Monthly Archive for Februar, 2008

Das Herz Eurobas

In unregelmäßigen Abständen verschlägt es mich dienstlich nach Würzburg. Häufig nur wenige Stunden, die suggerieren, daß das eine potthässliche Stadt sein muss. Das Mutterhaus unserer Einrichtung liegt inmitten eine Industriegebiets, in dem der architektonische Höhepunkt das McDonalds-Café ist.
Letzte Woche blieb aber ausreichend Zeit, das “Herz Eurobas” (wie ein ehemaliger Lehrer von seiner Heimatstadt schwärmte) etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Mit dem Bus ist man in geschätzen 10 Minuten in der Innenstadt, die dank des betonlastigen Stadtrings sehr unvermittelt beginnt. (Man sollte nicht den Fehler begehen, bis zum Busbahnhof zu fahren, weil der Bahnhofsvorplatz noch greisliger als in München ist).

Die Innenstadt zeigt, daß Würzburg eine alte Stadt ist, in der trotz des Krieges noch einiges, an prägender alter Bausubstanz steht. Neben den üblichen Nachkriegs-Bausünden verdirbt leider auch die Straba, wie die Würzburger liebevoll ihre Straßenbahn nennen, die Optik. Ich habe selten so hässliche Fahrzeuge gesehen wie dort.

Sehr speziell für Würzburg sind die Bäcks. Das sind Weinstuben, in denen man sein Essen mitnehmen und verzehren darf und dafür Geschirr und Besteck bekommt. Sehr zu empfehlen ist der Maulaffenbäck. Bevor man dort einkehrt, sollte man allerdings noch eine Führung mit dem Nachtwächter durch die Altstadt machen.
In der Wirtschaft tagen auch die die Hobby-Kriminalisten, u.a. auch Günther Huth, der Autor der Schoppenfetzer-Reihe.

Warum wählen?

Die 16 Bundesländer brauchen nicht notwendig Regierung und Opposition; vielmehr ist ihnen eine anständige Verwaltung notwendig und ebenso ein Landtag, der die Verwaltung sorgfältig überwacht.
(Helmut Schmidt im Zeit Magazin 08/2008)

Ich weiß nicht, was in der Zigarette war, die Helmut Schmidt mit Giovanni Di Lorenzo geraucht hat. Vielleicht ist Helmut Schmidt auch nur die letzte Föderalismusreform entgangen, die den Ländern quasi die alleinige Hoheit über die Bildungspolitik gegeben hat. Es reicht vollkommen aus, diese Misere zu verwalten…
Ein besseres Argument, nicht wählen zu gehen, kann man eigentlich nicht bekommen.

Britpop before Britpop: China In Your Hand / Landslide Of Love

Nach den Beatles und vor den Britpop-Songs gab es natürlich auch gute und schlechte, bekannte und unbekannte Songs aus dem Vereinigten Königreich. Dazwischen (Mitte der 90er Jahre) wurde der Begriff Britpopgepflegt. Zwischen dieser Zeitgab es einige feine und weniger gute Lieder.

Ich könnte an dieser Stelle ganz einfach mit “Walking On Sunshine” beginnen, wohl einer der britischen Hymnen der 80er Jahre. Da gab es zum einen eine Band namens T’Pau, vokal vertreten durch die Sängerin Carol Decker. Der bekannteste Song war “China In Your Hand”. Das Porzellan hielt nur dieses Lied.

[youtube:http://youtube.com/watch?v=PSh6SQd8UrI]

Danach kam nix mehr. Zumindest nix, was Thomas Brennicke in den Schlagern der Woche gespielt hätte.
Noch weniger kam von der Gruppe Transvision Vamp mit der wasserstoffblonden Frontfrau Wendy James, die ich seinerzeit sehr attraktiv fand. Ihre Band hatte etwas Pseudowildes, die den jugendlich schmalen Grat zwischen Unanständigkeit und harmloser Schwärmerei ganz gut umschiffte. Mit “Landslide Of Love” landeten sie einen Achtungsrfolg – ein Erdrutsch in denHitparaden war der Song nicht…

[youtube:http://youtube.com/watch?v=eF05qNEc-dI]

Rot gegen Blau – Pokal live

Da ich ich den rund 960000 Münchnern gehöre, die fürs Derby keine Karten bekommen haben, bleibt nur der Fernseher. Zur Feier des Tages hier live.
Daß nach langen Jahren der Derby-Abstinenz (von den belanglosen Freundschaftsspielen einmal abgesehen), spürt man. Es wird über dieses Spiel gesprochen. Das Grünwalder Stadion wird dazu genutzt, um auf den bevorzugten Verein hinzuweisen. Es ist das Spiel des Jahres (das sage ich in dem Wissen, wie inflationär er verwendet wird, aber in diesem Fall stimmt’s auch aus Bayern-Sicht).

