurück nach Argentinien: “In seinem achten Spiel am 20. März 2010 (10. Spieltag) erzielte er beim 3:1-Auswärtserfolg über Atlético Tucumán auch sein erstes Tor.” Hätte Podolski in jedem achten Spiel getroffen, häte er mindestens mindestens drei Treffer erzielt…
Alexander Baumjohann (19) Er wurde zur Überraschung vieler am 1. Spieltag in Hoffenheim aufgeboten, danach zur Freude ebenso vieler nicht mehr. Im Gegensatz zu Ivica Olić erwies er sich nicht als das erhoffte Schnäppchen. Im Spiel auf Schalke bewies er in der 2. Halbzeit auch, warum.
Thomas Müller (25) Am Anfang fehlte Louis van Gaal der Mut; in den ersten Spielen wurde er nur eingewechselt. Danach war er eigentlich immer von Beginn auf dem Platz. Er erwies sich als kongenialer Partner zwischen den Zauberern Robben und Ribéry und sorgte für die oeder andere Stafette. Hinzu kamen 19 Tore in 52 Spielen; sein Tief während der Rückrunde wurde nur von Wenigen wahrgenommen. Aber es fand wirklich statt! Dennoch der Aufsteiger der Saison.
Arjen Robben (10) Für ein Schweinegeld nach einem vollkommen verkorksten Saisonbeginn verpflichtet. Die kolportierte Glaskochenkrankheit gestaltete sich als offener Bruch für die gegnerischen Mannschaften. Trägt lange Unterhosen offen wie der Stadtneurotiker Röcke (letzterer trägt sie ganzjährig).
Franck Ribéry (7) Was für eine Saison! Eine quasi nicht stattgefundene Hinrunde, die er als Zehner bestreiten sollte, auf die eine Rückrunde mit einem wesentlich besserem Gebiss fogt. Genie und Wahnsinn – die Meinungen teilen sich. “Isch ‘abe gemacht fur funf Jahre.” Spätestens da war ihm das Publikum wieder hold. Er war so ziemlich der einzige Soieler, der die Schlagzeilen des FCB außerhalb des Platzes beherrschte. Daß Franz Beckenbauer ob seiner Fähigkeiten den Blick für die Realität von Madrid verlieren sollte, ist allerdings nicht seine Schuld.
Angriff
Mario Gomez (33) Ein schwerer Fall. Ich sehe sein erstes Jahr beim FCB als glücklos. Spielte er, war er immer bemüht – um dann ebenso häufig ins Abseits zu rennen wie Luca Toni. Er muss sich des Verdachts, seine Nationalmannschaftsform nach München mitgenommen zu haben, schnell entledigen. Er traf trotzdem beim FCB und in der Nationalmannschaft öfter als Lukas Podolski.
Miroslav Klose (18) Er ist eigentlich nicht zu bewerten. Entweder war er verletzt – oder nicht in Form. Als passionierter Kopfballspieler passt er eigentlich nicht in das System eines Louis van Gaal. Dementsprechend häufig kam er zum Einsatz. Begeht zum Glück wohl nicht den Fehler eines Lukas Podolski: er geht nicht nach Kaiserlslautern. Würde gut nach Bremen passen.
Ivica Olić (11) Der legitime Nachfolger von Hasan Salihamdzic. Kam wie seinerzeit Brazzo ablösefrei vom HSV, war darauf eingestellt, sich als Stürmer No. 4 einzureihen, um sich in den Vordergrund zu spielen. Taktisch ähnlich limitiert wie Hamit Altintop gibt es für ihn keinen verlorenen Meter. Daß er in der CL-Torschützenrangliste nur knapp hinter Lionel Messi rangiert, ist vielleicht ein wenig dick aufgetragen. Aber der Platz im Bayern-Olymp ist ihm sicher.
Luca Toni (9) Die Schickeria trauert, der Fan bedingt. In der Hinrunde meistens verletzt erlaubte es sich der italienische Beau, zur MIttagspause im falschen Leiberl aufzukreuzen – zu viel für den im Herbst noch um Autorität ringenden Louis van Gaal. Durfte, glaube ich, einmal spielen, bevor er an den AS Rom ausgeliehen wurde. Spielte dort auf Pump eine mehr oder weniger erfolgreiche Rückrunde. Darf im Gegensatz zu den weniger erfolgreichen Gomez und Klose nicht an der WM teilnehmen. Die Welt ist ungerecht.
