Monthly Archive for April, 2008

Nebeneffekte

Um dem heimischen Chaos leichter Herr zu werden, habe ich beschlossen, das Putzen meiner Wohnung wieder outzusourcen; das bedeutet, daß nun alle zwei Wochen jemand kommt, um die eigenen vier Wände in Schuss zu halten. Wer ich im sozialen Bereich arbeitet, bewegt sich in seinem Umfeld zwischen Unverständnis und Sehnsucht. Einige schütteln den Kopf, andere fragen sich, ob das für sie auch möglich wäre. Der Vorwurf der Dekadenz wird zumindest in meiner Gegenwart nicht geäußert. Finanziell ist es auf alle Fälle machbar.
Die Folgen sind für mich nach einer Woche atemberaubend:

  • Ich muss mir einen neuen Duschvorhang kaufen, weil der alte den Ansprüchen meiner griechischen Perle nicht mehr genügt.
  • Nach über zwei Jahren tauchte das in Berlin verschollen geglaubte Ladegerät für meine meine kleine Digitalkamera wieder auf.
  • Das Fernsehbild ist auf einmal wieder sehr klar.
  • Es ist mir auf einmal sehr klar, was ich ich nicht mehr benötige.

Sehr feine Sache das Outsourcing…

Laimer Würfel

Laimer Würfel

Anschauen!

KDD – Kriminaldauerdienst (ZDF)

Der Freitag Abend im ZDF ist und war das Revier von Derrick, dem Alten, Siska, Matula & Anwalt – also stinknormale, meistens einschläfernde Krimis, deren Ende von Beginn an vorhersehbar ist. Daher ist es umso erstaunlicher, daß der Seniorensender auf dem Weg zum Jugendorgan eine Serie etablieren wil, die sich fernab jeglicher Einordnungen bewegt und zurecht auch mit dem Grimme-Preis bedacht wurde.
KDD – Kriminaldauerdienst zeigt eine Einsatzgruppe, die nicht nur einen Fall pro Folge löst, sondern mehrere über eine Staffel hinweg. Das Private wird thematisiert, und das nicht zu knapp. Während es in vielen Krimireihen eher nervt, wird es in dieser Serie sehr selbstverständlich und damit auch sehr plausibel thematisiert. So wird der Weg eines trockenen Alkoholikers (Manfred Zapatka als Jan Haroska) im Polizeidienst zum Rückfälligen über mehrere Folgen sehr eindrucksvoll dargestellt. Parallel dazu bekommt man die mühselige Suche nach einem hohem Tier in der Drogenszene (Jürgen Vogel zu sehen.
Unter der Federführung von Orkun Ertener entstand eine Serie, die zwar nicht atemberraubend, aber wirklich spannend und sehenswert ist. Die Serie ist (mit Götz Schubert, Jördis Triebel, Saskia Vester, Billey Demirtas, Melika Foroutan, Devid Striesow, u.a.) hervorragend besetzt.

Die neue Staffel beginnt zwar erst am 2. Mai um 21.15 Uhr, aber die erste Staffel wird seit gestern im ZDF-Dokukanal, jeweils um 21.15 Uhr, wiederholt (bis dahin ist sie auch in der ZDF-Mediathek abrufbar).

P.S.:
Im Fernsehlexikon äußert sich Orkun Ertener zu KDD. Er spart dabei nicht mit Kritik an sich und dem Sender.

(Via Stefan Niggemeier und auch nicht.)

Die neue Stadtregierung und ihre Aufgaben: Architektur und Städtebau

Städtebaulich wurde in den letzten Jahren so ziemlich alles in den Sand gesetzt, was man eigentlich auch nur in den Sand setzen konnte. Es ist schon bezeichnend, daß die interesantesten Bauwerke nicht unter städtischer, sondern unter privater Federführung entstanden sind. Nein, das sind keine Vorzeigeprojekte für sozialen und ökologisches Bauen in München, aber es sind interessante und diskutable Objekte, die auch außerhalb Münchens wahrgenommen werden (und das nicht nur, weil dahinter ein überregional bekannter Autokonzern und zwei bekannte Fußballvereine stecken). Es ist auch nicht die alleinige Schuld eines frustrierten Alt-Oberbürgermeisters, daß man in München nicht architektonisch ansprechend bauen darf.
Auf eine interessante Werkbundsiedlung, die wieder architektonisches Rennomee in die Stadt gebracht hätte, hat man ohne Not und ohne Zutun einer zusetzenden Opposition verzichtet.

