Monthly Archive for August, 2008

Sommer vorm Balkon

Ein Aufenthalt in der Exklave Außenstelle bringt neue Erfahrungen und Eindrücke.
Unsere heimischen Räume werden den neuesten Brandschutzverordnungen auf den neuesten Stand gebracht. deshalb sind wir für vier Wochen im Süden Münchnes untergebracht.
Es ist wirklich idyllisch dort. Man kann zum Frühdienst schöne Sonnenaufgänge beobachten und während des Spätdienstes bei einem unglaubliches Abendrot romantische Gefühle entwickeln, selbst vom Badezimmer aus (siehe Bild). Geistigen Beistand haben wir auch: Nonnen – per pedes, auf dem Fahrrad oder mit Rollator – drehen regelmäßig ihre Runden durch das Gelände. Die langweilige beschauliche Gemeinde, an deren Rand sich das Areal befindet und die zu gut einem Drittel an den Staat vermietet ist, ist schnell erforscht. Den Stadtteil, in dem wir uns aufhalten, kann man leider mit Rollstühlen nur schwer erkunden, aber er beherbergt einige wirklich schöne Ecken, sogar dörfliche Strukturen, wie man sie im Millionendorf nicht vermutet.

Aber daß im Nachtbereitschaftszimmer für die butterweiche Matratze (die mir seit drei Tagen einen maladen, linken Arm beschert) Bettlaken aus Frottee in schweinchenrosa ausliegen, ist leider nicht herzallerliebst, wie eine Kollegin bemerkte, sondern einfach nur zu viel des Guten.

Kurzum: es ist Halbzeit, und wir haben Sehnsucht nach dem hektischen Haupthaus in dem Stadtteil, in dem man im Umkreis von 500 Metern zwischen gefühlten zehn Eisdielen, noch mehr Cafés und Kneipen auswählen kann, und das Besorgen von Semmel vor halb 7 keine nicht zu meisternde Herausforderung ist.

Ehrliche Einladung

Einladungen zu Geburtstagsfeiern sind in der Regel freundlich. Manchmal sind sie auch ehrlich und lassen erahnen, was auf einen zukommt.

Bingts alle gute Laune und einen aussagekräftigen Geldbeutel mit ;-)

Zum Glück feiert dieser Mensch in der Monatsmitte…

Schweinebraten live

Da dieser Beitrag sehr viele Bilder (genau genommen: 19) enthält, gibt es ihn als Vorschau. Wer ihn ganz verfolgen will, drücke danach auf Weiterlesen.

[01.10] Herzlichen Dank an den famosen Koch, der nach zwei Jahren auf den Phillippinen diesen Braten so wunderbar hergerichtet hat. Der Dank geht auch an die Gäste, die keinerlei Anlass hatten, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

[01.05] Alles ist abgespült. Zum Frühstück wird aus den Knochen einhe Suppe gewonnen. Der Falter kam zu spät…

Continue reading ‘Schweinebraten live’

Drei Frauen und ein Baby

527. Tatort: Mutterliebe (WDR; EA: 23.03.2003)

Ermittler: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Freddy Schenk (Dietmar Bär); Sekretärin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt), Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch)

Der Patriarch und Unternehmer Heinrich Wagner (Manfred Zapatka feiert im Kreise der Familie seinen 60. Geburtstag. Der Tafel wohnen seine Frau Katharina (Cornelia Schmaus), sein Sohn Andreas (Tonio Arango), dessen Frau Maria (Claudia Michelsen und seine Tochter Julia (Feo AladaÄŸ) bei. Maria fühlt sich nicht wohl und verlässt alsbald die Runde, um im Keller des Anwesens ein Kind zur Welt zu bringen, von dem niemand etwas weiß. In ihrer Verzweiflung legt sie es in eine Babyklappe. Die Krankenschwester, die den gesunden Buben versorgt, wird wenig später ermordet aufgefunden. Das Baby fehlt. Der Verdacht fällt zunächst auf ihren jähzornigen Ex, den Bioladen-Besitzer Bernd Schiffer (Erdal Yıldız), der einige Stunden zuvor von ihrer Kollegin aus der Klinik geworfen wurde. Die Kommissare Ballauf und Schenk tappern und weppern sich durch den Fall (“Freddy, hol schon mal den Wagen!”), als Andreas Wagner seine stark blutende Frau ind die Klinik bringt, in der sie das Baby abgegeben hat. Von der Schwangerschaft wusste er nix; als Vater kommt er auch nicht in Betracht, da er infertil ist. Wenig später inszeniert er im Anwesen des Vaters seinen Selbstmord, der aussehen soll wie ein Mord. Er richtet sich gegen seinen Vater, der seine Schwiegertochter geschwängert hat.
Der Bioladenbesitzer scheidet als Täter aus, weil er zur Mordzeit am anderen Ende der Stadt geblitzt wurde. Eine Krähe fliegt symbolträchtig ins Haus, als der Patriarch vor seiner Tochter Julia Bilanz zieht und die Zeit zurückdrehen möchte. Die Gelegnheit bekommt er nicht, denn einen Tag später wird er tot im Swimming Pool gefunden. In der Badewanne ertränkt, wurde er von seiner Frau, die ihn für den Schuldigen am Tod des Sohnes hält, ins Becken geschmissen. Julia, die vor ein Paar Jahren ihr Kind bei einem Verkehsunfall verloren hat, kompensiert ihre Trauer als Schimpansenmama im Tierpark. In der heimischen Bibliothek treffen die die drei zurückgbeliebenen Frauen zusammen – mit Marias Baby. Julia wollte es retten: Die Krankenschwester wollt es ihr nicht geben, so daß sie die Entführung mit dem Leben bezahlen musste.
Julia legt das Baby wieder in die Babyklappe und wird bei strömenden Regen verhaftet.