Trainer
Louis van Gaal hätte wohl nichts dagegen, die nächste Lobpreisung zu lesen. Daß er sie verdient hat, steht außer Zweifel. Garniert mit der Perle Arjen Robben hat er aus einem Sauhufen eine Mannschaft geformt, die bei ihrer Meisterschaft Symapthien außerhalb des Fankosmos’ geerntet hat. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger war er sich auch nicht zu fein, mit Hermann Gerland einen Assistenten aus den eigenen Reihen in den Trainerstab zu berufen. Spieler aus dem eigenen Nachwuchs haben davon ebenso profitiert wie die Mannschaft. Das Feierbiest hat in dieser Saion viele Gladiolen zum Blühen gebracht. Nur wenig bleibt als Unkraut übrig.
Chapeau!
CL-Finale: FCB – Inter Mailand 0:2
Es hat nicht sollen sein.
Wenn wir in Spanien ein Finale spielen, haben wir wohl nichts zu holen.
Sei’s drum. Die Niederlage war verdient. Sie fällt leider nicht nur unter die Rubrik “Lehrgeld”, sondern auch in die Schublade “Unvermögen”. Und das lag nicht an einem fehlendem Ribéry, wie es der Firlefranz selbst in Anwesenheit des Trainers weismachen wollte.
Es waren verschiedene Faktoren, die zu dieser Niederlage führten. Philipp Lahm gestand nach dem Spiel, daß die Mannschaft zu viel Angst gehabt habe. Mark van Bommel führte noch die fehlende Erfahrung an. Daran alleine lag es aber nicht.
Uns mangelte es auch am Können – vorne wie hinten. Bei beiden Toren von Diego Millito, denen blitzsaubere Konter vorausgingen, war unsere Innenabwehr nicht im Bilde. In dieses Boot muss auch Holger Badstuber steigen, der vor dem 0:1 nicht entscheidend eingreifen konnte.
Wesentlich erschreckender aber war die Offensive. Arjen Robben war viel unterwegs, aber auch dank der Mailänder Defensive wenig effektiv. Ivica Olic fand kaum ins Spiel, während Thomas Müller einige gute Szenen hatte.
Aber die letzten 25, 30 Minuten waren ein offensiv ein Offenbarungseid. Die gesetzten Nationalstürmer Mario Gomez und Miroslav Klose bekamen überhaupt keinen Fuß auf den gepflegten Rasen. Ich weiß nicht, warum van Gaal nach der Pause nicht Diego Contento für den schon verwarnten und damit auch gehemmten Demichelis, vor dem 0:1 wirklich schlecht aussehend, gebracht hat. Er hätte den eigentlich guten Altintop auf links gut unterstützen können. Aber vielleicht wollte er mal wieder ein Exempel statuieren, wohl wissend, daß die Messe schon vor dem 0:2 im Tempel Santiago Bernabéu gelesen war. Wenn das seine Absicht war, so ist ihm das eindrucksvoll gelungen. Van Gaal hat die Beiden eigentlich der Lächerlichkeit preisgegeben. Der abwesende Bundestrainer kann froh sein, das Dilettieren der WM-Stürmer nicht live gesehen zu haben. Wenigstens haben sie den Rasen, auf dem der Triple-Gewinner José Mourinho die Achtelfinal-Galaktischen ab nächster Saison gewinnen sehen will, nicht kaputt gemacht.
Es war nicht der befürchtete Catenaccio, über den wir gestolpert sind, sondern die eigenen Unzulänglichkeiten. Das ist keine Tragik, auch wenn ein Champions League-Finale keine alljährliche Selbstverständlichkeit ist. Die Mannschaft hat sich nie aufgegeben und uns somit ein neuerliches 1987 (für mich eigentlich immer noch schlimmer als das 1999-Isch-kenne-kein-Barschelona) erspart.
Drei Tage danach überwiegt die Freude über eine wunderbare Saison. Die Gladiolen blühen.
| Aufstellung: Butt – Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber – van Bommel, Schweinsteiger – Robben , Altintop (63. Klose) ), Müller – Olic (74. Gomez) |
…habe ich noch keine Röcke getragen.
…war ich noch knapp unter 30.
…hatte ich schon ein graues Haar.
…war ich schlanker.
…war ich in derselben Firma angestellt wie heute.
