Monthly Archive for Februar, 2009

“Ein Zwanziger gegen Zwanziger”

Wenn man es sich erlaubt, weitaus bekannten und potenten Institutionen die Stirn zu bieten, bedarf es nicht nur eines langen Atems, sondern auch einer gut gefüllten Brieftasche.

Der freie Sportjournalist Jens Weinreich muss diese Erfahrung machen. Er bietet dem Deutschen Fußballbund, namentlich dessen Präsidenten Theo Zwanziger die Stirn. Damit er sich dabei nicht finanziell ruiniert, hat er nach langem Zögern zu Spenden aufgerufen.

Ich unterstütze seinen Aufruf. Deswegen dieser Artikel. Danke fürs Lesen.

Kein Nachtverkehr am Sonntag Morgen

Ich war am Samstag aben auf dem Fest, zu dem ich hier eingeladen wurde.
Es war sehr fein. Ich habe einer Indien-Reisenden empfohlen, sich unbedingt Irgendwie & Sowieso anzuschauen. Aber sie hat wohl trotz ausführlicher Erklärung (eigentlich habe ich die Pointe verraten) meine Intention nicht verstanden. Hoffentlich landet sie nicht im Salzburger Land…
Ich habe mich sehr lange mit einer Volontärin des BR unterhalten. Den Weltempfänger wird sie mir nicht ermöglichen können, aber einen Versuch war es wert.
Der interessante Abend zog sich fort, indem ich über ein Doppeldiplom erfahren habe, das natürlich eine Schwäbin anstrebt, die wiederum überrascht war, daß ich wusste, was Herrgottsbscheißerle sind. Aber sie ist doch sehr schnell ins Bett und scheint über einen sehr tiefen Schlaf zu verfügen, denn der Abend dauerte noch sehr lange.
Wir kamen auf die Wahrheit zu sprechen, aber da komnnte ich nicht mehr mithalten und habe mich verabschiedet.
Am Herkomerplatz wunderte ich mich bei Schneegestöber über die viertelstündige Verspätung der Nachtlinie 17, die mich zum Wiener Platz bringen sollte. Dummerweise bog sie sie nicht nach links ab, sondern fuhr geraderaus den Montgelasberg abwärts. Mir wurde dann auch schlagartig klar, daß die frischen Reifenspuren an der 54er-Haltestelle Richtung Ostbahnhof nicht das Resultat des ansonsten nicht zu bemerkenden Räumdienstes, sondern des ersten Kurses waren. Ich stieg an der Mauerkircher Straße aus, um mit viel Glük eine sofortige Rückfahrgelegenheit zum Herkomerplatz zu bekommen. An der Kreuzung Ismaninger / Montgelasstraße erblickte ich eine eine Uhr, die wenig feundlich fünf nach halb sechs anzeigte. Da bringt mich keine Nachtlinie mehr nachhause.
Aber wenigstens der 18er, der recht schnell kam.

Klassenkampf

723. Tatort: Herz aus Eis (SWR)

Ermittler: Hauptkommissarin Klara Blum (Eva Mattes), Oberkommissar Kai Perlmann (Sebastian Bezzel); Patahologe Dr. Wehmut (Benjamin Morik), Annika “Beckchen” Beck (Justine Hauer);
Drehbuch: Dorothee Schön; Regie: Ed Herzog

Von Olga Filonowna (Rosalie Thomass) unter Drogen gesetzt, wird der Internatsschüler Stephan Fürst-Bergedorff von seinen Mitschülern Viktoria Scheffler (Nora von Waldstätten) und Maximillian von Stein (Florian Bartholomäi) im hauseigenen Schwimmbad versenkt. Der auf seine Beförderung hoffende Perlmann entdeckt im Schwimmbecken den Knopf zum Deckenbezug, in die Stefan verpackt wurde, Blum, die eine Beurteilung über ihn schreiben soll, findet in der Wäscherei den passenden Bezug. Was als Selbstmord erscheinen soll, wird von den Kommissaren als Mord entlarvt. Der Stipendiat Kevin Hausmann (Constantin von Jascheroff), der mit Drogen dealt, bringt das Team auf die richtige Spur. Die unsichere Olga wird von Viktoria und und Max in den See geschubst, aus dem sie Perlmann rettet. Auf Intensiv wollen die beiden Olga mit Insulin endgültig den Garaus machen, was Blum, die die Spritze rechtzeitig findet, noch verhindern kann.
Perlmann wird zum Hauptkommissar befördert.

