Monthly Archive for August, 2009

Blog Day 2009 – Ausgabe München

Heute ist Blog Day, habe ich mir sagen lassen. Fünf Blogs soll ich vorstellen. Schwierig, denn ich lese viele Blogs gerne. Alleine unter den Münchner Blogs gibt es schon so viele. Aber beschränke mich mal auf eine kleine Auswahl:

Cucina Casalinga
Da darf ich nicht allzu oft lesen, weil ich ständig Hunger bekomme. Alleine der Hefezopf mit Quarkfüllung weckt Kindheitserinnerungen. Wenn Nathalie nicht kocht, berichtet sie von ihren kulinarischen Ausflügen, für die man aber mitunter wei reisen muss.

Cohu’s Blog
Ein anglophiles Blog mit teilweise sehr skurrilen Einblicken in das Vereinte Königreich. Ich lerne so die Briten besser kennen und verstehen. Nur ein Artikel übers Elfmeterschießen fehlt noch…

Münchengeflüster
Allacher Ansichten mit Einblicken in die Tierwelt (hauptsächlich kleine, fliegende Viecher), die Ralphs Garten so hergibt.

Neuperlach.org
Wie man sich denken kann, ist das Blog recht Neuperlach-lastig. Das macht nix, denn es gibt dort genügend Wohnungen, aus denen man berichten kann. TramPolin belässt es aber bei Außenansichten von innen.

Notebook München
Frau B. lässt uns an ihrem Einkaufsleben teilhaben und nimmt einen nachträhglich immer wieder zu den Ausflügen in das schöne Mümnchner Umland mit.

Quizzi zeigt euch München
Es gibt immer wieder schöne Bilder und ERklärungen zu unserem Millionendorf. Würde ich dort nicht selber immer wieder Neues entdecken, wär’s ein schönes Blog für Touristen.

Oh, jetzt sind’s sechs geworden…

Pressemappe


Dieser Tage bin ich, um für einen Beitrag etwas in die Tiefe gehen zu können, in den Genuss einer Pressemappe gekommen.

Unheimlich wichtig und elitär kam ich mir vor. Was habe ich mir nicht alles erwartet: Inspiration, griffige Formulierungen und natürlich die Hoffnung, mich zu etwas äußern zu können, wovon ich unerkannter Weise keine Ahnung habe. Auch ein Stadtneurotiker hat besseres zu tun, als an seinem freien Wochenende eigene Gedanken zu PC zu bringen.
Doch weit gefehlt.
Die für den desinteressierten Journalisten optisch ansprechende Mappe (die man heute natürlich als Anhang mit einer E-Mail verschickt) enthielt: fast nichts. Es gab kein Interview, mit dem man sich eine Kernaussage basteln kann, keine Zusammenfassung, die man mit wenigen Syntaxkenntnissen als die seine verkaufen kann. Der Großteil des Inhalts glich einer mit Portraitbild angehübschten Aufbereitung von Wikipedia-Artikeln.
Kein Wunder, daß immer schlechtere Geschriebenes in den Zeitungen zu lesen bekommt, wenn die Vorlagen so miserabel sind.

Ich muss jetzt wieder weg. Ich habe noch eine Presseamppe vor mir liegen…

BL 09/10 #04: Der 1. Spieltag

Der deutsche Meister war herzlich willkommen Fröttmaning. Daß er als Aufbaugegner auftreten würde, war allerdings nicht zu erwarten. Man ging eher davon aus, kein Favorit sein zu müssen und sich anzuschauen, was die Wolfsburger so zustandebringen. Sie brachten fast gar nicht zustande. Als sehr gut oragnisierte Mannschaft bekannt, ließen sie den Bayern von der ersten Minute an genügend Raum, Zuschauern in Vorfreude auf Franck Ribéry und Neuzugang Arjen Robben ihr frisch einstudiertes 4-3-3 vorzuführen. Bayern erspielte sich viele Chancen und ging folgerichtig durch Mario Gomez in Führung. Kein schönes Tor, aber er stand goldrichtig, als VfL-Torwart Benaglio den platzierten Schuss von Hamit Altintop nur mühsam abwehren konnte. Die zweite Halbzeit, als der niederländische Heilsbringer Arjen Robben die Fröttmanimnger Freiluftbühne betrat, wurde zu einem gefühlten Selbstläufer. Wenn es stimmt, daß gute Fußballer wenig Zeit zum Einspielen benötigen, dann waren diese 30 Minuten mit Ribéry und Robben der eindrucksvolle Beweis.
Bayern tat gut daran, sein Heil in der Offensive zu suchen, denn hinten sah die Mannschaft wieder nicht gut aus, wie die wenigen Vorstöße der Autostädter zeigten.

