Monthly Archive for März, 2007

Geschrei im Wartezimmer

Zu meiner Arbeit gehört es, Bewohner, denen es nicht gutgeht zum Arzt zu begleiten, und das Krankheitsbild zu beschreiben, etc.. Da die Bewohner in der Regel unter 18 Jahre alt sind, suchen wir häufig die Kinderarztpraxis, mit der wir zusammenarbeiten, auf.

Heute war es wieder mal so weit. Einer der Betreuten klagte über Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Nach einer Wartezeit von ca. zehn Minuten wurden wir ins Behandlungszimmer gebeten. Kurze Zeit später ertönte eine heftiges und langanhaltendes Plärren. Ich dachte, daß dem armen Tropf gerade Blut abgenommen wird, so heftig war das Geschrei.
Kurze Zeit später kam der Arzt zu uns. Ich sagte ihm recht flapsig, daß er den Kindern nicht viel Freude bereiten würde. Er entgegente recht lakonisch: “Der war noch gar ned dran. Des is a Erziehungsproblem.” und wandte sich “meinem” Patienten zu.
Als wir, versehen mit den entsprechenden Rezepten, das Arztzimmer verließen, schrie der Kleine (schätzungsweise zwei Jahre alt) weiterhin und schritt dabei den Gang auf und ab.

Ich bewundere Kinderärzte wirklich für die Geduld und Nervenstärke, die sie häufig aufbringen müssen.

Bild mir mein Programm!

Das neueste Produkt aus dem Hause Springer ist eine Fernsehzeitung und nennt sich “tv guide”. Seit einigen Tagen wird diese Zeitschrift intensiv beworben und zwar mit dem für den Axel-Springer-Verlag durchaus nicht unprogrammtischen Slogan: “Weniger lesen! Mehr fernsehen!”
Passender kann man das Bildungs-Dilemma wirklich nicht auf den Punkt bringen.

Damit dieser Text nicht zu lang wird, schließe ich mit dem alten Springer-Spruch: “Fernsehen wird durch Bild erst schön!”

Vor dem Jüngsten Gericht: Dr. Antje-Katrin Kühnemann

Muenchenblogger vermeldet heute unter Berufung auf die Abendzeitung, daß Ende des Jahres die Sendung “Sprechstunde” im Bayerischen Fernsehen eingestellt wird. Das ist eine gute Nachricht, auf die ich gar nicht mehr zu hoffen gewagt hatte!

Sie wird geleitet und moderiert von Dr. Antje-Katrin Kühnemann, die mich nicht nur gefühlt, sondern auch wirklich seit meiner Kindheit verfolgt. Ich habe sie zum Glück nie bewußt in einer von ihr früher moderierten Kindersendung gesehen (das hätte ich mir gemerkt!), aber gerade in den Zeiten, als man in München lediglich fünf Fernsehprogramme empfangen konnte, erschien sie sie mir sehr präsent.
Ihre schulmeistlerliche und betuliche Art zu moderieren empfand ich schon immer sehr abstoßend – belehren umschreibt ihren Stil eigentlich wesentlich besser.
Daß sie im Aufsichtsrat des Pharmakonzerns Togal saß, macht sie als Fernsehärztin auch nicht gerade glaubwürdig. Es wundert mich, daß das nie großartig thematisiert wurde. Dagegen ist Kerners Liaison mit Air Berlin fast schon ein läppischer (wenn auch lang andauernder) Irrflug…

Bei der Recherche für diesen Artikel habe ich überrascht festgestellt, daß Frau Dr. Kühnemann im Februar erst 60 Jahre alt geworden ist. Sie schaut zwar seit 30 Jahren gleich aus, aber ich habe sie wirklich gut zehn Jahre älter geschätzt – und nicht drei Jahre jünger als Uschi Glas (auf die ich ein andermal näher eingehen werde).
Aber ich danke dem BR, daß er die Rente ab 67 nicht auf Biegen und Brechen durchzieht!

Ihr Magazin soll durch eine Wellness-Sendung ersetzt werden. Es ist eine weise Entscheidung des BR, den Spagat zwischen Kühnemann und Wohlbefinden nicht vollziehen zu wollen.

Sollte ich nach meinem Ableben wirklich vor dem Jüngsten Gericht landen, befürchte ich, vor ihr zu stehen. Ich werde den Gang ins Fegefeuer wählen.

Wer übrigens wirklich eine gute Gesundheitssendung sehen, oder besser: hören, will, dem empfehle ich das “Gesundheitsgespräch” mit Dr. Marianne Koch, das jeden Samstag um 12 Uhr auf Bayern 2 zu empfangen ist.

