Monthly Archive for Juli, 2007

Schuhkauf für Anfänger

Eigentlich gehe ich gerne zum Bummeln und Einkaufen. Horror entwickle ich eigentlich nur vor dem Schukauf. Das liegt zu einen daran, daß ich die Auswahl an Herrenschuhen sehr bescheiden finde. Braun, schwarz, klobig – so scheint der Herrenschuh seit Jahren beschaffen zu sein. Farbliche Ausreisser gibt es vielleicht eine Saison , und dann muß man sich ranhalten. Filigranes Aussehen ist noch seltener. Als ob Mann jeden Tag auf eine lange Bergwanderung gehen würde. Ich kann sehr gut verstehen, daß viele Frauen Ballerinas tragen. Und mit Größe 42 liessen sich auch welche für mich finden. Außerdem gibt es in Schuhgeschäften keine Umkleidekabine. Das bedeutet, daß man bei der Anprobe immer im Blickfeld ist. Ich finde, daß das erste Bekanntmachen miteinander etwas sehr Intimes ist. Auch das Gefühl, daß einige Personen vor mir den Schuh anprobiert haben, steht meinem latenten Schuhfetisch im Weg.

Nichts desto trotz konnte ich mich gestern doch endlich überwinden, nach Schuhwerk für den Sommer zu suchen. Die Hoffnung auf Schnäppchen im Schlußverkauf bestärkte meine Entscheidung. Immer nur in Chucks rumlaufen ist auch keine Lösung, so sehr ich diese Schuhe auch liebe. Außerdem steht die Italienfreizeit vor der Haustür, und die Füße sollen auch ein wenig Farbe abbekommen. Wie durch ein Wunder wurde ich gleich im ersten Geschäft fündig. Ein renommiertes Münchner Schuhgeschäft bot offene Schuhe zu reduzierten Preisen an. Für 60 Euro erwarb ich zwei Paar und verließ freudestrahlend und erleichtert das Geschäft. Ich nahm es auch in Kauf, daß das eine Paar schwarz, das andere braun ist…
Das böse Erwachen kam allerdings, als ich mir meine Neuerwerbungen näher betrachtete: Das schwarze Paar ist nur für rechte Füße geschaffen. Daß ich zwei Linke Hände habe, wusste ich bereits. Aber daß ich zwei rechte Füße habe, war mir neu. Die Kollegin T. meinte nur: “Des kann doch nur Dir passieren!”

So werde ich nachher wieder in das Geschäft stapfen und darauf hoffen, daß kein anderer zwei linke Füße hat…

Der erste Tag…

…nach dem Urlaub ist immer der schlimmste Arbeitstag.

Ich freue mich zwar auf die Kinder, und sie sie sich auf mich, aber die Mischuing passt noch nicht. Es ist immer das Gleiche. Wahrscheinlich müssen sich nach ein, zwei oder drei Wochen Urlaub (in dem Fall war es nur eine Woche) beide Seiten neu beschnuppern, und irgendwie fängt man wieder von von vorne an.

G. aß heute wie ein Zweijähriger und durfte sich dementsprechende Kommentare anhören. V. reagierte auf so ziemlich alles, was ich ihr sagte, mit einem Wutanfall und oder mit einem intensiven Seufzen. Dem Hesse-Zitat “Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne” kann ich an diesen ersten Tagen nach dem Urlaub nichts abgewinnen.

