Monthly Archive for Oktober, 2005

Erlebnisfernsehen

Nachtstudio: “Weinkenner in 60 Minuten – geht das?”

Ich gucke immer wieder ganz gerne das Nachtstudio im ZDF, das in der Nacht zu Montag zu nachtschlafener Zeit ausgestrahlt wird. Dort werden Themen der Zeit auf hohem Niveau diskutiert.

Die Sendung vom 30.10. hatte das Thema: “Weinkenner in 60 Minuten – geht das?” Gäste des Moderators Volker Panzer waren Stuart Pigott (ein britischer Weinkritiker in Berlin), Chandra Kurt (Weinkritikerin aus der Schweiz), Hendrik Thoma (Master-Sommelier) und Ulrich Kienzle (Weinliebhaber, Journalist). Außer Kienzle waren für mich alle unbeschriebene Blätter. Das tat der wunderbaren Sendung keinen Abbruch.
Es wurde herrlich über Wein philosophiert, so daß auch der Laie eine berechtigte Chance hatte, etwas zu lernen. Das Beste war: es wurde auch Wein getrunken! Jeder hatte seinen aktuellen Lieblingswein mitgebracht (im Preissegment von 7 – 50 Euro), der dann auch verköstigt wurde. Sehr amüsant war der Brite, der den zuletzt eingeschenkten Öko-Riesling “lustig” fand, während Ulrich Kienzle den Sangiovese aus der Toskana sehr pelzig fand und sich alle einig waren, daß der 2003er-Franzose noch seine “Sturm-und-Drang-Zeit” habe und deshalb noch reifen müsse.

Ich fühlte mich in meine Kindheit zurückversetzt, in die Zeit, als im Fernsehen noch getrunken (nicht nur Wasser) und vor allem geraucht wurde. (Die älteren Leser/innen erinnern sich vielleicht noch an den Internationalen Frühschoppen, wo fünf Journalisten aus sechs Ländern bei viel Wein und noch mehr Zigaretten wöchentlich die politische Großwetterlage diskutierten.)

Am Schluß war keiner mehr nüchtern, Volker Panzer gab sogar zu, “beschickert” zu sein. Alle waren sich einig, daß die Stunde viel zu kurz war und sie noch stundenlang weiterreden und -trinken könnten. Aber das wollte der Moderator uns Gebührenzahlern nicht zumuten. Schade, ich hätte der Sendung noch einige Zeit folgen können…

Warum ich das alles schreibe? Die Sendung hat gezeigt, wie einfach Fernsehen auf gute Weise funktionieren kann. Außerdem hat sie in mir die Lust auf Wein wiedergeweckt…
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Asterix: “Gallien in Gefahr” (Band 33; 2005)

Seit Mitte Oktober ist der neue Asterix-Band “Gallien in Gefahr” auf dem Markt. Es ist der 33. seit 195? (und der mittlerweile neunte, den Albert Uderzo ohne René Goscinny, den genialen Texter, kreierte).Zur Geschichte:
Die Gallier werden von Außerirdischen heimgesucht, was natürlich viel Unruhe stiftet. Der geneigte Leser darf sich mit versteinerten Galliern, Wildschweinen, Rakteten und Klonen rumschlagen.

Es fällt mir wirklich schwer, diese Geschichte näher zu beschreiben, weil ich sie einfach nur schlecht finde. Albert Uderzo und René Goscinny haben sich mit ihren Geschichten immer wieder auf die Gegenwart bezogen, haben sie aber immer in den Kontext 50 v. Chr. gesetzt. Dieser Kontext geht diesmal vollkommen ab. Die Geschichte wirkt sehr konstruiert (und sie ist es wohl auch…). Hinzu kommt erschwerend, daß der deutsche Band erstmal von einem neuen Übersetzer bearbeitet wurde. Leider bedient sich der neue Übersetzer zu sehr neuer sprachlicher Gepflogenheiten, was der Qualität alles andere als guttut.
Zeichnerisch haben die Geschichten auch nicht die Qulität früherer Geschichten. So gab es früher äußerst selten ganz- oder halbseitige Bilder. Der neue Band hat sehr viele dieser Bilder, was nicht dafür spricht, daß eine Geschichte Substanz hat…

