Monthly Archive for September, 2007

Frauen-WM-Finale: Deutschland – Brasilien

[16:16] Birgit Prinz nimmt den Weltpokal entegegen.
Vorher hat DFB-Präsident Theo Zwanziger natürlich jede einzeln abgebusselt…

[16:09] Die FIFA-Offiziellen sonnen sich an der Seite der Fußballerinnen. Eine Ehrung jagt die nächste: beste Torschützin, die drei besten Spielerinnen (Marta, Birgit Prinz und Christiane), die USA als Drittplatzierte des Turniers…

[16:02] Auch die amtierende Weltfußballerin Marta (die ist wirklich erst 21) äußert sich selbstkritisch. Ihr Spiel sei zu überheblich und nicht zwingend genug gewesen.

[15:58] Sylvia Neid ist ehrlich. Es ging darum, “das Spiel der Brasilianerinnen kaputtzumachen”. In ihren augen war es nicht das beste Spiel ihrer Mannschaft. Damit bekundet sie auch im Triumph ihren Respekt vor der Selecao.

[15:51] Herzlichen Glückwunsch: Deutschland ist Weltmeister!

[15:49] Angerer hält Daniela-Freistoß.

[15:42] 2:0! Simone Laudehr verwertet eine Lingor-Ecke mit dem Kopf.
Das kommt zur richtigen Zeit, auch wenn das Spiel der Brasilianerinnen nach dem 1:0 nicht zwingend genug war.
15 Katia (Lyon) kommt für Aline.

[15:38] Brasilien verstärkt die Offensive; für Tania kommt 18 Pretinha (INAC Leonessa / Japan).

[15:36] Fatmire Bajramaj kommt für Sandra Smisek.

[15:32] Nadine Angeer hat vor 10 Minuten den WM-Rekord Walter Zengas mit 517 torlosen Minuten geknackt.

[15:30] Während die Brasilianerinnen das deutsche Tor bestürmen, wechselt Bundestrainerin Sylvia Neid Martina Müller von Melanie Behringer ein.
Das Tor hat dem Spiel der Deutschen gutegtan. Sie wirken trotz des Anstürmens der Selecao nun wesentlich sicherer.

[15:20] Das könnte der Big Point zur Titelverteidigung gewesen sein. Nadine Angerer hät einen Elfmeter von Marta. Brsonik hatte zuvor Christine gefoult.

[15:17]Annike Krahn köpft nach Lingor-Ecke knapp am Tor vorbei.

[15:15] Galeske erzählt zum zweiten, wie sehr Christiane in der BUndesliga gefroren hat. Aber wo sie jetzt spielt, sagt er wieder nicht…

[15:13] Die Selecao verschärft nach dem ersten WM-Rückstand das Tempo.

[15:08] Das nennt man wohl kalt erwischt: 1:0! Smisek sieht die freistehende Prinz im Strafraum und locht ein.

[15:04] Die erste Chance gebührt den Deutschen. Der Freistoß bringt aber nix ein.

[15:02] Anpfiff zur 2. Halbzeit. Beide Mannschaften personell unverändert.

[14:58] Co-Trainerin Maren Meinert kritisiert das Spiel nach vorne. Die Defensive stehe gut.

[14:55] KLeiner Exkurs zum Spiel um Platz 3, das die USA klar mit 4:1 gegen Norwegen gewonnen haben. Die US_Girls zeigten sich von der 0:4-KLatsche gegen die Selecao gut erholt. Die Norwegerinnen wirkten platt und müde.

[14:50] Halbzeit – 0:0.
Das war sehr beeindruckend, was die Braislianerinnen gezeigt haben. Taktisch sehr gut aufgestellt und schnelles Spiel, die Deutschen wirken überfordert. Aus dem Mittelfeld kommt zu wenig, Prinz und Smisek reiben sich vorne auf.
Sie werden sich in der 2. Halbzeit wesentlich steigern müssen!

