Archive for the 'Tatort' Category

Schlechter Schocker

768. Tatort: Hauch des Todes (SWR; EA: 22.08.2010)

Ermittler: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), Mario Kopper (Andreas Hoppe), Peter Becker (Peter Espeloer), Edith Keller (Annalena Schmidt), Gerichtsmedizinerin Sonja Römer (Brigitte Zeh)
Besetzung: Daniel Tretschok (Lars Eidinger), Hauptkommissarin Martina Schönfeld (Katja Bürkle), Mirko Klingspohn (Sven Pippig), Christian Brenner (Lars Rudolph), Birgit Tretschok (Judith Engel), Kapitän Stauer (Gerhard Piske), Bettina Frommelt (Buenaventura Braunstein), Tierärztin (Stephanie Kämmer), Andrea May (Rita Winkelmann), Opernsängerin Sarah Sanders (sowie Anette Kreßling, Carlo Böhler)
Drehbuch: Jürgen Werner; Regie: Lars Montag

Die Kommissarin gerät ins Visier eines Frauenmörders, der seine Hinrichtungen inszeniert. Plastisch und plump wird gezeigt, wie er seine Opfer zu Kokons verpackt. Kopper trifft bei den Ermittlungen auf eine alte Bett-Bekanntschaft aus Mannheim, wo der Mörder vor einigen Jahren auch tätig war. Dazu wird “Ein deutsches Requiem” von Johannes Brahms gespielt.

Wer ist der Täter? »

Der Täter ist schon im Vorspann zu sehen. Der Schiffsdisponent Mirko Klingspohn hatte eine dominante Mutter, die ihn zuhause an der kurzen Leine hielt und zu Gesangsabenden einlud. Er arbeitet sich zum deutschen Reqiuem an seiner Vergangenheit ab.

Zu Lena Odenthals 50. Fall, der streng genommen ihr 51. Auftritt am Tatort war, denn sie war auch schon zu Besuch in München, gab’s viel Plastikfolie und Psycho. Der Autor Jürgen Werner wollte sich wohl an “Das Schweigen der Lämmer” anlehnen. Herausgekommen ist viel mehr ein schlechter Horror, bei dem im Vergleich zu diesem Tatort “Im Land der Raketenwürmer” als Autorenfilm daherkommt. Ein unglaublich schlechter Schocker. NIcht nur ür ein Jubiläum ist “Hauch des Todes” beschämend. Jemand, der vor allem Drehbücher für Vorabend-Schmonzetten wie das “Forsthaus Falkenau” schreibt, ist ein Tatort vielleicht eine Nummer zu groß. Das hat Leipziger Niveau.
(1,5/10)

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus, SWR
Meinungen: Tittelbach.tv, Tatort-Forum

Jede Menge Drecksarbeit – Bussi, Baba!

767. Tatort: Operation Hiob (ORF/RBB; EA: 04.07.2010)

Ermittler: Sonderermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer), Bernhard Weiler (Heribert Sasse), Ernst Rauter (Hubert Kramar)
Besetzung: Claudia Eisner (Sarah Tkotsch), Dr. Faton Ziu [ehemaliger Geheimdienst-Agent] (Kasem Hoxha), Robert Kovar [Kriminalbeamter] (Jürgen Maurer), Roland Petritsch [Leiter der Spurensicherung] (Christian Dolezal), Herbert Czermak [Leiter der "Operation Hiob"] (Nicholas Ofczarek), Niko Leshi (Arben Murseli), Luca Conti (Astrit Alihajdaraj), Ninko (Eugen Pirvu), Boris Soslanovic (Peter Karolyi), Nemetz (Max Gruber), Frau Seidler (Darina Dujmic), Polizist (Robert Notsch), Janko Mikulits (Alexander Levit), Frani Gala (Christian Pogats), Vlamir Nano (Marcus Thill)
Drehbuch: Max Gruber; Regie: Nikoklaus Leytner

