Monthly Archive for Juni, 2007

Rainald Grebe

Daß das Weiterverbreiten von Musik im Internet, selbige töten würde, halte ich für ein Gerücht, daß durch das ständige Wiederholen der Musikindustrie nicht automatisch an Wahrheitsgehalt gewinnt. Der griffige Slogan “Copy kills music” ist so gehaltvoll wie ein ein Hamburger…
Ich trete hier, nicht als erster und sicher nicht als letzter, den Gegenbeweis der weit verbreiteten Theorie an.
Cohu verdanke ich, daß ich auf Rainald Grebe gestoßen bin. Nach einem Dienst am Sonntag abend, an dem ich zum zweiten Mal binnen von acht Tagen mit “Bad” von Michael Jackson traktiert wurde, weil der örtliche Faschingsverein, der in der Turnhalle meines Arbeitgebers wöchentlich probt, seine Performance fürs nächste Jahr einstudiert. Ich verbrachte die halbe Nacht schallend lachend vor dem Bildschirm und habe das mitunter schräge Ansehen, das ich in meiner Nachbarschaft genieße, sicher aufs Neue bestätigt.
Bei der Suche nach einer Platte von ihm wurde ich nach längerem Überlegen (Amazon wollte ich das Geld nicht in den Rachen werfen) beim Beck fündig. Dort ist nicht nur die Jazz- und Klassik-Auswahl sehr gut, auch das Repertoire an Kabarettisten ist wirklich gut! Grebes erste Platte bekomme ich in gut zwei Wochen (bei Amazon nicht mehr erhältlich)…

Rainald Grebe, der mit Mitte 30 auf eine künstlerisch interessante Karriere zurückblicken kann (diplomierter Puppenspieler bei Ernst Busch, Dramaturg, Schauspieler und Regisseur in Jena), macht Musikkabarett mit schrägen Texten aus dem Alltag.
Auf der ersten Platte mit der Kapelle der Versöhnung (eine Drei-Mann-Combo mit “Tast-, Schlag- und Zupfinstrumenten”) beschränkt er sich nicht alleine auf die Komik, sondern lässt z.b. mit “Die Fete” auch melancholische Töne anklingen, in dem er die Tristesse, die ein Fest morgens um 5 bieten kann, beschreibt. Dennoch kann er auf einen griffigen Reim (“Ich trinke einen Averner / auf Johannes B. Kerner”) nicht verzichten. Fast schon grotesk wird es, wenn Grebe, der gerne mit Indianerschmuck aus dem Spielwarengeschäft auftritt, den mittelmäßigen Klaus im Country-Stil besingt. Eher klischeehaft wird es, wenn er die “Unterschiede” von Mann und Frau” (Autobild – Gala) thematisiert. Seinen Hang zu Hymnen lässt er mit “Brandenburg” freien Lauf.
Rainald Grebe kann es auf jeden Fall mit dem ebenfalls schrägen Funny van Dannen aufnehmen.

Und warum schreibe ich das alles?
Am kommenden Donnerstag (5. Juli) um 20 Uhr tritt Rainald Grebe mit der Kapelle der Versöhnung auf dem Tollwood im Schloß auf. Ich werde hingehen und bin wirklich gespannt, wie er auf der Bühne ist.

Bei YouTube gibt es einen amüsanten Überblick seines Schaffens (und in der Jungle World ein Interview). Da cohu “Brandenburg” schon verlinkt hat, nehme ich ein anderes Lied:


(Link: YouTube)

(Bild: Rainald Grebe)

Während und nach Flickr (II)

Dank rugen bin ich nun im Besitz eines Plus-Zugangs bei 23hq. Das bietet mir die Möglichkeit, diese Photogemeinschaft noch hemmungsloser zu testen.
Ich durchblicke diese Sache noch nicht recht, aber mir scheint, daß dieses dänische Photolager gerade die Gunst der Stunde nutzt, um neue Mitglieder zu werben.

Jetzt werde ich wohl doch einige Bilder nach Dänemark umsiedeln…

Bim, bim!