Jörg Butt tat das, was man von Rensing eine ganz Saison nicht gesehen hat: er hielt unhaltbare Bälle. Wie er Dzekos Schuss noch übers Latte lenkte, beendete die Torwartdiskussion – vorerst.
Daniel van Buyten ist kein Abwehrchef. Er wirkt unbeweglich und langsam und macht nicht den Eindruck, es wirklich packen zu können. Holger Badstuber dagegen wirkte wesentlich stabiler und agiler und spielt hinten solide. In der Spieleröffnung kommen noch zu wenig Impulse von ihm, aber wenn er hinten den Laden zusammenhält, ist auch schon sehr viel gewonnen. Philipp Lahm zeigt sich sehr offensiv, fremdelt aber auf rechts immer noch ein wening. Danijel Pranjic war vorzugsweise vorne zu finden, was gegen passive Wolfsburger die richtige Wahl war. In der Rückwärtsbewegung hat er Defizite, die gegen offensiv eingestellte Gegner zum Problem werden können. Der eingewechselte Edson Braafheid dagegen ist immer noch ein Fremdkörper – zu langsam und mit einem katastrophalen Stellungsspiel ausgestattet. Das haben auch die Wolfsburger erkannt, die ihren zehminütigen Druck vor allem über rechts aufzogen.
Anatoly Tymoshchuk war wesentlich präsenter als in den vorangegangenen Spielen. Es waren zwar noch viele Alibipässe zu sehen, aber wie er vor dem 2:0 Dejagah den Ball abnahm, zeigte, daß er beißen kann. Vielleicht hat er dieses Erfolgsergebnis benötigt. Bastian Schweinsteiger hat van Gaal wohl gesagt, daß Portugiesen mitspielen. Gegenüber der Vorwochen kaum wiederzuerkennen leif er viel, war er anspielbar und verteilte Bälle. Ein Kopfball verfehlte nur knapp sein Ziel. Hamit Altintop war wieder wesentlich beweglicher und effektiver. Gegen indisponierte Wolfsburger hatte er allerdings genügend Raum.
Ivica Olic lief rauf und runter. Wenn’s nicht läuft, bekommt man zumindest immer 100 Prozent Einsatz zu sehen. Thomas Müller wurde endlich für seine engagierten Auftritte mit einem Einsatz von Beginn belohnt. Körperlich fehlt ihm noch einiges, sich gegen kantige Abwehrspieler durchzusetzen, aber er sucht den Weg nach vorne und hat ein gutes Auge. Mario Gomez findet besser ins Spiel, geht viele Wege, aber tappt einfach immer noch zu oft ins Abseits. Er erarbeitet sich Torchancen und hätte mehr als das eine Tor schießen können. Arjen Robben, für Altintop zur zweiten Halbzeit eingewechselt, spielte die Wolfsburger schwindelig, die keine Gelegenheit hatte, sich auf ihn einzustellen. Ein Traum der Doppelpass mit Franck Ribéry vor dem 3:0. Der kleine Franzose, der sich anscheinend wieder in München wohlfühlt, war in der halben Stunde sehr präsent.

Es war ein Spiel wie ein gefühlter Saisonauftakt – strahlender Sonnenschein, erwartungsvolle Fans und eine spritzige Mannschaft, die zeigen wollte, was sie in der Vorbereitung gelernt hat.