Nach dem Mord an zwei Hiwis und den Finanzchef der Intercomp wird Chefinspektor Eisner der “Operation Hiob”, einer Sonderkommission, zugeteilt. Die Intercomp im- und exportiert Waschmaschinen und Kühlschränke, verdient ihr Geld aber mit dem großflächigen Handel von Heroin. Hinter dem Mord wird ein konkurrierendes Drogenkartell vermutet. Eisner soll den Mord aufklären und mithelfen, die Intercomp auszuhebeln. Seine Rolle in der BKA-Kommission ist klar umrissen; er soll nur Hilfsdienste leisten: “Unser Kaffee – unsere Regeln”, gibt der Leiter Czermak dem Inspektor zu verstehen. Er soll den in die Organisation eingeschleusten V-Mann mit Erkenntnissen Füttern, die Faton Ziu, den Kopf der Bande dazu animieren soll, leichtsinnig zu werden.

“Jede Menge Dreckarbeit” (Weiler) wartet auf Eisner und seinen Assistenten. Die als Angestellte von der Müllabfuhr verkleideten Mörder hinterlassen wenig Verwertbares: die DNA von 27 Zigarettenstummel muss untersucht werden.
Unterdessen bekommt er neuen Kühlschrank zweiter Wahl (“Wir haben alle kleine Kratzer.”); seine Tochter Claudia gerät dank einer gezielt gestreuten Indiskretion über ihre kurze Drogenvergangenheit in die Fänge der Intercomp. Mit der vor allem moralischen Unterstützung gelingt es Eisner, zumindest den Mord aufzuklären und seine Tochter unbescholten wieder Empfang zu nehmen. “Bussi, Baba”, sagt Weiler und geht in Pension.

Wer ist der Täter? »

Eisner kann das Drogenkartell nicht ausheben, weil Dr. Ziu herausfindet, woher der V-Mann seine Informationen hat. Als Czermak und Eisner in Bratislava die “Operation Hiob” erfolgreich zum Abschluss bringen wollen, müssen sie feststellen, daß Ziu wieder schlauer war. “special box No. 18″ ist sauber, und Eisner bleibt nichts als die Wut auf seinen Vorgesetzten Rauter, der als Mittel zum Zweck Claudias Drogenvergangenheit weitergegeben hat.

Auch nach 12 Jahren nehme ich Harald Krassnitzer den Inspektor immer noch nicht recht ab. Diesmal war er allerdings wirklich überzeugend. Dazu gesellten sich hervorragende MItspieler. Heribert Sasse als unmittelbar vor der Pension stehender Assistent war eine Augenweide, ebenso Nichoals Ofcharek als arroganter und dennoch abhängiger Leiter der “Operation Hiob”. Gezeigt wurde eine Geschichte, die nicht ganz rund war, aber bis zum Schluss nichts von ihrer Spannung verlor. Ja, man kann auch mal eine private Verquickung unterbringen, ohne daß es vollkommen unglaubwürdig oder langweilig wird. Die kurze Drogenvergangenheit Eisners Tochter ist ein ein dramaturgischer Kniff, der seine Rolle in dieser Sonderkommission nach außen glaubwürdiger macht. “Operation Hiob” bot vor allem eine Menge Dialekt: jede Menge Schmäh und die Akzente osteuropäischer Verdächtiger. Und es wurde viel geraucht. Das darf man heute wohl auch nur noch in österreichischen Produktionen zeigen.
Ärgerlich ist, daß dieser Tatort mitten in der Sommerpause gezeigt wurde, als die Fußball-Weltmeisterschaft gerade die Viertelfinalspiele hinter sich gebracht hatte. Denn es war nach langem wieder eine gute Folge dieser ansonsten heuer behäbigen Reihe.
(7,5/10)

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus
Meinungen: Fielitz, Tittelbach.tv, Tatort-Forum

(Bildausschnitte: rbb/ORF/Satel Film/Petro Domenigg)

