Monthly Archive for September, 2008

Ferdiretten nun im Himmel

Es war vor einigen Jahren bei den Highland Games in Peine, als Ferdi von einer Frau angesprochen wurde. Ob es denn sein könne, daß sie ihn schon mal in der Bonner Gegend gesehen habe.
Ferdi lebte in St. Augustin bei Bonn, sein Röcketragen wirkte weit darüber hinaus.
Nachdem ich ihn vor fast sieben Jahren persönlich kennenlernte, war er derjenige, der mir den letzten Ruck gab, öffentlich Röcke zu tragen. Für ihn waren die Röcke eine Metapher für Freiheit, die er in den Männerrockforen, anderen Plattformen im Internet und vor allem auf der Straße propagierte und lebte. Versuchte jemand, ihm dieses Recht abzusprechen, wurde er sehr schnell sehr heißblütig und verteidigte sein Tun sehr ermotional und energisch. Er tat es vor allem für die vielen Männer, die sich, aus welchen Gründen auch immer, nicht trauen, öffentlich im Rock aufzutreten.

Er wurde als Männerrockppast und als Ikone der Männerrockbewegung bekannt. Er war auch eine Rampensau, da er die Komplimente von Frauen, jung wie alt, sichtlich genoss. Eilig durfte man es an seiner Seite nicht haben…
Bekannt wie beliebt waren sein Ferdiretten, die er gerne zu Musik zum Besten bot. Auf dem Oktoberfest fühlte er sich sichtlich wohl. Bei Viva Colonia wurde aus einer süffigen Maß Bier schnell ein schales Kölsch, weil er mit dem Tanzen nicht aufhören konnte.

(Link: YouTube)

Für diejenigen, die ihn kannten, war einer wahnsinnig lieber und treuer Mensch, der einen schnell ins Herz schließen konnte.

Daß er nicht mehr unter uns weilt, kann ich immer noch nicht glauben.
Er verstarb am 11. September an den Folgen eines Gehirnschlags. In Erinnerung bleiben schöne an einen Menschen, dessen Gastfreundschaft ich öfter genießen durfte, und dem Freiheit und Freundschaft wichtiger waren als Geld und wichtigtuerisches Gehabe.

Michael hat in seinem Nachruf ein sehr schönes Schlusswort gefunden:

Ich schließe mit einem Witz über den Ferdi sicher herzlich gelacht hätte, und den meine Frau Petra gestern brachte: Wenn Ferdi jetzt da oben im Himmel ist, muss er aufpassen, dass ihm niemand unter den Rock schaut.

Weitere Nachrufe gibt es Rockmode-Forum und im ehemaligen Parsimony-Forum.
Bilder und Meinungen von Ferdi sind auf seiner Seite hinterlegt.

Erfunden und gestoibert

Werner Lorant (Westfale), seinerzeit Trainer bei den Blauen, war mal bei Harald Schmidt (Schwabe) zu Gast. Das Gespräch drehte sich natürlich um Fußball. Wenn ich mich recht erinnere, war der Aufhänger ein Pokalspiel in Chemnitz oder Cottbus. Später kam Schmidt auf den damaligen Präsidenten der Löwen, Karl-Heinz Wildmoser, zu sprechen. Er trug damals noch seinen unnachahmlichen Schnauzer und verkörperte für Preißn das barocke Bild des lebenslustigen Bayern. Harald Schmidt meinte, daß er aussehe wie erfunden. Dem konnte selbst der trockene Lorant nicht widersprechen.
Wildmoser ließ im Laufe der Zeit nicht nur seinen Schnauzer, sondern trat auch sehr spektakulär von seinem Präsidentenamt zurück.

Das Bild der CSU, die Gerüchten, sie habe Bayern erfunden, nicht entgegentrat, wankt seit gestern abend gewaltig. Der bei Anne Will zugeschaltete Erwin Huber machte einen sehr derangierten Eindruck (dagegen wirkte Beckstein doch recht gefasst), während der viel zu selten zu Wort gekommene Biermösl-Bläser Hans Well den Begriff des Stoiberns ins Spiel brachte. Er meinte damit, daß Huber und Beckstein das gleiche Schicksal ereile wie anderthalb Jahre zuvor ihrem Vorgänger und freute sich diebisch, daß beide in Bälde gestoibert würden.

So bringt man erfunden und gestoibert in einem Beitrag unter und erfreut sich an einem Abend, den man gerne livegebloggt hätte…

Neutralität

Beim Verrichten meiner Bürgerpflicht in der benachbarten Schule (wegen eines Spätdiensts diesmal schon zur Mittagszeit, was eine neuerliche Begegnung mit Bruno Joans verhindert hat) habe ich heute festgestellt, welch hohes Gut es ist, daß Landtagswahlen in Bayern nicht von der UNO beobachtet werden müssen.