In der wunderbaren österreichischen Fernsehserie Kaisermühlen-Blues gab es die Figur des “Fünfers”, der eigentlich Franzi Mayerhofer hieß, geistig behindert war und sich einbildete, eine Straßenbahn zu sein.

Nun, so schlimm war es bei mir nicht, wobei ich meinem Hobby Straßenbahn früher sehr intensiv nachging. Als Kind schob ich mangels passender Modelle Plexiglas-Zahnbürsten-Verpackungen oder Lego-Eigenbauten hin und her und ahmte die Fahrgeräusche nach, während mein Großvater den Fahrer und alle Fahrgäste sprach. In den folgenden Jahren verschob sich das Hobby zu Wagenparkstatistiken (mein Affinität zu Tabellen in früheren Jahren wäre auch noch ein ergiebiges Thema). Mit meiner ersten (Pocket-)Kamera photographierte ich hauptsächlich Straßenbahnen.
Den Höhepunkt erreichte das Hobby mit 17, 18 Jahren, als ich einem Verein beitrat, der vor allem Sonderfahrten anbot und sogenannte Studienreisen unternahm. So lernte ich neben den Eigenheiten des Vereinslebens (u.a. Dosenbier um 6 Uhr morgens) auch Länder wie Polen und Rumänien (wo heute noch alte Münchner Trambanhnen rumfahren) kennen. Und ich weiß, was es bedeutet, sich am frühen Samstag vormittag bei schlechtem Wetter an einem Infostand aufzubauen, um für den Erhalt oder Neubau von Trambahnstrecken zu werben und Kaffeetassen mit Trambahnmotiven an den Mann zu bringen. Nach sechs Jahren mehr oder weniger intensiven Vereinslebens blieben immerhin zwei Freundschaften hängen und das Interesse für Verkehrspolitik.
Heute beschränke ich mich auf das Photographieren, einer Forenadministration und rege mich über die (Münchner) Verkehrspolitik auf. Dem Fahrzeugfetisch, der teilweise in Glaubenskriege ausartet, kann ich nichts abgewinnen. Wenn ich in einer anderen Stadt mit Straßenbahnbetrieb bin, freue ich mich, wenn eine Runde möglich ist.

In meiner Hochzeit wurde ich von meinen erstaunten Klassenkameraden und anderen, die mit diesem Hobby so gar nichts anfangen konnten, gerne gefragt, wie ich denn dazu gekommen sei.
Das Haus meiner Großeltern in Freiburg steht in unmittelbarer Nähe einer beschaulichen Straßenbahnhaltestelle. Vom Schlafzimmer aus hat man eine sehr gute Sicht auf vorbeifahrende Straßenbahnen. Mir wurde erzählt, daß mir als Kind häufig Trambahnfahrer nach dem Aussteigen hinterhergeklingelt hätten. Einen genetischen Erklärungsversuch gibt es auch noch. Mein Urgroßvater war Vorsteher eines kleinen Eifelbahnhofs.

Während ich diesen Text durchlese, stelle ich fest, daß ich dieses Hobby schon sehr exzessiv ausgelebt habe…

Hübsch, adrett und langweilig

Nein, schön war es wirklich nicht. Genau genommen war es sogar richtig greislig. Und es polarisierte nicht nur in Schwabing. Aber man hat darüber gesprochen, geschimpft und geflucht. Dann wurde es abgerissen und wich einem Neubau, der zwar nicht annähernd so hässlich war wie sein Vorgänger, dafür an Beliebigkeit nicht zu überbieten ist. Heute scheint man sich dieses Gebäudes immer noch so zu schämen, daß im Netz kein Bild aufzutreiben ist: das alte Hertie-Hochhaus an der Münchner Freiheit, das den Blick aufs Siegestor ein wenig (na ja, eigentlich zimlich stark) verblendete.
Wenn man heute durch Münchens Neubaugebiete schlendert (flanieren wäre dann doch sehr euphemistisch) begegnet einem die Belanglosigkeit. Es ist alles hübsch, adrett – und langweilig. Sei es am Arnulfpark, am Ackermannbogen, an der Panzerwiese oder an der Messestadt…

Aber eigentlich sollte ich nicht nur nörgeln, denn es gibt auch wenige, positve Beispiele…

Aber eigentlich muß man in den Untergrund gehen, um interessante Architektur zu sehen. Da spielt es keine Rolle, daß die Vorgaben immer gleich sind: es gilt, einen U-Bahnhof mit zwei Gleisen zu gestalten. Einen interessanten Überblick über das Schaffen der vergangenen 36 Jahre gibt’s beim FloSch.

