Monthly Archive for Januar, 2008

Raucherecken

Frau B. hat mich letzte Woche durch eine freundliche Anfrage hinter den Kulissen auf die Idee gebracht, Kneipen aufzulisten, in denen noch geraucht werden werden darf. Viele konnte ich nicht nennen, deswegen ist die Liste noch recht übersichtlich.

Bar Centrale; Occamstraße 3, Schwabing

Clemensburg; Clemensstraße 61, Schwabing

Flaschenbar; Schleißheimer Straße, Maxvorstadt

Gordons Kuchlbauer; Wendl-Dietrich-Straße, Neuhausen

Großwirt; Volkartstraße 2, Neuhausen

Heppel & Ettlich; Kaiserstraße 67, Schwabing (ab 22:30 UHr im Theaterraum)

Juleps; Breisacher Straße 18; Haidhausen

Sendlinger Augustiner; Alramstraße, Sendling

Speise-Kafé Ysenburg; Ysenburg- / Ecke Frundsbergstraße, Neuhausen

Valentin-Stüberl; Dreimühlenstraße; Isarvorstadt

Vivo; Lothringer Straße, Haidhausen (ab 23 Uhr)

Sachdienliche Hinweise sind an dieser Stelle herzlich willkommen!

Stand: 6. Mai 2008

Rot gegen Blau

Warum gibt es eigentlich die Winterpause? Das Freundschaftsspiel der Bayern gegen München 1860 konnte diese Frage nicht eindeutig beantworten. Am Wetter kann es nicht liegen. Bei knapp 10°C und strahlendem Sonnenschein fanden sich zu bester Anstoßzeit (15:30 Uhr) vor 66000 Zuschauern die beiden führenden Münchner Vereine zum Derby in der AllianzArena ein.

1 Kahn – 2 Sagnol (46. 30 Lell), 3 Lucio, 6 Demichelis (83. 35 Breno), 21 Lahm – 20 Sosa (46. 8 Altintop), 17 Van Bommel (46. 31 Schweinsteiger), 15 Zé Roberto (46. 16 Ottl), 7 Ribéry (46. 39 Kroos) – 18 Klose (46. 9 Toni), 19 Schlaudraff (83. 5 Van Buyten)

1 Hofmann (46. 12 Tschauner) – 33 Johnson (77. Szukala), 22 Lars Bender (62. Baumgartlinger), 5 Berhalter (77. 23 Benjamin Schwarz), 4 Hoffmann (77. Burkhard) – 17 Sven Bender (62. 28 Eberlein), 8 Danny Schwarz (77. 25 Ledgerwood) – 11 Wolff (46. 13 Pagenburg), 18 Gebhart (62. Duhnke), 7 Bierofka (46. 14 Holebas) – 24 Kucukovic (62. 27 Ziegenbein)

Hitzfeld, der im Vorfeld die Stammelf ankündigte, bot zu Beginn neben Sagnol Sosa und Schlaudraff auf. Nun ja, Luca Toni auf der Bank und Lukas Podolski nicht im Kader (Was hat der eigentlich schob wieder: Colonitis, Karnevalitis oder eine Schambeinentzündung? Einen “leichten Bandscheibenvorfall”. Aha.) . Der Schattenmann Klinsman sollte anscheinend keine Erkenntnisse bekommen. Der Zuschauer wohl auch nicht.
Es entwickelte sich ein Spiel, das einige Fragen zu Einkäufen aufwarf. Was hat man sich bei Sosa gedacht? Er wurde in der Vorrunde geschont; er hat so gespielt, daß er in der Rückrunde auch geschont werden soll. Der Rückkehrer Sagnol zeigte seinen Willen, nach einigen Irrungen und Wirrungen wieder in die Startelf zrückzufinden. Die Chancen sind gut, da Jansen noch nicht fit ist, und der in der Hinrunde nicht gerade als Frauenversteher bekannt gewordene Lell in der 2. Halbzeit keine Akzente setzen konnte. Ze Roberto wirkte vollkommen indisponiert (und vergab auch wieder eine glasklare Torchance), während es für den anderen 6er van Bommel anscheinend kein Freundschaftsspiel zu geben scheint. Neben Demichelis war er der einzige, der sich in die Zweikämpfe warf.
Einer Personalie sollte man noch Beachtung schenken. Er kam zwar erst in der 83. Minute, aber wurde auf einer Position eingesetzt, die nicht nur Jogi Löw das Entsetzen ins Gesicht getrieben haben dürfte: Daniel van Buyten wurde als Stürmer für Schlaudraff eingewechselt. Der als abgeschafft geglaubte Brecher feiert fröhliche Urstände. Das Stellungsspiel sah zumindest nicht schlecht aus, und wer das Spiel in Mailand vor über einem Jahr in Erinnerung hat, weiß, daß van Buyten Tore schießen (köpfen) kann. Es bleibt noch zu bemerken, daß Toni Kroos in der zweiten Halbzeit Schwung ins Spiel brachte, ohne die Mtspieler wirklich wirkungsvoll in Szene setzen können, wenn man von seiner Vorlage zum 1:0 absieht.