Zweifellos eine spannende Folge, bei der die Autorin Dorothee Schön freundlicherweise auf Psychospielchen verzichtet hat und die Ermittlungen in den Vordergrund gestellt hat. Warum sie allerdings das Motiv (Stefan hat auf Max’ Notebook entdeckt, wie er das Konto von Olgas Eltern erleichtert hat) so in den Hintergrund gerückt hat und so das Klischee der skrupellosen Jugend sehr ausgbreitet hat, ist für mich nicht nachvollziehbar.
Die jungen Darsteller waren nicht schlecht, leider wurden ihre Figuren nur schlampig ausgearbeitet. So hätte man der russisch aussehenden Rosalie Thomass ein leichten russischen Akzent und Nora von Waldstätten mehr als einen gefrorenen Gesichtsausdruck spendieren können. Die Kommissare waren solide – trocken und präsent.
Ich habe lange gebracht, um mit den Bodensee-Tatorten warm zu werden. Zu Beginn waren sie mir zu unruhig und emotional. Mittlerweile bewegen sich die Seefolgen in ruhigeren Gewässern. Die Atmosphäre und das mittlerweile Unaufgeregte, für die die Gegend steht, werden ganz gut dargestellt, gepaart mit schönen Bildern vom See.
6,5 Punkte fließen in den Bodensee.

Der Tatort-Fundus wartet wieder mit einem umfassenden Kompendium auf. Sopranisse mag Frau Blum nicht, dafür haben Annabell, Chloevomsee (eigentlich ihre Mutter) und einige Tatort-Forum-Mitglieder zugesehen.

Vieleinlader

Wenn man dem Paranoia- und Überwachungsminister Wolfang Schäuble ines nicht unterstellen kann, dann ist es Nachlässigkeit. Der Feind vor seinem Rollstuhl wird hart und konsequent bekämpft. Das neueste Produkt aus seinem ehrenwertem Haus ist das Visa- und Warndateigesetz, das alle unter Verdacht stellt, die versehentlich auf die Idee kommen, mehr als einmal den einen oder anderen Asylbewerber bei sich aufnehmen. Zwecks der Übersichtlichkeit werden diese alle mal erfasst. Dummerwiese trifft das wieder einmal ehrenamtliche Organisationen, die in der Lage sind, über den terroristischen Tellerrand hinauszublicken. Das BMI hat herausgefunden, daß

- um dem Visum-Missbrauch wirksam entgegen treten zu können – gerade auch den Reisezweck bestätigende Personen näher geprüft werden müssen. Nur so können Vieleinlader, die rechtswidrig handeln, erkannt werden.

Daten zu Einladern, Verpflichtungsgebern und Bestätigenden auf der Grundlage einer gesetzlichen Regelung zentral gespeichert. Diese Daten werden zudem um Angaben zu rechtswidrigem Verhalten im Zusammenhang mit dem Visumverfahren oder mit sonstigem Auslandsbezug ergänzt. Unmittelbare Rechtsfolgen für den Betroffenen werden weder an die Speicherung noch an eine Rückmeldung geknüpft. (Pressemitteilung des Bundesinnenministeriums)

Dabei lernen wir auch ein neues Wort kennen: Vieleinlader! Der Vieleinlader, quasi der Schadbär unter den Ehrenamtlichen, wird sicher nicht so bekannt wie wie die Abwrackprämie, aber der Vieleinlader bringt auch kein Geld, sondern verursacht nur Kosten und bringt uns den Feind ins Land.

Der Deutsche Bundesjugendring hält mit seiner Euphorie über diesen Gesetzesentwurf ziemlich hinter dem Berg:

Unter den Generalverdacht krimineller Handlungen werden alle Verantwortlichen in Jugendverbänden gestellt, die regelmäßig Begegnungen mit Gruppen aus visapflichtigen Ländern organisieren oder Veranstaltungen, an denen Gäste aus unterschiedlichen Ländern teilnehmen. Sie landen in einem zentralen Register, auf das neben Botschaften und Konsulaten auch Polizei, Zoll und Bundesnachrichtendienst zugreifen dürfen sowie Arbeitsagenturen und Sozialämter. „Jugendbegegnung und Partnerschaftsarbeit, in denen Freundschaften wachsen, die ein Beitrag für Frieden und Völkerverständigung sind, bekommen den Ruch einer Straftat“, sagt Torsten Raedel vom DBJR. (Pressemeitteilung des DBJR)

