Monthly Archive for Oktober, 2009

Gepflegte Eitelkeit

Screenshot: Sueddeutsche.de

Ja, das Rocktragen hat bei mir schon mit Eitelkeit zu tun, sonst würde ich es nicht machen.

Das ist das Ergebnis des vergangenen Mittwochs. Nachzulesen in der heutigen Süddeutschen, auch online verfügbar.
Herzlichen Dank an die Fragestellern (auch für die Führung durchs Haus) und den Photographen!

Vielleicht sollte ich mal wieder an unserer Stammtischseite basteln…

Bild schlägt Wort

An Interviews kann ich mich gewöhnen, solange ich nur der Fragestellerin und ihrem Diktiergerät ausgesetzt bin. Ist die Atmosphäre, also wenn die Fragestellerin nicht investigativ Angst und Schrecken verbreitet, es einen genießbaren Kaffee gibt und ich meine Blicke schweifen lassen kann, einigermaßen heimelig, kann nach anfänglichem Stottern daraus was werden. Hoffe ich zumindest.
Daß der von mir zugesagte Phototermin danach um einiges länger dauerte, war für mich allerdings eine neue Erfahrung. Ein freundlicher Skandinavier wurde auf mich angesetzt, der das Pech hatte, mich in einer Umgebung im Bild festzuhalten, die so gar nicht fotogen ist. Wahrscheinlich habe ich, der wieder einmal nicht wusste, wohin mit den Armen, dazu beigetragen. Auch wenn ich schöner bin als Steinhausen.

Aber ich hätte es wissen müssen. Modephotographen benötigen noch wesentlich länger, ihre Bilder in den Kasten zu bekommen. Und deren Ton ist wesentlich rauher, als es der Wind in Steinhausen sein kann.

Rote Macht

744. Tatort: Um jeden Preis (BR; EA: 18.10.2009)

Ermittler: Hauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec), Hauptkommisar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), Krimionaloberrat Wellisch (Christian Springer), Luca Panini (Leonardo Nigro)
Figuren: Leo Greedinger (Thomas Sarbacher), Hans Greedinger (Fred Stillkrauth), Sabine Greedinger (Bettina Redlich), Inge Greedinger (Claudia Lössl), Rainer Truss (Nikolaus Benda), Dörte Truss (Tanja Schleif), Max Janussen (Hannes Hellmann), Horst Bergmann (Alexander Duda), Ute Kropp (Petra Berndt), Dr. Erwin Rohpe (Christian Maria Goebel), Moritz Greedinger (Martin Stührk), Esther Greedinger (Berfin Öztoprak), Dr. Suska Droemer (Petra Einhoff)
Drehbuch: Christian Jeltsch, Regie: Peter Fratzscher

Sind die Kommissare fit für den neuen Fall?

Rainer Truss, ein junger, angesehener Journalist, baumelt an der Max-Joseph-Brücke. Wesentlich fitter sind Batic und Leitmayr, obwohl sie nur samstags Sport gucken. Unterstützung bekommen sie vom Austauschkommissar Panini, der „temporären italienischen Kraft“ aus Verona.
Nach Ansicht des Kriminaloberrats haben die Kommissare viel Zeit, um mit dem italienischen Kollegen Fußball zu spielen: Es war Selbstmord.

Der Deal
Die Meyssen AG hat einen lukrativen Vertrag mit den Vietnamesen abgeschlossen. Der Abschluss rettet unter anderem 5000 Arbeitsplätze in Ingolstadt. Für die Arbeitnehmer sitzt Leo Greedinger (aalglatt: Thomas Sarbacher), der Vorsitzender der Gewerkschaft VIG werden will, im Aufsichtsrat. Er sieht sich , im Gegensatz zu seinem Vater (ziemlich farblos: Fred Stillkrauth), als moderner Gewerkschafter. Die Zeiten erfordern es, dass man sich auch auf höchster Eben die Hörner abstößt und Arbeitsplätze rettet. Dazu gehören auch Opernbesuche.

Die Probleme
In welcher Beziehung standen Greedinger und Truss? War sie rein geschäftlich, oder steckte mehr dahinter? Videos, die auf Truss’ PC gefunden werden, deuten darauf hin, dass die freundschaftliche Beziehung, die Greedinger immer wieder betont, wesentlich intensiver war. Die Kommissare haben Probleme mit dem angeblichen Selbstmord, der Journalist mit der Korruption, Greedinger mit dem Machtverlust, Dr. Droemer aus dem Innenministerium mit Greedinger, der Kriminaloberrat mit der Vorgesetzten aus der Staatskanzlei, und die Journalistin mit ihrer Schlagzeile.