Fassen wir zusammen:
Es war ein ganz schlimmes Spiel. Das wurde in der zweiten Halbzeit umso deutlicher, weil die Löwen nach vielen Auswechslungen mit einer aufgemotzten Regionalliga-Mannschaft angetreten sind und sich nicht einmal sonderlich wehren mussten. Hätte der Sturmlauf nach dem 1:1 nicht nur 30 Sekunden gedauert, hätten die Blauen böse unter die Räder kommen können. Aber darum ging es anscheinend nicht.

Vielleicht fällt die Einordnung dieses Spiels leichter, wenn man erwähnt, daß dieses Spiel von einem Josef Maier geleitet wurde. Als einer der Assistenten fungierte ein Karl Valentin. Humor ist, wenn man trotzdem lacht!

Sweet Child ‘O Mine

687. Tatort: Verdammt (WDR)

Ermittler: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Freddy Schenk (Dietmar Bär); Sekretärin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt), Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch), Staatsanwalt von Prinz (Christian Tasche)

Nach 12 Jahren kommt der päpohile Paul Keller (Thomas Arnold) wieder frei. Willkommen ist er nicht. Es hängen in seinem Viertel Zettel, auf denen mit seinem Konterfei vor ihm gewarnt wird, aus. Von einem Nachbarn (Timo Dierkes) bekommt er auch sofort eins auf die Nase. Am nächsten Tag wird er tot in einer Mülltonne aufgefunden – genauso wie Kevin, der Sohn des Anwalts Stefan Maywald (Bernhard Schütz), der sich nach der Ermordung eines Sohnes mit seiner Organisation “Child Protection” auf die Jagd nach Pädophilen macht. Die Familie des Toten ist über seinen Tod erleichtert. Halbbruder Martin (Matthias Koeberlin) identifiziert ihn widerwillig, der Vater (Günter Junghans) würde ihn am liebsten aus dem Stammbaum streichen, nur seine Mutter (Barbara Schnitzler) gibt später zu, ihn heimlich im Gefängnis besucht zu haben.
Ins Visier gerät alsbald der Pädophilenjäger Maywald, der dummerweise auch noch einen Blutfleck an der Hose hat. Alibi hat er keines , und er beschäftigt Leute, die undercover auf Kinderschänderjad gehen. So auch Daniel Günter (Martin Kiefer), der hauptberuflich als Bademeister arbeitet und seiner Freundin Jenny (Jytte-Merle Böhrnsen – Aussehen und Name wirklich beeindruckend!) komisch kommt. Er wird auf Manfred Krüger (Hans-Jochen Wagner) angesetzt, der sich an die siebenjährige Isabell ranmacht. Krüger wird festegenommen, und der Gutachter Dr. Strachov (Oliver Nägele) erklärt den Kommissaren, daß Pädophile intensiven Kontakt zu ihren Opfern aufbauen.
Die Kommissare finden heraus, daß Paul Keller die ganze Familie abegeklappert hat, um unterzukommen. Im Waschsalon von Stephanie (Sandra Borgmann), der Freundin von Martin, hat er Zuflucht gesucht, was sie dazu veranlasste, die Beziehung in Angst um den gemeinsamen Sohn zu beenden. Auch das Elternhaus hat Paul aufgesucht. Die Mutter gesteht, Paul ermordet zu haben und deckt ihren jüngeren Sohn Martin, der beim Verhör die Tat gesteht. Ballauf und Schenk finden allerdings heraus, daß Daniel Günter als Jugendlicher in Martin Keller einen Ersatzvater fand. Als Kevin Maywald Keller begeisterte, reagierte Daniel sehr eifersüchtig und brachte Kevin um.
Während der Ermittlungen ist Freddy Schenk sehr mit Enkelin Marie, seinem “Engelchen”, das er mit Geschenken überhäuft, beschäftigt. Er will seiner Tochter Melanie (Karoline Schuch) so weit als möglich unter die Arme greifen. Daß der Vollzeitbulle als Babysitter nur bedingt tauglich ist, stört nicht weiter. Die Sekretärin Franziska gibt auch eine gute Kinderbetreuuung ab, während “Onkel Max” Ballauf den nüchternen Part gibt. Als Freddy seine Knarre auf einen potentiellen Babysitter richtet, ist er es, der ihn ihn wieder auf den rationalen Weg führt.

