Ob die Einschätzung des Herrn zu Guttenberg über Opel richtig ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber ich bezweifle, daß er den Schneid hätte, so etwas über Audi oder BMW in ähnlicher Situation zu sagen. Ein Heimspiel hätte er sicher nicht.
Monthly Archive for Mai, 2009
582. Tatort: Eine Leiche zu viel (WDR; EA: 05.12.2004)
Ermittler: Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl), Prof. Boerne (Jan Josef Liefers), Silke Haller “Alberich” (ChrisTine Urspruch), Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter)
Drehbuch: Dorothee Schön & Georg Schott; Regie: Kaspar Heidelbach
Der Fall Machen wir es kurz: Auf dem Seziertisch liegt die tote Kollegin aus Frankreich, die ein Forschungsprojekt begleitet hat. Die ganze Abteilung des Instituts, vom Leiter (Jürgen Hentsch) über die ehrgeizige Dr. Carla Hank (Nele Müller-Stöfen) bis hin zum wenig charmanten Dr. Schroth (Stefan Gebelhoff) kommt in Frage. Auch der eifersüchtige Ehemann Thierry (Silvan-Pierre Leirich).
Der Täter Der Ehrgeiz und die 20.40 Uhr-Regel führen zur Täterin, Dr. Hank, die es nicht verstehen kann, daß Forschung moralische Grenzen kennt.
Die Bewertung Erstaunlich unkomischer Fall aus Münster. Das ändert aber nichts an dem gewohnten Schema, in dem die Ermittler absolut im Vordergrund stehen. Das hat vollkommen unausgegorene Nebenfiguren zur Folge. Das Ermitteln in Boernes intellektuelem Umfeld spricht auch nicht für Originalität.
5 Punkte nach Münster
(Bild: ARD/WDR)
Flohmärkte in München sind nur noch ein kleines Vergnügen. Ich weiß nicht, ob es mit den immer weniger gewordenen Freiflächen in Zentrumsnähe zu tun hat, oder ob das Millionendorf keine Flohmarkststadt (mehr) ist. Vermutlich liegt es an beidem ein bisschen. Die Second Hand-Läden strotzen auch vor langweiligen Kleidungsstücken.
Dunkel erinnere ich mich noch an samstägliche Ausflüge an die Berliner Straße, die auch schon seit über 25 Jahren bebaut ist. Sehr genau vor Augen habe ich den Flohmarkt an der Dachauer Straße. Im Hochsommer eine Stein- und Sandwüste, bei der selbst der stärkste Raucher weniger geraucht hat. Dort gab es zwar auch schon profesionelle Händler (u.a. einen, der ziemlich offen Nazi-Devotionalien veräußert hat und schon am späten Vormittag ziemlich angeheitert und dementsprechend laut war), aber das Gelände war größtenteils von Leuten bevölkert, die einfach nur ihr Zeug loswerden wollten. Es galt das ungeschriebene Gesetz, daß Taschenbücher für 50 Pfennig, Hardcover für eine Mark den Besitzer wechseln. Ich habe an der Dachauer Straße meine Asterix-Sammlung begonnen (und leider dort nicht vollendet). In den Anfangsjahren samstags und sonntags, bis man auf die Idee kam, daß man sonntags nicht handeln soll.
Als das Goethe-Institut gebaut wurde, zog der Flohmarkt weiter an die Aschauer Straße. Dort war ich nur einmal. Es war fürchterlich eng und von Schwabing aus kein Katzensprung. Als Alternative gab es wenigstens einmal im Monat den Flohmarkt im Olympiapark, zwischen Eisstadion und Stadion, wenn ich das richtig erinnere.
Das alte Flughafengelände war mir einfach zu weit; dort war ich nur einmal. Nett war es in der Arnulfstraße. Es gab viel Platz und trotz der gestiegenen Anzahl der Profis war es dort sehr nett. Warum dort allerdings auch schon am Donnerstag gehandelt wurde, verstehe ich bis heute nicht.
Seitdem das Gelände zum Arnulfpark umfunktioniert wurde, fehlt mir wieder ein angenehmer Flohmarkt. An der Parkharfe ist zwar sehr viel Platz, aber die Gänge sind so breit, daß keine rechte Stimmung aufkommen mag und man zwischen den gegenüberliegenden Ständen sehr viel laufen muss. Die Trabrennbahn wäre ganz nett, aber da sind mir wirklich zu viele Ramschhändler, die viel Geld für wenig Spektakuläres wollen.