[14:35] Die FIFA führt wohl fälschlicherweise Christaine beim VfL Wolfsburg. Aber woe sie nun spielt, verrät der Kommentator Norbert Galeske nicht…

[14:33] Die Deutschen leisten sich zu viele Ballverluste vorne. Die Selecao findet ihren Rhythmus, ohne wirklich zaubern zu können.

[14:25] Pfostenschuss von Laudehr.

[14:24] Zwei Pfostenschüsse von Daniela. Die Brasilianerinnen sind gut organisiert und greifen im Mittelfeld schon an.

[14:22] Es geht ordentlich zur Sache. Beide Mannschaften schenken sich nix. Die Brasilianerinnen spielen ähnlich wie die Deutschen und stürzen sich mit zwei Frau auf die Ballführende.

[14:18] Für läppische 8 Euro waren die Karten fürs Spiel um Platz und das Finale zusammen zu haben. Gespielt wird in Shanghai.

[14:15] Smisek vergibt alleine vor dem Tor nach feinem Anspiel von Laudehr.

[14:13] Scheiße. Mein Fernsehbbild spinnt wieder!

[14:08] Munterer Auftakt. Beide Mannschaften hatten schon eine gute Chance. Garefrekes hat schob Gelb nach einem Foul an Daniela.

1 Nadine Angerer (1. FFC Turbine Potsdam) – 2 Kerstin Stegemann (SG Wattenscheid 09), 5 Annike Krahn (1. FCR Duisburg), 17 Ariane Hingst (Djurgaden IF), 6 Linda Bresonik (SG Essen-Schönebeck) – 18 Kerstin Garefrekes (1. FFC Frankfurt), 14 Simone Laudehr, 10 Renate Lingor (FCR 2001 Duisburg), 7 Melanie Behringer (SC Freiburg) – 9 Birgit Prinz (1. FFC Frankfurt), 8 Sandra Smisek (1. FFC Frankfurt)

1 Andreia (Transportes Alcaine / Spanien) – 2 Elaine (Umea / Schweden), 3 Aline (Saltos / Brasilien), 5 Renata Costa (Botucatu / Brasilien), 4 Tania (Saad / Brasilien) – 7 Daniela (Saad / Brasilien), 20 Ester (Cepe Caxias / Brasilien), 9 Maycon (Saad / Brasilien) 10 Marta (Umea / Schweden)- 11 Cristiane (VfL Wolfsburg), 8 Formiga (Saad / Brasilien)

Servus Edi!

Irgendwie war’s doch ganz witzig mit Dir..
Mal schauen, wieviel Stoiber Michael Lerchenberg nächstes Jahr am Nockherberg rauslassen wird…

(Bild: Bayerischer Rundfunk)

Ausgezeichneter Voyeurismus

Deutscher Fernsehpreis wird auch an die Super Nanny verliehen

Über den Deutschen Fernsehpreis ist an verschiedenen Stellen schon lamentiert worden. In letzter Konsequenz feiert sich eine Branche selbst, wogegen auch nichts einzuwenden ist. Dafür sorgt schon auch die Jury, in der neben Schreiberlingen eben auch genügend Fernsehschaffende sitzen.

An sich wäre es mir auch ziemlich egal, wer ihn gewinnt. Es ist auch unerheblich, ob man für die diesjährige Verleihung eine neue Kategorie “Bester TV-Coach” eingerichtet hat. Die auch unter dem Euphemismus Lebensberatung bekannten Voyeuristenformate können von mir aus auch gerne mit einem Preis bedacht werden – wenn’s schee macht.
Aber kennt eine Jury keine Grenzen, wenn eine Sendung wie “Die Super Nanny” nominiert und dann auch noch prämiert wird?
Nein, ich will hier nicht die Erziehungsmethoden einer Katharina Saalfrank diskutieren. Ich erwarte auch keine Moral, aber über Nachdenken würde ich manchmal schon freuen. Ich finde es wirklich schlimm, daß ein Format, in dem Minderjährige in nicht gerade vorteilhaften Situationen einem Millionenpublikum ausgesetzt sind, einfach so bedenkenlos durch eine quotenträchtige Selbstbeweihräucherungsfeier gewunken wird, als sei es eine Selbstverständlichkeit (wahrscheinlich ist es das sogar für sie).