Feo und Züli AladaÄŸ haben ein Familiendrama inszeniert, in dem aus einer angesehenen Unternehmerfamilie eine Familie voller Abgründe wird. Ein ungewünschtes und ungeplantes Kind löst eine Lawine, die nicht mehr zu bremsen ist, aus. Leider wurde dieses Drama ein wenig schablonenhaft in Szene gesetzt, wobei es schauspielerisch sehr gut besetzt war. Manfred Zapatka als wortkarger Patriarch und Cornelia Schmaus als seine sich von ihm mit Hass abwendende Gattin waren hervorragend. Wenig kreativ hingegen war, daß sich Feo AladaÄŸ die Rolle der Mörderin auf den Leib geschrieben hat.

Das war leider nur ein durchschnittlicher Tatort.

Mehr Informationen gibt es im Fundus.

Ronnie’s funeral

Zu Ronnie Drews Beerdigung haben sich Dublin 3000 Menschen eingefunden.

Ronnie has left his earthly tour for one of the heavens… they need him up there… it’s a little too quiet and pious. God is lonely for a voice louder than His own… then the bad weather will break… (Bono)

In Memory Of Ronnie Drew (Patsy Watchorn /The Dubliners)
Dublin mourns the death of an icon (Herald)
Dublin loses its voice (Irish Independent)
Don’t give up till it’s over (Moby Dick)
Thousands attend Greystones funeral of Ronnie Drew (Irish Times)

Impressionen aus Irland gibt es bei Cohu.

Zum Abschluss: Nora

(Link: YouTube)

Guten Morgen, München!

Kasten ohne Kommerz

Der Forster ist in Rente, das Sporthaus Eibl ist umgezogen. Beiden Geschäften wurde vor geraumer Zeit gekündigt, weil der Flachbau am Rotkreuzplatz einem Neubau weichen soll (Stadtneurotiker berichtete).

Nun ist kurz vor dem Abriss des behelfsmäßigen Nachkriegsbaus der Stadtgestaltungskommission eingefallen, daß ihnen der geplante Neubau, von dem es ja kein veröffentlichtes Bild gibt, nicht gefällt. Dieses Gremium, dem freiberufliche Architekten, Vertreter der Stadt, Heimatpleger (kein Verschreiber von mir!) und andere angehören, ist wohl der Lokalbaukommission unteergeordnet, der ja auch keine Verordnung zu peinlich ist (Stadtneurotiker berichtete auch darüber). Dem prominentesten Mitglied dieses Kreises, Christian Ude, gefällt dieser geplante Neubau nicht. Er spricht im Münchner Merkur von einem “Kommerzkasten”, der so gar nicht in das Ensemble passe. Daß München an der Grippe leidet, wenn der kulturbeflissene Oberbürgermeister hustet, ist nun nichts Neues mehr. Eine Grippe kommt selten zu einem passenden Zeitpunkt. Aber sie passt eher in den Winter als in den Sommer. Daher verwundert es schon, daß der Protest gegen den geplanten Neubau erst (vernehmbar) erfolgte, als die Mieter des Flachbaus schon ausgezogen waren.
Nun wird ein neuer Architekturwettbewerb ausgeschrieben, der Jury werden auch Vertreter der Stadt angehören, was eigentlich nichts Gutes verheißt, wenn man sich die Neubauten der vergangenen Jahre näher betrachtet. Damit die Investoren zwischenzeitlich nicht bankrott gehen, werden nun Mieter für die freien Ladenflächen gesucht.