…und dann über Killerspiele entscheiden wollen

Daß Politiker sich gerne zu Dingen äußern, von denen sie keine Ahnung haben, ist nichts Neues. Häufig fällt es nicht mal auf. Richtig peinlich wird es allerdings, wenn sie zu den mittlerweile einfachsten Dingen des technischen Lebens befragt werden und vor Kinderreportern alle Hüllen fallen lassen…


(Link: YouTube)

Gefunden bei Pachulke.

Während und nach Flickr

Während sich der Rauch um Flickr einigermaßen gelegt hat, war ich nicht untätig. Ich teste seit einigen Tagen Alternativen zu der Yahoo-Fotogemeinschaft.
Ich habe mich bei 23hq und Ipernity (herzlichen Dank an Sopran für diesen Tip!) angemeldet. 23hq scheint mir etwas belebter zu sein, bietet mir aber wenig Möglichkeiten, Bilder in mein kleines Blog einzubinden. Dafür kann man Gruppen gründen und / oder beitreten. Ipernity hat das für mich größte Hindernis mittlerweile ausgeräumt: Es gibt mittlerweile eine englische Übersetzung, was für den Sohn einer frankophilen Mutter, der kein Französisch kann, eine große Hilfe ist. Die französische Seite bietet zwar keine Gruppenbildung, dafür die Möglichkeit, kleinformatige Bilder auf dieser Seite einzubinden.
Den kompletten Flickr-Komfort bietet keine der beiden Seiten. Da mein Pro-Zugang bei Flickr noch einige Zeit läuft, habe ich noch genügend Zeit, diese und eventuell andere Alternativen zu testen und zu beobachten.

Meine Befürchtung ist allerdings, daß beide Seiten entweder den kommerziellen Flickr-Weg (von wem auch immer sie übernommen werden mögen) gehen oder heimlich, still und leise eingehen…

Rosa Kitsch

Filmmittwoch im Ersten: Ich bin eine Insel

Eigentlich werden am “Filmmittwoch” der ARD immer wieder ganz gute Filme gezeigt (u.a. die wirklich gute Reihe “Bloch” mit Dieter Pfaff). Diesmal aber nicht, was der Plot und die Hauptdarstellerin schon prophezeihten.

Lena Thea Winkler (Ulrike Folkerts) war Lehrerin. Sie hängte ihren Job an den Nagel, nachdem ein Schüler bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Sie fuhr den Wagen, in dem auch ihr zukünftiger Ex-Mann (Heio von Stetten) saß, der seitdem unter seiner Migräne und unter seiner Zwillingsvaterschaft leidet. Lena betreibt jetzt einen Kiosk, in dem sich die pummelige Rosa (Tülin Karaca) vor allem Süßigkeiten kauft. Rosa hat keine Freundinnen und eine alleinerziehende Mutter, die immer nur leere Versprechung macht, aber nie Zeit für sie hat. Der Kontakt zu Thea wird enger, als sie sich den Avancen ihres neuen Nachbarn erwehren will und vorgibt, die Mutter von Rosa zu sein. Rosa will Ballettänzerin werden und schafft es, daß Thea sie zum Vortanzen begleitet. Das geht natürlich schief, weil das Mädel sich nicht bewegen kann, und die Spaghettiträger ihres Gymnastikanzugs reissen. Obwohl Thea Rosa in klassischer Odenthal-Manier reinen Wein einschenkt (sie rät ihr zum Schachspiel), lässt das Mädchen von ihr nicht los. So bringt Thea Rosa das Schwimmen bei. Vollkommen übermütig ertrinkt das Mädchen fast im See. Das bringt die beiden endgültig zusammen und Rosa feiert ein gelungenes Vortanzen und Thea arbeitet wieder als Lehrerin.