Wenn sich Erwachsene freiwillig in Container begeben, in der Wüste Maden essen und sich dabei filmen lassen, so ist das deren Sache. Aber wenn Kinder ungefragt vor die Kamera gezerrt werden und das auch noch goutiert wird, frage ich mich wirklich nach der Verhältnismäßigkeit.

Lasst Euch für diese Entscheidung auf den Stuhl setzen!

Stereotypien auf der Reeperbahn

260. Tatort: Stoevers Fall (NDR; EA: 05.07.1992)

Zum Tode von Jürgen Roland wurde zur Abwechslung mal wieder etwas tiefer ins Tatort-Archiv gegriffen. Die 2001 in Pension gegangenen Komissare Paul Stoever (Mafred Krug) und Peter Brockmöller Charles Brauer) durften ran – allerdings noch nicht als “Swinging Cops” (gesungen wurde erst in den späteren Jahren).

Roland-typisch wurde auf der Reeperbahn ermittelt. Paul und Brocki müssen den Mord an einer kleinen St.-Pauli-Nummer aufklären. Die Kommissare ermitteln nicht alleine, denn auch der Polizeireporter Horstmann (Walter Plathe) und die Fotographin Uschi Paetzold (Jale Arikan interessieren sich für den Fall. Brisante Unterlagen über angebliche Machenschaften des Leiters der Abteilung “Organisierte Kriminalität” Lindemann (Dieter Thomas Heck) sollen im Umlauf sein. Auch als Born umgelegt wird, gibt Stoever nichts auf die Theorie von “Horsti”. Erst als die Prostituierte Tanja nach einem Angriff enes St.-Pauli-Schlägers aus dem Fenster stürzt, beginnt er dieser Spur zu folgen. In einer eigens eingerichteten Sonderkommissiion sollen Brocki und Stoever mit Lindemann ermitteln. Stoever findet eine auffallend hohe Spesenabrechnung von Lindemann in einem Nachtclub, der dem Paten Hammesfahr (Holger Mahlich) gehört.
Eine Indiskretion, die von Horstmann veröffentlich wird, bringt Stoever ziemlich in Bedrängnis. Doch auch der Polizeireporter weiß zu viel und wird unter dem Vorwand, die brisanten Unterlagen zu bekommen, an den Hafen gelockt und erschossen. Bis auf Brocki von seinen Kollegen geächtet klärt Stoever den Fall auf. Hammesfahr war für die Morde zuständig, und Lindemann wurde für sein Detailwissen um St. Pauli-Interna bestochen und sorgte dafür, daß Razzien ergebnislos blieben.

Es war ein müder Tatort. Alles war zu schablonenhaft inszeniert. War Jürgen Roland in den Anfangsjahrzehnten des Fernsehens ein Krimi-Pionier, waren seine letzten Schaffensjahre eher durch Langeweile und Durchschaubarkeit geprägt. Das Drehbuch hatte er zwar nicht zu verantworten (das stammte von Willi Voss), aber die Inszenierung, in der natürlich auch Horst Frank als Unterweltgrößen-Anwalt auftreten durfte, war sehr uninspiriert.

(Bild: Das Erste)

Elvis Presley / Pet Shop Boys: “Always On My Mind”

Auf Bayern 4 gab’s mal eine Sendereihe “Interpretationen im Vergleich”. Im Gegensatz zu meiner Mutter kann ich verschiedene Dirigentenstile (z.B. Bernstein vs. Karajan) nicht unterscheiden. Ich bin auf primitivere Vergleiche angewiesen.
Deswegen fange ich hier auch ganz einfach an…

Ich habe den King lange links liegengelassen. Demenensprechend konnte ich mit seinem Lied von “Always On My Mind “ lange nichts anfangen. Es war mir einfach zu schmalzig. Der Song ist wohl (ich bin gerade zu faul zu recherchieren) auch in seinen letzten Jahren entstanden, als er aufging wie ein Guglhupf, und die Hüften sich nicht mehr bewegten wie 15 Jahre zuvor. Nichts desto trotz ist Elvis Presley hier – für diese Erkenntnis habe ich rund 20 Jahre gebraucht – ein wunderbarer Song gelungen.