Leipziger Minimalismus

766. Tatort: Heimwärts (MDR; EA: 06.06.2010)

Ermittler: Hauptkommissarin Eva Saalfeld (Simone Thomalla), Hauptkommissar Andreas Keppler (Martin Wuttke), Kriminaltechniker Wolfgang Menzel (Maxim Mehmet), Rechtsmediziner Reichau (Kai Schumann)
Besetzung: Daniel Bergmann (Stefan Konarske), Mike Breuker (Dirk Borchardt), Karl Holst (Joachim Tomaschewsky), Anna Kowski (Anne Werner), Marie Holst (Johanna Gastdorf), Hannes Holst (Karl Kranzkowski), Svenja Holst (Nina Gummich), Nachtschwester (Antonia Gerke), Amtsarzt (Günter Kurze), Inge Saalfeld (Swetlana Schönfeld)
Drehbuch: Heike Rübbert; Drehbuch: Johannes Grieser

Man kann Product Placement sehr geschickt einsetzen. Die Amerikaner können das in ihren Filmen ganz gut, beim Schimamski war es stimmig, weil selbst die herumliegende Marlboro zu der Figur passte. Man kann es aber auch schlecht machen wie der MDR, indem man eine ungelernte, mobile Krankenpflegerin im Mini durch Leipzig schickt. Das gibt es nicht einmal im an reich an neuen und teuren Autos versehenen München. Schlimmer noch: man hätte das schicke Auto in die Ermittlungen einbauen können, aber darauf ist der MDR vor lauter Dankbarkeit, daß BMW in Leipzig Autos baut, nicht gekommen. Man möchte schreien.

Denn dieses Kommissare-Paar findet zwar heraus, daß es die ermordete Altenpflegerin Anna Kowski es für ihren Berufsstand zu unglaublich viel Geld gebracht hat, aber an dem schicken Flitzer nehmen sie keinen Anstoß. Anscheinend stiftet das örtliche Arbeitsamt jedem, der nicht von Hartz IV keben will, so einen attraktiven Kleinwagen. Sie kümmerte sich liebevoll um den kranken Karl Holst, der in ihrer Anwesenheit seinen letzten Frühling erleben durfte. Nebenbei versuchte sie ihren Arbeitgeber Mike Breuer -Vorsicht: Realitätsbezug! -, bekannt für seine miserable Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen, zu erpressen. Die Bilanz seines Pflegedienst hübscht er mit erpressten testamenten zu seinen Gunsten auf.
Holsts Nachkommen haben kein Geld, um einen angemessene Pflege für ihn zu bezahlen. So bleibt der Wunsch seiner Enkelin Svenja, für ein Jahr nach Kalifornien zu gehen, unerfüllt.

Wer ist der Täter? »

Nicht unerwartet entwicklet sich “Heimwärts” zu einem Familiendrama mit einer überdrehten Enkeltochter. Ihre verzweifelte Mutter hat die Pflegerin getötet. Sie konnte nicht mit ansehen, wie Anna Kowski sich trotz der Differenzen mit Breuker zu dessen Handlanger machte und Grundstücke für ihn ergaunerte. Enkelin Svenja streckte de Breuker nieder, als sie einsehen muss, daß das Haus der Familied nicht mehr zurückzugewinnen ist.

Der MDR kann’s nicht. Man hätte aus der Geschichte der toten Altenpflegerin, die mit einem Bestatter liiert ist, einen herrlich skurrilen, mit dem Krimi-Genre spielenden Stoff spinnen können. Aber Ironie und Komik sind dem Sender, der Armin Menzel lange Jahre ein wohliges Zuhause bot, fremd. Ich bin immer wieder in der Versuchung, Martin Wuttke zu bedauern, aber der gute Mann ist volljährig und wird für seine Zusammenarbeit mit der mimisch-gestisch auf der unteren Skala agierenden Simone Thomalla sicher nicht schlecht entlohnt werden: Schmerzensgeld kann auch eine lukrative Entlohnung sein. Und Heiner Müller sieht’s ja nicht mehr… Davon hat der Zuschauer allerdings nichts, denn er darf sich dreimal im Jahr ärgern, wenn der MDR mit Filmen zum Sonntag Abend aufwartet, die zwar ein einziger Horror sind, aber mit diesem Genre, geschweige denn mit einem anständigen Krimi, nichts gemeinsam haben.
Es schließt sich der Kreis zum Beginn dieser Kritik: Tatorte aus Leipzig sind einfach Minimalistisch. (1,5/10)