Zum Einstieg noch eine Aussage von Phillip Lahm, der zu Luca Tonis angeblichem Unwissen über die Blauen befragt wurde:

Ich kenne aus Italien auch nicht jeden Zweitligisten.

Im Gegensatz zum letzten Derby in der Bundesliga, als kein gebürtiger Münchner auf dem Platz stand, bieten beide Vereine heute einige gebürtige Münchner und Oberbayern auf.

[20:18] Lockerer Plauch von Johannes B. Kerner mit den beiden Managern Hoeneß und Reuter. Reuter “beschwert” sich, daß Hoeneß bei der Malaktion Im Grünwalder Stadion Würstel ausgegeben habe.

[20:24] Ach, Du Scheiße… Poschmann kommentiert.

[20:26] Stoiber ist mit seiner Muschi da.

[20:30]Die Aufstellungen:

1 Oliver Kahn – 2 Willy Sagnol, 3 Lucio, 5 Daniel van Buyten , 21 Phillip Lahm (München) – 15 Marc van Bommel, 15 Ze Roberto – 8 Hamit Altintop, 39 Toni Kroos – 11 Lukas Podolski, 9 Luca Toni

1 Michael Hofmann (Bayreuth) – 23 Benjamin Schwarz (München), 16 Markus Thorandt (Augsburg), 5 Gregg Berhalter, 4 Torben Hoffmann, – 17 Sven Bender (Rosenheim), 8 Danny Schwarz – 8 Daniel Bierofka (München), 22 Lars Bender (Rosenheim) – 18 Timo Gebhart (Memmingen) – 24 Mustafa Kucukovic

Richtige Derby-Erfahrung bringen noch Kahn, Sagnol und Ze Roberto, Hofmann & Hoffmann und Danny Schwarz auf.
Ribery und Klose auf der Bank, Schweinsteiger verletzt.

[20:32] Wusste ich auch nicht: Löwen-Trainer Marco Kurz war als Spieler unter Hitzfeld Meister mit dem BVB.

[21:01] Luca Toni im Abseits kracht mit Michael Hofmann zusammen.

[20:36] Couragiertes Spiel der Blauen, die nach vorne spielen.

[20:39] Erste Ecke für ’60.

[20:43] Poschmann weiß, daß sich Sagnol nicht erkälten wird. Aha.

[20:44] Bis jetzt ein faires Spiel; Berhalters Foul gegen Podolski lässt nicht auf überhitzte Derby-Atmosphäre schließen.

[20:45] Erster Torschuss: Danny Schwarz aus etwa 30 Metern.

[20:49] Hitzfeld steht auf. Das Umschalten vom Mittelfeld in den Sturm klappt überhaupt nicht.

[20:51] Podolski mit dem ersten Torschuss nach foulverdächtigem Anspiel (an B. Schwarz) von van Bommel.

[20:55] Das Spiel erinnert an die zweite Halbzeit des Freundschaftsspiels vor vier Wochen. ’60 spielt, aber mit zu wenig Drang nach vorne, während Bayern kein Mittel gegen hinten gut organisiert wirkende Löwen findet.

[20:59] Vor allem Ze Roberto versucht das kreative Vakuum bei Bayern zu beheben. Aber das Spiel ohne Ball ist stark verbesserungsbedürftig.

[21:00] Toni, im Abseits kracht nach dem ersten schönen Zusammenspiel (mit Kroos) mit Michael Hofmann zusammen.

[21:05] Toni holt sich nach Frust-Foul Gelb beim bisher nicht geforderten Schiri Gagelmann ab.
Hofmann muss raus, der gebürtige Aichacher Phillip Tschauner kommt rein.

[21:06] Kroos scheitert nach kapitalem Bock von Thorandt vor dem leeren Tor.

[21:09] Erste Ecke für Bayern. Toni trifft mit dem Kopf, foult aber zuvor Hoffmann. Das Spiel gewinnt an Rasanz und Würze.

[21:11] Altintop ist bis jetzt ein Totalausfall.

[21:12] Toni scheitert nach Podolski-Zuspiel knapp an Tschauner.