Es reicht nicht aus, erkennbare städtebauliche Ambitionen auf Kunst am Bau (wie die Mae West am Effnerplatz auf dem Bild) oder auf den Untergrund zu beschränken. Zur Not eben in Freiham; aber das Gewerbegebiet auf der Südseite lässt aber auch wieder das Schlimmste befürchten. Das Schloßviertel Nymphenburg suggeriert anspruchsvolle Architektur. Aber man bekommt stattdessen nur Laim, wenn auch nördlich des Bahnhofs (Fotos folgen). Es ist bezeichnend, daß das einzig wirklich sehenswerte und und durchdachte Bauprojekt am Ackermannbogen das Werk einer Genossenschaft ist.
Wer wirklich tapfer ist, kann sich die Bausünden der letzten Jahre im Deutschen Architektur-Forum ansehen.

Anmerkung:
Das gescheiterte Projket rund um den ehemaligen Thalkirchner Bahnhof habe ich hier ausgespart, weil mir trotz Mithilfe von Frau B. wirklich verwertbares Material fehlt.

Teil 1: Verkehr

(Bild: LH München / QUIVID)

Der kleine Bürger

Der Alt-OB Georg Kronawitter (nicht verwandt und verschwägert mit dem Truderinger Georg Kronawitter) feiert heute seinen 80. Geburtstag! Herzlichen Glückwunsch auch. Immerhin 15 Jahre lenkte er die Geschicke des Millionendorfs. In der Nachkriegszeit wird er dabei nur von seinem Nachfolger Christian Ude übertroffen.

In einem erschreckend belanglosen Interview mit der Süddeutschen zählt er seine Verdienste auf; u.a. auch dieses:

Außerdem habe ich dazu beigetragen, die Münchner CSU so zu reduzieren, dass sie sich nicht mehr derrappelt hat.

Das hört sich sehr gut an. Aber wie Kronawitter zu dieser Selbsteinschätzung kommt, lässt er offen (er wird dazu auch nicht näher befragt). Wenn man den Lokalteil der SZ in den letzten 20 Jahren mehr oder weniger aufmerksam gelesen hat, weiß man, daß sich die Münchner CSU selbst zerfleicht hast.

Kronawitter begriff sich immer als Anwalt der kleinen Bürger. Dagegen wäre auch nichts einzuwenden, wenn seine Politik nicht ähnlich kleinbürgerlich gewesen wäre. Die Einführung des Nachtverkehrs ist auch dank seiner ablehnenden Haltung jahrelang konsequent verhindert worden. Mit dem Spruch “Tram, Tram muss bleiben!” versprach er 1984 den Münchnern, die Trambahn vom Abstellgleis zu holen. Tatsächlich wurden während seiner Amtszeit mehr Strecken eingestellt, als er wohl wahrhaben will. Daran ändert auch die Wiedereröffnung der unter Kisel eingestellten Strecke Harras – Waldfriedhof – Lorettoplatz (die 1993 wieder eingestellt wurde) nichts. (Zu seiner Entlastung muss man allerdings sagen, daß die Verkehrsbetriebe damals auch keinerlei Interesse an der Trambahn hatten.) Der Wiederaufbau der Linie 17 durch die Arnulfstraße wurde während der kurzen Allein-Regentschaft von Christian Ude 1994 beschlossen.
Kulturpolitisch leitete er den Bau des Gasteig in die Wege, ein Komplex, der auch 25 Jahre nach seiner Vollendung nichts von seiner Hässlichkeit eingebüßt hat.
Unangenehm ist mir noch in Erinnerung, daß Mitte der 80er Jahre auf einmal Flohmärkte am Sonntag verboten wurden. Denn an einem Samstag hat man den großen Flohmarkt an der Dachauer Straße (heute steht darauf das Goethe-Institut) nicht geschafft. Lang anhaltende Scharmützel lieferte er sich mit Josef Schörghuber, ohne auch nur eine müde Mark ins Stadtsäckel zurückzuholen.
Letztlich war Kronawitter wohl der legitime Nachfolger vom Wimmer Dammerl, der auch nicht als Visionär in die Münchner Stadtgeschichte eingegangen ist. Den größten Bock schoss Kronawitter allerdings erst weit nach seiner Amtszeit, als es ihm mit einem Bürgerentscheid gelang, die Frauenkriche überragende Hochhäuser im Stadtgebiet zu verhindern. Daß das 114 Meter hohe Hypo-Hochhaus während seiner ersten Amtszeit genehmigt wurde, ist ein Treppenwitz…

Die 15 Jahre unter Georg Kronawitter stehen für Provinzialität (der Münchner Merkur spricht von “Käseglocken-Mentalität”). Seinem Nachfolger ist es nur zum Teil gelungen, den Mief aus der Stadt zu treiben.