Champagnerlaune bei den Genossen

Michael Naumann soll gegen Ole von Beust antreten

Gestern war Urabstimmung, heute ist Naumann!
Tausend verschüttgegangene Briefe machten machten die pseudodemokratische Abstimmung der Hamburger SPD, wer gegen Ole von Beust antreten darf, zur Farce. Immerhin wurden die außerhalb Hamburgs wohl unbekannten SPD-Größen Mathias Petersen und Dorothee Stapelfeldt überregional mehrfach erwähnt – wenn auch nur als Lachnummer. Nun ja, bad news are good news, heißt es immer so schön. Was Urabstimmungen zur Folge haben können, hat die SPD 1993 schon erfahren dürfen…
Die Nase war anscheinend noch nicht blutig genug, so fragte man noch beim ehemaligen Ersten Bürgermeister Henning Voscherau nach, dessen Rückkehr in die Politik man im Vorjahr noch erfolgreich verhindert hatte. Der lehnte dankend ab.

Ich kenne mich in der Hamburger SPD nicht aus, aber die Not scheint arg groß gewesen zu sein. Dem Fraktionsvorsitzenden Michael Neumann traute man es wohl auch nicht zu, gegen Ole von Beust anzutreten. Es wird das Geheimnis der Hamburger SPD bleiben, ob man einfach mal eben das e gegen das a getauscht hat, zufällig das Impressum der Zeit gelesen hat oder einen Tip vom Genossen und Mitherausgeber der Zeit, Helmut Schmidt, bekommen hat.

Ich teile die Freude des anderen Holtzbrink-Blattes Tagesspiegel. Der habilitierte Genosse tritt gegen den smarten Adligen an. Von Klassenkmapf kann man da nicht sprechen, aber die Vorstellung eines glamourösen GALA-Wahlkampfes gefällt mir sehr gut. Ich schlage noch einen Laufsteg auf dem Jungfernstieg vor. Die Abschlußkundgebungen sollen im Thalia-Theater bzw. im Schauspielhaus stattfinden!

Naumanns politische Karriere ist überschaubar. Er diente dem Boss der Genossen, Gerhard Schröder, zwei Jahre als Kultusstaatssekretär und schaffte es immerhin, dieses Amt mit Leben zu füllen, ohne daß man wirklich wußte, was konkret seine Aufgabe war. Danach folgte er dem Ruf der Zeit, der er zusammen mit “Mr. Nato” (Harald Schmidt) Josef Joffe nach der profillosen Zeit unter Roger de Weck als herausgebender Chefredakteur wieder auf die Sprünge half.

Ich frage mich aber, was Michael Naumann zu dieser Entscheidung bewogen hat. Ist ihm das Herausgeber-Dasein zu schnöde? Vielleicht hat ihn dieser Ausspruch von Karl Kraus, über den er seine Dissertation geschrieben hat, seine Entscheidung beeinflusst:

“Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können – das macht den Journalisten.”

Sollte Michael Naumann wirklich zum Kandidaten gekürt werden, darf das Buffet während dieses Parteitages nicht proletarisch sein. Krabben statt Fischbrötchen! Rotwein statt Alsterwasser!

In der Champagnerlaune sollte die SPD dennoch schon mal jemanden bestimmen, der die Kandidatur rechtzeitig im Rathausbriefkasten einschmeißt.

Champions League Achtelfinale: Bayern München – Real Madrid

[23:29] Kai Pflaume durfte sich noch einmal zu dem Spiel äußern. Er sah das “vielleicht das beste Spiel der Bayern im vergangenen Jahr”. Hm… Wenn man von dem Inter-Spiel absieht, hat er damit leider nicht unrecht. Für die Analyse bekam er gleich Premiere Flex

Der Spieltag hat einige Favoritenstürze mit sich gebracht. Die letztjährigen Finalisten, FC Barcelona und Arsenal London, sind draußen, das Ausscheiden von Olympique Lyon darf auch als Überraschung angesehen werden. Der PSV Eindhoven zeigt sich wieder sehr unbequem und schafft es zum zweiten Mal in Folge ins CL-Viertelfinale. Ansonsten gibt es keine Überraschungen.
Aus Bayern-Sicht befinden sich folgende Mannschaften im Lostopf:
AS Rom, FC Valencia, FC Liverpool, FC Chelsea, AC Milan, PSV Eindhoven und Manchester United.
Ein Wunschgegner ist das wirklich nicht dabei. Fürs Halbfinale sehe ich schwarz…

[23:08] Kalle Rummenigge zeigt sich im Nachtarok als schlechter Sieger. Die Ampelkarte für van Bommel ging vollkommen in Ordnung. Das Beharken mit Diarra und das Meckern beim Schiri waren absolut unnötig – ebenso wie das Einsteigen in der ersten Halbzeit. Es war ein Platzverweis mit Ansagen – van Bommel hat das wohl überhört. Auch den Elfer konnte man geben, auch wenn sicher klarere in anderen Spielen nicht gegeben wurden. Ich würde mir wünschen, wenn Funktionäre das eingeforderte Fingerspitzengefühl bei sich ansetzen würden. Das wäre wirklich ein großer Gewinn.