[youtube:http://youtube.com/watch?v=Gawdjmxdssk]

Daß die Pet Shop Boys dieses Lied Ende der 80er Jahre nur kopiert haben, wusste ich anfangs nicht. Dieses Duo mit dem Hang zu wunderbaren Hymnen hat dem Song jegliche Patina genommen und daraus einen peppigen und tanzbaren (wenn ich so etwas sage…) Popsong gemacht. Auf ihrem Album “Introspective” gibt’s dieses Lied als Remix mit “In My House” – auch sehr empfehlenswert.

[youtube:http://youtube.com/watch?v=GzWOQLxu7rk]

Vor dem Jüngsten Gericht: Jodelhorrormonstershow

Nein, ich stelle hier nicht eine Platte der Biermösl Blosn vor, sondern widme mich dem Gruselkabinett, das vor allem das Bayerische Fernsehen während der Wiesn aufbietet. Innerhalb dieser zwei Wochen werden keine Kosten und Mühen gescheut, um Bayern von seiner schlimmsten Seite zu zeigen. Damit meine ich nicht die teilweise schönen Bilder, die im Nachtprogramm als “WiesnNight” gezeigt werden, sondern den optischen und verbalen Trachtenterror, der in Form von Moderatorinnen und Moderatoren täglich gezeigt wird.
Zuschauer fern des ursprünglichen Sendegebiets müssen von Bayern einen Eindruck bekommen wie der Vater des vornehmen Knaben aus Ludwig Thomas Lausbubengeschichten.

Der Bayerische Rundfunk muss sich zumindest nicht dafür rühmen, mit der täglichen Übertragung aus einem Bierzelt begonnen zu haben. Dafür ist der schon seit längerem verblichene Fernsehsender TV München verantwortlich. Aber der BR war sich nicht zu schade, im Verlauf der vergangenen Jahre die Moderatoren der ersten Stunde (Eva Mayer und Tilmann Schöberl) abzuwerben. Interessanterwiese sind das nicht die größten Nervensägen, die vom öffentlich-rechtlichen Wiesnsender täglich ins Quotenkarrussell geschickt werden. Nein, da hat der BR seinen eigenen Nachwuchs, den er auch in schöner Regelmäßigkeit zur Schau stellt.

Da ist zum einen Christoph Deumling.
Das ist eigentlich noch der harmloseste (besser angenehmste) in dieser Runde. Sein Bairisch wirkt nicht gar so gekünstelt wie das seiner Kollegen. Vielleicht hat er bei mir auch nur noch den B3-Morgentelegramm-Bonus, einer Sendung, der ich heute nach nachweine. Außerden hat er immerhin schon mal einen Wiesn-Rock angehabt…

Aber dann wird es nur noch grausam…

Gerd Rubenbauer ist die Allzweckwaffe des BR. Ob Fußball, Show oder Volksmusik – kein Format ist vor ihm sicher. Einzig sein Grinsen unter der auffälligen Nase ist immer gleich. Sein künstliches Lachen ist genauso schlimm, wie seine Tracht unpassend ist. Und was der Gaudimax sagt, ist auch unerheblich. In meinen Augen hat er nur Ahnung vom Skifahren. Aber etwas darf ich von einem gelernten Skilehrer auch erwarten…

Und dann gibt es noch die zwei ganz schlimmen Damen des Bayerischen Fernsehens. Ich weiß wirklich nicht, welche schlimmer ist. Ich gehe da alphabetisch vor.