…habe ich das letzte Mal nach einem Fußballspiel geweint – vor Freude.
(Link: Sephriot1989/YouTube)
Ein musikalisches Zuckerl ist es nicht, was Bayern-Hinterbänkler Andreas Görlitz mit seiner Band Room77 aufgelegt hat. Aber das ist heute wurscht. “Mailand oder Madrid, Hauptsache Finale”, schrieb der @kaisergrantler nach dem grandiosen Spiel in Lyon.
Kluft heute: schwarzes Trikot, schwarzer Rock, schwarze Schuhe – Bestia Negra also.
Unabhängig vom heutigen Spielausgang: Danke für eine geile Saison!
763. Tatort: Der Fluch der Mumie (WDR; EA: 16.05.2010)
| Ermittler: Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl), Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers), Silke Haller “Alberich” (ChrisTine Urspruch), Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter), Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Grossmann) Besetzung: Judith Schorlemer (Marijam Agischewa), Andreas Lechner (Tobias Schenke), Dr. Wilfried Kastner (Justus von Dohnanyi), Mathias Reinhardt (Jürgen Rißmann), Josef Bausch (Thomas Lawinky), Gruber (Dimitri Bilov), Reporterin (Anke Bruns), Weismantel (Peter Clös), Galina (Anna Brodskaja), Handwerker (Ludger Burmann), Stefan Karb (David Scheller), Marion Ende (Tina Seydel) Drehbuch: Jan Hinter und Stefan Cantz; Regie: Kaspar Heidelbach |

Professor Boerne widmet sich einer schöngeistigen Leiche, die der Vater des Kommissars (sic!) entdeckt hat. Die Mumie soll ein verblichener persischer Prinz gewesen sein. Daran zweifelnd duelliert er sich verbal mit dem Archäologen Dr. Kastner, sehr versnobt dargestellt von Justus von Dohnanyi. Kommissar Thiel muss sich mit dem vergleichsweise banalen Mord an dem Justizvollzugsbeamten Reinhard herumschlagen. Gemein ist ihnen die defekte Wasserzufuhr in ihren Hasuhalten. So rennen die Nachbarn mit fettigen Haaren durch diesen Tatort. Alberich ist krank und nimmt ihren Brieffreund und Ex-Knacki Andreas Lechner bei sich auf und vermittelt ihn als Sektionsgehilfen an das Institut ihres Chefs.
Natürlich ist er der Hauptverdächtige, und die Mumie hat Einschusslöcher im Schädel. Welch ein Triumph für den eloquenten Narzissten! Die erschossene Mumie entpuppt sich als libanesischer Ex-Häftling, dessen Freundin ein Kind vom Gefängnisdirektor Bausch hat. Der ermordete JVA-Beamte wusste und verlangte zu viel und musste auch aus dem Weg geräumt werden.
Am Schluss können sich alle wieder die Haare waschen.
Das war wieder ein typischer Münster-Tatort. Man mag ihn, oder man mag ihn nicht. Ich packe diese Albernheiten, um die man eine Geschichte bastelt, nur schwer. Bonuspunkte gibt es nur für Alberich und die Dogge Wotan. Das Kleinstadtgefrotzel erfreut sich dennoch größter Beliebtheit. Der Tatort aus Münster ist “Der Bulle von Tölz” für Akademiker.
(4/10)
Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus
Meinungen: Fielitz, Marcus Kästner, Tittelbach.tv, Tatort-Forum
(Bilder: WDR/Willi Weber, Screenshot)
762. Tatort: Blutgeld (SWR; EA: 25.04.2010)
| Ermittler: Hauptkommissar Thorsten Lannert (Richy Müller), Hauptkommissar Sebastian Bootz (Felix Krahe), Staatsanwältin Emilia Alvarez (Carolina Vera), Kriminaltechnikerin Nika Banovic (Miranda Leonhardt), Rechtsmediziner Daniel Vogt (Jürgen Hartmann) Figuren: Julia Bootz (Maja Schöne), Marc Simon (Stephan Kampwirth), Cornelia König (Lisa Martinek), André Lindner (Hans Jochen Wagner), Simons Schwiegermutter (Petra Kelling), Somons Schwiegervater (Eric P. Caspar). N.N. (Jonas Meyer) Drehbuch & Regie: Martin Eigler |

Die Kommissare finden eine scheinbare Familientragödie vor. Frau und Tochter des Bankers Marc Simon wurden in ihrem Haus erschossen. Er gerät schnell ins Visier der Ermittler, führt er doch ein Doppelleben, von dem beide Familien wissen.
