Monthly Archive for August, 2007

Meine zweite Schultüte

Basteln gehört nicht zu meinen Stärken und Hobbys. Das ist sicher auch einer der Gründe, warum ich nicht im Kindergarten arbeite. (Jetzt habe ich wohl wieder mit zwei Sätzen jegliche seriöse Einschätzung über den Erzieherberuf konterkariert.) So halte ich mich mit Kommentaren auch höflich zurück, wenn die lieben Kolleginnen wieder die Gruppe umdekorieren – ich kann es nicht besser.
Mein Ehrgeiz wurde aber vor einigen Wochen gepackt, als ich eher beiläufig registriert habe, daß unsere Gruppenjüngste ab September ein Schulkind ist. Ich dachte mir nur: ‘Das Kind braucht eine anständige Schultüte. Die größte und selbstgebastelt.’ Als KIndergartenkind habe ich meine Schultüte auch selber gebastelt, und ich hatte am ersten Schultag die schönste Schultüte, jawohl! Viele andere Kinder hatten nur gekaufte, die gegen meine nicht anstinken konnten.
Als wir mit der Bande in Italien waren, erwähnte ich eines abends, daß ich mit dem Mädel eine Schultüte basteln wollte. Die Damen guckten mich ungläubig an, und spöttische Kommentare wie “Aber wenn sie erst Weihnachten fertig wird, ist es zu spät” bekam ich dabei zu hören. Niemand hat’s ernst genommen. Bis heute nicht.
Ihre Mutter wurde gefragt, ob sie sich um die Tüte kümmern wolle, aber sie lehnte ab.
Ich begab heute mich zum Kaut-Bullinger, um einen festen Karton zu kaufen. Ich hätte mir es sehr einfach machen können, und eine vorgestanzte Tüte oder gar ein spezielles Bastelset mitnehmen können. Zu dem Fotokarton besorgte ich noch Glitzersterne zum Aufkleben, weil das Mädel gerade auf Lauras Stern abfährt. Als ich mich damit an meinem Arbeitsplatz aufbaute, meinten die Kolleginnen, daß man dem Mädel eine Schultüte kaufen müsse. Sie waren ziemlich erstaunt, als ich das Bastelmaterial auspackte. Und ich freute mich, meine Kolleginnen noch überraschen zu können.
Eine Stunde später ging es mit der Kleinen ans Werk. Nachdem ich den Karton zu einer großen Tüte gebogen hatte, klebte sie fleißig große und kleine Sterne auf und war ganz begeistert von ihrer Lauras-Stern-Schultüte. Nach einer weiteren dreiviertel Stunde war das Werk vollendet.
Jetzt müssen wir noch das Tütetragen üben, damit tut sie sich noch sichtlich schwer. Aber bis zum ersten Schultag dauert es noch zehn Tage…

Schon vorbei?

Daß in naher Zukunft wieder die Wiesn stattfindet, merkt man auch daran, daß in den Bekleidungsgeschäften an exponierten Stellen Tracht (vor allem was sich so nennt) hängt. So auch beim Kaufhof am Stachus. Diese temporäre Oktoberfestabteilung wird einer jungen Frau in einem schlechtsitzenden Dirndl betreut. Ihrer Miene nach zu deuten, ist sie auch für die Beschallung dieses Standes zuständig. “Time To Say Good Bye” ist an sich schon ein schreckliches Lied. Aber gespielt von einem Bläsersatz klingt es wirklich wie ein vollkommen misslungener Trauermarsch.
Außerdem hat die Wiesn doch noch gar nicht angefangen…

Der Weg zur ungeraden Fünf

Manche Erkenntnisse und Beobachtungen werden einem erst zu Geburtstagen offenbar. Das ist eigentlich vollkommener Unsinn, denn wahrscheinlich werden sie wohl schon um einiges früher offensichtlich, aber man schenkt ihnen, ignorant, wie man ist, anscheinend keine Beachtung.