Wo steht der FC Bayern?
Ich weiß es nicht. Der VfL Wolfsburg war kein ernsthafter Maßstab. Zeigte Mainz sehr viel Einsatz, waren die Auotokicker passiv und machten den Eindruck, als hätten sie die Hosen voll gehabt. Dennoch haben zehn starke Minuten MInuten gezeigt, daß die Abwehr schlecht organisiert ist und sehr leicht zu überrumpeln ist. Sie gibt dem Gegner zu viel Raum (vor allem links), im Zentrum ist zu wenig Bewegung. Der geplatzte Transfer von Rafinha hätte schon Sinn ergeben, hätte aber das Festgeldkonto trotz seines günstigen Preises nach dem Robben-Einkauf wohl überstrapaziert. International wird es sehr schwer, mit dieser Vertedigung zu überstehen. Nur das Heil in der Offensive zu suchen, kann zum Bumerang werden.

Vor der Länderspielpause herrscht allerdings wieder Ruhe in München. Das ist für die bevorstehenden zwei Wochen vielleicht das Wichtigste.

37

Nymphenburger Kanal

37 ist eine Primzahl, 37 ist die Quersumme meines Geburtsdatums, und 37 heißt die Baustellenlinie, auf der die P-Züge noch bis zum letzten Ferientag ihre Runden drehen werden, bevor sie wieder auf ihre Stammlinien 20/21 und 27 eingesetzt werden.
37 Bilder umfasst die Slideshow (noch) nicht…

Verkehrsberuhigung

Verkehrsberuhigung

Friedhofsunruhe

37 & 39(Slideshow)

Das Haidhauser Sommerloch ist schuld daran, daß die Friedhofsruhe am St.-Martins-Platz in den Morgen- und Abendstunden empfindlich gestört wird. Viele Trambahnen drehen dort von der Wörthstraße kommend morgens eine Ehreunde, bevor es auf Linie geht.

Ballblogger am Mikro, Vol. 2

Die Ballpodder waren erneut am Mikro aktiv und trafen sich Montag Abend, um einen weiteren Podcast aufzunehmen. Am Münchner Küchentisch saßen dazu Alex (Rasenschach-Magazin) und Probek (Probek.net), zugeschaltet waren RealityCheck (Sportmedienblog.de/Thema: FC Bayern), Nedfuller (Nedsblog.de/Hamburger SV)1, Sfiebrig (Textilvergehen.de/Union Berlin) und Medispolis (Medien-Sport-Politik.de/Premier League bzw. Champions League). Und so hörte sich das an:

Direktlink: Ballpod München Ausgabe 2 (58 min, MP3 128 kbps, 53 MB, Aufnahme vom 24. August 2009; Download), aufbereitet und geschnitten von dogfood. Wie beim letztenmal gibt es auch diesmal unbearbeitete bzw. längere Versionen für die härter gesottenen Fans:

1. Version (58 min, MP3 64 kbps, 26 MB; einmal geschnitten, weil ohne Nedfuller-Zuschalte, Begründung s.u., sonst aber unbearbeitet; Direktlink bzw. Download):

2. Version (75 min, MP3 64 kbps, 34 MB; für die Hardcore-Fans, ungeschnitten und mit Nedfuller-Zuschalte; Direktlink bzw. Download):

Zeitlicher Ablauf bei der ungeschnittenen Originaldatei (Minute/Thema):

0:30 Ansage Probek & Alex
1:38 – 19:10 Reality Check (FC Bayern)
19:17 – 35:46 Nedfuller (Hamburger SV — ab 34:00 in sagenhaft besserer Tonqualität)
35:55 – 54:05 Sfiebrig (Union Berlin)
54:05 – 74:17 Medispolis* (Premier League/Champions League)
74:24 – 75:17 (Ende) Absager Ballpod München (inklusive Promo für die Blogs/Gesprächspartner)

*Telefonmitschnitt, Rest per Skype

Und irgendwann haben wir auch eine eigene Website mit Itunes-Feed und allem pipapo für das Ding. Versprochen. Bis dahin probieren wir es mal so.

Ach ja: der nächste Ballpod soll spätestens am 7. September aufgenommen werden (und am 8. online gehen). Man hört sich!