Dieser Gesetzentwurf suggeriert die falsche Annahme, daß politisches Aysl eigentlich gar nicht mehr vorkommt. Wer aus wirtschaftlichen Gründehn unser Land aufsucht, muss natürlich als Parasit betrachtet werden, und diese ehrenamtlichen Helfer sind sowieso nur naive Träumer, die die wahren Gefahren nicht erkennen wollen.

Das neueste Werk aus dem Hause Schäuble wird am 4. März im Kabinett behandelt. Ob die SPD-Minister daran teilnehmen, weiß ich nicht. Aber an ihnen wird dieser Entwurf sicher nicht scheitern…

[via Pädagogik-Klick]

Köln kompakt

Zwei Kritiken zu Tatort-Wiederholungen liegen noch rum. Während in Köln Karneval gefeiert wird, feier ich die Folgen kurz ab…

589. Tatort: Schürfwunden (WDR; EA: 13.02.2005)

Ermittler: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Freddy Schenk (Dietmar Bär); Sekretärin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt), Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch), Staatsanwalt von Prinz (Christian Tasche);
Drehbuch: Frank Posiadly und Niki Stein; Regie: Niki Stein

Die Kommissare ermitteln mühevoll in einem Geldtransporter-Überfall, als ihnen ein Daumen zugeschickt wird. Sie finden heraus, daß er in Schaffrath abgeschickt wurde, dem Dorf, das wegen des Braunkohletagebaus umgesiedelt wird. in der Kneipe des alten Dorfs spielt das umgesiedelte Leben. Als Schlüssel zu dem Fall stellen sich die Wirtstochter Tatjana (Karoline Teska) und der geistig behinderte Hansi Lensen (Jona Mues), der aber mit dem Bagger in den Tod geschickt wird.
Der Daumen stammt von einem der gesuchten Geldtransporter-Räuber, der aber nicht von seinen Komplizen umgebracht wurde, sondern vom sehr engagierten Dorfpolizisten Ackermann (Stefan Kampwirth).

Sehr skurriler Tatort in einem schrägen Ambiente mit wunderbaren Bildern (u.a. die Leichentransporte vom Friedhof des alten Dorfs ins neue Dorf) – 7,5 Punkte.

651. Tatort: Die Blume des Bösen (WDR; EA: 01.01.2007)

Ermittler: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Freddy Schenk (Dietmar Bär); Sekretärin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt), Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch);
Drehbuch und Regie: Thomas Stiller

Max Ballauf soll sich um die Tochter seiner Cousine Beatrice (Nadeshda Brennicke), die wegen einer wenig verheißungsvollen Untersuchung einige Tage stationär aufgenommen werden muss, kümmern. Er wird auch von einem anonymen Arufer bedroht, und eine Frau, mit der er vor Jahren einen One Night Stand hatte, wird umgebracht. Der Anrufer, der über Ballauf sehr gut Bescheid weiß, hat sie getötet. Ballauf wird mit Charles Baudelaire konfrontiert und muss tatenlos zuschauen, wie seine Großnichte vom Anrufer in Beschlag genommen wird, und seine Cousine nur knapp dem Tod durch ihn entkommt. Durch Rechercherieren in alten Ermittlungsakten findet er heraus, daß der Anrufer der Vater einer von Ballauf bei einem Einsatz versehentlich getöteten Frau ist. Es gelingt ihm, den Rächer Kuschmann (Jürgen Schornagel) dingfest zu machen.

Gut gemachtes Katz-und Maus-Spiel, bei der eigentlich nur Schornagels schlechte Perücke unangenehm auffällt – 7 Punkte.

(Bilder: ARD / WDR )

Fasching!

Fasching

Nasshorn und Trockenhorn

Der große Saprachakrobat Heinz Erhardt wäre gestern 100 Jahre alt geworden. Ihm zu Ehren hier eines meiner Leiblingsgedichte von ihm:

Ein Nasshorn und ein Trockenhorn
spazierten durch die Wüste,
da stolperte das Trockenhorn
und´s Nasshorn sagte: “Siehste!”