Ulrike Folkerts sollte anscheinend feminin wirken, deswegen hat man sie ständig in unpassende Röcke und Kleider gesteckt. Die Darstellung der Mutter (Rosa Enskat) als ehrgeizige Karrierefrau war sehr eindminsional und klischeebehaftet. Die Rolle des Mädchens, das fast immer immer essend oder mit Chips beladen gezeigt wurde, hatte so gar nichts Liebenswertes.
Was sollte der Film zeigen?
Kinder, esst nicht so viel? Es gibt im Leben immer eine zweite Chance? Oder wollte man einfach nur zeigen, daß Ulrike Folkerts nicht nur die taffe Kommissarin spielen kann (deshalb hat sie wohl auch am ersten Schultag nach ihrem Wiedereinstieg ganz lässig einem Schüler die Fluppe aus dem Mund genommen)?
Es ist gleichgültig, denn der Film ist vollkommen misslungen.

Und am kommenden Sonntag gibt’s wieder einen Tatort aus Ludwighafen…

(Bild: Das Erste)

Summer of ’88

Eigentlich bin ich kein Anhänger von Bryan Adams’ Musik. Genau genommen finde ich ihn richtig schlecht. Seine Musik ist recht langweilig, er strahlt überhaupt nichts aus und taucht nie in den Klatschspalten auf, und seine Fans schätzen ihn für seine Natürlichkeit. Nun ja, wer’s mag. Wenn die Musik schon nicht so perlt, sollte doch zumindest das Privatleben opulent sein…
Dennoch habe ich eine CD von ihm im Regal stehen: “Reckless”, die 1984 herausgekommen ist. Daß ich diese Platte habe, hat einen Grund: sie erinnert mich immer wieder an meine erste Auslandsreise, die ich ohne die Obhut des Elternhauses unternommen habe. Meine Mutter meinte in bester Absicht, mein miserables Englisch könnte sich verbessern, wenn ich an einer Sprachreise teilnähme.

So landete ich, noch 15-jährig, in Bournemouth. Das liegt an der Südküste Englands und ist ein bliebetes Urlaubsziel. Bournemouth gehört zu den sonngsten und wärmsten Orten auf der Insel. Ich weiß gar nicht mehr, wieviele Halbwüchsige wir waren, aber 20 junge Menschen zwischen 15 und 18 Jahren dürften wir wohl gewesen sein. Schon bevor die Reise losging (es gab einige Vortreffen), verliebte ich mich hemmungslos in N. aus dem beschaulichen Harlaching, das meine Avancen zumindest nicht ignorierte. Diese Geschichte sollte mich während der drei Wochen ziemlich beschäftigen. So viel kann ich an dieser Stelle verraten (weil sie für den weiteren Verlauf keine Rolle spielt): sie ging nicht gut aus.


Schon auf der Anfahrt zeigte sich, daß diese Reise zwar nicht mein Englisch signifikant verbessern sollte, aber zumindest meine Schlafgewohnheiten. Mit einer damals aus der DDR Ausgereisten machte ich die Nacht im Zug nach Oostende durch. Auf der Fähre nach Dover wurde der Liebeskranke dann auch noch seekrank, bevor die Reise über London (mit dem Zug) ca. 24 Stunden später in Bournemouth endete. Auf einem Rastplatz machte ich erstmals mit den englischen Essgewohnheiten Bekanntschaft. Die Auswahl bei Wimpy schreckte mich ab, so daß ich dankend auf die dort angebotenen Burger verzichtete. Daß das Essen in den weiteren drei Wochen nicht besser werden sollte, ahnte ich an dem Abend nicht. Labbriger Toast, warme Mahlzeiten aus der Mikrowelle, seltsam schmeckende Chips – bis heute der Hauptgrund, warum ich seither britischen Boden nicht mehr betreten habe. Eine Mikrowelle habe ich auch bis heute nicht.