Wahlhelferin: Håsd Du scho gwöid?
Wahlhelfer: Na!
Wahlhelferin: Warum ned?
Wahlhelfer: I woas ned, wås i wöin soi. Aussadem wohn i aussahoib.

…dreimal hat’s gekracht – Reprise

674. Tatort: A gmahde Wiesn (BR; EA: 23.09.2007)

Ermittler: Hauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec), Hauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), Oberkommissar Carlo Menzinger (Michael Fitz)

Wird ein mäßiger Tatort besser, wenn man ihn noch einmal anschaut? Es kommt darauf an, unter welchem Gesichtspunkten man ihn erneut betrachtet.
Nach einigen Bieren kommt der Oktoberfest-Tatort, den der BR im Rahmen seines Wiesn-Abends wiederholt hat, ein wenig anders daher. Die dürftige Story wirklt dank der Dialoge zwischen den Kommissaren ein wenig süffiger. Und vielleicht ist es doch Wiesn-adäquat, daß die Putzfrau die Mörderin ist. Denn das Geld, das sie in ihren Augen zu wenig verdient hat, hätte sich auf der Festweiese hervorragend investieren lassen.
Nüchtern betrachtet ist diese Folge nach der Erstbetrachtung noch milde bewertet…

Morgen gibt’s den 50. Tatort mit den Münchner Kommissaren. Hoffentlich bringe ich den DVD-Rekorder zum Laufen…

(Bild: ARD / BR)

Völkerverständigung

Understanding among nations | Völkerverständigung

Brandender Applaus

Als der FCB sein Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg mehr oder weniger erfolgreich erfolgreich über die Bühne brachte, saß ich ich einer Kneipe. Sie war gut ausgestattet. Sie zeigte auf dem großen Bildschirm die Premiere-Konferenz, auf dem kleinen die ARD-Übertragung.
Irgendwann wurde das 2:0 bejubelt. Wesentlich eindrucksvoller war jedoch auch akustisch die Einwechslung von Franck Riberéry.

Der Messias ist zurück. Jetzt wird alles gut…

Konstruierte Entführung

151. Tatort: Roulette mit 6 Kugeln (BR; EA: 16.10.1983)

Ermittler: Hauptkommissar Ludwig Lenz (Helmut Fischer), Kriminalobermeister Brettschneider (Willy Harlander), Kriminalassistent Faltermayer (Henner Quest), Kriminlarat Schubert (Rolf Castell)
Besetzung: Arthur Steinemann (Manfred Zapatka), Ruth Steinemann (Ilona Grübel),
Felix Steinemann (Edwin Noel), Karlo Bronner (Franz Boehm), Hauptkommissar Lersch (Peter Musäus),
Sonderfahnder Seibold (Henner Dobrick), Polizeipräsident (Heino Hallhuber), Uschi Koch (Gisela Freudenberg), Konrad Stiefel (Ludwig Wühr), Zweigstellenleiter einer Bank (Hans Zander), Chef eines Autoverleihs (Eberhard Pelker), 1. Gast (Helmut Alimonta), 2. Gast (Peter Mühlen), Die Frau (Barbara Kutzer), Kriminalbeamter (Helmut Dauner), Taxifahrer (Ralf Maria Beils)
Drehbuch: Plym Pahl ; Regie: Wilma Kottusch

Kommissar Ludwig Lenz muss mit seinen Assistenten einer Kindsentführung nachgehen. Der Vater Arthur Steinemann traut sich nicht, die Lösegeldübergabe zu machen. Das übernimmt ein ihm ähnlich sehender Polizeibeamter, der bei der Übergabe mit sechs Schüssen an der Großhesseloher Brücke erschossen wird. Das macht den Schreiner, dessen Frau Ruth und seinen Bruder Felix (verdächtig. Arthur und Felix streiten um das Grundstück, das sie von den Eltern geerbt haben. Architekt Felix möchte darauf neu bauen, während Arthur sein Elternhaus nicht aufgeben will. Das Geld, das die Bebauung einbringen würde, könnten alle gut gebrauchen. Die Ermittlung dümpelt dahin, ohne daß wirklich estwas passieren würde. Daß der Polizist von jemand anderem erschossen wurde, weiß der Zuschauer. Nach einer quälenden Stunde führt die Spur zu dem Modedesigner Karlo Brenner, für den Ruth als Manneqiun arbeitet. Sie haben die Entführung, die das Kind unbeschadet überstanden hat, eingefädelt. Arthur sollte bei der Übergabe erschossen werden, damit Ruth und Karlo ohne den faden Kindsvater ein neues Leben beginnen können.

Ein Tatort, in dem viel geredet wird, ohne daß wirklich etwas passiert. Die Darsteller bleiben blass und wirken insgesamt mehr routiniert als engagiert. Die Geschichte wikt sehr konstruiert und bietet keinerlei Überraschungsmomente.

Hintergrund: Tatort-Fundus

Schnapsrunde!