So bleiben nur noch die mittlerweile recht zahlreichen Hoffllohmärkte, die leider nur jeweils einmal im Jahr stattfinden (ebenso wie der an der Theresienwiese). Dort wird man sogar recht günstig verköstigt und kann einen Blick in die Hinterhöfe werfen.
Ganz kostbares Gut scheint man indes in Allach zu verhökern.
Flohmarktgelände sind immer provisorische. Das ist sinnvoll und gibt ihnen erst den Charme. Aber die Vorstellung, daß es keines in Zentrumsnähe mehr geben soll, fällt mir schwer.
(Bildausschnitt)
Wenn man Personen (und dann auch noch solche wie den Herrn oben) nur alle fünf Jahre auf Wahlplakaten sieht und sonst nie, kann es nicht verwundern, daß die Wahlbeteiligung seit 1979 um rund 30 Prozent zurückgegangen ist.
Nein, da muss man auch nicht hingehen. Es geht nur um so lapidare Dinge wie den Lissaboner Vertrag (das ist die kryptische Umschreibung für “Europäische Verfassung”) und viele Richtlinien, nach denen die Parlamente ihre Gesetze ausrichten müssen. Bildungspolitisch darf man die Politik aus Straßburg und Brüssel auch nicht unterschätzen: sie wird langristig die bundesdeutsche Kleinstaaterei beenden. Darüber wird nur nicht gesprochen, wie man es auch tunlichst vermeidet zu erwähnen, daß es Opel nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien gibt.
Wahl- und politikverdrossene sollten sich eher die Bundestagswahl schenken. Die Europawahl ist die wichtigere. Von unglaublich schlechten Wahlwerbespots wie diesem sollte man sich nicht abschrecken lassen. Daß auch der Großteil der Medien sein Augenmerk fast ausschließlich auf den Bundestagswahlkampf richtet, darf auch nicht irritieren.
(@kaltmamsell)
In Loriots Szenen einer Ehe wollte Er sich nicht von einem kaputten Fernseher vorschreiben lassen, wann er ins Bett zu gehen habe – damals gab es noch Sendeschluss und Testbild.
Die Zeiten ändern sich. Das Fernsehen sendet rund um die Uhr, lässt die Schäatze im Schrank und sendet die Spreu. Es bleibt nur die Hoffnung auf viele laue Sommerabende, an denen man, sofern die Anwohner nichts dagegen haben, die frische Luft genießen kann.
Übrigens: eine wunderbare Twitter-Revue gibt es bei Twitkrit.
Es gibt kaum etwas schlimmeres als das Wetter. Entweder ist zu kalt oder zu warm, zu nass oder zu trocken, und richtige Jahreszeiten gibt es sowieso schon lange nicht mehr. Ein Freund aus dem Rheinland meckerte bei Temperaturen um den Gefrierpunkt immer, daß er von der Klimaerwärmung nichts spüre. Zeigt sich das Wetter von seiner normalen Seite. passt es auch nicht. Im Gegenteil, man ist besorgt, ruft den Notstand aus und/oder sendet einen Brennpunkt
Neu ist beim Lamentieren, daß dem Wetter eine Haltung zugesprochen wird. In der Trambahn meinte eine Frau zu einem älteren Herren, daß es ihr zu heiß sei. Der Herr nickte höflich. Ende Mai so eine Hitze, das sei doch nicht normal. Der Her nickte höflich. Aber das Wetter sei typisch für München. Der Herr nickte höflich. “Das ist so eine trügerische Hitze!” Der Herr richtete seinen Kopf auf und nickte nicht.

Als ich die Schlagzeile las, dachte ich zuerst, daß sich der über die Parteispender schweigende Alt-Kanzler Kohl von Beckmann bauchpinseln ließ. Es war aber doch nur ein wegen Doping gesperrter Radfahrer…
734. Tatort: Schiffe versenken (RB)
Ermittler: Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), Kommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen), Assistent Karlsen (Winfried Hammelmann)
Drehbuch: Wilfried Huismann und Philip LaZebnik; Regie: Florian Baxmeyer

Der Fall | Der Täter | Die Bewertung
Der Fall Inga Lürsen muss auf den Frachter MS Karina, weil die gefrorene Leiche, die Fischer an Land gezogen haben, ein Besatzungsmitglied war. Ermitteln darf sie nicht, weil sich das Schiff außerhalb der 12-Meilen-Zone bewegt. Die Herren, der alkoholkranke Kapitän Bleibtreu (Michael Gwisdeck), der Erste Offizier Sondergard (Lasse Nørgaard), der Engineer Onno Sibum (Gustav Peter Wöhler), der Toiletten reigende Koch Huri (Jevgenij Sitochin) zeigen auch kein Interessee an Ermittlungen und lassen die Kommissarin folgreichtig auflaufen. Sie muss ihre Waffe abgeben, in der Kombüse des Toten eingesperrt und fast naoch erhängt.