Lernen von Lafontaine
Die Messer sind gewetzt, die Kandidatur ist eigentlich perdu. Doch Greedinger gelingt es, seine Ambitionen trotz der Heckenschützen in den eigenen Reihen (vor allem sein Berater Janussen) erfolgreich zu untermauern. Dass er sich im Vorfeld selber ins Knie – besser: in die Brust – geschossen hat, um seine dunkel gefärbte Weste wieder weiß erstrahlen zu lassen, ist wohl dem eigenen Realitätsverlust geschuldet.
Dass er Trust dennoch in der Hand hatte, und der sich darüber aufgehängt hat, nützt ihm nichts. Die fulminante Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede wird zur Makulatur.

Münchner Rezession
Was der Tatort wirklich aussagen will, wird nicht klar. Es wird einerseits eine Mordtheorie verfolgt, die nicht überzeugt. Andererseits versucht man eine Wirtschaftskrimi aufzuziehen, was auch nicht gelingt. Dass letzteres nicht zustande kommt, ist wirklich zu bedauern. Denn der sehr so gerne moderne Gewerkschaftsführer Leo Greedinger wird ziemlich gut skizziert. Dass daraus kein aussagekräftiges Bild wird, liegt an der Unentschlossenheit dieser Geschichte. Man bastelt Nebenschuplätze um diese Figur, die lästig sind. Es gibt wirklich keinen Grund, Greedinger zu einem Spezl Batics zu machen. Durch diese Verbindung wurde die Chance vertan, etwas tiefer in die Thematik einzusteigen. Dass Gewerkschaften „konservativer als die die Bundesliga und die katholiosche Kirche“ sind, ist nicht auszuschließen. Aber warum das so sein könnte, wurde trotz der dramaturgisch interessanten Boulevardjournalistin nicht deutlich.
Dabei wurde auch versäumt, die sicher nicht intrigenarme Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat (die Darsteller Góbel und Sarbacher hätte das verkörpern können) sowie innerhalb der der Gewerkschaft etwas intensiver zu beleuchten. “Um jeden Preis” ist sinndbildlich füpr die Unentschlossenheit der SPD, ein Problem, das OB Ude in München noch versucht zu kaschieren. So realtiviert sich auch die rote Macht.
(6,5/10)

Nota bene: Die Besetzung
Dieses Land ist reich an guten Schauspielern. Es spricht weder für die Koordination innerhalb einer großen Anstalt des öffentlichen Rechts noch für die Redaktion des Bayerischen Rundfunks, wenn die Figuren von häufig wiederkehrenden oder erst kürzlich zu sehenden Schauspielern besetzt werden. Thomas Sarbacher war erst vor einer Woche in prominenter Rolle zu sehen, Christian Maria Göbel vor zwei Wochen.
Mit Fred Stillkrauth ist es nicht wie mit altem Wein: er wird nicht mit der Häufung seiner späten Auftritte besser. Als „oider Depp“ war er wirklich gut, als Wirt in „A gmahde Wiesn“ weniger, in dieser Folge einfach nur blass.
Wer auch immer diese Besetzungen zu verantworten hat: München hat drei große, mit nicht wenigen hervorragenden Schauspielern reich besetzte Bühnen. Müssen es immer Stefan Merki, Bettina Redlich, Fred Stillkrauth oder Michael Tregor (nein, der war diesmal nicht dabei; ihn nenne ich nur rein prophylaktisch) sein? Sollte man dort nicht fündig werden, gibt es noch das TamS, das Blutenburgtheater und andere kleine Bühnen…
Wenn der Münchner Tatort mal zugrunde geht, liegt es nicht an den beiden Hauptfiguren, sondern an der einfallslosen Besetzung der Nebenrollen.