[21:15] Während ’60 die dritte Ecke kriegt, macht sich Ribery warm.

[21:19] Halbzeit. Das 0:0 geht trotz der zwingenderen Chancen der Bayern (Kroos, Toni) in Ordnung. ’60 tat mehr, zeigte sich aber vorne nicht zwingend genug. Es zeigt sich, daß ein eher schwacher Kucukovic vorne zu wenig ist. Das Spiel der Löwen war dank Bierofka sehr linkslastig, ebenso wie das der Bayern, wo sich Kroos und Lahm (allerdings weniger wirkungsvoll) sehr engagiert haben. Wenn Kroos für Ribery raus müsste, wäre das sehr schade. Altintop zeigte fast nix. Die Bayern-Stürmer kamen ab der 30. Minute besser ins Spiel.

[21:34] Der Messias Ribery kommt für den indisponierten Altintop.

[21:36] Toni tappt wieder ins Abseits.

[21:39] Hoffmann bekommt Gelb nach Foul gegen Ze Roberto, der sich auf links durchgespielt hatte.

[21:40] Ich sollte eine Stricherlliste führen: Toni ist schon wieder im Abseits.

[21:48] Van Bommel scheitert an dem sehr gut postierten Tschauner. Fast im Gegenzug verzieht Kucukovic.
Der Ascheberscher Bub Jose Holebas (14) kommt für Sven Bender.

[21:51] Lars Bender scheitert nach Bierofka-Zuspiel knapp am alternden Titan. Dioe Löwen kommen jetzt besser ins Spiel, nachdem sie den Respekt vor Ribery abgelegt haben.

[21:53] Feuer unterm Dach: allerdings nur ein kleines Feuer…

[21:56] Bitter für die Löwen: Bierofka muss verletzt raus. Mal schauen, wie das Spiel ohn den Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld nun laufen wird. Für ihn kommt Chhunly Pagenburg (13).
Hitzfeld hat die Faxen dicke: er bringt mit Klose einen dritten Stürmer! Wann hat man das zuletzt gesehen? Dumm nur, daß mit Kroos ein Aktivposten runter muss.

[22:00] Gemessen an den Erwartungen (Derby, Pokalspiel) kann ich nach gut einer Stunde nur sagen: es schlechtes Spiel. ’60 spielt gefällig mit, von Bayern kommt zu wenig. Die Bayern bewegen sich zu wenig, was kaum Anspielstationen ermöglicht.
Die Tribünengäste aus vergangenen Zeiten Werner Olk und Petar Radenkovic haben genug Zeit, sich Schwänke aus den 60er Jahren zu erzählen.

[22:02] Um es kurz zu sagen: Bayern spielt, wie Poschmann kommentiert.

[22:06] Der nächste Münchner kommt: Der schwache Willy Sagnol macht Platz Christian Lell. Gerade in der zweiten Halbzeit, als dem Franzosen nicht Altintop im Weg stand, kam zu wenig von ihm.

[22:11] Hier gibt’s die Ferndiagnose zu Bierofkas Verletzung.

[22:12] Bayern sucht jetzt die Entscheidung und versucht die &0er im Strafraum einzuschnüren. Aber es ist wirklich nicht so spanennd, wie Poschmann es sieht…

[22:14] Luca Toni weiß spätestens jetzt, wer 1860 München ist: er holt sich nach einem Stoß gegen einen Löwen Gelb-Rot und verleiht dem Spiel jetzt Derby-Atmosphäre.

[22:17] Lell zeigt in zehn mInuten mehr als Sagnol in 70 Minuten.
Das Spiel ist jetzt rasant.

[22:19] Benjamin blockt Lucio im Sechzehner. Gagelmann lässt weiterspielen, und Fans schmeißen Gegenstände aufs Spiel.
Egal, wie es ausgeht: ich möchte nach dem Spiel nicht mit der U-Bahn heimfahren müssen.

[22:24] “Schluss”, meint Poschmann, aber es gibt Verlängerung.

[22:26] Hoeneß meckert wieder über den Schiri. Gagelmann kann ni dafür, daß Toni ständig ins Abseits gelaufen ist.

[22:30] Die Löwen machen nicht den Eindruck, platt zu sein.
Wechseln kann niemand mehr. Jetzt kommt das Gefühl eines Pokalspiels auf.

[22:32] Hoeneß guckt ziemlich bedröppelt, Hitfeld freut sich wohl schon auf den Job in der Schweiz, während es auf dem Spielfeld gerade wieder gemütlicher zugeht.