Uschi Dämmrich von Luttitz war schon während ihrer Zeit bei Bayern 3 Ende der 70er Jahre eine akustische Zumutung: laute Stimme mit schlechter Betonung. Mit dem feinen Unterschied, daß sie damals das Bairische zuhause gelassen hat. Heute läuft es mir bei ihrer salbungsvoll-gekünstelten Sprache (sie ist immerhin auch Diplom-Psychologin) eiskalt den Rücken runter. Das gepaart mit ihrem Dauergrinsen denke ich immer wieder übers Auswandern nach. Und das Mikrofon hält die “Fernsehbaronin” (so bezeichnet sie sich auf ihrer Homepage), als ob man ihr eine Klobürste in die Hand gedrückt hätte.

Zu guter letzt wäre da noch Carolin Reiber. Vom ZDF für zu alt befunden, bekommt sie beim BR noch ihr Austragshäusl. Sie moderiert mit dem Deumling den sonntäglichen Stammtisch aus dem Weinzelt und trägt ihr gepflegtes, rollendes R zur Schau. Also nichts anderes, was sie 40 Jahre zuvor gemacht hat. Die Zehennägel rrrollen sich mir dennoch immer noch auf. Das Schlimme ist auch noch, daß nicht nur sie aussieht wie vor 40 Jahren, sondern offensichtlich auch nicht wahrhaben will, daß sie nicht mehr so jung ist wie vor 40 Jahren. Und das Weißbier, daß man ihr hingestellt hat, wirkte so authentisch wie Botox bei einer natürlichen Schönheit.

Da das noch nicht reicht, tummeln sich für den BR noch Waldi Hartmann (ist Kampftrinken auch ein Sport?), Alfons Schuhbeck (der uns wirklich noch weismachen will, daß auf der Wiesn gut gekocht wird) und Monika Gruber (wer hat der eigentlich gesagt, daß sie witzig ist?) auf der Theresienwiese. Und der Mosi schaut dem wilden Treiben, dem er selber lange beigwohnt hat, von oben zu.
Aber der hat ja auch das Glück gehabt, nicht einer dieser Personen vor dem Jüngsten Gericht zu begegnet zu sein…

Was ich heute noch mache? Ich gehe auf die Wiesn und hoffe inständig, niemandem, über den ich hier wieder gelästert habe, zu begegnen. Wenn’s dumm läuft, treffe ich sie vor dem Jüngsten Gericht wieder…

Edgar Selge

Manchmal kann ein Schauspieler aus einem durchschnittlichen Film ein schauspielerisches Ereignis machen. Edgar Selge, im Fernsehen vor allem bekannt als einarmiger Polizeiruf-Kommissar Tauber, ist das gestern abend gelungen.