Für einzelne lockere Schrauben wird man allerdings zum Baumarkt oder zu dem von Cohu empfohlenen Suckfüll gehen müssen…

Stuttgart an der Moldau

702. Tatort: In eigener Sache (SWR)

Ermittler: Hauptkommissar Thorsten Lannert (Richy Müller), Hauptkommissar Sebastian Bootz (Felix Krahe), Staatsanwältin Emilia Alvarez (Carolina Vera), Kriminaltechnikerin Nika Banovic (Miranda Leonhardt), Rechtsmediziner Daniel Vogt (Jürgen Hartmann)

Es geht gleich zur Sache: drei Tote und einen Schwerverletzten finden Lannert und Bootz in einem Hotelzimmer vor. Ein Toter ist vedeckter Ermittler des LKA. Ebenfalls am Tatort: die Drogenfahnder Sven Wippermann (Charly Hübner) und Jürgen Wolf (Bernd Gnann) sowie der LKA-Beamte Dieter Mendt (Peter Benedict). Einem großen Deal waren sie auf der Spur, der DRogenhänder El Zhar war wieder im Ländle, und sie hätten es erst 20 Minuten zuvor erfahren. Der LKA-Mensch glaubt aber, daß die Fahnder eher auf das große Geld aus waren. Das kann sich Bootz nicht vorstellen, der beide kennt und wegen der Ermittlungen Stress mit Gattin Julia (Maja Schöne) bekommt. Lannert will seinem Kollegen glauben, während er bei Stromausfalle Besuch von seiner jungen Nachbarin Lona Wagner (Birthe Wolter) bekommt.
Am Tatort wurde das Aufzeichnungsgerät des verdeckten Ermittlers Cem Dede gefunden, das aber nicht komplett mitgeschnitten hat und BedÅ™ich Smetanas Moldau zu bieten hat.

Wippermanns Informantin ist die drogenabhängige Kiosk-Betreiberin Carmen Benze (Katja Bürkle). Es kommt der Verdacht auf, daß sich die Drogenfahnder abgesprochen haben, da der Draht vom Aufzeichnungsgerät durchschnitten wurde. Bootz möchte von dem Fall wegen Befangenheit abgezogen werden und kann weder seiner noch Wippermanns Frau (Fanny Staffa) unter die Augen treten. Lannert übernimmt Wippermann und hört sich wieder bei Stromausfall mit seiner Nachbarin Leonard Cohens Suzanne an.

(Link: YouTube)

Die Kommissare finden heraus, daß Mendt, dessen Informatin auch die Kioskinhaberin ist, von Dede eine SMS mit dem Text “Zugriff!” bekommen hat. Allerdings wollte der der von ihrer Strafminderung nichts mehr wissen, weswegen sie auch Wippermann und Wolf informiert hat. El Zhar wurde regelrecht hingerichtet, und die Aufnahme wurde von einem Handyanruf gestört. Den hat Wippermann auf Wolfs Geheiß getätigt. Es sollte so nicht herauskommen, daß die beiden Beamten den Drogendealer nicht in Notwehr erschossen haben. El Zhar war auch wegen des Missbrauchs an Minderjährigen angeklagt, konnte sich aber einer Verurteilung entziehen. Die Selbstjustiz sollte dies sühnen.
Lannert gibt seiner Nachbrin einen Korb, und beim Bier bieten sich die Kommissare das Du an.

Holger Karsten Schmidt (Buch) und Elmar Fischer (Regie) zeichneten sich auch für den zweiten Fall der neuen Stuttgarter ERmittler verantwortlich. Damit ist einer Entwicklung der Figuren erkennbar, und wenn man das Photo in Lannerts Wohnung richtig deutete, handelt es sich nicht um seine Schwester, sondern um seine (Ex-?)Frau. Es war sehr freundlich, daß das Techtelmechtel mit Lannerts Nachbarin in hoffentlich eindeutige Bahnen gelenkt wurde. Ob es sinnvoll ist, den Nebenrollen im Team dadurch Gewicht zu verleihen, indem man gemeinsdam kocht, bezweifle ich, auch wenn es durchaus originell ist.
Die Geschichte findet ein überaschendes und nachvollziehbares Ende.
Finde ich das neue Leipziger Team ziemlich daneben, scheint sich in Stuttgart Gutes zu entwickeln.

Mehr zu diesem Fall gibt es im Fundus, Meinungen im Forum.

Schwein gehabt!

Ludwig Wörner macht jetzt auch Agrarpolitik.