[22:33] Geplänkel im Mittelfeld.

[22:43] Bayern wankt zwar nicht, aber macht den Eindruck, daß es einen Rückstand nicht verkraften würde. Was diese junge Mannschaft jetzt seit rund 100 Minuten hier abzieht, ist aller Ehren wert. Es ist auch in der Verlängerung ein klares Konzept bei den Blauen erkennbar. Sie haben sich auch von Bierofkas Verletzung, die laut Poschmann ernster sein soll (was auch immer damit gemeint ist), nicht aus dem Konzept bringen lassen.
Allerdings agiert Bayern auch sehr blutleer, was für die anstehenden Aufgaben nichts Gutes verheißen lässt. Slomka könnte es erfreuen…

[22:45] Erster Derby-Kollateralschaden: Benjamin Schwarz hat Wadenkrämpfe.

[22:46] Halbzeit in der Verlängerung. Alles ist offen.

[22:52] Unverständlich: Bejamin Schwarz darf seinen Wadenkrampf vorzeitig behandeln lassen. Aber Riberys Handeinsatz (vulgo: Bodycheck) unmittelbar zuvor war heftiger…

[22:55] Bayern besinnt sich aufs Drücken, kommt aber gegen die immer noch gut organisierte Hintermannschaft der Löwen nicht durch. Wenn das in den nächsten 5 Minuten noch was werden soll, müssen Gewaltsachüsse á la van Buyten oder Lucio herhalten. Spielerisch wird das nix mehr.

[22:58] Jetzt gibt’s kein Taktieren mehr. Wer im Strafraum nicht durchkommt, lässt sich nicht fallen. Bayern drückt.

[23:01] Elfmeter! Foul unmittelbat vor dem Strafraum und KLose fällt.

[23:03] Ribery trifft, aber wird nicht gegeben, weil Spieler in den Strafraum rennen.
Der zweite Anluaf sitzt – 1:0!
Der Messias richtet’s…

[23:04] Der dritte Platzverweis: Thorandt fliegt – unmittelbar danach ist Schluss.

[23:09] Respekt vor den Löwen. Sie haben das Spiel über 120 Minuten offengehalten und durch einen Elfer verloren, der zumindest diskussionswürdig ist keiner war. Klose ist vor dem Strafraum gefoult worden.
Hätte ’60 vorne Durchschlagkraft gehabt, wäre mehr drin gewesen. Sie waren im Sturm zu harmlos.

[23:11] Reuter und Hoffmann zeigen sich als faire Verlierer.

[23:18] “Wir haben zu sehr Wert auf die Defensive gelegt”, gesteht Ottmar Hitzfeld. Eine ehrliche Aussage, mit der ich mich an dieser Stelle in den Kuchlbauer verabschiede.

Vielen Dank fürs Zulesen und eine angenehme Nachtruhe!

Wahl-Kampf

Daß es im Wahlkampf nicht auf Inhalte sondern, auf griffige, für das desinteressierte Volk auf griffige, nichtssagende Aussagen ankommt, ist keine neue Erkenntnis. Punktuelle Information ist nicht gefragt.
Das erklärt wohl auch, warum die barocke Mainfranken-Metropole Würzburg (eine wirklich feine Stadt, auf die ich hier noch näher eingehen werde) dermaßen mit Wahlplakaten zugeschissen zugestellt ist. In der Innenstadt gibt es nicht einen Laternenmasten, der nicht von mindestens von zwei Plakaten verschandelt wird. Wie der Wähler zwischen drei Würzburger Gruppierungen (Würzburger Liste, Freie Wählergemeinschaft Würzburg, Bürgerforum Würzburg) und den darüber hinaus etablierten Parteien unterscheiden will, erschließt sich mir sowieso nicht. Während man im Millionendorf zumindest mit der einen oder anderen nichtssagenden Parole wirbt (und sei es auch ohne Interpunktion), zieht man es in der unterfränkischen Residenzstadt vor, ausschließlich mit Köpfen zu werben (daß ich auf ein aus früheren Zeiten bekanntes Gesicht gestoßen bin, ist ein kleiner Treppenwitz). Die spärlichen Aussagen werden dafür mit kernigen Sprüchen versehen. Verurteilt man andernorts Bushs Politik, scheut man in Würzburg keine Mittel, um an die Macht zu kommen. Das mag vielleicht daran liegen, daß man noch unter dem Eindruck der erst im September vollkommen abziehenden US-Streitkräfte steht:

Versteht man sich unter Koalitionszwang unfreiwillig gut, ist so eine Aussage im Wahlkampf vielleicht auch sehr ehrlich. Auch wenn man nur einen Namen trägt, der vielleicht nicht wirklich wahlkampf-kompatibel ist (vor allem, wenn man für Themen einsteht, die sich fernab von Sicherheit und Videoüberwachung bewegen)…

Death Pool

Ich wette gerne. Die Angst, einer Spielsucht anheim zu fallen, bewahrt mich davor, das Thema Fußballwetten ernsthaft zu verfolgen. Sehr faszinierend finde ich Pferderennen, wenn selbsternannte Experten (natürlich mit dem Traberjournal unter dem Arm) in Daglfing Haus, Hof und Familie viel Geld verzocken und sich damit in die Abhängigkeit eines Gauls begeben. Immerhin habe ich auch schon mal eine Dreierwette gewonnen. Allerdings war der Gewinn bei sparsamen 2 Mark 50 Einsatz mit 20 Mark nicht sonderlich hoch.
Eine besondere, für viele makabere, Form des Wettens ist das Tippen auf den Tod einer bekannten Persönlichkeit. Wir haben das zuhause mal gemacht, aber nach dem langen Siechtum von Kaiser Hirohito aus pietätischen Gründen wieder aufgegeben. Danach haben wir uns auf das ethisch unbedenklichere Tippen der Bundesligaergebnisse verlegt.
Nichts desto trotz kann man auch in Wettbüros auf den Tod bekannter Persönlichkeiten setzen. So konnte man vor rund eineinhalb Jahren Wetten auf den Tod von Fidel Castro abschließen. Nun, die Quoten dürften nicht sonderlich hoch gewesen sein – und der Maximo Lider lebt immer noch. Hierzulande dürfte das Wetten auf Jopie Heesters ähnlich ertragreich sein (ich glaube, der war damals bei uns auch schon im Rennen).

In Journalistenkreisen wird nicht gewettet, sondern geschrieben. Um wirklich am Zahn der Zeit zu sein, bereitet man sich auf den Tod einer Person des öffentlichen Lebens sehr gewissenhaft vor: man verfasst einen Nachruf, den man unmittelbar nach dem Ableben des Stars sofort zur Hand hat und ihn sofort veröffentlichen kann. Für den kubanischen Revolutionsführer dürfte er schon länger in den Schubladen schlummern (und öfter ergänzt worden sein). Jopies Nachruf dürfte wohl schon vielen Redakteuren bearbeitet worden sein.
Aber was macht man, wenn ein vergleichweise junger Star plötzlich abtritt? Nun, so unvorbereitet ist die schreibende Zunft nicht. Man studiert das Leben der Prominenz sehr genau und ist deshalb auch auf den Tod von Sternchen wie Britney Spears oder Amy Winehouse vorbereitet. Diese Damen sind zwar noch recht jung, aber werden aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme durch die Medien gezerrt. Die Süddeutsche widmete sich diesem Phänomen, ließ aber offen, ob sie wie die in dem Artikel erwähnte Ney York Times 1500 vorbereitete Nachrufe auf Lager habe. Da auch Süddeutsche.de sehr ausführlich über das traurige Leben dieser Stars abseits der Bühne berichtet, liegt die Vermutung nahe, daß sie auch vorbereitet ist und nur deshalb darüber so ausführlich berichtet, um die eigene Dokumentation über diese Personen schnell online abrufen zu können.
Die “Obit Lady” Carolyn Gilbert hat einen internationalen Verband der Nachrufschreiber gegründet. Sie adelt die würdigenden Schreiber, indem sie die Leser der Nachrufe als besondere Spezies charakterisiert:

You, too, may be one of us! The typical obit reader has a great respect for history and research, a keen intellect, a wicked sense of humor, an interest in memorable lives and an endless curiosity. (Why obits?)