Und dann gibt es doch noch kleine Höhepunkte an solchen Arbeitstagen.
V. hat vor einiger Zeit das (Rollen)spielen für sich entdeckt. So mussten gestern abend einige Puppen (nach dem Wickeln! Ganz wichtig!) ins Bett:

 

Nach dieser Nacht geht der zweite Tag nach dem Urlaub auch schon wesentlich leichter von der Hand (hoffe ich zumindest)…

Auf der Suche nach Liebe

618. Tatort: Das Lächeln der der Madonna (SWR; EA: 25.12.2006)

Diesmal also Kunst. Die Bodensee-Kommissare Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) müssen den Mord an dem Restaurator Scheer, aufkären, der mit “Maria mit dem Kinde” von Lucas Cranach d.Ä. beschäftigt war. Als Mörder bietet sich Jan Reuter (Harald Schrott) an, der das Bild auch gestohlen hat. Für Perlmann, der sich als Kunstmäzen betätigt, aber Cranach komischerweise nicht kennt, ist die Sache klar. Dummerweise ist Reuter dem schick gekleideten Kommissar entkommen. Reuter wirft sich der orientierungslosen Birgit Winter (Brigitte Hobmeier), vors Auto. Sie soll ihn zuhause verarzten und berherbergen. Die häufig verlassene junge Frau verliebt sich ihn ihn und nimmt ihm ab, daß er nur das Bild geraubt hat. Sie verleugnet ihn, als Klara Blum sie in ihrer Wohnung befagt. Sie schneidet ihm die Haare. Sie fährt für ihn nach Zürich in seine Wohnung, um dort einen Koffer zu holen, schlägt dort einen Polizisten nieder und hörnt dabei Frauenversteher Perlmann – “Ansprechen, einladen, flachlegen” zum Single wider Willen, Pathologe Dr. Wehmut (Benjamin Morik) -, der Birgits Wohnung beobachten soll, sie entkommt aber durch das Badfenster.
Unterdessen findet Klara Blum heraus, daß Scheer von der Museumsdirektorin Doris Koch (Petra Morzé) 25000 Euro Schweigegeld bekommen hat. Allerdings nicht, weil sie ein Verhältnis mit Jan hatte, sondern weil er herausgefunden hat, daß der Cranach eine Fälschung ist. Allerdings hat er auch den Kunsthistoriker Siegfried Wagner (Rainer Will), der das Museum berät, erpresst. Dem wird die Sache am Ende zu heiß, und er legt neben dem Restaurator auch noch die Direktorin um. Seine Flucht zu Wasser scheitert an einer gekonnten James-Bond-Einlage von Blums Allrounder Perlmann.
So wird der Fall gelöst, doch Birgit bekommt Jan nicht, den sechs Jahre Gefängnis erwarten.

Eigentlich ist dieser Tatort eine Liebesgeschichte. Brigitte Hobmeier, ein neuer Stern am Theaterhimmel spielt die nach Liebe suchende Birgit wirklich hervorragend, auch Harald Schrott gibt den instrumentalisierenden Jan Reuter sehr gut. Eva Mattes agiert eher durchschnittlich, während Sebastian Bezzel als Kai Perlmann wieder sehr gut ist.
Auch wenn vom Kunstmilieu die Rede ist und sogar Rembrandts Goldhelm thematisiert wird, ist von Kunst nicht all zu viel die Rede. Teilweise wirkt die Kunst arg gekünstelt.

Dennoch ein guter Tatort, weil das Ende so nicht vorhersehbar ist, und die beiden Hauptfiguren sehr gut spielen.

Andere Meinungen gibt’s bei Fielitz und im Tatort-Forum. Im Tatort-Fundus gibt’s noch ein umfassendes Kompendium zu dieser Folge.

(Bild: Das Erste)

Kyrillisch für Fortgeschrittene

…und dieser kyrillische Spam wurde in Brasilien abgeschickt und wird mich heute um 20:51 erreichen…

Allkohol

Wenn man den Aufruhr um die NASA in den letzten Stunden so betrachtet, kann man den Eindruck gewinnden, es würde im All nur geschnapselt. Nun, das fände ich auch nicht weiter tragisch, ein bßchen Spaß muß sein. Außerdem ist Pokern in der Schwerelosigkeit sicher noch schwieriger ist als Trinken. Nun wird ein kleiner Vorfall vor den Flügen ins Weltall großspurig als “Studie über Astronauten” (SZ) angepriesen. Aber leider ist es doch nur ganz banal:

At a NASA press conference July 27, Bachmann clarified ambiguities in his panel report, which mentioned only “heavy use of alcohol by astronauts in the immediate preflight period” and two incidents where astronauts were “so intoxicated prior to flight” that fellow astronauts and flight surgeons raised concerns with “on-scene leadership regarding flight safety” (Aviation Week)

Will heißen: im All gab’s wohl nix (oder es gab, um den Bezug zur Aktualität nicht zu verlieren) keine Dopingkontrolle?
Ich gebe es gerne zu: es wäre zu schön gewesen, Bilder von besoffenen Astronauten im Netz zu sehen. Da bin ich Voyeur genug. Aber es soll wohl (noch nicht) so sein…

Den russischen Raumfahrern wird , der Legende nach, wohl Wodka mitgegeben. Und wie schaut’s eigentlich mit Kiffen aus?

Das eigene Scheitern

241. Polizeiruf 110: Wandas letzter Gang (ORB; EA: 30.06.2002)

Der Polizeiruf 110 gehört bekanntlich zu den wenigen DDR-Errungenschaften, die in der wiederverinigten Bundesrepublik übernommen wurde. Als Pendant zum Tatort etablierte er sich auch im Westen, wenn auch mit wesentlich weniger Folgen im Jahr. Einige Sendeanstalten beteiligen (SWR, SR) sich gar nicht daran. Einige Perlen sind auch darunter, vor allem die Folgen mit Kurt Böwe und Uwe Steimle vom NDR und mit Edgar Selge als einarmigen Kommissar Tauber vom BR.

Paul Kieslowski (Axel Prahl) ist betrunken und will morgens um 5 seinen Sohn sehen. Es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen ihm und seiner Frau (Claudia Geisler), der ihre Tochter Theresa (Luise Wolfram) zu Hilfe eilt. Dabei wird die Mutter durch einen Messerstich schwer verletzt.
Für die Kommissarin Wanda Rosenbaum (Jutta Hoffmann), die kurz vor der Pensionierung steht, steht fest, daß Paul der Täter ist. Sein Sohn Enrico (Marko Benner) hat die Tat beobachtet, schweigt aber. Paul kann sich nicht mehr erinnern.
Auf dem Weg zur Haftanstalt ermöglicht die Kommissarin eine letzte Begegnung mit Enrico beim Handballtraining. Allerdings ist Enrico schon weg. Paul dreht durch und bringt die verbliebene Gruppe in seine Gewalt, während sich die Assistentin Tamara (Kathrin Angerer) und der Dorfpolizist Krause (Horst Krause) auf die Suche nach dem verlorenen Sohn machen. Die Kommissarin kämpft mit einem vollkommen gescheiterten Entführer und einem übereifrigem SEK-Einsatzleiter (Paul Faßnacht). In der Turnhalle nähert sie sich langsam Kieslowski an und kommt auch mit ihrer Tochter Annette (Bettina Kurth) ins Gespräch. Sie wollte den Sohn ihres Mannes abholen und versteht sich mit ihrer Mutter nicht. Sie wirft ihrer Mutter vor, sie nach der Scheidung von ihrem Vater ins Internat abgeschoben zu haben und ihr damit die Schuld am Scheitern der Ehe gegeben zu haben. Wanda versucht ihrer Tochter die Schuld zu nehmen.
Der Dorfpolizist findet Enrico schließlich im Elternhaus, während eine großangelegte Suche auf dem Bergbaugelände scheitert. Der Junge bricht sein Schweigen und gibt seine Schwester als Täterin preis. Der Vater nimmt die Schuld dennoch auf sich, und als er, die Waffe auf die SEK-Leute gerichtet, mit der Kommissarin die Turnhalle verlässt, tötet ein Schuß die Kommissarin.

