Monthly Archive for November, 2005

Modische Accessoires

Mit dem Rock alleine ist es nicht getan. Soll es stimmig aussehen, darf man Details wie Schuhe, Jacken, Taschen, etc. nicht außer Acht lassen. Gerade am Anfang habe ich dem wenig Beachtung geschenkt. Aber ich achte immer mehr darauf. Und ich kann Frauen mit Schuh-Ticks und hunderten von Taschen immer besser verstehen…
Ein schwieriges Thema, hier experimentiere ich noch…
Gerade Schuhe sind für die Gesamterscheinung wichtig. Sie können ein komplettes Outfit verhageln oder aufwerten. Gerade im Bereich der Männerschuhe gibt es sehr wenig Auswahl. Klobige Modelle in braun und schwarz bilden das Gros der Auswahl. Derbes Schuhwerk ist für bestimmte Stile ganz brauchbar (Kiltoutfits, Cargoröcke), aber damit ist es nicht getan. Elegenate Herrenschuhe könnnen für festliche Anlässe ganz gut sein. Aber damit erschöpft sich der Schuhmarkt für Männer schon… Turnschuhe oder Chucks (mittlerweile schon Klassiker) sind mehr oder weniger unisex. Sneakers, die recht elegant sein können, gibt es lediglich in den Damenabteilungen in einer ansprechenden Auswahl. Ganz heikel schwierig wird es im Sommer, wo man in den Männerabteilungen außer Flip-Flops, in denen ich nicht laufen kann, nix findet. Zum Glück komme ich mit Größe 42 zurande, was mir die Suche in teureren Spezialgeschäften erspart. Und ich kann hemmungslos in der Damenabteilung stöbern…
Die wenigsten Röcke haben brauchbare Taschen. Wenn man mit Hosentaschen groß wird, stellt sich die Frage, wohin mit Schlüssel, Zigaretten und was man sonst darin aufbewahrt. Größere Dinge wie die Tageszeitung habe ich immer in einer Jute-Tasche spazierengetragen.
Mit den Röcken entwickelte sich bei mir auch ein Faible für Taschen. Mittlerweile nenne ich drei verschiedene Umhängetaschen in verschiedenen Größen mein eigen. Und es gibt ja wirklich schöne Taschen in verschiedenen Größen für verschiedene Outfits und Anlässe.
Mittlerweile fülle ich auch meine Hosentaschen nicht mehr. Auf Dauer bleiben die Ausbeulungen…

Reaktionen

Als ich 2002 begann, Röcke zu tragen, achtete ich genauer auf die Reaktionen meiner Umwelt. Ich nahm auch sehr viel wahr, weil es für mich noch sehr ungewöhnlich war. Es gab natürlich Kommentare und Blicke in der Öffentlichkeit. Ich beschränkte das Tragen anfangs auf den privaten Bereich, wo es anfangs interessant war, mich im Rock zu sehen. Ablehnende Meinungen gab es zumindest mir gegenüber nicht.

Nach einiger Zeit ging ich auch einmal berockt zur Arbeit. Dort (es war ein Kindergarten) hatten einige nicht den Mut, mir ins Gesicht zu sagen, daß ihnen das nicht gefalle. So mußte sich die Elternbeiratsvorsitzende zwangsläufig mit mir auseinandersetzen, weil einige Eltern lieber anonym bleiben wollten. Es war ihr sehr unangenehm, aber ich verzichtete zukünftig auf Röcke während der Arbeit. Denn auch meine Vorgesetzte stellte keine große Hilfe dar, weil sie den Rock mit Hot Pants und bauchnabelfreien Oberteilen der Damenwelt gleichsetzte. Den Vergleich verstehe ich bis heute nicht, denn der Rock ging bis zu den Knöcheln…

An der anderen Stelle, die ich bald darauf antrat, begann ich sehr bald Röcke zu tragen. Dort war ich mir sicher, zumindest nicht auf anonyme Ablehnung zu stoßen, da ich den Arbeitgeber aufgrund seiner Liberalität schon einmal genießen durfte. Ich sollte mich nicht täuschen. Festlichen Anlässen des Hauses wohnte ich im Rock bei, ohne Ärger zu provozieren. Im Kolleginnenkreis waren meine Röcke anfangs Thema. Mittlerweile habe sich die meisten daran gewöhnt. Ich bekam sogar zum Geburtstag schon einen Rock geschenkt.

Vor geraumer Zeit fand ich auch eine Postkarte des Männerrock-Designer-Paares AndersLandinger in meinem Fach:

“Hallo Ben,
habe diese Karte beim Aufräumen gefunden und mußte dabei sofort an Dich denken, natürlich. Bist ja auch so ziemlich der einzige Mann, den ich kenne, der im Rock rumläuft.
Jedenfalls hast Du Mut und das finde ich gut! Wenn schon Frauen keine Röcke tragen, dann wenigstens die Mannsbilder, ha ha.
Also viel Spaß weiterhin beim Tragen Deiner Röcke.”

Richtig in Schale schmeiße ich mich zu Hochzeiten. In den letzten Jahren war ich immer berockt auf Hochzeitsfeiern. Solange man der Braut optisch nicht die Schau stiehlt, ist es kein Problem.

Heute nehme ich einen Großteil der Reaktionen auf der Straße nicht mehr wahr. Ich bekomme lediglich immer Rückmeldung von meiner Begleitung, wie die Leute manchmal gucken. In der Regel beantworte ich Fragen, die mir zum Thema auf der Straße gestellt werden. Dabei zeigt sich sehr häufig, daß einige Menschen nicht, was Transvestiten sind. Die Passanten erfahren auch, daß ein Rockträger nicht zwangsläufig schwul sein muß. Es gibt auch immer wieder positive Reaktionen. Frauen fällt es leichter, sich dafür zu begeistern. Viele Männer fühlen sich anscheinend durch mich bedroht.

In den vergangenen vier Jahren ist der Rock ist für mich Alltagskleidung geworden. Ich trage noch Hosen, wenn auch nur noch selten.