Nach Anbruch der Dunkelheit kamen wir in Bournemouth an und wurden von unseren Gastfamilien in Empfang genommen. Das war ein witziges Paar. Er hieß genauso wie ich und war Musiker, sie hieß Sharon und arbeitete in einem Pub. Gemeinsam hatten sie einen vierjährigen Sohn und fanden die Politik von Magret Thatcher gut. In dem kleinen Haus wohnte noch ein befreundetes Paar (das so aussah, als hätte es ständig Sex miteinander) und ein blonder italiensicher Sprachreisender, der zwei Tage nach unserer Ankunft im großen Park zusammengeschlagen wurde. Ich teilte mir ein Zimmer mit einem “Feind”: er kam vom Max.
Das Familienleben war ein Kulturschock – es fand nicht statt.. Der Fernseher lief schon am Morgen, wenn wir uns zum Frühstück begaben. In der Früh lief eine moderierte Kindersendung, in der ein bunt gekleideter Mann mit bunter Brille rumhüpfte und mit hoher Stimme ins Wohnzimmer schrie. Dazwischen liefen Zeichentrickfilme. Den Sohn des Hauses, für den das offensichtlich eingeschaltet wurde, interessierte es kaum. Einmal erlaubte ich mir den Fernseher auszumachen. Zehn Minuten später lief die Kiste wieder. Es gab eigentlich nur einen Anlass, zu dem sich wirklich alle im Haus Anässigen vor dem Bildschirm versammelten: bei der Geburt von Fergies Tochter Beatrice.

Am ersten Tag stand vormittags ein Test an, das die Spreu vom Weizen trennen sollte. Daß ich zur Spreu gehören würde, war eigentlich von Anfang an klar. Wir wurden dort auch mit “Dr. and Mrs. Luckman” konfrontiert, die die Sprachenschule leiteten, konfrontiert. Er war ein weißhaariger, älterer Herr und sprach sehr bedächtig. Seine Frau war ca. zehn Jahre jünger und sprach weniger zurückhaltend. Vor allem endete ungefähr jeder zweite Satz mit einem hoch endenen Lachen. Uns wurde ihre Art als britischer Humor verkauft. Ich fühlte mich ein wenig an Ludwig Thomas Lernstudio beim Hauptmann Semmelmaier erinnert. Ob beide eine ähnliche Karriere hatten, weiß ich nicht. Wahrscheinlich nicht. Da ich zur Spreu gehörte (schwacher Trost: N. war auch in meiner Gruppe), hatte ich mit dem Ehepaar in den weiteren Stunden nichts zu tun. Dafür hatten sie eine Frau, an die ich mich so gar nicht mehr erinnern kann.
Zum Unterricht fuhren mit den gelben Bussen. Im Gegensatz zu den meisten deutschen Verkehrsbetrieben, hat jede Richtung ihre eigene Liniennummer. Als Fahrgast brauchte man eine Menge Geduld, denn die Busse (auch die Doppeldecker) hatten nur eine Tür. So dauerte jede Fahrt ziemlich lange, und es war faszinierend zu beobachten, wie sich alle, ohne zu drängeln und zu schubsen, in Reih und Glied aufstellten, um in den Bus zu kommen. Es gab auch kein Meckern, als es eine aus unserer Gruppe, der es während jeder Fahrt schlecht wurde, nicht mehr ganz nach draußen schaffte. Der Fahrer wischte alles provisorisch weg und meinte an der Haltestelle nur freundlich: “Be careful, it’s slippery.”… Im Oberdeck durfte geraucht werden, davon hatte ich damals allerdings noch nix.

Nicht vergessen will ich den Grund, warum viele Engländer nach Bournemouth fahren: den Strand! Wenn die Stadt das Motto „Pulchritudo et salubritas“ (Schönheit und Gesundheit) hat, muß ja etwas dran sein. Hm, das Wetter war nicht besonders. 15 bis 20 Grad bei trüben Himmel waren eigentlich die Regel (wenn es nicht geregnet hat). Aber das hielt die angereisten Briten (und uns) nicht davon ab, sich trotzdem an den Strand zu legen. So gab es auf dem hellen Sand sehr viel bleiche Haut zu sehen. Ich habe ihn wirklich sehr sauber in Erinnerung. Dennoch stellte ich sehr bald fest, daß das nutzlose Rumliegen nichts für mich ist (was sich Jahre später während einer Italienfreizeit mit Jugendlichen bestätigte).