Im Mittwochsfilm der ARD “Angsthasen” gab er den phobischen Versicherungskaufmann Adrian Zumbusch. Besessen von dem Gedanken, daß das Leben nur mit Katastrophen aufwarten kann, wahnwitzt sich diese Figur durchs Leben und lässt sein Umfeld den Kopf schütteln oder das Weite suchen. Seine Frau (Claudia Messner) will nur eines: die Scheidung, In die willigt er aber nicht ein, weil er nicht alleine leben kann.
In der ersten viertel Stunde zeigt Selge das umfangreiche Repertoire eines phobischen, peniblen, panischen, misanthropischen und kaputten Mannes. Er hat panische Flugangst und zeigt schon bei der ersten Bewegung des Flugzeugs, daß der Traum vom Fliegen nur ein Alptraum sein kann. Das erste Luftloch verzerrt sein Gesicht vollkommen, und Selge bringt seinen Körper in eine panisch-verkrampfte Haltung, die wohl ein Aviophobiker nicht besser darstellen kann. Den Lift zu seinem Großraumbüro in einem Hochhaus am Arabellapark meidet er natürlich, weil der steckenbleiben könnte. Außerdem ist er natürlich Klaustrophobiker. Also werden zehn Etagen Tag für Tag zu Fuß genommen. Im Großraumbüro verbarrikadiert er sich, soweit es geht, nicht ohne seiner Sekretärin eine Telefonliste mitzugeben, die natürlich in alphabetischer Reihenfolge abgearbeitet werden muss. Wird er, ohne vorherige Rücksprache, zu seinen Kunden durchgestellt, berichtet er ihnen von den neuesten Katatstrophen und versucht so, neue Versicherungen an den Mann zu bringen.
Um seine Frau nicht zu verlieren suggeriert er ihr, daß es ihm mittlerweile viel besser gehe. Auch Urlaubseisen mit dem Flugzeug seien nun kein Problem mehr (köstlich auch der Bezug zu Katastrophen: “Kongo, Afghanistan, Irak – alles kein Problem.”). Das Referat vor den Direktoren, warum in seiner Abteilung alles so bleiben soll, wie es ist, endet, bevor es beginnt mit einer Panikattacke: Schweißausbruch, Herzrasen, Puls bei mindestens 360, Taumeln, Stammeln – Selge zieht auch hier alle Register. Da das nicht hilft, begibt er sich aufs Klo, um sich so zu verletzen, daß der Notarzt kommen muss. Nur froh, diesen Votrag nich halten zu können, ist er sich auch nicht zu schade, vor dem Haupteingang eine Beruhigungsspritze in den Hintern jagen zu lassen.
Währenddessen wird der Hypochonder von der Ärztin Katja (Nina Kunzendorf), angerufen. Er erfährt, daß er unheilbar an Leukämie erkrankt ist. Obwohl er von der Spritze gezeichnet ist, kann er sein Glück kaum fassen. Er beginnt zu leben. Er bezieht eine Dachgeschosswohnung in der Fußgängerzone, fährt Lift und lässt ihn stoppen, wobei er sich diebisch über die aufkommende Panik (“Geil.”) freut und bandelt mit der Ärztin an.
Hier beginnt der Film zu verflachen, auch wenn Selge und und Kunzendorf ihn durch die arge Länge tragen.
Stark wird er erst wieder, als Zumbusch erfährt, daß seine Diagnose mit der eines anderen vertauscht wurde, und er feststellen muss, daß sein Leben doch noch eine Weile dauern wird. Erst der sterbende Zumbach öffnet Zumbusch die Augen.
Zum Finale gibt Selge einen vollkommen derangierten Mann, der eine Grabrede halten soll und vor der versammelten Trauergemeinde wieder von einer Panne in die nächste rutscht. Doch er fängt sich und hält eine emotionale Ansprache, die auch die Ärztin mit ihm versöhnt.

Hätte man die Figur des Adrian Zumbusch mit einem mittelmäßigen Schauspieler besetzt, wäre ein ganz schlimmer Klamauk dabei herausgekommen. Aber anscheinend hat der Autor Ulrich Limmer beim Verfassen des Buchs konkrete Vorstellungen vom Darsteller gehabt.
Selge beweist eindrucksvoll, daß nur gute Darsteller wirklich komödiantische Rollen bkleiden können, ohne lächerlich oder gar peinlich zu wirken. Selge scheint sich Rollen mit Haut und Haar verschreiben zu können und wirkt durch sein Können unglaublich authentisch.
Selbst in kleinen Nebenrollen (z.B. in “Rossini” als bornierter und spießiger Bankdirektor) glänzt er. Die Polizeirufe sind vor allem wegen ihm sehenswert, weil er diesen gebrochenen Kommissar mit sehr viel Leben erfüllt und ihn somit nicht zur statischen Figur verkommen lässt.
Auf der Bühne (ich habe ihn ein- oder zweimal in den Kammerspielen gesehen) strahlt er eine unglaubliche Präsenz aus.

Ich finde ihn genial.

(Bild: Das Erste)

Spiegel im Supermarkt

Der Kassenbereich im zweistöckigen Tengelmann in der Weißenburger Straße ist sehr gut ausgespiegelt. Das Licht ist auch richtig fies. Ich sehe dort jedes graue Haar von mir. So versuche ich die Spiegel auch weitgehend zu ignorieren.