Logovorlage; CC

  1. Nedfullers Beitrag musste leider wegen mangelhafter Tonqualität der Skype-Verbindung aus der Endfassung rausgeschnitten werden []

Der Respekt schwindet…

Mit anderen Worten: Die Eisernen werden nicht mit der Startelf vom Hansa-Sieg auf den Rasen auflaufen. “Ich will vor allem diejenigen zum Einsatz kommen lassen, die zuletzt weniger gespielt haben”, erklärte Trainer Uwe Neuhaus. (Quelle)

Gast bei Union Berlin ist morgen abend der FC Bayern…

[via @sfiebrig]

Verbotene Idylle

073. Tatort: Reifezeugnis (NDR; EA: 27.03.1977)

Ermittler: Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf), Assistent Franke (Rüdiger Kirschstein)
Drehbuch: Herbert Lichtenfeld; Regie: Wolfgang Petersen

Die Idylle
Dr. Gisela Fichte (Judy Winter) und ihr Mann Helmut (Christian Quadflieg) sind ein angesehenes Lehrerehepaar (sie für Mathematik und Biologie, er für Deutsch, Englisch und Sport) eines Gymnasiums in einer schleswig-holsteinischen Kleinstadt. Sie sind die Prototypen des beliebten Lehrers – jung, offen und verständnisvoll. Der Direktor (Friedrich Schütter) unternimmt alle Versuche, das engagierte Ehepaar an seiner Schule zu halten.
Sina Wolf (Nastassja Kinski), eine hübsche Sechzehnhährige aus einem gut situiertem Elternhaus, besucht die 11. Klasse dieser Schule. Das engagierte Ehepaar nimmt sich ihrer an, als sie ihre schulischen Leistungen nicht den Erwartungen entsprechen.
Die Idylle, die durch einen wunderschönen Sommer illustriert wird, kann eigentlich nichts trüben.

Die verbotene Liebe
Sina und Helmut sind sich bei den Nachhilfestunden und beim Tischtennisspielen näher gekommen und haben eine Affäre. Sie glauben, daß niemand davon weiß. Sie treffen sich nachmittags am Schwarzen See und genießen ihr heimliches Glück. Ihr Klassenkamerad Michael Harms (Markus Boysen), der in Sina verliebt ist, entdeckt das Liebespaar am Schwarzen See. Gekränkt und eifersüchtig, weil sie ihn verschmäht, verlangt er von ihr, sich mit ihm auch am See zu treffen, sonst würde er die Liaison publik machen.

Die Vergewaltigung
Sina trifft sich mit Michael. Sie lässt seine Zuneigungen widerwillig über sich gehen, wirkt dabei aber wehrlos. Als ihr die Annäherungen zu viel werden, findet sie neben sich einen Stein und erschlägt ihn.
In Panik geraten, fügt sie sich Verletzungen im Gesicht zu und erzählt zuhause, Michael sei beim Versuch, sie vor der Vergewaltigung eines gesuchten Sexualstraftäters zu retten, von diesem erschlagen worden. Kommissar Finke ermittelt.

Die Missgunst
Michael hat in seiner Wut seinen Klassenkameradinnen Inge (Petra Verena Milchert) und Kathrin (Rebecca Völz) von der Affäre erzählt. Beider Versetzung ins nächste Schuljahr ist gefährdet. Sie erpressen Helmut Fichte, indem sie von ihm erwarten, daß er sie in Englisch auf eine Vier bringe und verlangen die Lösungen für die Matharbeit bei seiner Frau. Aus Angst, daß die Affäre auffliegt, kommt er ihren Forderungen nach.

Die Gegenüberstellung
Kommissar Finke bittet Sina nach Kiel, um die Leiche ihres vermeintlichen Peinigers zu identifizieren. Die Ermittlungen ergeben, daß der Tote nicht der Täter sein kann, weil er sich zu dem Zeitpunkt der Tat gar nicht in Deutschland aufgehalten hat. Finke lässt sie im Glauben, den Vergewaltiger identifiziert zu haben, nachhause bringen. assistent Franke bekommt den Auftrag, Sina zu observieren.

Die Wahrheit
Gisela Fichte entdeckt in Michaels Schulheften, daß er auf ihren Mann gar nicht gut zu sprechen war (“Fichte – das Schwein”). Auf ihre Nachfrage erhält sie eine unzufriedenstellende Antwort. Sie konfrontiert ihren Mann, daß sie von der Affäre weiß. Als sie bei der Korrektur der Mathearbeiten bei Inge und Kathrin den gleichen Flüchtigkeitsfehler wie in ihrer Musterlösung, merkt sie, daß mehr von der Affäre wissen.