Unter der Federführung von Jürgen Werner (Buch) und Maris Pfeiffer (Regie) entstand ein Tatort, der das unschöne Thema Pädophilie herrlich unprätentiös zur Sprache brachte. Es wurde gezeigt, daß die mit dem Thema verbundenen Emotionen keine Selbstjustiz rechtfertigen und auch Fehlurteile produzieren. Die Figuren wurden glaubwürdig dargestellt, vor allem die Familie Keller, die sich nichts mehr zu sagen hat, war mit Günter Junghans, Barbara Schnitzler und Matthias Koeberlin hervorragend besetzt.
Die Familiengeschichte von Freddy Schenk wurde glaubhaft in die Geschichte eingebunden. Dietmar Bär gab einen Kommissar, der den Konflikt zwischen dem emotionalen Großvater und dem dem ermittelnden Polizisten hervorragend verkörperte. Deswegen wirkte die Familienbande nicht konstruiert. Daß das Enkelkind innerhalb von zwei Monaten erstaunlich schnell gewachsen ist, stört den Eindruck nur ein wenig. Solange das Mädel in der nächsten Folge nicht eingeschult wird…
Es war der beste Kölner Tatort, den ich seit langem gesehen habe.

Sopran hat auch geguckt, ebenso wie einige Schreiber im Tatort-Forum. Ausführliche Informationen gibt es auch zu dieser Folge im Fundus.
(Bild: ARD / WDR)

Das Wochenende wird gut, wenn…

…der Morgen dezent errötet,
…die Sonne scheint,
…man Geld in seiner Rocktasche findet,
…es einen Tag früher als geplant beginnt.

Semper aliquid haeret

239. Polizeiruf: Silikon Walli (BR; EA: 26.05.2002)

Ermittler: Jürgen Tauber (Edgar Selge), Jo Obermaier (Michaela May)

Damit das mal klar ist: Die Leiche der drallen Lo Rex wurde zwar im Hofgarten gefunden, aber nicht im Daphnetempel, sondern im Dianatempel. Die Daphne zieht sich durch alle Programmankündigungen und Fanseiten.
Der Pressephotograph “Haferl Harry” Hauck (Bernd Tauber, der AIDS-Tote aus der Lindenstraße) wittert eine große Story (“Tote Titten im Hofgarten”), die ihm ein übelgelaunter Kommissar Tauber zu vermiesen versucht. Denn sehr schnell stellt sich raus, daß Hauck den Fototip von Los Manager Fred Fink (Michael Brandner) bekommen hat. Tauber schließt alsbald Bekanntschaft mit der Waltraud Krämer, kurz “Silikon-Walli” (Nadeshda Brennicke), der er zunächst bei einem Photo-Shooting für einen koreanisachen Kalender assistieren und übersetzen darf. Auch bei ihr gluckert es in der Brust, aber die Füllung bestehe rein aus Kochsalzlösung (“Wie am Meer” – Tauber). Ebenfalls bei Fred Fink, dem Chef der Agentur GT-Event (“Große Titten”) unter Vertrag stehend, möchte sie als Catherine-Valente-Interpretin reüssieren, was auch den einarmigen Komissar beeindruckt (“Ich steh mehr auf Katja Ebstein. Aber wie Sie das bringen – toll!”). Ihr Vorhaben interessiert Fink wenig, er möchte eigentlich nur, daß Walli ihren Busen vergrößert und in Los Fußstapfen tritt. Den unbefristeten Vertrag lehnt sie ab und kassiert dafür mehrere Watschn. Walli suchten den Kommissar auf, was seine Kollegin Obermaier nicht nachvollziehen kann, denn für sie ist die Walli eine Verdächtige. Sie hat einen Sohn, der bei ihrer Mutter lebt.
Tauber findet bei Walli illegale Schmerzmittel, die Dr. Stokic (Michael Gampe) verschreibt. Der beruft sich aber auf die ärztliche Schweigepflicht, verweist aber auf die Schönheitsoperationen bei der ersten und der zweiten Frau des Polizeipräsidenten (Edwin Noël). Er soll auch ihre Brüste vergrößern (“300 Gramm each” – Fink). Sie wehrt sich zunächst, weil er sie bei ihrer ersten Brustvergrößerung vergewaltigt hat und damit auch der Vater ihres Sohnes ist. Schließlich sind ihre Brüste größer als die von Lo, was ihr einen Auftritt in einer Talkshow beschert. Der endet im Fiasko, weil sie aufgrund des Silikongewichts zusammenbricht. Das Silikon in ihren Brüsten platzt.
Lo ist an den Schmerzmitteln gestorben. Der überführte Dr. Sokic erhängt sich in der Zelle mit einem Schild “Semper aliquid haeret” (“Es bleibt immer etwas hängen”).
Nach der Rückoperation strahlt die Silikon Walli wieder in die Kameras, während Tauber ins Aquarium starrt.