[22:40] Bayern zittert sich ins Viertelfinale.
Es war kein großes Spiel. Bayern zeigte sich zum wiederholten Male in der Abwehr indisponiert und hatte Glück, daß Real daraus kein Kapital schlagen konnte. Bayern hatte mehr Chancen, während Real sich auf Geniestreiche zu verlassen schien. Bayern wirkte mannschaftlich geschlossener. Real muß schauen, wieder eine international schlagkräftige Mannschaft aufzubauen. Casillas, Diarra, Gago, Sergio Ramos, mit Bastichen Robinho und van Nistelrooy könnten ein Korsett sein. Raul wirkt ein uninspiriert. Bedauerlich, diesen Fall anzuschauen.

Ein vorweggenommenes Final war diese Spiel sicher nicht. Dafür war es letztlich zu schwach. “Champions TV”, wie es Sat 1 unter seinem Logo während der Übertragung suggerierte, war das nicht. Bayern bleibt das Schicksal, das Real jetzt hat, vorerst erspart. Real ist aus der Champions League draußen und kann in der Meisterschaft nix mehr reissen. Bayern wittert dagegen Morgenluft. Eine schwächelnde Bundesliga-Spitze und ein wackliger Sieg über Real Madrid lassen sie Blut lecken.
Dennoch kann man nicht drüber hinwegsehen, daß die Mannschaft viele Lücken offenbart. Salihamidzic ist sicher an seine Grenzen gegangen (war aber auch verletzt). Lucio und van Buyten harmonieren überhaupt nicht. Sloide Leistungen wie die von Lahm und Sagnol werden nicht ausreichen, um über das Finale nachdenken zu können. Schweinsteiger versucht über den Kampf ins Spiel zu kommen. Aber ich glaube, daß er diese Saison nicht mehr groß zurückkomen wird. Schöpferische Pausen sind für ihn nach dem Ze Roberto-Abgang nicht möglich. Van Bommel ist eine wichtige Figur im Bayern-Spiel – er wird im Viertelfinal-Hinspiel fehlen. Podolski und Makaay arbeiten viel für die Mannschaft. Aber gerade bei den beiden scheint Hitzfeld die richtigen Töne zu finden. Auf der Bank tun sich nicht allzu viele Alternativen auf. Scholl ist verletzt, Görlitz arbeitet sich nach seiner Verletzung wieder ran. Ismaels Comeback in der Regionalliga-Mannschaft weckt Hoffnungen auf eine starke Alternative in der schwächelnden Innenabwehr.

[22:35] Ramos bekommt das 2:2 wegen Handspiels nicht. Glück für Bayern, die noch vier lange Minuten überstehen müssen.

[22:33] Hitzfeld will den Laden dichtmachen. Demichelis kommt für den in der zweiten Halbzeit schwächeren Podolski ins Spiel.

[22:30] Salihamdzic darf nach starkem Auftritt vom Platz. Görlitz kommt dafür ein.

[22:28] 2:1! Lucio bringt Robinho zu Fall. Van Nistelrooy verwandelt den Elfer.
Van Bommel und Diarra kassieren Gelb-Rot. Zumindest von van Bommel eine absolute Dummheit – wegen Meckerns! Man kann wirklich vermuten, daß in ihm noch viel Barca-Blut steckt…

[22:22] Real braucht zwei Tore. Capello nimmt den engagierten Gago raus und schickt Robinho auf Torejagd.

[22:14] Pizarro kommt für Makaay.
Makaay hat gut gespielt, sich viel bewegt – und das 1:0 gemacht. Pizaro darf sich wohl mal wieder für eine Vertragsverlängerung empfehlen.

[22:12] 2:0! Lucio köpft nach Eckstoß ins Tor.
Das Tor kommt zur richtigen Zeit. Real übernahm zusehends das Spiel, Bayern ließ sie gewähren.

[22:01] Aufbauspritze für Schweinsteiger: Er tankt sich gegen zwei Real-Spieler durch und holt einen Freistoß raus.