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus, Bayerischer Rundfunk
Meinungen: MayavonderSpree, Annabell, Fielitz, Tatort-Forum

(Bild: BR/hager moss film GmbH/Heike Ulrich)

Der Kommissar und die Witwe

449. Tatort: Direkt ins Herz (WDR; EA: 06.08.2000)

Ermittler: Hauptkommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Hauptkommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär), Lissy Pütz (Anna Loos), Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch)
Figuren: Franka Hecker (Anja Kling), Walter / Charly Hecker (Bernd Tauber), Elisabeth Leuschner (Emanuela von Frankenberg), Hans Turger (Gerd Lohmeyer), Fritz Knaller (Jochen Stern), Roland Weller (Wolfgang Müller), Vorgesetzter von Ballauf und Schenk (Nikol Voigtländer), Hauptkommissar a. D. Bernd Flemming (Martin Lüttge), Gangster (Heinrich Pachl), Gangster(Christof Wackernagel)
Drehbuch & Regie: Wolfgang Panzer

Ein Schuss mit einer K50 aus 643 Metern Entfernung streckt den ehemaligen Discothekenbesitzer Charly Hecker auf offener Straße nieder. „Wie durch Butter geflutscht“, stellt fast schon anerkennend der Pathologe Dr. Roth bei der Obduktion fest. Der Täter muss ein Spezialist gewesen sein, denn nur wenige wurden an dieser Waffe ausgebildet, was auch schon lange zurückliegt.
Wenig später wird Helge Pohl, ebenfalls in angesehener Position tätig, auf die gleiche Weise getötet.

Spezialisten und Handlanger
Bei ihren Ermittlungen werden Ballauf und Schenk mit einem 12 Jahre zurückliegenden und nie aufgeklärten Überfall auf einen Geldtransporter konfrontiert. Es scheint, dass nur ein paar Handlanger für die agierenden Köpfe die Strafe im Gefängnis verbüßen. Die erbeuteten neun Millionen Mark wurden nie gefunden, und der Kopf der Bande wurde erschossen aus dem Rhein gezogen.

Max liebt…
Max Ballauf kümmert sich sehr intensiv um die Witwe Franka Hecker, die mit ihrem Mann das Haus, aber nicht das Bett geteilt hat. Die beiden kommen sich näher, worunter seine Ermittlungen leiden. Er vermutet aber ein Geheimnis hinter ihrem Gatten, weil er nicht glauben kann, dass jemand ein Imperium verkauft, um seiner Frau einen Modeversand zu ermöglichen. Die Witwe will es ihm aber nicht preisgeben. Als Ballauf es herausfindet, ist es zu spät, um seine Liebe zu retten.

…Freddy ermittelt…
Seinem Partner bleibt alleine auf der Ermittlungsarbeit sitzen. Er findet über seinen ehemaligen Schießtrainer Fritz Knaller („Direkt ins Herz – das sind Künstler!“) zu zwei der vier möglichen möglichen Täter. Aber sowohl Roland Weller als auch Hans Turger, die am Raubüberfall auf den Geldtransporter beteiligt waren, schweigen beharrlich, so dass Schenk eine List anwenden muss, um sich der Lösung zu nähern.

…und Lissy singt
Die hinter den Kulissen den Kommissaren zuarbeitende Assistentin Lissy Pütz kann ihren Ausstand nicht gebührend feiern, weil sie mit intensiven Recherchen zu diesem Fall beschäftigt ist. Es sind ihre letzten Tage im Kommissariat, weil sie ihre erste CD aufgenommen hat, die unmittelbar vor der Veröffentlichung steht.

„Herr Direktor, nach Ihnen!”
Im über 30 Jahre zurückliegenden Wehrdienst werden Gemeinsamkeiten zwischen den Getöteten gefunden. Eine Gruppe gut verdienender Herren traf sich alle paar Jahre, um ein großes Ding zu drehen. Kopf der Gangster ist der verschollen geglaubte Zwillingsbruder von Charly Hecker, Walter. Er bringt seine Schwägerin und Ballauf in seine Gewalt. Damit die Gangster nicht auffliegen, müssen die Gefangenen aus dem Weg geräumt werden. Allerdings kann nur Ballauf seine Haut retten und muss zusehen, wie Franka von Walter Hecker erschossen wird. Seine Komplizen sehen aber ein, dass es keinen Zweck hat, weiterzumachen und stellen sich mit der gebotenen Höflichkeit der eingetroffenen Polizei: „Herr Direktor, nach Ihnen!“