Es hätte ein brillanter Polizeiruf sein können. Leider ist es dem Autor Wolfgang Limmer nicht gelungen, sich zwischen Komödie und Tragödie zu entscheiden. Tragikomisch wurde es nicht, weil der Witz zu Beginn dere Folge im weiteren Verlauf vollkommen abhanden gekommen ist. Das Tragische kam recht unvermittelt und war nach dem Beginn auch nicht mehr glaubhaft. Das Komische der zwielichtigen Gestalten Hauck, Fink und Stokic wurde nur angedeutet und wurde leider nicht weiter vertieft. Die immer wieder erwähnten, streikenden Spurensicherer wirkten im Verlauf sehr aufgesetzt. So blieben nur ein besorgter Kommssar Tauber und eine zwischen Mutter, Sängerin und Pornostar schwankende Waltraud Krämer übrig. Edgar Selge wurde als Kommissar nicht sonderlich gefordert (und war bei dem oben erwähnten Katja-Ebstein-Satz wirklich genial, weil er ihn mit minimaler Geste lebendig machte) , Michaela May als Jo Obermaier spielte eigentlich nur eine Nebenrolle, und Nadeshda Brennicke konnte den Widerspruch zwischen Mutter, ernsthafter Künstlerin und Pornoifigur nicht restlos überzeugend darstellen. Unter der Regie von Manfred Stelzer ist nur ein durchschnittlicher Polizeiruf entstanden, der sich nichz zwischen >Tragik unds Komik entscheiden konnte. Neben den komischen Szenen zu Beginn waren die leeren Blicke ins revierinterne Aquarium wirklich sehenswert.
Mehr bleibt leider nicht hängen.

(Bild: ARD / BR)

Hund reisst Kaninchen, Kommissar fängt Mörder

290. Polizeiruf: Kellers Kind (HR)

Ermittler: Thomas Keller (Jan-Gregor Kremp), Norbert Schäfer (Felix Vörtler)

