Übergewichtige Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche mit zu vielen Pfunden, sind gerade wieder aktuell (und Gegenstand von Ernährungsprogrammen). Die Politik hat den Handlungsbedarf erkannt (cohu hat es vor kurzem thematisiert) und die Schuldigen auch schon ausgemacht: Die Lebensmittelkonzerne sind schuld. Es wird wild über das Verbot von Süßigkeiten in Jugendeinrichtungen, Werbeverbote für Chips und Süßigkeiten schwadroniert. Wahrscheinlich ist es auch zu verurteilen, daß Thomas Gottschalk für Haribo Werbung macht? Ich meine, nein. Die Kennzeichnungspflich mit einem Ampelsystem (die in England recht erfolgreich sein soll) scheint zumindest auf Bundesebene vom Tisch zu sein. Es geht auch nicht darum, die Lebensmittelkonzerne frei von Schuld sprechen, die heute Hamburger und Pommes als gesunde Ernährung verkaufen können.
Das Problem ist anders gelagert. Es ist wirklich befremdlich (in jeder Beziehung), wenn eine diplomierte Pädagogin vor Millionenpublikum Familien beibringen muß, daß ein Esstisch und damit verbundene Rituale wie gemeinsame, frisch zubereitete Mahlzeiten wichtig sind. Werbeverbote müssten nicht erst diskutiert werden, wenn Kinder nachmittags nicht alleine und verloren vor der Glotze säßen. Da sind gelbe, grüne oder rote Punkte auf den Verpackungen wenig hilfreich (daß sie dem autonomen Verbraucher auch noch das Denken abnehmen, ist ein anderes Thema).
Aber es gibt durchaus Punkte, in denen die Politik wirkungsvoll handeln könnte: Es wäre schon viel geholfen, wenn es genügend Freiflächen geben würde, auf denen sich Kinder und Jugendliche austoben können. Eine sinnvolle Ernährungspolitik könnte darauf hinwirken, daß nicht immer der großspurigen Lobby nach dem Mund geredet wird. Daß der Liter Milch für 55 Cent zu haben ist, ist zwar spottbillig, zeugt aber von wenig Respekt gegenüber der Herstellung von Lebensmitteln.
Ein anderes Problem wird dabei vollkommen unter den Tisch gekehrt: die zunehmende Magersucht von Kindern und Jugendlichen. Die dürrren Vorbilder laufen allerdings nicht im Nachmittagsprogramm rum, sondern präsentieren sich zur besten Sendezeit (“Germany’s next Topmodel“). Dazu schweigt die Politik allerdings. Der Ernährungswissenschaftler Udo Pollmer drückt es etwas drastisch aus:
Was uns Sorge bereitet, ist die wachsende Anzahl untergewichtiger Jugendlicher. In den Großstädten hat die Zahl der anorektischen bzw. kotzenden pubertierenden Mädchen die Zehn-Prozentmarke überschritten. Hier ist Gefahr im Verzug – eine Gefahr die wir nicht zuletzt eben diesen Aufklärungskampagnen verdanken.
Daß Mangel- bzw. Unternernährung nicht nur auf das Verbreiten falscher Vorbilder zurückzuführen ist, beweist die Kinderarmutsstudie der Unicef…
Das Thema Ernährung ist, das zeigt die allgemeine Diskussion leider nicht, viel zu vielschichtig, als daß sie auf ein Problem reduziert werden kann. Daß sie auch nicht glaubwürdig ist, demonstrieren unsere zum großen Teil übergewichtigen Politiker…
Nachtrag:
cohu hat hier weitere Gedanken formuliert.
Den
Eine Literaturagentin, die sich später als Bestsellerautorin entpuppt, wird am Rande der Leipziger Buchmesse in einem Stundenhotel ermordet aufgefunden. ERbsensuppe spielt wohl auch eine Rolle in der Folge. Mals schauen, wie bekömmlich die ist…
Über die Playlist des Bayern3-Mdoerators
Sonderermittler Moritz Eisner (
Fremdneurosen