Monthly Archive for Januar, 2009

Expeditionen ins Tierreich

Eine meiner Schwächen ist, in Bereichen, in denen ich mich nur unzureichend auskenne, Wissen vorzutäuschen, dieses aber überzeugend zu vertreten. Diese Erfahrung musste heute einer der uns anvertrauten Jugendlichen machen, der auf vielen Gebieten ein für sein Alter unglaubliches Detailwissen hat.

Beginnend bei der Liebe haben wir uns über das Paarungsverhalten von Säugetieren einem Tier angenähert, das einen Schabel wie eine Ente habe, Ähnlichkeiten mit einem Biber aufweise und ein eierlegendes Säugetier sei. Weiter ging er nicht ins Detail, aber das genügte mir getreu des Mottos “Was ich nicht kenne, gibt es nicht”, die Existenz des Schnabeltiers ins Reich der Wolpertinger und anderer Fabelwesen zu weisen.
So richtig in der Thematik steckend, setzte er noch eins drauf und begann vom Beutelwolf zu erzählen.

Ich werde morgen Abbitte leisten müssen…

(Bild: John Gould / Wikipedia Commons)

Das Entgegenkommen

Das Geld sitzt bei den Banken, wie wir wissen, nicht mehr so locker. Das durfte ich gestern am eigenen Leib erfahren.

Man kann mit einer Bankomatkarte, wenn man die passende Geheimzahl hat, ohne weiteres Scheine aus dem Automaten ziehen. Hat man allerdings keine gültige, wird daraus nicht nur am Automaten ein schwieriges Unterfangen. Ausgestattet mit der abgelaufenen Karte und dem Personalausweis begab ich mich zur besten Mittagspausenzeit an den Schalter. Ich hoffte, daß sich der Herr auf der Vier meiner annehmen würde. Ich bekam ihn.
Ob ich denn Kontoauszüge dabei habe, fragte mich der Herr auf der anderen Seite des Schalters. Ich verneinte sie. Dem Gang und dem Habitus (leicht nach vorne gebeugt) nach zu urteilen, musste er noch vor der Privatisierung eingestellt worden sein. Es müsse doch ausreichen, wenn ich mit der abgelaufenen Karte und dem gültigen Personalausweis Geld abheben wolle. Nein, die Karte sei ja abgelaufen, deswegen dürfge er das nicht machen. Aber ich könne ja eine neue Karte beantragen. Dann ging er zum Telefonieren. Nach drei Minuten kehrte er zurück, füllte ein Formblatt aus, auf dem stand, daß mir die Karte erneut zugeschickt oder eine neue kostenfrei ausgestellt werden solle. Beim Ausfüllen kam er auf seine Kollegen vom Zustelldienst zu sprechen, die auch nicht mehr so zuverlässig seien wie früher.
Das war meine Chance!
Ich nickte zustimmend und ergänzte seine Ausführung um die Bemerkung, daß das auch kein Wunder sei, bei der immer schlechtereren Bezahlung und größer werdenden Zustellbezirken. Er nickte nun auch zustimmend und bat mich, ihn nicht zu fragen, wie wenig seine jungen Kollegen am Schalter verdienen. Ich hielt meinen Kopf etwas schräg und überlegte, seinen ehemaligen, mittlerweile verurteilten Chef noch ins Spiel zu bringen, als ich abrupt unterbrochen wurde:
“Wieviel wollen’S denn?”

Mit gefüllten Geldbeutel, einem ausführlichen Dank für sein Entgegenkommen und den besten Wünschen zum bevorstehenden Wochenende verließ ich nach rund 25 Minuten das Gebäude.

Die Abifeier als Extemporale – Photosynthese

Auf der Jubiläumsfeier war ich bekanntlich nicht. Umso überraschter war ich, als mich ein paar Fotos des rauschenden Fests erreichten.
Nun ist es mir als passioniertem Photographen bekannt, daß es nicht einfach ist, Menschen im Dunkeln vorteilhaft abzulichten. Aber die elf Bilder, die mich erreicht haben, haben mich entsetzt: Ich habe fast dreiviertel der abgelichteten Personen, mit denen ich angeblich die Schulbank gedrückt habe, nicht erkannt. Das liegt nicht daran, daß überwiegend schütter behaarte Männer oder Botox-behandelte Frauen darauf zu sehen gewesen wären. Nein, sie sahen alle aus wie normale Mitt-Dreißiger.
Wäre ich hingegangen, wäre ich nach einigen Minuten verärgert wieder gegangen, weil ich kein bekanntes Gesicht entdeckt hätte.