Nachtrag
Es ist bemerkenswert, daß die anderen Münchner Tageszeitungen (auch die AZ, für die er fünf Jahre als Bürgeranwalt unterwegs war) Kronawitters 80. Geburtstag auf ihren Internetseiten nicht erwähnen. Auch die Münchenblogger, die sonst recht gerne von der SZ abschreiben, sahen davon ab, von diesem runden Geburtstag zu berichten…

(Bild: Michael Lucan / Wikipedia Commons)

Abgeladen

695. Tatort: Müll (WDR; EA: 20.04.2008)

Ermittler: Hauptkommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Hauptkommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär), Sekretärin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt), Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch), Staatsanwalt von Prinz (Christian Tasche)
Figuren: Kaja Krumme (Elena Uhlig), Esser (Matthias Redlhammer), Frank Weber (Wotan Wilke Möhring), Dennis Weber (Frederick Lau), Abel [Anwalt] (Dirk Martens), Jutta (Hildegard Krekel), Willy (Hans Diehl)
Drehbuch: Achim Scholz; Regie: Kaspar Heidelbach

In Köln geht’s früh los. Die Straßenreinigung fährt schon um 5 Uhr morgens durch die Stadt. Und eine halbe Stunde später brennt es auf einer Müllverwertungsanlage, beobachtet vom kauzigen Ballauf-Nachbarn und Müllsammler Willy, der schon zu früher Stunde mit seiner NSU Quickly losknattert und gegen 6 Uhr den Kommissar fast über den Haufen fährt. Entdeckt und gemeldet hat den Brand allerdings die Gärtnerin Kaja Krumme, die dort unnützes Grünzeug ablädt , den Brand aber aber erst kurz vor 6 meldet.
Gegen 7 treffen auch die Kommissare Ballauf und Schenk dort ein – diesmal mit einer Corvette.

Auf dem Scheiterhaufen wird eine kopf- und armlose Leiche entdeckt – weiblich und braunhaarig, wie die Obduktion ergibt. Auf dem Hof des Recylers Esser hat’s schon öfter gebrannt. Der Staatsanwalt von Prinz wittert einen Müllskandal und will schnelle Ergebnisse, weil ihm die Presse schon im Nacken sitzt. Die Kommissare versuchen aber am Vormittag, bei der ersten Currywurst des Tages, das Erlebte zu verdauen.
In der Gärtnerei läuft’s auch nicht rund. Der Besitzer Frank Weber sorgt sich um seinen Sohn Dennis, der keine Lehrstelle findet und seine Mutter vermisst. Franks Freundin Kaja beobachtet es mit Argwohn.
Dummerweise wird noch eine zweite Frau vermisst: die Sekretärin des Müllverwerters Esser, die ebenfalls eit einiger Zeit verschwunden ist. Beide Feauen sind braunhaarig. Die Sekretärin gilt als Kronzeugin im Müllskandandal. Esser wird daraufhin festgenommen und vom schmierigen Anwalt Abel, der auch eine Müllverwertungsgesellschaft gegründet hat, vertreten. Da der DNA-Abgleich der Leiche weder mit Webers Frau noch mit Essers Sekretärin übereinstimmt, wird Esser wieder auf freien Fuß gesetzt.
Der Müllsammler Willy verlobt sich am Currywurtsstand mit Jutta und schenkt ihr einen schicken Klunker, den er angeblich von seiner Tante hat. Als er Ballauf später besucht, berichtet er, am Morgen des Brandes einen Arm gesehen zu haben. Die Obduktion ergibt, daß die Leiche radioaktiv kontaminiert ist. Der Wertstoffhof wird geschlossen, Esser wieder festgenommen. Mehrmals hin- und hergefahrener radioaktiver Müll, wird dort als Bioschlamm deklariert entsorgt. Während des Verhörs gesteht Esser, seine Sekretärin zu lieben und in Sicherheit gebracht zu haben. Er habe seine Müllverwertung schon nach der Brandserie vor anderthalb Jahren verkauft und sich einen Ruhesitz auf Teneriffa zugelegt. Seine Sekretärin wusste vom Verkauf.
Währenddessen wird Willy mit einem Elektroschocker niedergestreckt, während seines Sterbens sagt er Ballauf, woher er den Verlobungsring habe. Er stammt vom Arm der Toten. Bei der Razzia auf dem Wertstoffhof entdeckt der Kommissar auch den Ringfinger. Kaja Möller konnte es nicht verwinden, daß Webers Frau als Lehrmeisterin ihres Sohnes wieder stärker in den Betrieb involviert werden sollte und immer noch im gemeinsamen Haus wohntwe. Deswegen hat sie Dennis’ Mutter umgebracht. Damit nicht klar ist, wer die Leiche ist, hat sie ihre Haarbürste zum DNA-Abgleich abgegeben. Aus Angst aufzufliegen, hat sie den Müllsammler auch umgelegt.