So ging es mir auch vergangenene Nacht. Ich war um halb 12 todmüde, verzichtete auf das Ende des eigentlich interessanten Films “Katze im Sack” und begab mich, den Frühdienst vor Augen habend, ins Bett.
Nach einer dreiviertel Stunde des Hin- und Herwälzens stellte ich fest: Das wird nix.
Also, aufgestanden, den geleerten Aschenbecher aus der Küche geholt und mich zwecks Bemüdung vor die Glotze geknallt. Das Nachtmagazin bot wegen des People-Portals (Vorsicht: Euphemismus!) spock.com keinen Anlass zum Einschlafen.
Zwischenrein warf ich einen Blick in den Hofhimmel: ein, dickes, rundes Etwas erklärte mir den Grund meiner Schlaflosigkeit. Aha, jetzt reagiere ich auch schon auf den Mond. Werde ich auch bald wetterfühlig? Die ersten grauen Haare habe ich zwei Tage vor meinem 28. Geburtstag wahrgenommen (wirklich ein ganz schlimmer Tag). Müssen Geburtstage jetzt immer immer als Hort grausamer Entdeckungen herhalten?
Okay, die internationale Krömer-Show könnte Eheiterung schaffen. Leider ist sie so ziemlich das schlechteste, was ich bisher von besagtem Kurt gesehen habe. Ob es an Klaus Wowereit lag? (Wirklich brillant ist übrigens die Pummelfee!)
Immer noch nicht erschöpfend müde landete ich bei der Wiederholung von “Rote Rosen“, wo zwar kein Anspruch, aber immerhin eine Baby-Entführung geboten wurde. Eine klassische Daily-Soap-Telenovela-Story. Eine Frau entführt ein Baby und glaubt in ihrem Wahn, es sei ihr Verstorbenes. Das Baby heißt Tommy, ihr verstorbenes Benji. Habe ich Euch schon erzählt, daß ich Benjamin Thomas heiße? Die Entführung geht unblutig zuende. Es ist 2 Uhr, und ich kann vollkommen erschöpft ins Bett wanken.

Gefühlte fünf Minuten (es waren dann doch zweieinhalb Stunden) später gehen die Wecker, und ich stelle fest, daß es vor dem letzten Frühdienst erheblich heller war. Die nette Glückwunsch-Zeichnung im Gruppenbuch rettet mich in den Tag. Ich koche den Kindern ihre Leibspeise und fühle mich trotz Übermüdung ziemlich wohl.

Im weiteren Verlauf stelle ich fest, daß der 30. Geburtstag wirklich um einiges schlimmer war. Eigentlich war das gestern Kindergeburtstag…

Habe ich etwas verpasst?

Heute wird bei mir wie blöd nach Frau Dr. Kühnemann gesucht. Warum eigentlich?
Hat sie heute ihre letzte Sendung? Hat sie sich im Bikini am Starnberger See gezeigt? Ist sie zusammen mit Siegmund Gottlieb in der Maximilianstraße gesehen worden?
Sachdienliche Hinweise werden hier gerne entgegengenommen.

Im Gegenzug beantworte ich auch folgende Frage:
“Tragen Frauen Strumpfhosen unter der Jeans?”
Eher, als über der Jeans.

Wenn Hundt und Sommer sich zusammentun…

…fallen zwar nicht Weihnachten und Ostern auf einen Tag, aber bemerkenswert ist ist es schon.

So haben die BDA und der DGB eine gemeinsame Presserklärung zur frühkindlichen Bildung (pdf-Datei) herausgegeben.

Daher halten wir ein beitragsfreies letztes Kindergartenjahr für richtig und notwendig. Der Kindergarten als erste Stufe des Bildungssystems muss konsequenterweise für die Eltern gebührenfrei sein.

Das ist keine neue Forderung, nur wurde sie bisher nicht erhört. Gerade bei Kindergärten verlegen sich Bund und Länder vor allem darauf, die Kosten auf die Kommunen, die sowieso kaum Geld haben, abzuwälzen. Eine prosperierende Stadt wie München mag das noch stemmen können, wie soll eine Stadt wie Schwedt das gewährleisten können?

Auch um die Qualifizierung des Personals machen sich die Organisation Gedanken:

Die Aus- und Weiterbildung der Erzieherinnen und Erzieher muss qualitativ verbessert werden. Mit Ausnahme von Österreich und Deutschland wird das Fachpersonal in allen anderen europäischen Ländern auf Hochschulniveau ausgebildet. Um den Ausbau des Kindergartens als erste Stufe des Bildungssystems und die damit wachsenden fachlichen Anforderungen bewältigen zu können, brauchen wir auch in Deutschland eine Hochschulausbildung mindestens für die Einrichtungs- und Gruppenleitung.