Ich glaube, diese Jahrgangstreffen werden genauso verklärt wie die immer länger zurückliegende Schulzeit.

Wenn der Burger singt…

Es war wohl zwischen den Jahren, als einer unserer Bewohner lachend aus seinem Zimmer kam, um mir seine neueste Radioerrungenschaft mitzuteilen. In der Regel erzählt er mir dann, welcher Moderator gerade im Studio sitzt. Dieses Mal ging es aber nicht um den Hörer-Animateur auf der anderen Seite des Radios. Er habe gehört, daß Mc Donalds singt und kam aus dem Lachen schier nicht hinaus.
Ich habe kurzzeitig überlegt, was er mir eigentlich sagen wollte. Ich dachte zunächst, er wollte mir von einem Werbespot berichten. Aber das verneinte er beharrlich. Nach einigen Fragen kam ich darauf, daß es sich bei dem singenden Burger um Amy Macdonald handelt…

This is the life

Abgehoben

719. Tatort: Rabenherz (WDR)

Ermittler: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Freddy Schenk (Dietmar Bär); Sekretärin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt), Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch)

Der Gynäkologe Hermann Johns wird nach einer Geburtstagsfeier der Oberschwester (Petra Kleinert) auf der Neugeborenenstation einer städtischen Klinik (dargestellt von einer katholischen, anders lassen sich die Kruzifixe in den diversen Zimmern und die Kapelle auf dem Gelände nicht erklären) tot in seinem Zimmer aufgefunden. Er wurde mit Herzmittel aus Krankenhausbestand vergiftet. Während Ballauf sich mit seinem Magen rumplagt und Zeugen vernimmt, begibt sich Schenk als Pfleger auf Station. Dort trifft er auf die Krankenschwester Maria (Anna-Maria Mühe), die nicht nur sehr fromm ist, sondern auch durch die Onkologie schwebt. Dort heilt sie krebskranke Patienten durch Handauflegen. Eigentlich will sie nicht mehr leben, weil sie das Kind, das ihr der Stationsarzt Dr. Tschichold (Peter Wolf) gemacht hat, abtreiben musste. Ins Visier der Ermittler gerät der Spital-Psychologe Andreas Neumann (Matthias Matschke), der die fromme Maria behandelt hat. Er weiß auch, daß mit Johns der falsche gestorben ist. Der hat aber kurzfristig den Dienst seines Kollegen Tschichold übernommen. Er hat auch entdeckt, daß sie erneut Ampullen aus dem OP gestohlen hat, mit denen sie endgültig über ihren ehemaligen Liebhaber richten wollte.
Warum der Psychologe am Schluss aus ihrem vergifteten Orangensaft getrunken hat, wird ebenso wenig klar, wie die Frage, was diese abstruse Geschichte eigentlich sollte.

Die einzig wirklich gute (und unbeabsichtigte) Pointe dieses Tatorts waren die Magenschmerzen von Ballauf. Der Fall war wirklich schwer verdauliche Kost, die auch die blasse Anna-Maria Mühe nicht schmackhafter machte. Das war einer der schwächsten Kölner Tatorte (Buch: Markus Bus, Rgeie Thorsten C. Fischer).

Mehr Informationen zu diesem Tatort gibt es im Fundus (u.a. mit Interviews mit beiden Kommissaren) und in der taz (mit einem Portrait über Anna-Maria Mühe). Sopranisse hat nicht zuende geguckt, Fielitz fasst sich wie immer kurz, und die Begeisterung im Tatort-Forum hält sich auch sehr in Grenzen.

