Hanns Dieter Hüsch, das „schwarze Schaf vom Niederrhein“, ist tot. Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich via Internet Karin Köbernecks Potrait über ihn, das vor einigen Jahren auf CD erschienen ist. Überraschend ist sein Abschied nicht, da er sich von den Folgen eines Schlaganfalls 2001 nicht mehr vollständig erholte. Aber er bewegt mich doch.
Mein Großvater war es, der mir Hanns Dieter Hüsch Anfang der 80er Jahre näherbrachte. Ich verstand als Zehnjähriger wohl nicht sehr viel, aber beeindruckt war ich damals schon. Diese Cassette, ein Radiomitaschnitt eines Auftritts in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, legte ich im Lauf der Jahre sehr häufig ein. Und allmählich verstand ich auch, was Hüsch in seinem „Neuen Programm“ mitteilte. Seine massive Kritik an der Entwicklung des Radios finde ich heute noch brilliant und zeitgemäß, auch wenn sie über 20 Jahre alt ist. Hüsch war dem Rundfunk seit Anfang der 50er Jahre verbunden.
Vor über 10 Jahren fanden Matthias (mit niederrheinischen Wurzeln!) und ich im Verlauf eines Gesprächs heraus, daß wir große Anhänger seiner Kleinkunst sind. Ich legte mir im weiteren Verlauf einige CDs zu. Unser Freundeskreis mußte immer wieder Hüsch-Zitate ertragen… Matthias zeigte mir Hüschs Geburtsstadt Moers; so gingen wir auch um den Wall, der auch bei einer seiner Hagenbuch-Geschichten eine Rolle spielte.
Ein Höhepunkt bildete ein Auftritt von Hüsch in der Münchner Lach-und Schießgesellschaft (das muß 1997 gewesen sein), dem Matthias und ich beiwohnten. Ein folgenschwerer Besuch: unsere Lacher sind auf der CD „Meine Geschichten“ verewigt…
Letztmals im Fernsehen habe ich Hanns Dieter Hüsch 1999 in einer Talkshow (3 nach 9 oder NDR-Talkshow) gesehen, als er von seinen King-Lear-Plänen und dem überstandenen Lungenkrebs erzählte. Dem Komiker-Duo Erkan & Stefan, in der Sendung ebenfalls zu Gast, bot er eindrucksvoll Paroli.
Hüsch verstarb in der Nacht zu heute und wurde 80 Jahre alt.
Der WDR würdigt sein Werk sehr ausführlich. Ich hoffe, ich kann das eine oder andere via Internet mithören.
Monthly Archive for Dezember, 2005
Mein Kleidungsstil hat unter anderem zur Folge, daß ich von Zeit zu Zeit als Vorbild dienen darf (oder muß?) – ob als gutes oder schlechtes, sei einmal dahingestellt. “Vorbild” gehört nicht zu meinen bevorzugten Rollen.
So passierte es mir diese Woche in der Arbeit zum zweiten Mal, daß meine modischen Vorlieben als Richtwert für andere herhalten müssen. Eine Kurzzeit-Praktikantin fragte unsicher eine meiner Kolleginnen, ob denn Piercings bei uns erlaubt seien. Sie bekam zur Antwort, daß diese sicher kein Problem seien, weil es einen Kollegen gebe, der Röcke trüge.
Es freut mich einerseits, daß ich als Vorbild für die “Liberalitas Bavariae” in unserem Haus tauge, andererseits würde es mich noch wesentlich mehr erfreuen, wenn ich nicht der einzige Mann im Rock in der Arbeit bliebe…

Fremdneurosen