Es ist die Frage, ob es unbdeingt die Hochschulausbildung sein muss, aber wenn ich die fünf Jahre meiner Ausbildung zum Erzieher Revue passieren lasse, stelle ich mit immer größerer Verärgerung fest, daß ich für diesen langen Zeitraum zu wenig an die Hand bekommen habe. In dem Zusammenhang wird gerne behauptet, daß die Ausbildung nur drei Jahre dauere. Denn die ersten beiden Vorpraktikumsjahre (die sich in Bayern seit ein paar Jahren Sozialpädagogisches Seminar nennen und mit der Kinderpflege-Prüfung abschließen) seien schließlich die Zugangsvoraussetzung die weiteren drei Jahre, die mit der Anerkennung als staatlich anerkannter Erzieher enden. Das bedeutet, daß man während dieser fünf Jahre zwar dreieinviertel Jahre praktisch arbeitet (das letzte Jahr beinhaltet das Anerkennungsjahr), aber effektiv nur zwei Jahre theoretische Ausbildung geniesst.
Ja, da kann nicht viel herauskommen. Die Bemühungen der letzten Jahre, mehr Qualität in die Ausbildung zu bekommen, kann ich, wenn ich mir die Auszubildenden, die in den letzten Jahren durch unsere Gruppe gelaufen sind, eher als halbscharig bezeichnen.

Der Erzieherinnenberuf gilt bislang als typischer Frauenberuf. Es müssen deutlich mehr Männer als Kindergartenmitarbeiter gewonnen werden.

Das ist immer wieder eine beliebte Forderung. Nur versteht es niemand, sie mit Inhalt, also konkreten Ideen, zu füllen. Gut gemeinte Aktionsbündnisse stagnieren leider immer ziemlich schnell. Vielleicht wäre es eine Idee, dem erfolgreichen Girl’s Day, der seit einigen Jahren an den Schulen angeboten wird, etwas entgegenzusetzen (obwohl ich diesem geschlechtertrennenden Kram wenig abgewinnen kann). Die Männerquote in den Einrichtungen wird ja nur die durch die Zivildienstleistenden erhöht. So liegt der Anteil an männlichen Fachkräften im Bundesdurchschnitt bei unter 4 %! (Das Ergebnis der hessischen Pilotstudie gibt es auch als pdf-Datei.)

Man kann nun zu Presseerklärungen wie dieser stehen, wie man mag. Sie enthält nur Forderungen, bietet aber keine Konzepte zur Umsetzung. Das ist bedauerlich, weil schlüssige Ideen zur Umsetzung der vielfältigen Forderungen, die (früh)kindliche Bildung umfassen wirklich nötig sind, um nicht nur um den heißen Brei herumzureden. Andererseits zeigt die Stellungnahme, daß das Thema Bildung immer mehr Raum in der politischen Diskussion einnimmt. Die Politik kann die Bildung nicht verbessern, aber sie kann Rahmenbedingungen schaffen, daß es nicht nur bei Sonntagsreden bleibt.

(Alle Zitate entstammen der gemeinsamen Presseerklärung.)

Backen im Dreiviertel-Takt

Fernsehküche: Hans Hofer kocht “Kaiserschmarrn mit Kompott” (3sat; EA: 1966)

Im Rahmen des wunderbaren Thementages “Televisionen in Schwarz-Weiß”, der dem 40. Geburtstag des Farbfernsehens gewidmet war, zeigte 3sat einige Schmankerl aus der Zeit vor der Fernbedienung und des Privatfernsehens.
Einer der ersten Fernsehköche war der Österreicher Hans Hofer, über den im Netz sehr wenig zu finden ist. Da steht nun ein noch klassisch als Koch gekleideter Koch in einer engen und spartanisch ausgestatteten Küche, deren Fabrikat nicht zu erkennen ist, und bereitet Kaiserschmarrn mit Kompott zu (er bäckt ihn natürlich, der Titel ist da etwas irreführend). Dabei zeigt er sich überhaupt nicht oberlehrerhaft (etwas, was mir an den heutigen Fernsehköchen wie Lafer und Schuhbeck missfällt) und gibt sich sehr galant mit einem feinen Witz auf den Lippen. Obwohl in den 60ern Männer höchstens zum Probieren in die Küche kamen, spricht Hofer Damen und Herren an. Dabei verrichtet er alles mit der Hand. Elektronische Helfer, die heute das Kochen vereinfachen, sind nicht zu sehen. Musikalisch umrahmt wird die Sendung am Anfang und Ende vom Kaiserwalzer von Johann Strauss (Sohn). Das Rezept und die Zubereitung sind hier nachzulesen.
Diese Sendung war wirklich ein Leckerbissen!