Ach ja, ein “Kulturprogramm” gab es auch. Wir waren einen Tag in Stonenhenge. Ich konnte mit dem Haufen Steine allerdings nichts anfangen, wofür ich mir zuhause einen ziemlichen Rüffel eingefangen habe. Aber auch bei heutiger Betrachtung erschließt sich mir dieses Bauwerk nicht.
An den Londonbesuch erinnere ich mich nur noch fragmentarisch. Es war ziemlich heiß (einer wenigen wirklich schönen Tage), und wir sind vor dem Buckingham-Palast in irgendeine Parade geraten. Der Verkehr war wirklich beeindruckend – vom blauen Himmel hat man nicht viel gesehen.
Unser Gastfamilie war leider nicht gewillt, uns etwas von ihrer Gegend zu zeigen. An den Wochenenden, wo wir keinen Unterricht hatten, zog sie es vor zu schlafen…

Das Nachtleben stellt für Halbwüchsige, wie wir es waren, eine Herausforderung dar. Ich weiß nicht mehr, wie wir es angestellt haben, aber in viele der Pubs sind wir auch als Minderjährige reingekommen. Unsere Gastmutter, die im “Bear Cross” arbeitete, war zwar not amused, wenn sie uns erblickte, aber anscheinend wollte sie sich es mit uns nicht verscherzen.
Auf jeden Fall wurde ich, der bis zu dieser Reise immer ein Frühausfsteher war, ein Langschläfer.

Als einer, der seine Pubertät nicht verklärt (eigentlich fand ich sie nur grauenhaft), war diese Reise trotz des geringen, schulischen Erfolgs, der Höhepunkt der pickligen und stimmbrüchigen Jahre.

(Bilder: Amazon: [1]; Wikipedia Commons [2], [4], [5]; Flickr [3])

Ein Königspudel?

George W. Bush verabschiedete sich in der Sun vom zurückgetretenen britischen Premierminister Tony Blair (warum eigentlich nicht mit einer Videobotschaft?) . Dabei bezog er sich auch auf den Vorwurf, Blair sei nur sein Pudel:

I’ve heard he’s been called Bush’s poodle. He’s bigger than that.

Cinquecento

Fiat legt den legendären 500 wieder auf und reiht sich nach einigen Jahren der Verzögerung hinter Jaguar, VW, BMW und anderen ein, die damit mehr oder weniger erfolgreich sind. Ich will gar nicht die Frage erörtern, ob es gut ist, die Retrowelle auch auf den Straßen weiterzuführen. Da ich Autos nicht sonderlich zugetan bin (ich habe, wie einige wissen, nicht mal einen Führerschein), ist sie für mich zweitrangig.
Beim Lesen der letzten SZ vom Wochenende, in der im Autoteil über die anstehende Neuauflage des Cinquecento berichtet wurde, ist mir nur eine wunderbare Begegnung eingefallen, die ich an dieser Stelle sehr gut loswerden kann.

Zu Schulzeiten haben wir eine Radltour durch die Toskana unternommen, was im August natürlich vollkommener Irrsinn ist.
Wir waren auf dem Weg von Florenz nach Siena, als rund 15 Kilometer hinter Florenz aus einer Querstraße ein roter Fiat 500 auf die Hauptstraße abbiegen wollte. In diesem Auto saßen drei Frauen, alle zwischen 70 und 80 Jahren. Sie hatten in dem Auto viel Platz Platz und kamen (mit dem Auto) wohl auf gut 250 Jahre. Leider hatten wir keinen Photoapparat dabei. Aber es war ein Bild für die Ewigkeit!

(Bild: Wikipedia Commons)

Pages: 1 2 3 Next