Liebe statt Gangster
Leider widmet sich „Direkt ins Herz“ zu sehr der Liaison zwischen dem Kommissar und der Witwe. Dabei hatte die spannende Geschichte trotz ihres vorhersehbaren Endes Ansätze einer klassischen Gangster-Story mit komödiantischen Eelementen. Aber die angesehenen Männer, die alle paar Jahre ein großes Ding drehen und dabei skrupellos zu Werke gehen, werden nur am Schluss kurz gezeigt und charakterlich nicht ausgearbeitet.
So überzeugt dieser Tatort trotz der guten Dialoge und der feinen Ironie (u.a. Ex-RAF-Terrorist Christof Wackernagel als Schwerverbrecher) nur halbwegs. (6,5/10)

Anhang
Freddys Auto: Mercedes-Benz W11 Coupé
Hintergrund: Tatort-Fundus

Menü für Arbeitsrechtler

Allmählich wird die Berichterstattung rund um Kündigungen skurril.

Angefangen hat es mit Pfandbons, also auf um Umwegen mit Getränken. Dann kamen die Semmeln, die aber im Sinne der Berichterstattung schon recht altbacken waren. Wesentlich frischer wurden die Fleischpfllanzerl (Frikadellen) aufbereitet. Ganz frisch in der Berichterstattung sind nun Maultaschen.
Sehr fleischhaltig, das Menü.
Dass Beilagen noch nicht erwähnt wurden, könnte daran liegen, dass schon die Zubereitung von Kartoffelsalat zur Kündigung führen kann.

Wenigstens wurde schon über die arbeitsrechtlich schwere Verdauung befunden.

Unter Nerds

Hach, was war ich nervös. Vielleicht wäre die Aufregung geringer gewesen, wenn ich unter realistischen Bedingungen das Vortragen geübt hätte.
So wurde es bei der Nerd Nite nach holprigen Start doch noch ein Vortrag, der das Publikum in der sehr gut besuchten Niederlassung interessiert hat. Zumindest gab es einige Nachfragen. Fast wäre noch eine Diskussion entstanden.

Den Vortrag gibt’s in einer Zusammenfassung als pdf-Datei (aus urheberrechtlichen Gründen ohne Bilder):
“Ncht nur Jacke und Hose – warum Männer Röcke tragen”

Die Pamperlsendung als Familienbande

Der Bayerische Rundfunk feiert sich, Blickpunkt Sport und seine Sportstars

Gerd Rubenbauer ist ein lausiger Moderator und Conferencier. Er suggeriert selbst den nicht mehr ganz jungen Isarnixen, daß sie sich seit 1962 äußerlich quasi fast gar nicht verändert haben. Aber es wurde nicht der bayerische Filmpreis vergeben, sondern nur die 1500. Sendung des montäglichen Sportstammtischs Blickpunkt Sport (Zusammenfassung) gefeiert. Betrachtet man sich die anderen, mehr oder weniger aktuellen, Moderatoren näher, lag es auf der Hand, die Moderation dem Diplomchemiker anzuvertrauen.
Glücklicherweise durfte er auch mit den Skilegenden Rosi Mittermeier, Christian Neureuther und Markus Wasmeier, die es zusammen auf 4 Goldmedaillen und 5 Kinder bringen, beginnen. Letzteres ist deshalb erwähnenswert, weil die Neureuthers die Paten eines der Wasmeier-Buben sind. Zum Fußball wurde ganz galant übergeleitet, weil der Schlierseer Olympiasieger mit dem ehemaligen Kindermädchen der Rummenigges verheiratet ist und sein ehemaliger Manager (Robert Schwan) auch der des Kaisers war.
Der Kaiser durfte dann auch neben Sepp Maier auf der roten Couch Platz nehmen. In der vorausschauenden Erwartung, in dieser Ausgabe der “Pamperlsendung” (so der Kaiser anno Zwieback zu Stanjek) keinen Gegenwind zu erfahren, ließ es sich Beckenbauer nicht nehmen, gegen Schweinsteiger und Klose ordentlich vom Leder zu ziehen. Warum Uli Hoeneß als häufigster Studiogast des Blickpunkts nicht anwesend war, wurde leider nicht erklärt.
Dass es in der Familie auch ordentlich krachen kann, bewies die weder von Karl-Heinz Wildmoser noch von Werner Lorant gewünschte Zusammenführung. Der ehemalige Trainer hatte einen wichtigen Termin in der Schweiz, so dass sich die ehemaligen Freunde nicht gegenüber sitzen mussten. Sie gifteten sich übers Telefon an – und man ließ sie erstmal gewähren.
Erinnerungen an alte Zeiten wurden wach, als die Protagonisten nahezu vergessener Sportarten auf die Bühne gerufen wurden. Wer erinnert sich, dass Sandplatzrennen (Walter Maier) mal ein Bestandteil des Blickpunkts waren? Der Handball, namentlich der TSV Großwallstadt, wurde ebenso gewürdigt wie das Eishockey der ausgehenden 70er Jahre (EV Landshut).