Die Zukunftspläne
Giesla bitte ihren Mann, die Affäre zu beenden, um sich nicht in Kalamitäten zu begeben. Sie hat zwischenzeitlich die Versetzung nach Lübeck beantragt und bewilligt bekommen.
Mit der Absicht, die Liebesbeziehung mit Sina zu beenden, besucht er sie zuhause. Doch sie gibt ihm nicht keine Gelegenheit. Sie träumt von der Zukunft, daß sie mit 23 Jahren Studienassessorin und mit 25 Mutter einer bildhübschen Tochter sei.

Das Ende der Illusionen
Nachdem Fichte Sina verlassen hat, nimmt Finke seine Fährte auf und konfrontiert ihn mit seinen Ermittlungsergebnissen. Fichte, der glaubt Tatverdächtiger zu sein, gesteht dem Kommissar, mit Sina “intim” zu sein. Sein Assistent Franke vernimmt Sina.
Gisela Fichte bietet, nachdem ihr Mann ihr glaubhaft versichert hat, für die Tat nicht verantwortlich zu sein, Sina ihre Unterstützung an. Sie ahnt, daß Sina die Mörderin ist.

Die Flucht aus der Idylle
Des Ehepaar Fichte beschließt, nachdem Helmut die Liaison mit Sina telefonisch beendet hat, für eine Nacht wegzufahren. Sina, die von ihren Klassenkameradinnen Inge und Kathrin telefonisch als Nutte bezeichnet wird, beschließt, die Tat zu gestehen. Sie hinterlässt einen Abschiedsbrief.
Am Schwarzen See wird Sina gefunden. Lebend. Sie hält den Revolver des Vaters in der Hand. “Sie geht nicht. Sie geht einfach nicht.”

Die Bewertung
“Reifezeugnis” gilt als der Tatort schlechthin. Für Wolfgang Petersen und die Hauptdarstellerin Nastassja Kinski war er das Sprungbrett nach Hollywood. Deshalb ist die Folge wahrscheinlich die nachhaltigste. Der beste, wie von vielen so gesehen, ist sie indes nicht.
Das liegt zum einen an der vollkommen überbewerteten Hauptdarstellerin.

(Link: YouTube)

Gutes Aussehen ist kein Garant für gute oder gar schauspielerische Fähigkeiten. Nastassja Kinski gelang es nicht, der Sina Tiefe zu verleihen. Ein verführerischer Augenaufschlag, grazile Bewegungen und ein bisschen Ausziehen (für damalige Zeiten im Hauptabendprogramm natülich eine Sensation) reichen nicht aus, um eine Figur mit Leben zu erfüllen. Christian Quadflieg als junger Lehrer Fichte zeigte die aufgetupften Schweißperlen ein wenig zu deutlich. Aber als Vorbild für die Serie “Unser Lehrer Dr. Specht” gab die offenbar Figur genügend her. Einzig Judy Winter überzeugte vollends, weil sie zwischen eiskalt und warmherzig sehr gut und sehr schnell wechseln konnte. Deshalb war die Gisela Fichte die einzige faccettenreiche Figur.
Auch die Geschichte trägt eigentlich keine 110 Minuten. Aber sie wird behutsam aufgebaut und ebenso bedächtig zu Ende erzählt.
Was “Reifezeugnis” wirlklich einzigartig macht, ist die Atmosphäre. Es wird eine Idylle gezeigt, die ziemlich souverän den Kitsch umgeht. Dieses Ost-Holstein muss im Sommer wirklich ein Traum sein. Wunderbare Bilder sind entstanden, die absolut glaubwürdig sind. Die Musik von Nils Sustrate passt hervorragend zu den Aufnahmen. So bleiben die 110 Minuten wirklich kurzweilig.
Und: Dieser Tatort ist ein sehr schönes Zeitdokument, daß die Liberalisierung, für die die 70er Jahre stehen, eindrucksvoll dokumentiert. (Diese Folge wurde gestern im Rahmen des 3sat-Thementages “demo disco diskussionen” gezeigt.)

Der Klassiker ist mir 8,5 Punkte wert.