Autogrammstunde

Autogrammstunde

Der Lindenstraße-Umweilttag in München. Mehr Bilder gibt es hier.

Ernschd beiseite

690. Tatort: Hart an der Grenze (SWR; EA: 09.03.2008)

Ermittler: Hauptkommissar Torsten Lannert (Richy Müller), Hauptkommissar Sebastian Bootz (Felix Krahe), Staatsanwältin Emilia Alvarez (Carolina Vera), Kriminaltechnikerin Nika Banovic (Miranda Leonhardt), Rechtsmediziner Daniel Vogt (Jürgen Hartmann)

Während Kommissar Bootz von Frau (Maja Schöne) und Kindern zu seinem Geburtstag beglückwünscht wird, trifft Torsten Lannert aus Hamburg ein und macht sich auf dem Weg in seine neue Dienststelle. Ein Penner (Christian Grashof) zieht ein totes Mädchen aus dem Neckar und beschert dem neuen Stuttgarter Tatort-Team den ersten Fall.
Das Mädel ist die weißrussische Adoptivtochter Sara des Paars Melanie (Susanne Schäfer) und Rainer Bongartz (Johannes Hitzblech), das sich an die Agentur New Life gewandt hat, weil es aufgrund seines Alters auf herkömmlichem Weg kein Kind mehr vermittelt kriegt. Ein Alexander Fauser (Stefan Rudolf) hat ihnen Sara vermittelt und es vor ein paar Tagen wieder abgeholt.
Um Licht ins Dunkel zu bringen, geben sich die Kommissare als Schwulenpärchen aus und sprechen bei der Agentur vor. Tags drauf bekommen sie einen Anruf von Fauser unhd fahren mit dem schicken CLS der Staatsanwältin zum TReffpunkt. Fauser ist schlauer und flieht. Die wilde Verfolgungsjagd endet mit teurem Blechschaden, einem untergetauchten Fauser und viel Ärger mit der Staatsanwältin. Eine Hausdurchsuchung ergibt nicht viel, außer, daß Lannert und Bootz auf Platz 257 von 258 bei der Vermittlung landen. Der glatte Geschäftsführer Frank Lüders (Jeroen Willems) gibt sich als Wohltäter für wohlhabende, kinderlose Paare.
Der einzige Schwabe im Team, der Gerichtsmediziner Vogt entdeckt auf den Photos der Bongartz, daß Sara im Gegensatz zur Leiche keine Fingerkuppe fehlt. Bei dem Mädchen muss es sich um die Zwillingsschwester Lena handeln. Fauser, der von einem Stammheim-Häftling als Michael Lehmann geoutet wird, flieht, bevor die Kommissare eintreffen.
Eine inszenierte Beerdigung fördert die Existenz von Eva Stein (Geno Lechner) zutage, die das Gspusi von Lüders ist. Lena war ein Geschenk an sie, weil er mit ihr kein Kind haben wollte. Schwer krank verstarb das Kind, und sie hat es im Neckar beerdigt.
Lehmann will Sara wieder an weißrussische Schlepper übergeben und schafft es auch über die tschechische Grenze. Lannert und Bootz bekommen Sara nach der obligatorischen Schießerei dennoch.
Und ihre Schwester Lena kriegt noch eine anständige Beerdigung.

Solider Auftakt der Bienzle-Nachfolger Lannert und Bootz. Mit der Gemütlichkeit ist es vorbei, es schwäbelt nur noch der Rechtsmediziner, und es wird nun Bier statt Wein getrunken. Die Schnitte sind schneller, was allerdings auch bedingt, daß Stuttgart, nicht nur wegen des fehlenden Dialkekts nun auch in Bielefeld oder Dessau liegen könnte. Warum nun auch in Stuttgart auf den Lokalkolorit verzichtet wird, ist mir unverständlich, erfreut sich zum Beispiel der Münchner Tatort großer Beliebtheit. Das ist aber der einzige Kritikpunkt.
Die Figuren werden als normale Menschen ohne großartigen Ballast eingeführt. Daß Bootz Frau und Kinder hat, wird gezeigt, aber nicht hochgespielt. Lannert steht wohl eher für den Großstadt-Cowboy, der noch ein wenig entwickelt werden kann.
UNter Holger Karsten Schmidt (Buch) und Elmar Fischer (Regie) entstand ein guter Auftakt, der Lust auf mehr weckt. Sehr angenehm: das Thema Adoption gegen Geld wurde ohne Pathos dargestellt.

Ein umfassendes Kompendium zu diesem Tatort gibt es im Fundus, Sopran hat liev gebloggt.

(Bild: ARD / SWR)
Pages: 1 2 3 4 Next