Zu sehen waren alle Moderatoren – bis auf Waldemar Hartmann und Isabella Müller-Reinhardt, die im Unfrieden aus der Sendung schieden und wahrscheinlich Werner Lorant in die Schweiz begleitet haben. So gab es ein Wiedersehen mit Heinz Köppendörfer, Manfred Vorderwülbecke, Herbert Gogel, Günther Wolfbauer, Corinna Halke, Marianne Kreuzer, Lambert Dinzinger und Fritz von Thurn und Taxis. Die verstorbenen Gastgeber Eberhard Stanjek und Sammy Drechsel wurden zu Beginn (!) von Dieter Hildebrandt gewürdigt.

Die Sendung war folkloristisch im besten Sinne und – das überrascht – journalistischer als anderen anderen Montagen. Deshalb war die symbolische Stabübergabe an die jetzigen Moderatoren Janina Nottensteiner (im kitschigen Dirndl als einzige overdressed), Markus Othmer und Wolfgang Nadvornik, neben der schlechten Musikeinlage, der langweiligste Teil. Vergangenheit und heutige Randsportarten wurden gewürdigt. Im Beisein des Chefredakteurs wurde um eine halbe Stunde überzogen, ohne dass es langweilig wurde.

(Bildausschnitt: BR / Ralf Wilschewski)

Nerd Nite rockt

Nerd NiteIm Rahmen von München 851 wird heute abend um 20 Uhr in der Niederlassung zur 4. Nerd Nite geladen.
Es gibt Vorträge zu den Themen “200 Jahre Stadtplätze in München”, “Abstraktion zu Greifen nah – wie sind konkrete und wie abstrakte Konzepte in unserem Gehirn verankert?” und “Nicht nur Jacke und Hose – warum Männer Röcke tragen”.
Einer der Vortragenden könnte dem einen oder anderen Leser dieses Blogs bekannt sein. Und wenn nicht: die anderen Referate sind sicher auch sehr interessant.

(Bild: nerdnite – München)

Opa erzählt vom Krieg

Ruf doch mal an!So komme ich mir zumindest vor, wenn ich einem unserer Jugendlichen zum Beispiel von der Zeit berichte, als gelbe Münzfernsprecher zum Stadtbild gehörten.
Er war ganz beeindruckt, als er bei einem unserer Spaziergänge dieses komische Gebäude sah. Wenn man mit einer tragbaren Spielekonsole den Router des Nachbarn anzapfen kann, ist es natürlich nur schwer vorstellbar, dass das früher technisch gar nicht möglich war. Natürlich will er wissen, warum das nicht ging, und man erntet ein Gesicht voller Fragezeichen, wenn man ausführt, dass es drahtlose Verbindungen ins Internet gar nicht gab. Dass man vom letzten Jahrtausend berichtet, das er zumindest zu Beginn seines letzten Jahrzehnts in Abrahams Wurstkessel verbracht hat, ist dabei nebensächlich. Uns trennen rund 20 Jahre, aber ich fühle mich während dieser Unterhaltung unheimlich alt.
“Kein Internet?”
“Nein, kein Internet.”
Schweigen.
“Früher gab es auch keine Handys.”
Fassungslosigkeit macht sich in seinem Gesicht breit. Dass wir früher lebensfähig waren, erscheint ihm ziemlich unglaubwürdig. Seine Zweifel werden größer, als ich ihm erzähle, dass es früher nur eine Telefongesellschaft gab. “Deutsche Bundespost” hört er zum ersten Mal. Ich reiße kurz die Geschichte des Telefonierens in den letzten 20 Jahren ab. Dass es früher keine Tastaturen, sondern Wählscheiben gab, passt nicht sein Vorstellungsvermögen. Dass die Telefone in der Regel kieselgrau waren, habe ich nicht erzählt. Dabei habe ich nicht einmal das wunderbare Wort Fernsprechtischapparat erwähnt.
Irgendwann werden diese grauenhaften aus der grauen Urzeit der Telekommunikation zu viel, und er wendet sich wieder der Neuzeit zu.