Diese Jahr findet die zehnte Konferenz der obituary writers statt. Wer also einen Nachruf über George W. Bush, Robbie Williams oder Carla Bruni in der Schublade hat, sollte sich das Ereignis nicht entgehen lassen. Vielleicht werden auch da interne Wetten abgeschlossen, wer als nächstes einen schwarz umrandeten Artikel bekommt…

(Bild: MessWoland / Wikipedia Commons)

The Beatles: “While My Guitar Gently Weeps”

Zum 65. Geburtstag von George Harrison:


(Link: YouTube)

Na endlich

689. Tatort: Und Tschüss (NDR)

Ermittler: Hauptkommissar Jan Casstorff (Robert Atzorn), Oberkommissar Eduard Holicek (Tilo Prückner), Staatsanwätin Wanda Wilhelmi (Ursula Karven); Jenny Graf (Julia Schmidt)

Doro (Sophie Bäumer), die Tochter des Innensenators Kesseling (Frank Röth), beobachtet, wie die Mörder des Gutmenschen und Kaufmanns Arno Dahm flüchten. Dahm betätigte sich ehrenamtlich als Seelentröster und unterstützte sie bei ihren Streitereien mit ihrem Vater, der etwas gegen ihren Freund Ben (Rick Okon) hat und sie aufs Internat schicken will. Aus Angst, ihr hochedkorierter Vater könnte etwas mit dem Mord zu tun haben, will sie nicht zur Polizei gehen.
Der gute Dahm handelte fair und deckte Elektroschrott-Schmuggel in die dritte Welt auf. Er wandte sich an die Staatsanwältin Wilhelmi, die unmittelbar nach dem Mord entführt wird. Ihr Freund, der Kommissar ermittelt auf eigene Faust und begibt sich auf die Suche nach ihr. Um den Mord darf sich Eddy Holicek kümmern. Unterstützung bekommen sie von ihrer ehemaligen Assistentin Jenny Graf, die nun für das LKA arbeitet. Die Entführer geben sich als Retter der 3. Welt aus, während sich Dahms Kompagnon Müller von ihm trennen wollte, weil er dessen Gutmenschen-Attitüden schädlich fürs Geschäft hält. Auch der Vorsitzende der Exportkammer Dosthoff hielt die Ansichten Dahms für übertrieben und entzog der “Global Fair” Aufträge.
Nach langem Hin und Her entscheidet sich Doro doch, der Polizei auszusagen. Sie identifiziert die Mörder, die auch die Entführer sind.
Während die Staatsanwältin samt Elektroschrott in einem Container verschifft wird, werden die Mörder am Hafen zur Strecke gebracht. Sie handelten im Auftrag des Exportkammervorsitzenden. Die Staatsanwätin wird befreit, und Kommissar Castorff quittiert den Dienst: “Und tschüss.”

Ein solider Abschied des über die sieben Jahre hinweg wenig überzeugenden Robert Atzorn als einsamer, grauer Wolf. Die Liaison mit der Staatsanwätin (vollkommen konturlos: Ursula Karven) bekam noch einmal besonderes Gewicht. Zu meiner Überraschung war ich davon gar nicht mal sonderlich genervt. Vielleicht war die Vorfreude auf den Abschied größer…
Die Geschichte von Thomas Bohn (Buch und Regie), der den Castorff entwickelte, hätte spannender sein können. So bleibt es für mich unverständlich, warum die Rolle des Innensanators so aufgeblasen wurde und sein Beruf so lange verschwiegen wurde. Wirklich wichtig war sie für die Geschichte nicht.
Schade ist nur, daß Tilo Prückner nicht mehr am Tatort zu sehen ist.

Neuer Ermittler des NDR wird Mehmet KurtuluÅŸ als Kommissar Batu. Das kann interessant werden.

Mehr Informationen zum letzten Tatort mit Robert Atzorn gibt es im Fundus.

(Bild: ARD / NDR)

“Wie bitte?”

Wenn der Kellner in der Kneipe die Bestellung der Gäste nicht auf Anhieb versteht, muss das nicht an fehlender Mundmotorik der Kundschaft liegen, sondern kann auch ganz einfach an der schon zur Mittagszeit zu lauten Musik im Lokal liegen. Vor allem, wenn zur Mittagszeit drei Gäste eines Tisches ihre Bestellung wiederholen müssen.
Liebe Bohne & Malz-Betreiber am Rotkreuzplatz, denkt mal darüber nach!

Abend empfiehlt es sich wohl, seine Bestellung per Megaphon aufzugeben, oder?

Was bleibt, …

…ist eine Menge Staub. Das AGFA-Hochhaus wurde erfolgreich geplättet.

(Link: YouTube)

Nachtrag:
Weitere Bericht zum Abriss gibt es bei Dr. Sno*, Münchenblogger und Stadt-München.Net.

Zum Vergleich:
Sehr viel Zeit nimmt man sich für den Abriss des Palastes der Republik in Berlin. Aber der ist bekanntlich nicht nur politisch verseucht

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