Das hätte ich heute besser nicht getan.
Nachdem ich mein Hab und Gut auf dem Laufband untergebracht hatte, stellte ich das rote Körbchen an den Anfang des Bandes. Das missfiel der Frau hinter mir. Sie meinte, daß das nicht der rechte Platz sei, weil man darüber stolpern könne. Ich nahm es und stellte es mit Augenrollen ans andere Ende der Kasse. Danach bemerkte ich den Spiegel. Natürlich hat die Frau meinen genervten Blick gesehen und fragte mich dan, was daran jetz so schlimm sei. Ich schwieg.
Dafür stellte sie ihr Körbchen, als sie zahlte und ich noch mit dem Einpacken beschäftigt war, direkt neben mich.

Aber einen tieferen Sinn haben die Spiegel wohl nicht. Denn die acht Tegernseer, die ich im Rucksack hatte, interessierten den Herrn an der Kasse nicht. Und für meine nachträgliche Ehrlichkeit hat er sich auch nicht bedankt…

Frauen-Fußball-WM: Deutschland – Norwegen (Halbfinale)

15:53 Beide Mannschaft dürfen nach Shanghai fliegen. Das Finale bestreiten die Dutschen gegen Brasilien oder USA.
Der Sieg geht in Ordnung, auch wenn er aufgrund der 1. Halbzeit sicher um ein Tor zu hoch ausgefallen ist. Die deutsche Mannschaft hat aber wohl verinnerlicht, daß man auch nach einem glücklichen 1:0 das Spiel nicht verwalten darf, sondern weiterspielen muss. In der 2. Halbzeit waren die Norwegerinnen aber erschreckend schwach, was aber auch an den verletzten Spielerinnen gelegen haben kann.
Aber ohne Gegentor (19:0 Tore!) ins Finale zu kommen, ist wirklich eine beachtliche Leistung.

15:37 13 Sandra Minnert (SC 07 Bad Neuenahr) kommt für Linda Bresonik.

15:36 Schönheit alleine reicht eben nicht aus. Die Norwegerinnen haben nicht nur die schickeren Trikots, sondern auch die originelleren Frisuren.

15:31 Der Kas is ‘bissen – 3:0! Martina Müller trifft nach kapitalem Bock von Storlokken.

15:28 2:0! Kerstin Stegemann erzielt nach guter Vorabeit von Birgit Prinz ein Billardtor. Die norwegische Torhüterin kann einem leid tun. Das erste Tor abgefälscht, beim zweiten machtlos. Sonst gab es für sie nichts zu halten.

15:21 16 Martina Müller (VfL Wolfsburg) kommt für die fleißige Sandra Smisek.

15:19 1. Eckball für Deutschland (bei fünfen für die Norwegerinnen)!

15:16 Trotz spielerischer Überlegenheit in der 2. Hälfte finden die Deutschen kein probates MIttel, um die norwegische Abwehrreihe zu knacken. Sie scheitern regelmäßig im Strafraum, was den Gegnerinnen gute Konter ermöglicht. Anscheinend können’s heute nur hohe Bälle und Distanzschüsse richten.

15:12 Weil’s mir gerade auffällt: warum kommentieren denn beim Frauenfussuball keine Frauen?
Unterdessen gehen den Norwegerinnen die Spielerinnen aus: Storlokken kommt für Solveig Gulbrandsen (und nicht Gulbransson).

15:10 “Sturm der Liebe” entfällt auch, vermeldet die ARD. Aha. Das könnte die vielen Anfragen bei mir zu den Beziehungen der Spielerinnen erklären…

15:04 Nächster Wechsel bei den Skandinavierinnen: S. Nordby für die verletzte Folstad.
Fatmire Bajramaj schießt aus spitzem Winkel rechts am Tor vorbei. Birgit Prinz wäre besser gestanden…

15:02 Die Norwegerinnen haben gewechselt: Klaveness “für die junge Herlovsen”.

14:55 “Goldköpfchen” Nia Künzer bemängelt zu recht das etwas lahme Flügelspiel der Deutschen.

14:46 Mit einer glücklichen Führung gehen die deutschen Damen in die Halbzeit.

14:41 1:0! Quasi aus dem Nichts erzielt Birgit Prinz aus spitzem Winkel das Tor. Die Torhüterin fälscht unglücklich ab.
Nach der letzten matten viertel Stunde kommt diese Führung etwas überraschend. Die Norwegerinnen hatten mehr vom Spiel.