Der Müllskandal erzeugte wohl beim Autoren zu viel Gestank, deswegen lenkte er die Geschichte auf ein Eifersuchtsdrama. Das ist ein wenig zu bedauern, war doch der Müllskandal eine klassisches Beispiel für Kölschen Klüngel. So oblag es Hildegard Krekel, mit zwei Kurzauftritten für das Kölsche im Kölner Tatort zu sorgen. Kaspar Heidelbach setzte das Drehbuch souverän um, immerhin schon sein neunte Regie am Kölner Tatort. Hans Diehl als schrulliger Müllsammler war der schauspielerische Höhepunkt dieser durchschnittlichen Folge.

Ein wenig Hintergrund gibt es im Fundus, Meinugen bei Sopran, Fielitz und im Tatort-Forum.

(Bild: ARD / WDR)

Edelweiss: “Bring Me Edelweiss”

Wer das Niveau sucht, möge sich bitte in den Keller begeben – oder hier verweilen. Denn es ist mir wieder gelungen, einen äußerst schlechten Song aus den 80er Jahren zu finden. Der österreichischen Kombo Edelweiss gelang mit Bring Me Edelweiss ein Riesenhit.

So when you really love me
Darling, bring me Edelweiss
So when you really love me
You should bring me Edelweiss

Freibier! (Oh yeah!)
Freibier! (Oh yeah!)
That’s the way we like it!


(Link: (YouTube)

Ja, die Östereicher haben nicht nur anspruchsvolle Musik hervorgebracht…

Gleitsicht

Es war mir klar, daß es mich ereilen würde. Die genetische Vorbelastung ist einfach zu übermächtig, um aus der Nummer schadlos herauszukommen. Wenn man die Farbblindheit des Großvaters, die Kurzsichtigkeit der Großmutter und der Eltern geerbt hat (-12 Dioptrien!), ist es naiv, darauf zu hoffen, daß Mendel in diesem Punkt eine Ausnahme macht. Bei der letzten Fortbildung stellte das Keingedruckte auf der Gummibärchenpackung schon eine Herausforderung dar. Das Entsetzen komplett machte die nach Jahren gefundene Ersatzbrille, deren Gläser ungefähr zehn Jahre alt sein dürften. Ich hatte ja wirklich auf die die 40er gehofft, aber ich darf mich wohl wieder von einer Illusion verabschieden und den Augenarzt aufsuchen…

Wie praktisch, daß ich recht lange Arme habe. So kann ich die Zeitung noch eine Weile ohne Lese- oder Gleitsichtbrille lesen…

(Bild: Villafanuk / Wikipedia Commons)

Zu Wasser und zu Land

Der Besuch einer Brauerei ist eine sehr bodenständige Angelgenheit, sowohl für den Besucher als auch für den Braumeister. Je kleiner die Brauerei ist, desto umfangreicher ist auch der Schatz an hörenswerten Geshichten. So war es beim Besuch des Kathi Bräu. Der Braumeister, ein Berufener, erzählte sehr ausführlich von diesem kleinen Bräu. Hauptberuflich beim Tucher angestellt, rührte er jeden Freitag einen Sud an.
Gegen Ende seiner Ausführungen verlor er allerdings für mich jeglichen Bezug zu seiner Berufung. Er erwähnte, daß er seit 32 Jahren keinen Urluab gemacht habe, ihm aber seine Yacht sehr wichtig sei. Ich überlegte ernsthaft, wo denn ein Brauer aus Leidenschaft, der nicht auf Reisen geht, seine Yacht haben könnte. Ich kenne mich in der Fränkischen Schweiz wirklich nicht aus, aber daß diese Region einen größeren, schiffbaren See hat, konnte ich mir nicht vorstellen. Nach einiger Zeit erwähnte er Wildschweine, die der hiesigen Landwirtschaft sehr zusetzten, und mir dämmerte, daß er nicht von seiner Yacht, sondern von seiner Jachd, also seiner Jagd sprach.
Daß er seinen interessanten Vortrag im klassischen Jägerkostüm abhielt, ging vollkommen an mir vorbei.

Aber man muss des Frränggischen nicht mächtig sein, um das wirklich hervorragend mundende, dunkle Lagerbier vom Kathi Bräu genießen zu können. Lohenswert ist sicher auch der Brauereienweg in Aufseß, bei dem man u.a. auch in Hechenhof vorbeikommt…

Gereizt!

Pages: 1 2 Next