(Bild: ARD / WDR)

Warum Sicherheit relativ und kein Totschlagargument ist

Wir müssen mit der Erkenntnis leben, dass wir unsere Kinder nicht vollständig schützen können. Eine Erkenntnis, die fast nicht zu ertragen ist. (Der Generalanzeiger übersetzt belgische Pressemeldungen.)

Wie weit die Komplett-Überwachung in Belgien voranschreitet, weiß ich nicht. Aber die Feststellung nach dem Amoklauf von Dendermonde ist so desillusionierend wie ehrlich. Es wird auch erwähnt, daß Kindertageseinrichtungen, die polizeiüberwacht würden, wohl nicht das Vertrauen der Eltern wecken würden. Hierzulande denkt man da leider schon etwas anders. Von der Vidoeüberwachung öffentlicher Plätze ganz zu schweigen.
Man scheut sich auch nicht, einen Attentäter wie den von Dondermende erst einmal nicht als psychisch auffällig zu bezeichnen, weil er nach den ersten Untersuchungen “keine psychiatrische Vorgeschichte und vor der Tat auch weder Drogen noch Alkohol konsumiert” habe (lt. Generalanzeiger). Selbst daß er anscheinend als Joker verkleidet war, wird ihm zunächst nicht als psychische Auffälligkeit zur Last gelegt (oder zur Entlastung angerechnet?) – hierzulande undenkbar, auch bei den sogenannten seriösen Nachrichtenorganen wie Süddeutsche, Tagesschau, et al..

Hierzulande entblödet man sich dagegen nicht, Vergleiche mit Dutroux anzustellen und suggeriert so wieder mal den Eindruck, daß Belgien ein Volk von Kinderschändern ist.

Ich möchte es mir nicht ausmalen, wie die Berichterstatter (und Politiker) reagiert hätten, wenn dieses UNglück in Deutschland passiert wäre…

Wenig Hoffnung für Charles


Das Votum der Zuschauer erinnert ein wenig an das Zentralkomitee der verblichenen UdSSR. Dort wurden auch sehr alte Herrschaften mit der Staatsführung betraut. Juri Andropow war beim Amtsantritt 68, sein Nachfolger Konstantin Tschernenko gar 72 Jahre alt.
Nun hat das Fernsehvolk Ingrid van Bergen, 77 Jahre alt, zur Dschungelkönigin gewählt. Sogar Raúl Castro war einen Monat jünger, als er offiziell zum kubanischen Staatsoberhaupt gewählt wurde. Zumindest einer war älter, als er zum Oberhaupt gewählt wurde: Joseph Kardinal Ratzinger war 78 Jahre alt, als er als Papst Benedikt XVI. sein Pontifikat angetreten hat. Schwacher Trost für die an der Kremlmauer beerdigten Herren: sie wird nur ein Jahr amtieren, also (unwesentlich) kürzer als die Staatsmänner.
Prinz Charles wird diese Nachricht dennoch nicht frohgemut zur Kenntnis nehmen, wartet er doch als mittlerweile 60-Jähriger darauf, endlich den britischen Thron besteigen zu dürfen. Die Kröten, die er dabei schlucken muss, sind sicher bitterer als die Känguruhhoden, die die Vegetarierin kauen musste…

(Bild: Stefan Menne / RTL)

Babytalk

Es ist für einem Mann wenig erquicklich, in Begelitung zweier Frauen die gerade Mutter gewordene Kollegin zu besuchen. Beim Thema “Ärzte in Geburtskliniken” hat mich der Tiefpunkt erreicht. Weitere Themen waren das Stillen, Blähungen, Schlaf in der Nacht und ähnliches.
Ich denke, ich werde mich mal mit dem Vater treffen…

Aber die junge Dame ist herzallerliebst!

+ 0,4%

Daß Roland Koch eigentlich nur dank der einer um fast sieben Prozent stärkeren FDP wieder zu einer soliden Mehrheit finden kann, ist für mich die Überraschung des Wahlabends, den ich gar nicht verfolgt habe.
Aber wenn die Sozis gut 13 Prozent verlieren, ist natürlich auch ein Gewinn um lediglich 0,4 Prozent ein mehr als erwähnenswerter Gewinn.
Die 5,4 Prozent der Linken hätten dem Doppelnamenannehmer auch keine Regierungsmehrheit gebracht.

