Wahrscheinlich gehört er in die Riege der Weltmeister, die nur deshalb Trainer geworden sind, weil dieser Titelgewinn alles überstrahlt.
Es gibt auch nur wenige Weltmeister, die als Trainer über längeren Zeitraum erfolgreich waren. Über allen steht natürlich Franz Beckenbauer, der neben dem Brasilianer Mario Zagallo als einziger sowohl als Spieler als auch Trainer – im deutschen Fall als Teamchef – den Weltpokal ins Heimatland holen konnte. In Marseille lernte er dafür Fisch hassen. Schaut man etwas herab, kommt man auf fatale Weise um Berti Vogts nicht herum, der immerhin als Trainer Europameister, aber ansonsten nicht glücklich wurde. Dafür freut er sich, mit Aserbaidschan wieder gegen Deutschland spielen zu dürfen. Blickt man über den Niederrheiner hinweg, sieht es finster aus. Vor allem, wenn man auf die letzten Weltmeister schaut. Jürgen Kohler quittierte vor anderthalb Jahren seinen Dienst beim VfR Aalen, Andreas Brehme erlitt zweimal Schiffbruch, Guido Buchwald erlebte in der 2. Liga nur eine halbe Saison, und Pierre Littbarski verdingt sich in Liechtenstein. Über Matthäus’ Erfolge als Trainer ist schon genug gespottet worden, und Olaf Thon tritt im Sommer seine erste Stelle beim VfB Hüls in der 6. Liga an. Provinz und Exotik, wohin man blickt. Thomas Hässler und Rudi Völler, wie später auch der schon genannte Beckenbauer, haben sich für die Rolle des Vereinsmaskottchens entschieden.
Dagegen war Klaus Augenthaler noch relativ erfolgreich. Daß er in Graz war, wurde dank Hape Kerkeling von Mehreren wahrgenommen. Vielleicht seine größte Leistung, weil er damit bewies, daß man das Geschäft nicht zu ernst nehmen darf. Den 1. FC Nürnberg führte er, als einer von vielen, in die Bundesliga und verkündete nach seiner Entlassung, ins Rathaus zu fahren, um sich “die Tapferkeitsmedaille für drei Jahre Nürnberg” abzuholen. In Leverkusen ließ er erfolgreich gegen Real Madrid spielen, was man, wie wir heute wissen, auch nicht euphorisch betrachten darf. In Wolfsburg ebnete er Felix Magath den Weg zu kurzen Pressekonferenzen.
Daß er als Trainer wirklich mal gefragt sein würde, konnte man sich nicht vorstellen, weil er sich bei seinem Debüt auf der Trainerbank im Profifußball nicht mit Ruhm bekleckert hat. Im letzten und für beide Vereine bedeutungslosen Spiel des FC Bayern, bei dem er die erkrankte Lichtgestalt vertrat, gegen Fortuna Düsseldorf wechselte er eine vierten Spieler ein und beklagte sich darüber, keine Sekretärin zur Verfügung zu haben.
Zweieinhalb nach seiner Entlassung in Wolfsburg ist er in den Profizirkus zurückgekehrt. Es ist zwar nur Unterhaching, wo er einen Freundschaftsdienst erledigt. Im Gegensatz zu anderen Trainern erlag er nicht der medienträchtigen Versuchung, sich publikumswirksam auf den Tribünen der großen Stadien zu inszenieren. Das Fischen in heimischen Gewässern genügte dem passionierten Angler wohl vollkommen. Das ist nicht der schlechteste Weg.
Mirko Slomka wird das seit einigen Wochen nachvollziehen können.
Für manche Erkenntnisse benötigt man weder Manager noch Sekretärin.




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