Stedefreund ermittelt in Bremerhaven und blitzt bei der Reederei Delius, die von Vater (Hans-Peter Hallwachs, der im ersten Tatort schon mitspielte) und Tochter (Ina Weisse) ab. Auch die liberianische Botschaft, auf deren Hoheitsgebiet sich der Frachter befindet, hilft ihm nicht weiter. Die Ermittlungsakten im Falle eines gesunkenen Schiffs und eine Chipkarte, die der Tote im Magen hatte, führen Lürsen und Stedefreund wieder zur Besatzung und zur Reederei.
Der Täter Die Tanks des Frachters und auch die des gesunkenen waren leer, weshalb das erste Schiff im Meer absoff. Der Tote, dessen Bruder zur Besatzung der gesunkenen Frachters gehörte, hatte dies herausgefunden. Die junge Reederin wollte verhindern, daß dies an die Öffentlichkeit dringt und veranlasste den Ersten Offizier, das Besatzungsmitglied umzubringen.
Bewertung Eine stark besetzte Folge (herausragend: Gustav Peter Wöhler) und schöne Schiffs- und Seeaufnahmen können nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Schiffeversenken gerade im zweiten Teil ziemliche Längen hatte.
Meine Schifserfahrungen beruhen nur auf Ausflügen mit Bodenseedampfern und Hausbooten, aber die Darstellung der rauhen Männer auf hoher See kam mir ein wenig überzeichnet vor.
So gibt’s nur 6,5 Punkte vom Kleinhesseloher See an die Nordsee.
Angenehm war wieder das Zusehen in der Niederlassung.
Mehr Informationen gibt’s im Fundus. Zugesehen haben Sopranisse, mayavonderspree und Heiner-Maria Huber.
(Bildausschnitt: ARD / RB)
594. Tatort: Der Frauenflüsterer (WDR; EA: 03.04.2005)
Ermittler: Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl), Prof. Boerne (Jan Josef Liefers), Silke Haller “Alberich” (ChrisTine Urspruch), Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter), Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Grossmann)
Drehbuch: Jan Hinter und Stefan Cantz; Regie: Kaspar Heidelbach
Der Fall | Der Täter | Die Bewertung
Der Fall Prof. Boerne hat seine Nichte Betty (Nora von Waldstätten) zu Besuch. Die steht total auf Pferde. Da kommt es ziemlich gelegen, daß ihr Onkel und Kommissar Thiele bei einem Pferdezüchter, Markus Hoffschulte (Kai Wiesinger), ermitteln. Der kommt ins Spiel, nachdem der Wirt Röttger aus dem Fenster fällt. Denn dessen Frau Doris (Anna Loos) hatte mal ein Verhältnis mit dem Pferdeflüsterer, der es mit Frauen noch besser konnte. Gehörnte Ehemänner hatte er zu Feind. Während Betty im Begriff ist, sich in den Charmeur zu verlieben, explodiert sein Jeep, in dem seine Frau sitzt. Da das noch nicht reicht, stirbt auch der einfältige Sprengmeister Ottensen (Christian Kahrmann) nach einem Streit mit Hoffschulte.
Der Täter Der Tod des Wirts entpuppt sich als Suizid, weil er es nicht verkraftet hat, daß sein Kind vom Pferdezüchter ist. Die anderen Toten hat der Womanizer umgebracht. Warum, ist in Münster nebensächlich.
Die Bewertung Typischer Klamauk aus Münster. Die Führerscheinprüfung des Kommissars, der bei seinem Taxi fahrenden Vater Fahrstunden nimmt, und der um seine Nichte besorgte Boerne (“Pädagogik ist mein Steckenpferd.”) nehmen wieder sehr viel Platz ein. Um das alles etwas aufzufrischen, entblödet man sich nicht, eine Dorfschlägerei zu inszenieren, für die sich selbst Bud Spencer und Terence Hill schämen würden. Damit alles nicht zu kompliziert wird, macht man den Pferdezüchter und Frauenflüsterer zum Täter.
Alleine für die Form der Ermittler gibt es 5,5 Punkte.




Fremdneurosen