Unser Jahrgang hat keine berühmten Persönlichkeiten hervorgebracht. Keinen Politiker oder eine C-Prominente wie Kader Loth, auch keine aus Film und Fernsehen bekannte Darstellerin.
Aber wir hatten immerhin einen Fußball-Nationalspieler in unseren Reihen: Max Eberl.
Er hat es zwar nicht bis zu Ribbecks Rumpelfüßlern geschafft, aber er war ein veritabler Jugendnationalspieler. Er spielte bis bis 1993 beim FC Bayern München und durchlief alle Jugendmannschaften und gehörte dem B-Jugendteam an, das 1989 die deutsche Meisterschaft (u.a. mit dem Ex-Nationalspieler und heutigen Bayern-Teammanager Christian Nerlinger an der Seite) an die Säbener Straße holte.
Vielleicht wäre für ihn in der Bundesliga mehr drin gewesen, wenn er nicht heute genau vor 17 Jahren in der Drei-Trainer-Saison unter Sören Lerby in Stuttgart (beim VfB; die Heimpleite gegen die ebenfalls erstklassigen schwäbischen Kickers führte zu Heynckes’ Rausschmiss) sein Debüt im Profifußball gefeiert hätte. Zu feiern gab es eigentlich nichts, denn das Spiel in Stuttgart mit 2:3 ging verloren, der kicker würdigte seine Premiere mit einer 5, und er wurde zur Halbzeit ausgewechselt. Autogramme musste er in der Schule am darauffolgenden Montag dennoch reichlich schreiben.
Rund zwei Jahre wechselte er zum VfL Bochum, wo er auch nicht recht zum Zuge kam. 1997 ging’s nach Fürth, die gerade nach 14 Jahren wieder in die zweite Liga aufgestiegen waren. Anderthalb Jahre später erinnerte sich sein Trainer aus der DFB-Jugend, Rainer Bonhof, an ihn und holte ihn zur abstiegsbedrohten Borussia nach Mönchengladbach. Den Abstieg konnte er nicht verhindern. Doch am Bökelberg etablierte er sich unter Hans Meyer und trug mit 9 Toren Gelben Karten maßgeblich zum Wiederaufstieg in die Bel Etage des deutschen Fußballs 2001 bei. In 104 Bundesligaspielen räumte er in der Abwehr alle Gefahren aus dem Weg, gab zwei Vorlagen, schoss kein Tor und kassierte beachtliche 32 Gelbe Karten. 2005 beendete er verletzungsbedingt seine Karriere und wurde Nachwuchskoordinator am Niederrhein.
In der Schule bekamen wir Max Eberl ihn vor allem in den letzten Jahren wegen seiner Verpflichtungen auf dem Fußballplatz nicht mehr häufig zu sehen. Wenn er da war, hatten wir immer eine Menge Spaß mit ihm. Sehr beliebt war der Spott über einen Bundesliga-Emporkömmling, der einige Jahre später als Hartz IV-Empfänger in den Medien auf zweifelhafte Art bekannt wurde. Im Sportunterricht diente er den Lehrkörpern als Vorturner und entschied die wenigen Fußballspiele, die stattfanden, in der Regel alleine. Daß er mit einer der Jahrgangsschönsten liiert war, versteht sich eigentlich von selbst.
Heute wurde der Max vom Jugendkoordinator zum Sportdirektor der Fohlen befördert, was Dülp vom Bolzplatz wie folgt einschätzt:
Max Eberl auf dem Sportdirektor-Posten ist ein Mann, der aus dem eigenen Stall aufgebaut wurde und vor Jahresfrist auf gleicher Position bei einem ambitionierten Zweitligisten hätte anfangen können. Er hat aber vorgezogen, bei Gladbach in der Jugendarbeit zu bleiben und erntet nun die Früchte seiner Loyalität. Bei ihm kann man sich zumindest sicher sein, dass er mit vollem Herzen dabei ist. Inwieweit er Standards setzen kann, muss sich herausstellen. Seine Kompetenz ist nicht einzuschätzen. (Link)
Er ist nun formal der Vorgesetzte des wiederverpflichteten Hans Meyer (mit der er sich auch auf russisch unterhalten kann), unter dem er seine Blütezeit erlebte. Möge das Datum kein schlechtes Omen sein…
Fremdneurosen