Vielleicht sollten die Sozis um den Doppelnamenannehmer mit dieser Erkenntnis ihre Tränen trocknen…

[Quelle: Süddeutsche Zeitung]

Mama Derrick im Schrebergarten

693. Tatort: Erntedank e.V. (NDR; EA: 30.03.2008)

Ermittlerin: Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler), Kriminaldirektor Stefan Bitomsky (Torsten Michaelis), Edgar Strelow (David Rott)
Besetzung: Martin Felser (Ingo Naujoks), Andrea Klose-Sanders (Maren Kroymann), Helga Reimann (Renate Becker), Schmidt-Rohrbach (Eva Löbau )Annemarie Lindholm (Kathrin Ackermann) (sowie Arnfried Lerche, Monika Barth, Sabine Berg, Noah Damm, Shawn Karlborg, Peter Knaack, Rüdiger Kuhlbrodt, Robin Sondermann, Ingeborg Stüber u. v. a. )
Drehbuch & Regie: Angelina Maccarone, Idee: Maria Furtwängler

Frau Lindholm ist erfolgreich Mutter geworden. Das ist eigentlich die wichtigste Aussage dieser Tatortfolge. Der Schratz David ist fünf Monate und seine Mama immer noch im Mutterschutz. Bekommt man als LKA-Beamtin so lange Mutterschutz? Donnerwetter!
Gemordet wird auch. Es ist praktisch, daß bald nach ihrer Mitgliedschagft im Kleingartenverein (in München gab es vor zehn Jahren derer 27) der Vorsitzende mit den Füßen voraus den Schrebergarten verlässt. Der wurde aber nicht ermordet, sondern hat beim Heckenschneiden einen Herzinfarkt erlitten, wie der Praktikant in der Rechtsmedizin herausfindet. Die anderen Mitglieder erscheinen ihr merkwürdig. Da sich ausreichend mit Hirnforschung beschäftigt hat, gibt sie sich in der Siedlung als Psychologin aus und weckt das Interesse der verschrobenen Lehrerin Andrea Klose-Sanders, die mit dem seltsamen Jürgen verheiratetet ist. Während sich der bemitleidenswerte Mitbewohner Martin Felser mit Lindholms Brut auseinandersetzen darf, wird die nächste Leiche entdeckt, die schon länger in der Siedlung verbuddelt ist. Es ist der ehemalige Pächter Helmut Zacher, der eigentlich mit seinem Sohn, der gar nicht sein Sohnh ist, nach Kanda auswandern wollte. Der Sohn hat den Mord während einer Feier im Kleingartenverein als kleiner Junge beobachtet, was Frau Lindholm veranlasst in schlechtester Derrick-Manier zu psychologisieren. Das hilft aber auch nicht weiter, denn die skurrile Lehrerin wird auf einer ihrer Skulpturen ausfgespießt aufgefunden.
Nun stellt die Kommissarin, diesmal als Madame Poiret, die Schrebergartenszenerie zusammen, bei der Zach ermordet wurde. Die Gärtnerin, also die Frau des ehemaligen Vorsitzenden, Helga Reimann war’s. Es ging um den Gewinn der Lottogemeinschaft, für die Zacher unterschrieben hat. Das wollte man unter sich aufteilen, womit die bildhauernde Lehrerin auf Dauer nicht zurechtkam.

Mit der Schrebergartenatmosphäre hätte man eine herrlich skurrile Geschichte machen können. Das ist aber nicht geschehen, weil es wichtiger erschien, die Mutterschaft der Protagonistin in aller Ausführlichkeit zu thematisieren. So wurde auf schlechteste Grünwalder Art nicht ermittelt, sondern nur psychologisch interpretiert. Eine ganz müde Nummer…
Und Maren Kroymann war als Bienzles Bekannte (“Ernschd!”) seinerzeit auch besser…

Weitere Informationen gibt’s im im Tatort-Fundus; Sopran hat bei der Erstausstrahlung mitgeschrieben, und Annabell war damals auch nicht begeistert.

(Bild: ARD / NDR)
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