Eine schöne Hommage an Hans Hofer hat die Gastgeberin geschrieben.

(Bild: 3sat)

Verstrahltes Jubiläum

671. Tatort: Strahlende Zukunft (RB/WDR; EA: 26.08.2007)

Ermittler: Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), Kommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen), Assistent Karlsen (Winfried Hammelmann)
Besetzung: Jörg Reinhardt, Staatsanwalt (Ulrich Noethen), Sandra Vegener (Inka Friedrich), Daniel Vegener (Constantin von Jascheroff), Luis Vegener (Peter Davor), Frederike Kawentz (Ann-Kathrin Kramer), Oberstaatsanwalt (Alexander Radszun), Hagerer Mann (Peter Benedict), Gerichtsmedizinerin (Henriette Cejpek), Prof. Peter Humberth (Bernhard Schütz), Frau Humberth (Tatjana Blacher), Julia März (Henriette Confurius)
Drehbuch: Christian Jeltsch; Regie: Mark Schlichter

Man kann eine Geschichte mit Fakten anreichern oder sich ausschließlich im Vagen bewegen. Im neuesten Bremer Tatort, der Lürsens Zehnjähriges ist, hat man sich für Letzteres entschieden, was der Geschichte überhaupt nicht gut bekam. Im Mittelpunkt steht eine Mutter, die gleich zu Beginn einen Passanten in der Fußgängerzone umfährt und anschließend vom Dach springt. Sie kann den Leukämietod ihrer Tochter, für den sie die Mobilfunklobby um Friederike Kawenz (Ann-Kathrin Kramer mit gefärbten Haaren und bekleidet wie eine Frau vom Sicherheitsdienst) verantwortlich macht. Ihr Sohn Daniel will mit der Unterstützung seiner Freundin Julia ihren Tod sühnen und macht jeden verantwortlich den er in die Finger bekommt: die Kommissarin, deren Waffe er an sich reißt, den Staatsanwalt Jörg Reinhardt, den fremdgehenden Gutachter Prof. Humberth, der gegen Geld von der Mobilfunklobby ein Gefälligkeitsgutachten über seine Mutter erstellt hat und auch seinen Vater, der auch Geld genommen hat.
Eigentlich ist es ein Bonnie & Clyde-Abklatsch, der in einem diffusen Gemisch von Politik und wirtschaftlichen Interessen endet, wo viele etwas wussten, aber nicht alles. Vage Angelegenheit für eine gewagte Geschichte.

Wer ist der Täter? »

Ach so, gemordet wird auch noch: der Gutachter wird erschossen – und zwar von seiner Frau, die dazu nicht nach Kopenhagen fahren muss. Es reicht dazu ein Ausflug ins Umland, um herauszufinden, daß ihr Mann keine Vorträge hält (“So nah ist Kopenhagen”, bemerkt auch Stedefreund).

Es ist wieder eine emotionale Schlacht, in der Inga Lürsen mittendrin agiert. Vielleicht erklärt das den verschnupften und dreitagebärtigen Assi Stedefreund. Ein enervierendes Dienst-Jubiläum.
Nennenswert sind nur zwei Szenen: Stedefreund springt in den Müll, und Julia und Daniel verbringen romantische Minuten auf einem Sofa über den Dächern von Bremen. Wirklich erfreulich dagegen war die Abwesenheit der nervigen Lürsen-Tochter Helen.

Anhang
Hintergrund: Fundus, Radio Bremen
Meinungen: Sopran, Fielitz, sopur und komischerweise noch nicht im Tatort-Forum

(Bilder: Radio Bremen/Jörg Landsberg)

Die Straße als Sozialstation

Vielleicht hätte ich an dieser Stelle lieber nicht geunkt. Denn gestern standen wieder seltsame Gespräche auf der Straße auf dem Programm:

Wir standen an der Trambahnhaltestelle Volkartstraße:
Frau (vergeistigt guckend): “Wissen Sie, wo der Orthopäde Dr. Beil ist?”
Kollegin (schulterzuckend): “Keine Ahnung.”
Frau: “Der soll in der Volkartstraße sein.”
Kollegin: schaut mich fragend an
Ich (zeigend in beide Richtungen der Volkartstraße): “Entweder da oder da.”
Frau: schweigt verunsichert.
Kurze Pause

Frau (auf die Jugendlichen zeigend): “Was ham die?”
Dann wurde es grün, und wir konnten endlich weitergehen.

