677. Tatort: Der Traum von der Au (BR; EA: 21.10.2007)
Ermittler: Hauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec), Hauptkommisar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), Oberkommissar Carlo Menzinger (Michael Fitz)
Figuren: Metzgerin Gerti Moser (Johanna Bittenbinder), Konrad Strobl (Fritz Karl), Hausbesitzer Peter Bachinger (Alexander Held), Hausmeister Mikosz (Volker “Zack” Michalowski), Malee Grassl (Young-Shin Kim), Ton Grassl [Sohn von Malee] (Patrick Gehrhardt), Pierre Traublinger (Dennis Grabosch), Naomi (Valie Fuchs), Frau von Helmstedt (Andrea Wildner), Professor (Norbert Heckner), Dr. Stoll (Hubert Mulzer), Immobilienmaklerin Inga Uhl (Tina Bordihn), Frau Silin von der Initiative für Thai-Frauen (Soogi Kang), Polizeipathologe Dr. Simon Rössle (Jan Messutat), Anwalt (Gerhard Wittmann), Ärztin im Krankenhaus (Julia Koschitz), Walter Strobl [Vater von Konrad] (Gerry Scott), Ex-Hausmeister Grassl (Werner Paul)
Drehbuch: Peter Probst; Regie: Tim Trageser) |
Mit dem gestrigen Fall nahm Oberkommissar Carlo Menzinger seinen Hut. In 44 Fällen gab Menzinger den treuen Zuarbeiter für die Hauptkommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr. Dabei hat er interessante Entwicklung genommen. Wirkte er anfangs wie ein Vorstadt-Prolet, hat er sich im Laufe der Jahre sehr verändert. Die Haare wurden länger und wieder kürzer, und der Schanuzer fiel. Er machte Yoga-Übungen (Kampf-Buddhismus in “Gefallene Engel”) während des Dienstes, war einsamer Single (“Sechs zum Essen”), und einmal durfte er alleine ermitteln (“Starkbier”). Schnauzer und Zopf wichen einem radikalen Kurzhaarschnitt. Aber eins ist immer gleich geblieben: er blieb bis zum Schluss der Depp für seine Vorgesetzten, der die lästige Kleinarbeit übernehmen durfte. Nach 16 Jahren ist damit Schluss, der Carlo macht aus dem Trio wieder ein Duo. Damit verlässt mein Liebling innerhalb dieses Temas den Tatort.

Ivo Batic liebäugelt mit dem Kauf einer Wohnung in der Au, weil sie schon immer sein Lieblingsviertel war. Dummerweise wird im Keller dieses Hauses der ehemalige Hausmeister Herbert Grassl tot aufgefunden. Man hat ihn mit Stiefeltritten malträtiert.Von seiner thailändischen Frau Malee und dem Sohn Ton fehlt jede Spur. Ein Video zeigt, daß Grassl seine Frau geschlagen hat. Mit einiger Mühe gelingt es den Kommissaren, den neuen, eifrigen Hausmeister Mikosz aus der Wohnung des Toten fernzuhalten.
Die Ermittlungen führen sie zur Metzgerin Gerti Moser , die über alles im Haus informiert ist und die Ermittler mit ihren Erzeugnissen erfreut. Zunächst stoßen sich auf den Installateur Konrad Strobl, der seinen Vater sechs Wochen zuvor durch Selbstmord verloren hat. Er bezeichnet sich als Freund von Grassl und und hält den Hausbesitzer Peter Bachinger für den Mörder, dern Suizid seines Vaters auf dem Gewissen habe und vor allem daran interessiert ist, luxussanierte Wohnungen teuer abzustoßen. Die Grassl-Wohnung will er sofort renovieren.
Vom Arzt des Hauses, Prof. Stoll erfahren die Kommissare, daß er Grassl seinen Beruf wegen zu viel Quecksilber im Körper an den Nagel hängen musste.