Doch der Fall weitet sich aus, weil wegen Veruntreuung die Mafia hinter ihm her ist. Es entwickelt sich ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel, bei dem sowohl Simons Sohn als auch die Familie des Mafia-Bosses entführt werden. Die Auflösung wird spannend und ohne Witzchen inszeniert. Nur der Schluss ist absolut deplatziert und passt überhaupt nicht zu dem Niveau des ansonsten wirklich guten Tatorts.
Das Stuttgarter Ermittler haben sich schnell nach oben gespielt. Nebenschauplätze wie Familie (Bootz) oder Nachbarin (Lannert) werden dezent in die Geschichten eingebaut. Allerdings ist es wenig hilfreich, fehlenden Lokalkolorit durch erzwungenes Schwäbisch bei den Darstellern, hier: Hans-Jochen Wagner, zu kompensieren. Und: Ein Happy End sollte passen.
(7/10)
Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus
Meinungen: Annabell, Mayavonderspree, Tittelbach.tv, Tatort-Forum
(Bild: SWR/Stephanie Schweigert)
DFB-Pokalfinale: Werder Bremen – FCB 0:4
Gegen die Bremer gibt es anscheinend nur hopp oder top. Entweder sieht man Fußball zum Davonlaufen, gerne auch mit bösen Klatschen verbunden, selten mit einem Unentschieden belohnt. Oder es gibt Champagner auf dem Feld. Gestern gab’s wieder Fußball vom Feinsten – mit allerdings freundlicher Unterstützung aus Bremen.
In den ersten Minuten hatte ich den Eindruck, Bremen kann trotz der sehr defensiven Ausrichtung in der ersten Halbzeit dem FCB Paroli bieten. Nach 15, 20 Minuten zeigte sich, daß und kein Kraut gewachsen ist. Die Chancenverwertung war aber in der 1. Halbzeit, wie so oft in dieser Saison, verbesserungswürdig. Aber diese Mannschaft zeichnet es aus, Geduld zu bewahren und es immer wieder zu versuchen. Das Spiel wird dabei immer wieder verlagert. Hier möchte ich neben dem wieder hervorragenden Robben Ribéry hervorheben, der zwar nicht so auffällig spielte wie der Niederländer, aber gezeigt hat, daß die Mannschaft mit ihm in Hochform noch besser ist. Zusammen bilden sie eine Zange, mit der Mannschaften nur schwer umgehen können. Vor allem, wenn sie wie Bremen Außenverteidiger ohne Format haben. Mit diesen Perlen spielt eine Mannschaft, die weiß, was zu tun hat. Kluger Spielaufbau, Kontrolle über über das gesamte Feld. Das schaut so gut aus. Geduld und Glanz – das macht diese Mannschaft seit einigen Monaten aus.
So war das 1:0 nur eine Frage der Zeit. Daß es durch einen nicht vollkommen unumstrittenen Elfer zustande kam – geschenkt. Denn verdient war die Führung.
In der zweiten Halbzeit, kurz nachdem Bremen sich auf seine offensive Stärke besann, stocherte Olic den Ball ins Tor. Danach Spielfreude pur, bei der sich Bastian Schweinsteiger endlich mal wieder als Torschütze eintragen durfte.
Ich empfand dieses Spiel gestern exemplarisch für die Saison. Vergleicht man das erste Spiel gegen Grün-Weiß am 2. Spieltag mit dem Pokalfinale, sieht man, wie es Louis van Gaal gelungen ist, eine Mannschaft umzukrempeln und ihr etwas beizubringen.
Nichts schaut zufällig aus. Gepaart mit genialen Einfällen und der inneren Überzeugung, erfolgreich sein zu können, sehen wir wohl die beste Mannschaft seit Jahren.
Ich kann mich Breitnigges Fazit nur anschließen:
Für mich – mit dem Erreichen des Finale in der Championsleague – schon jetzt eine der besten Spielzeiten in unserer 110-jährigen Geschichte. Einfach nur: Wow!
Es ist unerheblich, wie das Champions League-Finale am Samstag ausgeht. Der FC Bayern hat neben dem Double Großes erreicht. Selbst blaue Nachbarn zollen Respekt.