Wir haben noch nicht über die Zeit gesprochen, als es nur drei (bzw. fünf) Fernsehprogramme gab, Fernbedienungen eine Seltenheit waren und Farbfernsehen keine Selbstverständlichkeit war.

Dienstjubiläum

743. Tatort: Vermisst (SWR; EA: 11.10.2009)

Ermittler: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), Mario Kopper (Andreas Hoppe), Peter Becker (Peter Espeloer), Edith Keller (Annalena Schmidt)
Figuren: Schlothfang (Hans-Jörg Assmann), Conny Seegmeister (Corinna Harfouch), Jan Seegmeister (Jeroen Willems), Nicolas Ritterling (Thomas Sarbacher), Frau Bäuerle (Cornelia Schmaus), Herr Bäurle (Peter Rühring), Manu Winter (Jonas Jägermeyr), Jackie (Josefine Preuß), Sebastian Sixtus (Guido A. Schick), Privatdetektiv Oliver Steffens (Bernd Gnann), Hotelangestellte (Janina Flieger), Bäurles Nachbarin (Andrea Leonetti), Mann am Hafen (Georg Blumreiter), Empfangsangestellte bei Seegmeister (Lisa Charlotte Friedrich), N.N. Constanze Weinig und Hund Nippel
Drehbuch: Christoph Darnstädt; Regie: Andreas Senn

...und die Katze schnurrt dazu.

Vor 20 Jahren war Lena Odenthal “Die Neue” am Tatort, gestern abend feierte sie Geburtstag und Dienstjubiläum. Natürlich gab’s eine Leiche als Geschenk…

Der Mobilfunk-Anbieter sendet Geburtstagrüße und hält eine Überraschung für Lena Odenthal bereit. Während die Kollegen Kopper, Keller und Becker ein Dinner am Rhein vorbereiten, wird das Geburtstagskind in den Ludwigsgarten gerufen. Eine Anruferin will eina Aussage in dem zwölf Jahre zurückliegenden Mordfall Ritterling machen, obwohl der als abgeschlossen gilt.

Ludwigshafen – Nizza
Eine Leiche zum GeburtstagMichaela Bäurle wird aber erschossen, bevor sie mit der Kommissarin sprechen kann. Die Eltern können sich nur schwer damit abfinden, dass ihre seit 12 Jahren vermisste Tochter nun tot ist. Der damals für den Fall zuständige Kommissar Schlothfang („Wo haben Sie denn Ihre Lederjacke gelassen?“) erweist sich zunächst nicht als große Hilfe.
Die Kommissare finden heraus, dass die Tote seit langem als Michelle Boyer ein feudales Leben in Nizza führte. Sehr zum Unverständnis ihres Ex-Freundes aus vergangenen Tagen, Sebastian, der sie nur als Sofanudel ohne Englischkenntnisse in Erinnerung hatte. So führt die Spur zum Immobilienmakler Jan Seegmeister, der schon lange eine Liaison mit der Toten hatte.

Erniedrigung und Coaching
Jan und Conny SeegmeisterConny Seegmeister weiß, das ihr Gatte untreu ist. Dabei verhält sie sich einkalt. „Nizza wird auch immer gefährlicher. Zu viele Russen!“ Der Tod der Nebenbuhlerin erschüttert sie nicht. Sie will, dass ihr überforderter Mann der Kommissarin gesteht, ein Verhältnis mit Michelle gehabt zu haben. Übers Telefon hört sie, wie er sich windet. Sie coacht ihn. „Gib’s ihr!“ Es wird ein hervorragendes Psychogramm eines Paares gezeigt, das sich nun nichts mehr zu sagen hat, aber eigene und gemeinsame Interessen die Ehe aufrecht erhalten.
Ihm wird der Druck zu groß, und er verabschiedet sich mit einem umfassenden Geständnis aus dem Leben.