14:40 Die etwas orientierungslose Melanie muss raus, für sie kommt 19 Fatmire Bajramaj (1. FCR Duisburg).

14:39 Die Norwegerinnen wirken abgezockter und entschlossener.

14:28 Die Norwegerinnen waren 1995 Weltmeister, sowie 1987 und 1993 Europameister.

14:23 Bemerkung von Carsten Flügel, dem Kommentator: “Ganz links stand Herlovsen. Gut, daß der nicht durchkam.”

14:22 Solveig (was für ein schöner Name!) Gulbransson vergeigt auch…

14:21 Larsen Laurin scheitert nur knapp an Angerer.

14:19 Beiden Mannschaften gelingen nur Distanzschüsse, beide Abwehrreihen stehen recht gut.

14:16 Die ARD blendet ein, daß es keine roten Rosen gibt. Gibt’s nach dem Spiel etwa Trauerweiden?

14:14 Gelb für Leni KarstenLarsen Laurin nach einem Foul an Simone Laudehr in Höhe des Strafraums.

14:12 Renate Lingor versucht es mit einem Fernschuss.

14:06 Gefälliger Aurtakt auf beiden Seiten. Es wird nicht gemauert, sondern nach vorne gespielt.

14:03 Pünktlich zurück vom Einkaufen geht’s nach Tianjin (天津), wo Zwanziger Mädels um den Einzug ins WM-Finale kämpfen.

1 Nadine Angerer (1. FFC Turbine Potsdam) – 2 Kerstin Stegemann (SG Wattenscheid 09), 5 Annike Krahn (1. FCR Duisburg), 17 Ariane Hingst (Djurgaden IF), 6 Linda Bresonik (SG Essen-Schönebeck) – 18 Kerstin Garefrekes (1. FFC Frankfurt), 14 Simone Laudehr, 10 Renate Lingor (FCR 2001 Duisburg), 7 Melanie Behringer (SC Freiburg) – 9 Birgit Prinz (1. FFC Frankfurt), 8 Sandra Smisek (1. FFC Frankfurt).

Die Norwegerinnen:
Nordby – Folstad, Ronning, Horpestad, Huse – Solveig Gulbrandsen, Stensland, Knutsen – Larsen Kaurin, Ragnhild Gulbrandsen, Herlovsen

Die Norwegerinnen sind eine große Nummer im Frauenfußball und ähnlich souverän ins Halbfinale marschiert wie die Deutschen.

Bayerische SPD schreibt die nächste Landtagswahl ab

Die Löwen sind immer wieder für Überraschungen gut – meistens im personellen Bereich. Spätestens seit der Inhaftierung des Ex-Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser und seines Sohns hat die Führungsebene wirklich Komödienstadl-Qualitäten. Kehrt für kurtze Zeit Ruhe ein, scheint das die Herren zu beunruhigen. Das war wohl auch das Hauptmotiv, den Fraktionsvorsitzenden der Bayern-SPD, Franz Maget, zum neuen Vizepräsidenten zu ernennen.

Hier hat Maget sicher nach der Haltung “Einmal Löwe, immer Löwe” gehandelt. Recht so! Aber er hat damit auch siganlisiert: “Einmal Opposition, immer Opposition!” Er kündigt auf der Homepage von 1860 München schon an, Verantwortung mit zu übernehmen, und er sei “gerne bereit, die notwendige Zeit bereitzustellen“. Das macht es natürlich unmöglich, im Oktober 2008 das ebenfalls zeitlich anspruchsvolle Amt des Ministerpräsidenten zu übernehmen. Außerdem ist Günther Beckstein dann gerade erst halbwegs eingearbeitet, da wäre es Quatsch, ihn schon wieder abzulösen…

Aber wenn alles gutgeht, kann Maget schon vor der nächsten Landtagswahl aufsteigen – in die 1. Bundesliga, wenn die Spieler weiterhin mit Ohr-O-Pax über den Trainingsplatz rennen, wenn wieder in der Chefetage gestritten wird…

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