Hiob in den Kammerspielen
Autor: Joseph Roth, Regie: Johan Simons, Bühne: Bert Neumann, Kostüme: Dorothee Curio, Dramaturgie: Koen Tachelet, Julia Lochte, Musik: Paul Koek (Veenfabriek), Licht: Max Keller
Besetzung: Mendel Singer (André Jung), Deborah, seine Frau (Hildegard Schmahl)
Menuchim, sein Sohn (Sylvana Krappatsch), Mirjam, seine Tochter (Wiebke Puls), Schemarjah, sein Sohn; Groschel, Musikhändler (Edmund Telgenkämper), Jonas, sein Sohn; Kosake; Mac, Amerikaner; Skowronnek, Schuhmacher (Steven Scharf), Menkes, Bibelschreiber (Walter Hess)


Mit dem Glauben ist es so eine Sache. Vor allem, wenn man mit seinem Schicksal hadert so wie der jüdische Lehrer aus Schretl, Mendel Singer. Sein jüngster Sohn Menuchim leidet an Epilepsie (großartige Grand Mals von Sylvana Krappatsch!), Jonas zieht in den Krieg, Schemerjah desertiert und geht in die USA, seine Tochter Mitjam treibt’s mit einem Kosaken, und seine Frau kümmert sich nur noch um ihren kranken Sohn und ist wegen ihres trockenen Schoßes auch nicht mehr begehrenswert.
Besserung erhofft sich die Familie, in dem sie ihren Sohn, der sich nun Sam nennt, in das gelobte Land folgen. Menuchim lassen sie zurück. Sam fällt im ersten Krieg, Jonas gilt als vermisst, seine Tochter wird verrückt, und seine Frau stirbt ob des Kummers.
Mendel bricht mit seinem Glauben.
Ich verfluche Gott, aber er herrscht noch über die Welt.
Als Menuchim als berühmter Pianist seinem Vater in die USA folgt, ist Mendel wieder mit seinem Glauben versöhnt.
Eine wunderbare Parabel auf das Thema Glaube. Die Epilepsie, auch heute noch als Geisteskrankheit angesehen, steht symbolisch für die Strafe Gottes. Ein schwerer Stoff, der unter der Regie John Somons (dem zukünftigen Intendanten) hervorragend umgesetzt wurde. Das spartanische Bühnenbild (ein zweigeteiltes, mit Vorhängen versehenes Karussell; eine Seite zeigt das Leben in Schtetl, die andere die USA) passt hervorragend zum ärmlichen Umfeld der Lehrerfamilie. Die Darsteller, vor allem André Jung, sind wirklich großartig.
Zurecht langer Applaus vor nahezu ausverkauftem Haus.
(Bilder: Kammerspiele / Andreas Pohlmann [1], [2])
Fremdneurosen