Der Kommissar ist im Krankenhaus und muss von der Krankenschwester (die Helga aus “Ein Fall für Zwei” Renate Kohn) erfahren, daß seine Freundin Sophie Stein (Inga Busch) das gemeinsame Kind verloren hat.
Mehr oder weniger währenddessen wird Jonathan, der Sohn des Künstlers P. W. Klenk (Martin Feifel) entführt. Die Kinderfrau und gelernte Erzieherin Mona (Inka Friedrich), die auf den Buben aufpassen sollte, wurde niedergeschlagen. Parallelen zu einem Kindsmord tund sich auf. Klenks Muse Aglaia (Birgit Minichmayr), die in dem Knaben Konkurrenz sieht, gerät ebenso in Verdacht wie Klenks Ex-Frau (Juliane Köhler), eine ehmalige Tänzerin, die sich als Souffleuse verdingt, wie Monas Bruder Louis (Frank Giering), ein eigenbrötlerischer Fischzüchter, der sich einen Wolfshund hält. Kommissar Keller wünscht sich von seiner Freundin Sophie noch ein Kind (“Noch ein Totes?”) und bekommt als erste Leiche ein totes Karnickel, das der Hund getötet hat, serviert. Kellers Assistent, der unbedingt Kommissar werden will, verfolgt die Spur des Werwolfs und erntete den Spott seines Chefs. Aglaia wünscht sich ein Kind von ihrem ehemaligen Professor und portraitiert den Fischhändler wegen seiner “Fresse” und bezahlt ihn dafür. Sophie stellt Mona, die sich beim Kommissar einnistet, als Bedienung für ihr Restaurant ein. Der verschrobene Louis wird nebst Hund umgebracht, und der Kindsvater wird verdächtigt und landet im Knast. Ein Häftling gesteht, Jonathan gegessen zu haben. Zum Glück bewahrheitet sich dieser Kannibalismus nicht.
Mona hat das Kind entführt. Die Tat einer frustrierten Erzieherin, die auch ihren Bruder, der sie in ihrem Auftrag niedergeschlagen hat und sich am Schluss ganz dramatisch in eine Schlucht stürzt.

Unter der Federführung von Titus Selge entstand ein sehr familienlastiger Polizeiruf. Die Darstellungen des Künstlers Plenk (exzentrischer Künstler), der Geschwister Herzberg (frustrierte und kinderversessene Frau und misanthropischer Fischzüchter) waren sehr schablonenhaftig. Lediglich Juliane Köhler als abgehalftertere Ex-Tänzerin konnte in ihrer Gastrolle überzeugen. Inga Busch als Kommissarsfreundin ist eine Wucht und kommt mit wenigen Gesten aus. Jan-Gregor Kremp verkörpert den hoffenden Kommissar und als verhinderten Kindsvater überforderten überzeugend. Der als Mittvierziger noch auf eine Karriere hoffende Assistent wird als traurig-komische Existenz von Norbert Schäfer glaubwürdig dargestellt.
Insgesamt war es ein durchschnittlicher Sonntagskrimi, bei dem das Private, was bei anderen Kommissaren zu viel Raum einnimmt, stimmig ist. Vom Taunus hätte man ein wenig mehr zeigen können.

Noch mehr gibt es bei Sopran und im Polizeiruf-Lexikon zu lesen.

(Bild: ARD / HR)

Einszweidrei im Sauseschritt…

Bis auf weiters das Messer blitzt, die Schweine schrein,
Man muss sie halt benutzen,
Denn jeder denkt: Wozu das Schwein,
Wenn wir es nicht verputzen?
Und jeder schmunzelt, jeder nagt
Nach Art der Kannibalen,
Bis man dereinst »Pfui Teufel!« sagt
Zum Schinken aus Westfalen.

Der Todestag des großen Dichters und Zeichners Wilhelm Busch jährte sich dieser Tage zum hundersten Male.

(Bild: Wikipedia / Commons)

…und scho’ hammas wieda!

In Zeiten bearbeiteter Stimmen, die alle ähnlich klingen und das Gleiche sagen und einer Musik, die eigentlich auch immer gleich klingt, freut man sich über Stimmen, die sich vom Einerleie abheben und Format haben. Der öffentlich-rechtliche Dudelsender Bayern 3 hatte viele prägnante Stimmen. Sie alle aufzuführen, würde zu weit führen. Einer der letzten Moderatoren, von dem man noch eine eigene Meinung hörte, verabschiedete sich letztes Jahr vorzeitig in den Ruhestand.
Ein anderer kehrte nach einer Odyssee durchs Fernsehen und die private Radiolandschaft nach fünf Jahren wieder zurück: Matthias Matuschik. Bis zu seinem Ausflug ins Fernsehen (eine Heimwerkersendung mit Sonya Kraus!) machte er den Hörern den Abend schmackhaft. Neben seiner Moderation stach seine Musikauswahl unter dem computergenerierten Programm hervor. Nun ist er wieder zurückgekehrt: Aber warum denn mitten in der Nacht? (Nota bene, liebe Programmgestalter: Nur weil ein beliebter Moderator zurückkehrt, moderiert er noch lange keine Kultsendung. Kultstatus erlangt etwas, das sich über einen längeren Zeitraum etabliert hat.) Traut man sich nicht mehr, tagsüber oder abends etwas mehr Format ins Radio zu bringen?
Es ist wirklich entspannend, Radio zu hören, ohne mit Jingles, ständigen Gewinnspiel-Ankündigungen und schlechten Comedy-Einlagen (Ausnahme: Erwin Pelzig!) mürbe gemacht zu werden. Anscheinend ist so etwas nur noch nachts statthaft – oder in der Alpenrepublik. Da verzeiht man es auch, wenn der Matuschke sich 20 Minuten vor dem Ende seiner Sendung gen Ägypten “verpisst” (so die nachfolgende Moderatorin, die er mit dem Song aus einem Beatles-Musical noch ordentlich ins Schwitzen gebracht hat), nicht ohne sich so zu verabschieden. Und herzlichen Dank für die “Fahrstuhlmusik” von Hugo Strasser…

