Der Alt-OB Georg Kronawitter (nicht verwandt und verschwägert mit dem Truderinger Georg Kronawitter) feiert heute seinen 80. Geburtstag! Herzlichen Glückwunsch auch. Immerhin 15 Jahre lenkte er die Geschicke des Millionendorfs. In der Nachkriegszeit wird er dabei nur von seinem Nachfolger Christian Ude übertroffen.
In einem erschreckend belanglosen Interview mit der Süddeutschen zählt er seine Verdienste auf; u.a. auch dieses:
Außerdem habe ich dazu beigetragen, die Münchner CSU so zu reduzieren, dass sie sich nicht mehr derrappelt hat.
Das hört sich sehr gut an. Aber wie Kronawitter zu dieser Selbsteinschätzung kommt, lässt er offen (er wird dazu auch nicht näher befragt). Wenn man den Lokalteil der SZ in den letzten 20 Jahren mehr oder weniger aufmerksam gelesen hat, weiß man, daß sich die Münchner CSU selbst zerfleicht hast.
Kronawitter begriff sich immer als Anwalt der kleinen Bürger. Dagegen wäre auch nichts einzuwenden, wenn seine Politik nicht ähnlich kleinbürgerlich gewesen wäre. Die Einführung des Nachtverkehrs ist auch dank seiner ablehnenden Haltung jahrelang konsequent verhindert worden. Mit dem Spruch “Tram, Tram muss bleiben!” versprach er 1984 den Münchnern, die Trambahn vom Abstellgleis zu holen. Tatsächlich wurden während seiner Amtszeit mehr Strecken eingestellt, als er wohl wahrhaben will. Daran ändert auch die Wiedereröffnung der unter Kisel eingestellten Strecke Harras – Waldfriedhof – Lorettoplatz (die 1993 wieder eingestellt wurde) nichts. (Zu seiner Entlastung muss man allerdings sagen, daß die Verkehrsbetriebe damals auch keinerlei Interesse an der Trambahn hatten.) Der Wiederaufbau der Linie 17 durch die Arnulfstraße wurde während der kurzen Allein-Regentschaft von Christian Ude 1994 beschlossen.
Kulturpolitisch leitete er den Bau des Gasteig in die Wege, ein Komplex, der auch 25 Jahre nach seiner Vollendung nichts von seiner Hässlichkeit eingebüßt hat.
Unangenehm ist mir noch in Erinnerung, daß Mitte der 80er Jahre auf einmal Flohmärkte am Sonntag verboten wurden. Denn an einem Samstag hat man den großen Flohmarkt an der Dachauer Straße (heute steht darauf das Goethe-Institut) nicht geschafft. Lang anhaltende Scharmützel lieferte er sich mit Josef Schörghuber, ohne auch nur eine müde Mark ins Stadtsäckel zurückzuholen.
Letztlich war Kronawitter wohl der legitime Nachfolger vom Wimmer Dammerl, der auch nicht als Visionär in die Münchner Stadtgeschichte eingegangen ist. Den größten Bock schoss Kronawitter allerdings erst weit nach seiner Amtszeit, als es ihm mit einem Bürgerentscheid gelang, die Frauenkriche überragende Hochhäuser im Stadtgebiet zu verhindern. Daß das 114 Meter hohe Hypo-Hochhaus während seiner ersten Amtszeit genehmigt wurde, ist ein Treppenwitz…
Die 15 Jahre unter Georg Kronawitter stehen für Provinzialität (der Münchner Merkur spricht von “Käseglocken-Mentalität”). Seinem Nachfolger ist es nur zum Teil gelungen, den Mief aus der Stadt zu treiben.
Nachtrag
Es ist bemerkenswert, daß die anderen Münchner Tageszeitungen (auch die AZ, für die er fünf Jahre als Bürgeranwalt unterwegs war) Kronawitters 80. Geburtstag auf ihren Internetseiten nicht erwähnen. Auch die Münchenblogger, die sonst recht gerne von der SZ abschreiben, sahen davon ab, von diesem runden Geburtstag zu berichten…
Fremdneurosen