Als Konsument geht man nolens, volens den einen oder anderen Kompromiss ein. Besonders ungern am Sonntag abend, wenn man nach Beendigung einer arbeitsintensiven Woche, die unmittelbar am nächsten Tag weitergeht, Durst hat. Ich meine damit nicht den Durst, den man hat, weil man tagsüber zu wenig Flüssigkeit zu sich genommen hat, sondern den Durst nach rechtschaffen verrichteter Arbeit. Man kann ihn auch Bierdurst nennen.
Im oberbayerischen Hochsommer wird er auf eine besondere Probe gestellt, weil nach mehreren Tagen über 30°C im Schatten der Tegernsee austrocknet, und folglich das ortsansässige, Herzogliche Brauhaus nicht liefern kann.
So weit, so schlecht.
Dann steigt man eben auf das einheimische Bier um. Das klappt in der Regel problemlos.
Hat man seine Anwesenheit aber nach besagtem Sonntagsdienst in einem Restaurant zugesagt, das zwar italienische Küche, aber nicht eben hochgradige verspricht, nimmt man den Kompromiss unmittelbar mit der Verabredung in Kauf. Es kommt bekanntlich auch auf die Leute an, mit denen man sich trifft. Die waren ebenso hochkarätig wie der Anlass, denn es verabschiedete sich ein feiner Mensch in die Mordshauptstadt. Aus Gründen, auf die ich aufgrund meiner Diskretion und vor allem aus Freundschaft zu ihnen nicht näher eingehen kann, hielten sie sich ziemlich zurück.
Bier wäre also genügend vorhanden gewesen. Nicht das beste, denn in der Wirtschaft wird das ausgeschenkt, das der kulinarisch bewanderte Münchner als Schaufel-Bier bezeichnet. Einige Zeit, nachdem ich das zweite Bier bestellt habe, brachte der Kellner meine Bestellung. Er signalisierte mir, daß das das letzte sei. Und Radler gäbe es auch keines mehr.
Ich verstand nicht recht. Ich sah nach acht Stunden Dienst nicht mehr taufrisch aus, aber nicht so derangiert, daß man mir sämtliche Alkoholwünsche aus Gründen der gut gemeinten Verantwortung verweigern müssste.
Mein Fragezeichen im Gesicht wahrnehmend wurde er deutlicher: Das Bier ist aus.
Gibt’s des?
Eine Wirtschaft vermeldet am ersten Abend des Rauchverbots in den eigenen Hallen, daß das Bier alle ist. Noch dazu Spaten! München war schon immer komische Stadt – vor allem, was sein Verständnis von Kundenfreundlichkeit betrifft.
Aber um 22 Uhr kein Spaten mehr vorrätig zu haben, wirft einen äußerst seltsamen Schatten auf das Millionendorf.
Aber es lag wohl auch an der Logistik in dem Restaurant. Denn Papierhandtücher gab es auch keine mehr, als ich nach meiner Notdurft die Hände gewaschen habe…
(Bild: AndyNugent/Flickr)
Mein Vater war ein passionierter Pilzesammler. So ging es, wenn Saison war, am Wochenende in die Schwammerl, wie man in Bayern so schön sagt. Das Pilzesuchen fand ich weniger spannend. Ich stand im feuchten Wald, zum Spielen gab es nicht viel, weil ich nicht zu den phantasievollen Kindern gehörte, die mit Tannenzapfen und Zweigen einen ganzen Nachmittag gedankenversunken verbringen konnten. Daß die besonders schönen Pilze besonders giftig waren, konnte ich auch nicht nachvollziehen. Aber er hatte wohl recht recht, denn wir haben diese Ausflüge folgenlos überlebt.

Nein, Vegetarier bin ich nicht. Nicht mehr.


Fremdneurosen