[21:51] Capello reagiert wieder: Der Ex-Römer Cassano kommt für Higuain ins Spiel.
Van Bommel scheitert im 1:1 gegen Casillas. Casillas könnte für Real zum Matchwinner werden.

[21:42] So, jetzt bleibt ein wenig Zeit für Geplänkel. Premiere hat das Spiel an Sat 1 verkauft. Die bekannten Größen (Sebastian Hellmann und Marcel Reif) begleiten das Spiel. Sat 1 hat keine Sportredaktion mehr, was zur Folge hat, daß Kai Pflaume in den von dem Sender zu übertragenden UEFA-Cup-Spielen als Moderator fungiert. Pflaume wurde vor dem Spiel auch von Hellmann interviewt. Pflaume ist Bayern-Fan und war auch schon bei Auswärtsspielen dabei. Das reicht natürlich als Qualifikation aus. Da bekommt “Nur die Liebe zählt” eine ganz neue Bedeutung…

[21:35] Halbzeit.
Hitzfeld wird in der Kabine hoffentlich die richtigen Worte finden. Real fand in den letzten 10, 15 Minuten recht einfach ins Spiel zurück, weil sich Bayern zu passiv zeigte. Waren die Bayern in der ersten halben Stunde sehr aggressiv und präsent, ließen sie danach stark nach.
Dennoch geht das 1:0 in Ordnung, weil Bayern mehr vom Spiel hatte. Die Konter nach dem 1:0 waren sehr gut. Mit etwas Glück könnte es 2:0 stehen. Allerdings fällt auf, daß das Bayern-Spiel sehr rechtslastig ist. Schweinsteiger sucht weiterhin seine Form, während Lahm allenfalls solide spielt.
Capelleo war gut beraten, eine indisponierten Emerson gegen Guti auszuwechseln. Guti tut Reals Spiel sehr gut. Raul arbeitet, van Nistelrooy wartet vorne auf Chancen. Da wirkt das Spiel der Bayern vorne abwechslungsreicher. Sowohl Makaay als auch Podolski holen sich Bälle im Mittelfeld.

[21:28] Gutis Einwechslung macht sich bezahlt. Die Bayern-Abwehr pennt, und Real darf spielen. Guti vergibt.
Bayern läuft Gefahr, das Spiel aus der Hand zu geben. Real genügt ein 1:1 um weiterzukommen.

[21:17] Fabio Capello reagiert: Guti kommt für Emerson, der nur noch wie ein Schatten seiner selbst wirkt. Zu Daumschen Zeiten in Leverkusen wirklich mit Abstand der beste Defensiv-Stratege der Bundesliga.

[21:13] Bayern fährt den zweiten scharfen Konter. Die Chancen, die sich daraus ergeben, sind sehr gut. Aber allzu viele sollten sie nicht vergeben.
Salihamidzic spielkt sehr giftig. Podolski scheint sich aus seinem Post-WM-Tief unter der Mithilfe von Hitzfeld gezogen zu haben -bietet sich an, ist sehr spielfreudig. Kumpel Schweini tut sich dagegen schwer.

[21:03] Die Königlichen mit folgender Elf:

1 Casillas

38 Torres 4 Sergio Ramos 21 Helguera 3 Roberto Carlos

8 Emerson 6 Diarra

16 Gago 7 Raul -

20 Higuain 17 van Nistelrooy

Real tut sich schwer, das Spiel in die Hand zu nehmen. Bayern macht nicht viel, deshalb verflacht das Spiel.

[20:46] 1:0! Was für ein Auftakt! Roberto Carlos verstolpert gegen seinen Angstgegenspieler Salihamdzic, der auf den freistehenden Makaay passt. Der braucht nur noch den Ball reinschieben…

Champions League-Rekord: Das erste Tor nach 10 Sekunden.

[20:35] Zum ersten Mal seit langem kribbelt es wieder in mir: Das heutige Rückspiel weckt verlorengeglaubte Gefühle. Vor der Saison hatte ich kein gutes Gefühl. Wenn ich mir die Darbietungen des FC Bayern anschaue, wurde ich bestätigt. Mir fällt auf anhieb gerade ein überzeugendes Spiel ein: Das Hinspiel in der CL-Vorrunde bei Inter Mailand. Ansonsten biesere Hausmannskost.

Heute werden wieder die Erinnerungen an den 23.05.2001 wach, als Bayern (in Mailand!) gegen CF Valencia die Champions League gewann.
Die heutige Aufstellung:

1 Kahn

2 Sagnol 3 Lucio 5 van Buyten 21 Lahm

20 Salihamidzic 23 Hargreaves 17 van Bommel 31 Schweinsteiger

10 Makaay 11 Podolski