Eine sehr triste Folge, die die das eigene Scheitern in den Vordergrund stellt. Eine Kommissarin, die sich spät mit ihrer Tochter aussöhnt, und ein Vater, der erst während der Geiselnahme bemerkt, was er mit seinem Alkoholismus angerichtet hat, zeigen familiäre Zerrüttungen deutlich auf. Die Darsteller überzeugen in ihren Rollen, wobei Axel Prahl herausragt. Die Geschichte hat einige Längen, kann aber dennoch überzeugen.

(Bild: Das Erste)

Love me tender

Wenn ich mir nach langer Zeit wieder einen Film anschaue, der mir damals sehr gut gefallen hat, frage ich mich gespannt, ob der Zauber anhält oder verfliegt. “Wild At Heart” von David Lynch habe ich am Ende meiner ausklingenden Jugend im Double-Feature mit “Blue Velvet” gesehen. Ich war von diesem Film sehr beeindruckt, und er war lange Zeit in meiner persönlichen Hitliste sehr weit oben.

Die erste Enttäuschung war die Synchronstimme (ich habe ihn damals OmU gesehen) von Nicolas Cage: Rolf Zacher war damals schon zu alt… Die Stimme von Laura Dern hingegen passt.
Die Erotik, die der Film damals auf mich ausgestrahlt hat, ist geblieben (auch wenn Lulas Satz “Ich bin heißer als der Asphalt von Georgia” eher beknackt ist). Ansonsten fehlt mir ein wenig der Pepp, was wohl auch an der fehlenden Leinwand liegen mag. Der Film lebt von den Bildern, die im Fernseher nicht so gut rüberkommen. Der kleine BIldschirm hat mir dafür eine detaillierte Ansicht von Bobby Perus weggeschossenem Schädel erspart. Tja, und das Ende, an dem dem Sailor Lula auf der Motorhaube “Love Me Tender” singt, passt wunderbar zu dem Film.

Die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank sehr gut. Nicolas Cage als Sailor ist eine Wucht, und Laura Dern als gamsig-hysterische Lula kommt auch sehr gut rüber. Ihren Hang, lange Schnuten zu ziehen, strapaziert sie auch nicht so sehr, wie ich es von “Blue Velvet” in Erinnerung habe. Ihre Mutter Diane Ladd spielt die gebrochene und aufgezehrte Mutter sehr eindrucksvoll. Willem Defoe als Ganoven-Hackresse Bobby Peru ist wirklich so schmierig gut, daß man wirklich Angst vor ihm bekommen kann.

Ich glaube, ich muß den Film nochmal mit anständigem Sound und großer Leinwand sehen. Für den Fernseher ist der nix. Deshalb ist der Zauber auch ein wenig verflogen…

Wenn eine Band aufhört, …

..bedeutet es noch lange nicht, daß ihre Musik nicht mehr gespielt wird. So hält sich bei mir die Freude über das Karriereende der Schürzenjäger in Grenzen. Denn “Sierra Madre” wird wohl auch in Zukunft in jdem Bierzelt auf der Wiesn gespielt werden…

Die neue Münchner Tram

Noch sind sie unterwegs – drei P-Züge (linkes Bild) fahren unter der Woche auf den Linien 19 und 27 (in den Schulferien auf der Linie 25). In eineinhalb Jahren werden die rund 40 Jahre alten Trambahnen (von denen es über 40 Züge gab) endgültig ausrangiert und durch vier schnittige, sogenannte Variobahnen ersetzt. Holzsitze, hohe Stufen und Heizungen, die den Namen wirklich verdienen, werden dann im Münchner öffentlichen Personennahverkehr der Vergangenheit angehören.
Wer also das unvergessliche Motorengeheul und den das wacklige Fahrgefühl noch geniessen will, hat nicht mehr allzu viel Zeit. Zur Auer Dult kommt man mit den alten Zügen an Wochenenden, wenn man mit der Linie E27 fährt.

(rechtes Bild: MVG)

Na, schon fündig geworden?

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