(Bild: BR)

Sepp Maier geht in Rente

Namen waren genügend im Angebot: Marco van Basten, Rafael Benítez, Paul Breitner, Volker Finke, Guus Hiddink, Gérard Houllier, Mark Hughes, Dieter Hecking, Marcello Lippi, Jürgen Klopp, Lothar Matthäus, José Mourinho, Peter Neururer, Frank Rijkaard, Bernd Schuster, Armin Veh und Arsène Wenger.
Diese Namen sind Schall und Rauch: Jürgen Klinsmann wird neuer Bayern-Trainer. Eine mutige und überraschende Entscheidung, wenn man bedenkt, daß Klinsmann nicht gerade im Frieden aus München gegangen ist. Die Auseinandersetzung um Oliver Kahn (“Mich tangiert es nicht mehr”, in der Pressekonferenz vom heutigen Mittag) vor der WM, in der gerade Uli Hoeneß sehr viel Öl ins Feuer gegossen hat, das in der Presse kolportierte Hausverbot von Klinsmanns Berater beim FC Bayern, hinterlassen zumindest einige Fragezeichen. Antworten darauf gab es nicht.

Die Pressekonferenz offenbarte, daß Klinsmann vor allem Rummenigges Kandidat war. Uli Hoeneß hat den polyglotten Schwaben durchgewunken, der Franz durfte abnicken (und gab dementsprechende Allgemeinplätze ab).

Wirklich sinnvoll ist dieser Coup eigentlich nur dann, wenn es Klinsmann gelingt, einen Nachfolger aufzubauen, der das von ihm begonnene Werk weiterführt (oder eben länger bleibt). Ob er wie bei der Nationalmannschaft einen wie Löw aufbaut, bleibt nach dieser Pressekonferenz offen. Einen größeren Trainerstab mit “Spitzenleuten aus Amerika und Europa” wird er mitbringen. Sicher ist eigentlich nur, daß Torwarttrainer Sepp Maier in Rente gehen wird.
Klinsmann steht einerseits für große Emotionalität, andererseits für Kalkül und projektorientiertes Denken. Die tägliche Vereinsarbeit wird sicher energieraubender sein als die beim DFB. Der vereinbarte Zeitrahmen von zwei Jahren lässt darauf schließen, daß er bei den Bayern nicht alt werden will.
Spieler wie Klose, Podolski, Schweinsteiger und Jansen werden sich sicher auf ein Wiedersehen mit Klinsmann, der sie als Bundestrainer sehr gefördert hat, freuen. Der Respekt internationaler Spieler wie Ribery, Toni und Lucio dürfte ihm sicher sein, auch wenn er als Vereinstrainer noch nicht gearbeitet hat (übrigens der erste seit Sören Lerby…).

Auch wenn Klinsmanns Tätigkeit beim FC Bayern “kein Reformprojekt ist”, überrascht das Engagement dennoch. Der Liga-Primus hat bei einem möglichen Scheitern mehr zu verlieren als Klinsmann. Für die Bundesliga könnte diese Personalie indes eine größere Signalwirkung haben und konzeptionell arbeitenden Trainern wie Favre, Hecking, Klopp und Veh weiteren Auftrieb geben. Wenn man sich das internationale Abschneiden der Bundesliga-Vereine der letzten Jahre so betrachtet, ist die Entscheidung gar nicht so egoistisch, wie sie auf den ersten Blick vermuten lässt.

Die Blogger-Szene ist überrascht.

(Bild: FC Bayern München)

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