Über den qualitativen Verlust der Asterix-Geschichten nach Goscinnys Tod ist viel geschrieben und gejammert worden. Leider zurecht, wie “Gallien in Gefahr” aufs Neue bestätigt. Die ersten Geschichten nach Goscinny (bis “Asterix im Morgenland”) waren noch akzeptabel. Aber was Uderzo danach auf den Markt geworfen hat, hat außer den bekannten Figuren nicht viel mit Asterix zu tun. “Gallien in Gefahr” ist ein neuerlicher Tiefpunkt der über 40jährigen Asterix-Geschichte.
Bei mir wird der neue Band in den Tiefen des Archiv schlummern…

Nick Cave And The Bad Seeds: “Murder Ballads” (1995)

Nick Cave, Australier, Musiker und Schriftsteller hat eine recht illustre Band, in der bis vor einigen Jahren auch Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten dabei war. Seine Musik und auch seine Texte sind im allgemeinen eher finster (beim neuen Album soll das anders sein).
Einen Höhepunkt seines Schaffens stellt die Platte “Murder Ballads” dar. Mit dem Album dürfte Nick Cave einem breiteren Publikum bekannt worden sein (so auch mir). Auf dieser Platte ist das Stück “Where the wild roses grow”, in dem sich seine Landsfrau Kylie Minogue als Gastsängerin musikalisch anders darstellen durfte, das ein relativ großer Hit wurde.
Auf dieser Platte, auf der übrigens sehr viele Gastsänger(inn)en mitwirken, werden nur Morde besungen. Den abschließenden Höhepunkt bildet die einzige Fremdkomposition (von Bob Dylan) und Coverversion “The death is not he end” – das einzige Lied, wo nicht gemordet wird…
Wer es gerne etwas finster mag, soll sich diese Platte mal anhören…

Emerson, Lake & Palmer: “Pictures At An Exhibition” (1971)

Emerson, Lake & Palmer waren sehr wichtige Vertreter der Rockmusik der 70er Jahre. Im Gegensatz zu den 50er und 60er Jahre wurden vermehrt “synthetische” Instrumente eingesetzt (wichtige Vertreter waren auch Genesis, aber das erzähle ich Euch ein anderes Mal). Den Expert(inn)en wird der Mini-Moog vielleicht etwas sagen.
Die drei Musiker, Keith Emerson, Greg Lake und Carl Palmer, haben sich von Anfang an klassische Elemente gewagt, ein komplettes (“klassisches”) Album haben sie erst mit “Pictures at an exhibition” eingespielt.
Der Zyklus “Bilder einer Ausstellung” wurde vom russischen Komponisten Modest Mussorgsky Ende des 19. Jahrhunderts komponiert. Mit dieser Kalviersuite begleietet Mussorgsky musikalisch 10 Bilder eines verstorbenen, befreundeten Malers. Maurice Ravel arbeitete diesen Zyklus zu einer Orchesterfassung um, mit der ich persönlich wenig anfangen kann.
Die Fassung von Emerson, Lake an Palmer ist sehr wild (und sicher auch umstritten). Aber sie ziehen musikalisch sehr viele Register, reißen bei wenigen Stücken auch ein wenig aus dem vorgebenen Schema aus.
Mit „The stage“, „The end“ und „The nutrocker“ sind noch Eigenkompositionen drauf, die ganz gut zu dem Mussorgsky-Zyklus passen.
Bemerkenswert ist noch, daß die Platte live eingespielt wurde, was der Qualität nur sehr wenig schadet (ansonsten sind Konzertmitschnitte bei U-Musik sehr häufig ein zweifelhaftes Vergnügen).
Mit knapp 40 Minuten ist die Platte sehr kurz, aber absolut hörenswert.