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus (bitte auch die nach über 30 Jahren zusammengetragenen Drehorte beachten!), Wikipedia

(Bild: ARD/NDR)

Trinkgewohnheiten

739. Tatort: Mit ruhiger Hand (WDR)

Ermittler: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Freddy Schenk (Dietmar Bär); Sekretärin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt), Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch), Staatsanwalt von Prinz (Christian Tasche)
Drehbuch: Jürgen Werner; Regie: Maris Pfeiffer

Der Fall Der verkaterte Ballauf wird in eine Arztvilla gerufen. Die Frau des Chirurgen Julius Gann (Roeland Wiesnekker) ist erstochen worden. Der Hausherr wurde schwer verletzt daneben aufgefunden.
Gann, der sich nach eigenem Bekunden für einen der besten Chirurgen des Landes hält, hat sich sowohl beruflich als auch privat viele Feinde gemacht. Ihm wird von Stefan Kuschinski (Marco Hofschneider) ein Kunstfehler vorgeworfen, der zum Tode seiner Frau geführt habe. In seiner gutgehenden Klinik werden Zweifel an seinen Fähigkeiten laut. Dr. Wolf (Fabian Hinrichs) kommt nicht zur Geltung und hatte ein Verhältnis mit Ganns Frau. Sein Partner Thomas Bernstein (Bernhard Schütz) sieht den guten Ruf schwinden und will seine Klinikanteile verkaufen. Sohn Jonas (Vincent Redetzki) findet keinen Draht zu seinem Vater und feiert Alkoholexzesse, die ihm auch im Schweizer Internat nicht ausgetrieben werden können. Seine Frau, ebenfalls Ärztin suchte Ausgleich, indem sie wie Dr. Wolf illegale Einwanderer behandelte. Schenk muss sich sowohl um den Fall als um Ballauf kümmern.
Während der Ermittlungen sorgt sich Freddy Schenk um Max Ballauf, von dem er glaubt, daß er seine Einsamkeit allzu sehr in Feierabendbieren ertränkt. Der Staatsanwalt rückt ihm dicht auf die Pelle, weil Ballauf sich vor dem Eintreffen am Tatort einer Polizeikontrolle entzogen hat. Er wird zur befreundeten Polizeipsychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) geschickt. Die kennt auch die ermordete Ärztin.
Der Herzspezialist bekämpft seinen Stress mit teurem Whisky, was ihm in der Klinik zum Verhängnis wird. Am Schluss kan er sich nicht einmal der Loyalität seiner OP-Schwester (Maria Simon) sicher sein.

Der Täter Die Vorliebe für alte chirurgische Geräte überführt Dr. Gann. Ein Geschenk der Ärztekammer dient als Tatwerkzeug, das schließlich im Tresor seines Büros gefunden wird. Seine Frau wollte sich von ihm scheiden lassen,. weil sie der Ehe mit einem Alkoholiker überdrüssig war. Die Verletzungen hat er sich selber zugefügt.
Ballauf wird auch dank der Unterstützung durch die Psychologin rehabilitiert.

Die Bewertung Ein sensibel inszenierter Tatort, der auf laute Töne verzichtete, der den faccettenreichen Alkoholismus sehr gut thematisierte. Einsamkeit (Ballauf), Vernachlässigung (der Sohn) und Stress (Dr. Gann) als mögliche Ursachen anschaulich dargestellt.
Wirklich hervorragend war Roeland Wiesnekker, der den auf sich fixierten Klinikbetreiber sehr gut verkörperte, ebenso Vincent Redetzki als sein Sohn. Klaus J. Behrendt stellte den einsamen Cop, der kein Alkoholproblem bei sich sehen will, ebenfalls überzeugend dar. Dietmar Bär war wieder der wunderbart treue Buddy Schenk.
Leider waren die Dialoge zu schablonenhaft, um daraus einen sehr guten Tatort werden zu lassen. Anstrengend war das Bild, das arg grünstichig und unruhig war.

7 Punkte fließen dafür an den Rhein.

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus
Meinungen: Sopran, Fielitz, Chloevomsee, Annabell,Tatortkritik, Tatort-Forum, der Freitag, Abendzeitung

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