Living Room II

Wenn man in Zentrumsnähe ins Kino geht, hat man zwei Möglichkeiten. Man sucht das fußläufige Glockenbachviertel auf oder begibt sich auf die Suche.
Wir haben den Spaziergang mit freundlicher Unterstützung durch die Badische Staatsbrauerei ausführlich ausgedehnt (das alleine ist schon ein Artikel wert), um dann in der Innenstadt im Platzhirsch zu landen. Mitten in der Innenstadt, quasi gegenüber vom Geobuch, für den ich hier alleine schon deshalb Werbung machen muss, weil der Besitzer mein Nachbar ist (und gegen seine Auswahl und Kompetenz kann der Hugendubel einfach nicht anstinken).
Tagsüber kehren kaffeetrinkende Seniorinnen ein, abends sorgt jüngere Kundschaft dafür, daß dieses Café seine Daseinsberechtigung hat. Eine DJane, zumindest an diesem Abend, legt auf. Der 60er Jahre wird gehuldigt, so z.B. Herman’s Hermits

(Link: YouTube)

Junge, freundliche Kellner erfreuen sich daran, dem Publikum ein frisches Tegernseer zu servieren. Gegen 1 Uhr wird eine Schanpsrunde ausgerufen, und einer der jungen Kellner eilt von Tisch zu Tisch, um einen Obstler zu servieren.
Kommt man zu fortgeschrittener Stunde auf die Idee, diese Lokalität zu verlassen, wird man sehr zuvorkommend abkassiert. Ist man im Begriff, sich abwärts zu bewegen (das Café befindet sich im zweiten oder dritten Stock), stehen die jungen, überaus frfeundlichen Kellner bereit, um sich mit Handschlag von einem zu verabschieden, nicht ohne den Hinweis zu vergessen, man möge das Etablissement auch mal tagsüber aufsuchen.

Ist man draußen, hat man sich auch schon selber bestraft. Selbst (oder gerade) die unmögliche Schrannenhalle gibt keinen Nacht-Espresso her, während drinnen Paare über 50, abgeschirmt durch einen Türsteher, ihre Ü30-Party feiern. Man muss schon einige Mühen auf sich nehmen, um im Lamms unter dem Kino am Sendlinger Tor zu landen, damit man an einen ganz üblen Espresso geraten darf, der nicht unter zwei Würfelzucker zu genießen ist.
Dafür bekommt man Multi-Kulti vom Feinsten: eine Farbige im Dirndl, die Spaghetti isst…

Vormahlen

Mein Mitbewohner wurde gestern früh von einem Taxi mitgenommen. Nun ist er nicht nach einem intensiven Wiesnbesuch mit dem Taxi heimgefahren, sondern wurde um kurz vor halb 7 vor dem Großwirt unsanft von seinem Radl geholt. Durch nichts zu erschüttern hat er seinen Frühdienst pflichtegemäß angetreten und hat noch einen Arztbesuch mit einem Bewohner bestritten.
In der Notaufnahme wurde ihm Stunden später attestiert, daß seine linke Hand nicht gebrochen, sondern nur verstaucht sei.
So wurschtelte sich, weiland ich meinen Spätdienst verrichtete und mit den Kolleginnen danach ein Bier trank, der geschätzte Mitbewohner durch den Wohnungswahnsinn. Unser Haushalt pflegt, Kaffee in ganzen Bohnen zu kaufen. Irgendwie ist es ihm gelungen, Kaffee zu mahlen.
Damit er am Morgen nicht vor dieer Herausforderung steht, habe ich noch fleißig vorgemahlt.

Am Ende überwinde ich noch meine Kochkomplexe ihm gegenüber, wenn er nur eine Hand zur Verfügung hat. Er ist ein begnadeter Koch, wie man hier erkennen kann.
Aber das ist wieder eine andere WG-Geschichte…

Gut gegen Böse

The Dark Knight

Im Prinzip ist es wie im Märchen: Es geht darum, daß das Gute über das Böse siegt. Ob ein adrett gekleideter Geheimagent, ein muskelbepackter Barbar, ein Mann im Spinnenkostüm oder ein Held im Fledermausgewand das Schlechte der Welt austreiben soll, ist Geschmacksache.

Im neuesten Batman-Film The Dark Knight kämpft Christian Bale gegen die Mafia und den Joker (Heath Ledger). Viel passiert in diesen eher zähen zweieinhalb Stunden nicht, außer daß viele Explosionen mich kurzzeitig aus dem Dämmerzustand geholt haben. Wirklich gelungen ist nur die Szene, in der Joker im Schwesternkittel vor dem Krankenhaus herumturnt.

Schauspieler wie Morgan Freeman oder Michael Caine bleiben genauso blass wie Jokers Gesichtsfarbe. Das teilweise überschwengliche Lob, das diesem Film in renommierten Zeitungen teilweise zuteil wurde, kann ich nicht nachvollziehen.

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