Strobl knüpft sich auch gleich den Bachinger vor und landet nach heftiger Schlägerei im Rechts der Isar. Dort bleibt er nicht lange, so daß sich Ivo und Franz nicht großartig um die anderen Hausbewohner kümmern können. Bei der Observation der Strobl-Werkstatt werden die zwei gut versorgt; Ivo wird von Frau von Helmstedt, die laut Metzgerin Gerti wechselnde Männerbekanntschaften hat, mit frischgepresstem Orangesaft becirct, während Franz den Anblick der wenig bekleideten Freundin Naomi vom Schnösel Pierre Traublinger bei Zitronen-Ingwer-Tee genießt. Strobl sucht auch seine Werkstatt auf, in der er Grassls Frau und Sohn behebergt. Dort taucht auch die gestohlene Kamera mit dem Schläger-Video auf.
Am nächsten Tag fliegt Bachinger mit seinem Jaguar in die Luft. Der junge Traublinger, der dem Ex-Hausmeister Hakenkreuze an den Briefkasten gemalt hat, während der wiederum seinen Mitbewohner wegen Drogen in den Knast gebracht hat, gibt unterdessen zu, auf den toten Grassl eingetreten zu haben und hofft damit straffrei wegzukommen. Allerdings hat der Ex-Hausmeister noch gelebt, auch wenn die Dosis Quecksilber in seinem Körper sehr hoch war, und er daran gestorben wäre.
Der ansonsten eher abwesende und aufbrausende Carlo findet heraus, daß sich Malee Cremé mit Quecksilberanteilen aus der Heimat schicken ließ. Sie berichtet von Eifersucht und Schlägen. Die Cremé hat bleichende Wirkung. Diese hat sie der Metzgerin gegeben, damit ihre Sommersprossen weggehen. Von der Nymphomanin Helmstedt erfahren die Kommissare, daß Gerti in Grassl verliebt war. Vor ihrer Verhaftung will sie den Kommissaren noch einen letzten Leberkäs geben (“Wird ja ois schlecht, wenn i nimmer da bin.”).
Carlo folgt diesen Ermittlungen nur beiläufig. Er wirkt abwesend, telefoniert mit New-Mexico, ärgert sich über seine Vorgesetzten (“Schöne Kollegen, einen wie einen Primaten behandeln.”), führt seinen E-Type vor. Nur bei seiner Thailand-Recherche ist er hellwach. Nach dem der Fall gelöst ist, eröffnet er seinen Kollegen, daß er gekündigt hat und nach Thailand geht, um Ferienhäuser zu bauen. Er hat von einem Onkel einen ganzen Wohnblock geerbt, der ihn finanziell unabhängig macht. Mit seinem Jaguar macht er sich aus dem Staub. Ivo und Franz bleiben mit dem Geschenk zu Carlos 25-jährigen Dienstjubiläum, einem ferngesteuerten Jaguar, zurück.
Auf den “immer sprudelnden Quell nutzloser Weisheiten” (Franz) müssen sie in Zukunft verzichten.
Im Gegensatz zum vergleichsweise matten Wiesn-Tatort war diese Folge um einiges spritziger. Carlos Abschied wurde in eine schöne Geschichte gepackt. Im Gegensatz zum ersten Münchner Wohnungsspekulanten-Tatort (“Tote brauchen keine Wohnung”; 1973) wurde der Baulöwe nicht ganz so überspitzt dargestellt. Die Charaktere wurden sehr gut dargestellt, auch wenn Fritz Karls Strobl vielleicht eine Spur zu übertrieben war. Johanna Bittenbinder als Gerti war wunderbar. Bis in die kleinen Nebenrollen (z.B. Volker Zack Michalowski als Mikosz) war diese Folge sehr gut besetzt.
Anhang
Hintergrund: Bayerischer Rundfunk, Tatort-Fundus
Meinungen: Sopran, Fielitz und anderen Tatort-Guckern
(Bilder: [1] BR/klick/Rolf von der Heydt; [2] – [4] BR/Erika Hauri)
Fremdneurosen