Ein Ausschnitt seines Schaffens darf natürlich auch nicht fehlen:


(Link: YouTube)

Auch das Latinum gibt keine Garantie

Ich war gestern dienstlich in der Kinderkardiologie des Klinikums Großhadern. Technisch verlief der Besuch unspektakulär – EKG, Blutdruckmessuung (auch am Fuß), Sauerstoffsättigung und Herzultraschall.
Interessanter waren da schon die zwei Medizinstudentinnen, die in der Pädiatrie hospitierten. Ausgestattet mit wichtigem Arztkittel, sehr großem Namensschild und Stethoskop machten sie bei unserer Untersuchung ihre erste Aufwartung. Auf meine Frage, was sie hier machen würden, antwortete eine:

Wir müssen verschiedene Praktikas machen.

Ich habe es mir verkniffen, sie zu berichtigen.

Straßenpädagoginnen

Zu den Abgründen der Arbeit mit Kindern gehört der öffentliche Konflikt. Er wäre nicht weiter interessant, wenn man ihn nicht mit einem kleinen Kind austragen müsste. Dummerweise wecken die Auseinandersetzungen jeden Mutter- und Großmutterinstinkt (fehlt der, kann man sich auch mit dem Tanten-, Großtanten- oder “Meine Nachbarin hat auch Kind”-Instinkt behelfen). Leider sind diese Konflikte unvermeidbar. Denn der Erwachsene, der sich ihm stellen muss, legt in der Regel keinen gesteigerten Wert darauf, seine Ohnmacht coram publico einzugestehen (U-Bahn-erprobte Eltern werden dies sicher bestätigen können). Dernnoch wird sie ihm immer wieder vor Augen geführt. Daß wir es mit – sozialpädagogisch-korrekt ausgedrückt – “verhaltensoriginellen” Kindern zu tun haben, sei hier nur ein Randaspekt. In der öffentlichen Wahrnehmung spielt er keine Rolle.
Der Anlass kann ganz banal sein. Man will nur, daß der einem anvertraute Zögling nicht die gesamte Wegstrecke im Kinderwagen sitzend zurücklegt, sondern auch, daß ein paar hundert Meter zu Fuß bewältigt werden.
Es entsteht auch ein vollkommen falscher Eindruck, wenn der Anblick suggeriert, daß das im Vorfeld nicht besprochen worden sei. Häufig geht diesen paar hundert Metern zu Fuß ein Feilschen voraus, der mit Kuhhandel noch euphemistisch umschrieben ist und von Kämpfen noch in den heimischen vier Wänden geprägt ist. Das verhindert aber kein auf offener Straße herzerweichend schreiendes Kind, das sich mit seinen Händen am Kinderwagen festkrallt und die ihm gerade widerfahrende Ungrechtigkeit in aller Ausführlichkeit artikuliert.
Ja, dieses Kind macht den Eindruck, als würde es konsequent missverstanden, aufgrunddessen falsch behandelt und erfahre deshalb keinerlei Stabilität (von fehlender Liebe und Zuneigung ganz zu schweigen).
Hier winkt die große Stunde der Straßenpädagogin (Männer verhalten sich hier erstaunlich neutral oder äußern ihre Ansichten nur hinter vorgehaltener Hand). Denn sie hat bekanntlich den Mutter- und Großmutter-, Tanten-, Großtanten- oder “Meine Nachbarin hat auch Kind”-Instinkt. Der trügt bekanntlich nicht und verleitetet mit einem mitleidigem Blick zum scheinbar misshandelten Kind zu folgenschwerer Aussage:

Oh, Du Arme!!

Häufig fehlen der betreuenden Person die passenden Worte darauf, weil sie selbst in diesem Konflikt steckt. Blitzt aber ein seltener Fall von ausgeprochener (gedacht wird sie nahezu immer) Spontaneität auf, schickt man sie mit einem

Sie halten sich da raus!

weiter.
Häufig sind sind diese Instinktlerinnen dann so irritiert, daß sie schwer indigniert das Weite suchen.

Der Konflikt geht weiter, mit etwas Glück ohne die nächste Straßenpädagogin.

Totalschaden


Gestern abend im X’cess:

Ich war seit meinem Totalschaden nicht mehr hier.

(Bildausschnitt: Maximilian Sterz / Münchenwiki)
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