Eine Viertelstunde später vor dem Edeka-Supermarkt am Rotkreuzplatz wartete ich mit zwei Jugendlichen, während die Kollegin mit einer Jugendlichen beim Einkaufen war.
Eine Frau um die 60, mit einem bunten Polyester-Oberteil, kommt auf uns zu und guckt G. an.
Frau (spricht G. an): “Hallo.”
G.: schweigt verunsichert
Frau: “Mei, so schöne Haar’ hast Du.”
G.: schweigt immer noch irritiert
Ich: werde hellhörig
Frau: streichelt G. übers Haar.
G.: guckt verunsichert zu mir
Ich: “Wer sind Sie?”
Frau: “Eine Fremde.”
Ich: “Ich finde es nicht in Ordnung, wenn Sie fremde Menschen einfach anfassen. Auch wenn Sie es nicht böse meinen.”
Frau: “Ich mein’s auch nicht böse.”
Ich: “Ich finde es distanzlos.”
Frau: guckt verständnislos
Ich: “Wir bringen den Kindern bei, nicht einfach fremde Leute anzusprechen und anzufassen…”
Frau (sich enttäuscht abwendend): “Ja, dann… Auf Wiedersehen.”

Diese Mischung aus Mitleid, Verunsicherung und Distanzlosigkeit ist wirklich anstrengend und ein regelmäßiger Begleiter, wenn wir mit den Kindern und Jugendlichen unterwegs sind.

Marano Lagunare

Torre

Mehr aus Bilder aus dem schönen Lagunenstädtchen Maranao Lagunare gibt es hier.

Das Nutella-Experiment

Der Mensch steckt bekanntlich voller Widersprüche, die sich nicht erklären lassen. Das ist auch bei den Kindern und Jugendlichen, die ich betreue, nicht anders. Vor allem bei den Geschmacksvorlieben treten mitunter absonderliche Dinge zum Vorschein. So kenne ich zwei Menschen, die zwar keine Nudeln mögen, dafür aber Spaghetti.

G. liebt, wie wohl jedes Kind, Nutella über alles. Gibt es kein Nutella zum Frühstück, greift er auf Pflaumenmus zurück, weil das farblich für ihn noch am ehesten an Nutella rankommt. Ist das auch alle, wird’s schwierig für ihn und uns. Immerhin lässt er sich dann gut zureden und streicht sich andersfarbige Konfitüre aufs Brot. Bis dahin ist es noch nicht widersprüchlich.
Der Junge liebt Nutella und Schokoladeneis, verabscheut aber Schokolade und Schokoladenkuchen. Das geht so weit, daß er in seinem Adventskalender hauptsächlich Chips und Salzstangen vorfindet.

An einem ruhigen Tag wollten meine Kollegin und ich dem Jungen mal wieder Schokolade schmackhaft machen. Wir gingen dabei auch sehr trickreich und klug vor – so war es zumindest angedacht. Wir wolltem ihm zeigen, daß Schokolade lediglich nichts anderes als geschmolzenes Nutella ist. Die Kollegin I. legte ein Stück Schokolade auf einen Teelöffel. Mit dem Feuerzeug brachte sie das Stück zum Schmelzen. Der Junge verfolgte auch durchaus interessiert, was da auf dem Löffel passierte. Leider haben wir nicht berücksichtigt, daß er vielleicht auch den Schokoladen-Nutella-Löffel langen will. Das tat er dann auch prompt. Er erschrak fürchterlich, brach in Tränen aus und schaute meine Kollegin in den nächsten fünf Minuten nicht mal mit dem Hintern an.

Dieses in bester Absicht durchgeführte Experiment scheiterte also auf ganzer Linie. Wir vermeiden es seit diesem Tag, auf die eigentliche Gemeinsamkeit von Nutella und Schokolade hinzuweisen und nehmen diesen Widerspruch stillschweigend hin.

(Zu diesem Artikel hat mich Sisou inspiriert.)

(Bild: Wikipedia Commons)

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