Gewinnen wir am Samstag haben wir die perfekt Mischung aus Geduld, Glanz und Gloria.
| Aufstellung: Butt – Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber – van Bommel, Schweinsteiger – Robben (86. Altintop), Ribéry, Müller (77. Tymoshchuk) – Olic (80. Klose) |
Was ist das für eine Saison?
Wir legen einen saumäßigen Start hin, der der den unseligen Haubentaucher Klinsmann quasi rehabilitiert. Dann stolpern wir durch den Herbst, um in Turin die Initialzündung zu bekommen. Die Rückrunde beginnt ebenfalls holperig, aber erfolgreicher. Dennoch deutet in den Wintermonaten wenig drauf hin, so ein Saisonfinale vor Augen zu haben.
Und nun stehen wir in zwei Finalspielen. Und das vollkommen verdient!
Unglaublich.
Vor dem Halbfinal-Pokalspiel auf Schalke beschlichen mich leise Zweifel. Robbens Tor beendete die leidige Diskussion, ob der FCB heuer zu Größerem imstande sei.
Was ist das für eine Saison?
Ich höre freiwillig Münchener Freiheit. Wie es dazu kommt, erläutert Lizas Welt, von dem dieses wunderbare Gänsehaut-Video oben stammt.
Sein englischer Text ist geradewegs ein Spiegelbild der Bayern-Saison, und wohl genau aus diesem Grund haben die Münchner Anhänger das Stück auch so inbrünstig mitgesungen: „The game will never be over, because we’re keeping the dream alive“ – „Das Spiel wird nie zu Ende sein, weil wir den Traum am Leben erhalten“. (Lizas Welt: “Keeping the dream alive”)
Was ist das für eine Saison?
Ich habe diese Spielzeit als Kennenlernen betrachtet. Als Erzieher weiß ich ja, daß alles seine Zeit braucht. Wollknäuel und “Mein rechter, rechter Platz ist leer” gelten in meinem Bereich als Basis für eine gute Zusammenarbeit. Louis van Gaal hat offenbar wirksamere Mittel gefunden.
Was ist das für eine Saison?
Am Schluss standen in Lyon mit David Alaba, Holger Badstuber, Diego Armando Contento und Thomas Müller vier Spieler auf dem Platz, die zusammen die Erfahrung von vier Bundesligaspielen und einem Champions League-Spiel hatten.
Nimmt man Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger hinzu sind das sechs Spieler, die aus dem eigenen Nachwuchs kommen.
Damit relativieren sich auch Transfers wie die von Arjen Robben, Franck Ribéry und Mario Gomez…
Was ist das für eine Saison?
Andere knabbern an ihrem Rückblick (ich hätte vorgestern gerne mit Frau Pleitegeiger und Herrn Nedfuller mitgelitten), während wir noch zwei Finalspiele vor uns haben.
Zurücklehnen können wir uns nicht, aber genießen dürfen wir die beiden Samstage dennoch.
Einfach unglaublich!
Was ist das für eine Saison?
Wie auch immer sie nach der Meisterschaft ausgeht: eine grandiose!
Pack ma’s!
Was ist das für ein Blog?
Ich weiß es nicht. Das mögen meine Leserinnen und Leser beurteilen.
Aber ich möchte an dieser Stelle nicht verheimlichen, daß dies der 1000. Artikel auf meiner München-Tatort-Fußball-Woswoaßi-Seite ist.
Viel Ausschuss – wenig Inhalt.
Pack ma’s – auf die nächsten 1000 Ansichten aus dem Millionendorf! Ich bin bereit.
Als regelmäßigem Rockträger ist der heutige Tag vollkommen an mir vorüber gegangen. Welttag des Rocks. Im Netz finde ich zu diesem einröhrigen Tag nichts. Angeblich wird dieser Gedenktag heute begangen.
Eine meiner leichtesten Übungen – trotz des sehr bescheidenen Wetters. Ich bin ja kein Schönwetter-Rocker.
Ob kurz oder lang – es ist mir einerlei. Wer ko, der ko.
Nun, bei Wind aus dem Nordosten kapituliere auch ich. Man muss es ja nicht übertreiben.
Wem das schon zu viel ist, verweise ich freundlich auf den No Pants Day.
Es hätte schlimmer kommen können!


Fremdneurosen