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus

(Bilder: MDR/Saxonia/Steffen Junghans)

Nur eine Stasibude

765. Tatort: Schlafende Hunde (RB/Degeto; EA: 30.05.2010)

Ermittler: Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), Kommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen), Assistent Karlsen (Winfried Hammelmann)
Besetzung: Hans Rodenburg (Jürgen Prochnow), Anna Korzius (Laura Tonke), Kurt Schröder (Heinz Werner Kraehkamp), Dr. Katzmann [Pathologe] (Matthias Brenner), Mats (Kai Ivo Baulitz), Hannah Berger (Elisabeth Schwarz), Staatsanwältin Johannsen (Julika Jenkins), Ruth Thalheim (Marie Anne Fliegel), Nachbarin (Liane Düsterhöft), BKA-Mann (Thomas Ziesch)
Drehbuch: Wilfried Huismann, Dagmar Gabler; Regie: Florian Baxmeyer

Viele Fragezeichen und wieder mal einen Hund hinterlässt den Ermittlern aus Bremen der Mord an der Renterin Ruth Tahlheim. Durch ein mysteriöeses Gift, das erst nach der Obduktion nachgewiesen wird, ist sie umgekommen. Ruth Tahlheim hat vor der Wende für Firma Intertec, die Hans Rodenbruch aus dem Westen mit Material und Knowhow beliefert hat, gearbeitet und saß acht Jahre in Bautzen.
Nach einem behäbigen Anlauf versucht dieser Tatort eine Mischung aus Wirtschafts- und Politkrimi zu werden. Die Kommissarin sieht sich mit einer Vergangenheit konfrontiert, die nicht ihre ist, was ihr Assistent zunächst nicht wahrhaben will. Sie fahren nach Berlin um herauszufinden, daß die Stasi und ihre nach der Wende immer noch aktiven Arme ihre Finger im Spiel haben- “eine Stasibude”, wie Stedefreund recht bald konstatiert. Beide erfahren, daß es durchaus einen Zusammenhang zwischen fair gehandeltem Kaffee und illegalen Waffenexporten nach Venezuela gibt. Sie lernen: “Wer mit dem Teufel essen will, braucht einen langen Löffel.”

Wer ist der Täter? »

Dem ehemaligen Stasi-Mitarbeiter und jetzigen Sicherheitsschef von Rodenburg, Kurt Schröder, wurde die Rentnerin zu gefährlich. Denn sie hat herausgefunden, daß ihre zur Adpotion freigegebene Tochter die Geleibte von Rodenburg war.

Die Autoren haben einen Plot entworfen, der nicht mit Spannung geizt. Er zeigt, daß auch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer die Stasi nur auf dem Papier tot ist. Allerdings wird er mit Liebesgeschichten und scheinbaren Verwicklungen überfrachtet. Daß das Ende ein wenig offen bleibt, ist nicht die Schwäche dieses Falls.
Jürgen Prochnow als Rodenburg überzeugt überhaupt nicht, sondern spielt ziemlich lieblos eine Figur, die einige Widersprüche in sich birgt. Er deutet sie aber höchstens an. Dagegen ist Heinz Werner Kraehkamp als Sicherheitschef eine tragfähige Figur mit ordentlich Zynismus und übersteigertem Selbstvertrauen. Laura Tonke hatte schon stärkere Auftritte – ihre Anna Korzius kratzt zu sehr an der Oberfläche. Gelegentlicher Tiefgang wird zu schnell im Keim erstickt.
Überzeugen kann dieser Tatort mit seinen Bildern – klar und schonungslos. Das hätte auch der Geschichte gut getan. “Schlafende Hnde” kommt aus der Enge der Bude nicht heraus, was angeswichts der Fülle an Stoff wirklich zu bedauern ist. Daß der gefundene Hund sterben muss, passt insofern ganz gut ins Bild.
(6/10)

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus, Radio Bremen
Meinungen: Fielitz, Tittelbach.tv, Tatort-Forum