Lena O. und der Mörder
Weiße Pemont-Trüffel zum AbendessenDie Kommissarin kommt schnell mit dem Witwer der vor 12 Jahren getöteten Christin Ritterling in Kontakt. Seit zwei Monaten in Freiheit lebt Nicoals Ritterling auf einem Segelboot und frischt seine Kenntnisse als ehemaliger Sternekoch auf. Sie bezweifelt, daß er der Mörder seiner Frau war, aber er hat seinen Deckel drauf gemacht und bleibt bei seinem vor dem Urteil gemachten Geständnis. „Christin war das nackte Verderben“, sie habe ihn betrogen, und dafür habe sie büßen müssen.
Es entwickelt sich eine Beziehung, die von gegenseitigem Interesse und gemeinsamen Gaumenfreuden geprägt ist, während der Kollege und Mitbewohner auf seinem selbst Gemachten sitzenbleibt.
Lena erfährt dabei, dass sie nicht belogen wurde, aber von Nicolas doch nicht die Wahrheit erfahren hat. Die muss sie selber herausfinden.

Hund, Katze, Mäuschen
Schlothfang ist anfangs keine große HilfeDer Tier-Content wird in diesem Tatort sehr gepflegt. Lenas Katze ist wieder mal zu sehen und muss damit leben, dass Kalbfleisch- und Thunfischhäppchen ausverkauft sind. Nur kurz zu sehen ist der Basset-Mischling Nippel der Nachbarin von Bäurles. Mehr Auftritte hat hingegen „Mäuschen“, die aber sehr menschlich ist und versucht, das Niveau des kleinen Lokal des pensionierten Kommissars mit ihren Kochkünsten zu heben. Leider sieht sie so aus, dass man davon ausgehen muss, dass das Futter für Lenas Katze hochwertiger ist…

Perfides Verwechslungsspiel
Odenthal und KopperEin Junkie-Pärchen und vom pensionierten Kollegen zugesandte Bildern eröffnen den Kommissaren die Lösung. Es war nicht Michaela Bäurle, die vor 12 Jahren mit Jan Seegmeister photographiert wurde, sondern Christin Ritterling abgebildet. Der Streit, der zum vermeintlichen Mord Ritterlings Frau führte, hat sich der wütende Mann von ihr verabschiedet. Jan Seegmeister, Zeuge des Streits und letzter Gast in Ritterlings Sternerestaurant, hatte ein Verhältnis mit Christin. Alkoholisiert hat er seinerzeit Michaela überfahren. Die Leiche wurde ans Steuer gesetzt und die Böschung heruntergefahren. Überzeugt, für die Tat schon gesühnt zu haben, scheut sich Ritterling nicht, seine Frau zu erschießen, als sie nach Ludwigshafen zurückzukehren, weil sie ihren Liebhaber für sich alleine haben will.
Doch die Trüffel muss er nun beim Kochen im Knast verarbeiten.

Bewertung
Zu Odenthals Jubiläum bekamen die Zuschauer Feinkost serviert. Neben weißen Piemont-Trüffeln und selbst gemachten Gnocchi mit selbst gemachten Pesto Genovese durften sie eine spannende Geschichte sehen, die trotz der Vierschachtelung präzise und nachvollziehbar war. Lena Odenthal verfolgt mit Beharrlichkeit, aber mit gebotener Sensibilität ihrer Intention, die sie zum Ziel führt. Das Jubiläum wurde dezent erwähnt: in Form eines Bildes bei ihrem ersten Fall, das der auf Odenthal von Conny Seegmeister angesetzte Privatdetektiv, bei seinen Recherchen in ihren vier Wänden gefunden hat.
Gib's ihr!Die Schauspieler waren glänzend aufgelegt und spielten wirklich hervorragend. Corinna Harfouch gab die eiskalte Conny Seegmeister beängstigend authentisch. Jeroen Willems zeigte eindrucksvoll die Feigheit eines Mannes. Nicolas Ritterling wurde von Thomas Sarbacher als zukunftsorientierter, von sich überzeugter und skrupelloser Täter sehr überzeugend dargestellt. Hans-Jörg Assmann, sonst eher als biederer und dennoch zwielichtiger Anzugträger aus den Wedel-Mehrteilern bekannt, gab einen herrlich schrulligen pensionierten Kommissar mit Imbiss und junger, schlechter Köchin. Auch die Nebenrollen waren gut und typenreich besetzt.

Das ergibt einen fast sehr guten Tatort, der eines Dienstjubiläums würdig war. (8,5/10)

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus
Gratulanten: der SWR als Heimatsender, Teleschau-Mediendienst, SpOn, Bayerischer Rundfunk (Gespräch mit Ulrike Folkerts)
Meinungen: ChloevomSee, Annabell, Fielitz, Tatort-Forum

(Bilder: SWR/Krause-Burberg & Johannes Krieg)

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