Fortbildungen und Tagungen, die länger als einen Tag dauern und außerhalb der beruflichen vier Wände stattfinden, haben einen entscheidenden Vorteil: man muß sich nur pünktlich zum vereinbarten Treffpunkt versammeln, ansonsten bekommt man fast alles hinterhergetragen. Vor allem muß ich mich nicht mit der Frage beschäftigen: “Was esse ich heute abend, und wo kaufe ich ein?” Als “Heimarbeiter”, wo die Essenszubereitung viel Raum einnimmt, weiß ich das umso mehr zu schätzen.
Dennoch ist nach drei Tagen die Schmerzgrenze wieder erreicht.
Als Angestellter im sozialen Bereich halten sich nämlich Komfort und Luxus in einem überschaubaren Rahmen. Die Hotels oder Tagungshäuser (im Extremfall sind es Einrichtungen, die Internatszimmer zur Verfügung stellen), die man für solche Veranstaltungen aufsucht, bewegen sich nicht im gehobenen Preissegment. Wenn man Glück hat, merkt man das nicht am Essen (aber häufig schon), sondern nur an der Ausstattung der Zimmer. Man kann sich nicht mal abends zurückziehen, um ungestört via Premiere Champions League zu gucken, weil diese Häuser keine Decoder haben, und man sein Zimmer meistens teilen muß.
Aber als Kaffeegenießer muß man erhebliche Abstriche machen. Daß Kaffee kein Luxus mehr ist, merkt man, daß es unaufgefordert viel Kaffee gibt. Aber er wird in Thermoskannen (größere Häuser greifen gerne auf die Pumpkannen zurück) serviert, und es wird grundsätzlich Kondensmilch dazu gereicht. Zum Frühstück kann man wenigstens noch auf die Milch, die fürs Müsli vorgesehen ist, ausweichen. Zum Glück ist dieser Kaffee nicht so stark, daß es auch nicht weiter auffällt, wenn man sich den Muckefuck aus reinem Automatismus, der mangels aktiver Beschäftigung sehr schnell einsetzt, literweise reinschüttet.
Bestellt man zur Abwechslung einen Cappuccino oder einen Espresso, wird erst so richtig offensichtlich, welche Kenner die Maschine bedienen (wenn sie überhaupt eine Maschine haben). Auch in ländlicher Umgebung haben die Vollautomaten Einzug gehalten, die zwar alles auf Knopfdruck machen, aber eben nicht gut…
Auf eine besonders harte Probe wird man dann gestellt, wenn als Dessert zum letzten Mittagessen Eiskaffee angeboten wird. Man bekommt gnadenlos den kalten Kaffee, der vom Frühstück übriggeblieben ist, in den Eisbecher geschüttet.
Es ist eigentlich immer das Gleiche. Ich trinke während dieser Tage immer sehr viel Kaffee, muß aber, wenn ich nachhause komme, einen schönen Cappuccino machen, sie es mit der klassischen Espressokanne oder mit meiner Giulia, die ich endlich mal zum Reparieren bringen müßte…
Fremdneurosen