Hinterhof-Phantasien

764. Tatort: Hitchcock und Frau Wernicke (RBB; EA: 24.05.2010)

Ermittler: Hauptkommissar Till Ritter (Dominic Raacke), Hauptkommissar Felix Stark (Boris Aljinovic); Kommissar Lutz Weber (Ernst-Georg Schwill)
Besetzung: Irmgard Wernicke [Rentnerin] (Barbara Morawiecz), Robert Benkelmann [Weinhändler] (Hans-Jochen Wagner), Renate Müller [Krankenpflegerin] (Lotte Ohm), Timo [Zivi] (Robert Höller), Ella Leiser (Jenny Schily), Gernot Schuber (Steffen Münster), Sebastian Stark (Aaron Altaras)
Drehbuch & Regie: Klaus Krämer

Frau Wernicke, alt und alleinstehend, hat viel Zeit. Die verbringt sie gerne vor ihrem Wohnzimmerfenster. Von dort aus kann sie dem Treiben im Nachbarhaus zusehen. Und sie hat Unglaubliches beobachtet. Sie hat gesehen, wie der Weinhändler Benkelmann am frühen Morgen seine Frau um die Ecke gebracht hat. Die Kommissare, die anscheinend nicht viel zu tun haben, lassen sich auf die Geschichte der alten Dame ein und beginnen zu ermitteln. Seine Frau sei in den Urlaub gefahren; er habe sie am Morgen zum Bahnhof gebracht, gibt der Verdächtigte zu Protokoll.
Ritter und Stark geraten schnell an ihre Grenzen, denn es gibt weder eine Leiche noch eine Vermisstenmeldung. Daß die redeselige Rentnerin in der besagten Nacht “Das Fenster zum Hof” gesehen hat, lässt den Fall endgültig im Sand verlaufen. Ritter lässt sich abends von Frau Wernicke mit strammen Max verköstigen, Stark versucht mit ihrer Krankenpflegerin Lotte anzubandeln, und der brave Zuarbeiter Weber telefoniert nach Portugal, um wenig zu erfahren.
Es plagt sie das schlechte Gewissen, als die alte Frau nicht mehr zuhause ist. Die Ermittlungen werden wieder intensiviert. Nach intensiver Recherche finden sie sowohl die angebliche Leiche als auch Frau Wernicke wieder.

Wer ist der Täter? »

Der Weinhändler Benkelmann hat tatsächlich seine Frau umbringen lassen, um frei für seine neue Liebe Ella Leiser zu sein. Frau Wernicke finden die Kommissare in einem Krankenhaus, wo sie sich von einem Schwächeanfall erholt. Die Krankenpflegerin Lotte hat sie zunächst zu sich nachhause geholt, bevor sich ihr Gesundheitszustand verschlechterte.

Ohne Barbara Morawiecz, die eine liebenswerte Frau Wernicke verkörperte, wäre dieser Tatort vollkommen langweilig gewesen. Autor und Regisseur wollte wohl den Hitchkock-Klassiker in einen Berliner Hinterhof verlegen. Das ist ihm mehr schlecht als recht gelungen. So ist der Titel dieser Folge das beste an diesem Tatort.
(4,5/10)

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus
Meinungen: Annabell, Fielitz & Tatort-Forum

(Bilder: rbb/Hans-Joachim Pfeiffer)

Gedränge am Tatort

Viel Rummel erwartet Kluftinger. (Bild: BR/Kerstin Stelter)

Gerüchte über einen neuen Tatort-Kommissar aus dem Hause des Bayerischen Rundfunks gab es schon länger. Daß daraus lange nichts Konkretes wurde, ist wohl auch dem ehemaligen Mitarbeiter des BR, Markus Söder, zu verdanken, der sich 2003 lauthals über die Darstellung eines fränkischen Kommissars in München beschwerte und eine Wiedergutmachungsfolge forderte. Die zuständigen Redakteure ließ dieser Vorwurf ziemlich kalt – sie ließen Stoibers Speerspitze der Franken als Prügelknaben stehen.
Stattdessen installierte man vor zwei jahren die Reihe “Heimatkrimi”, die mit “Freiwild. Ein Wüzburg-Krimi” einen viel beachteten Auftakt hatte. Es entbehrte nicht nicht einer gewissen Ironie, daß Thomas Schmauser, der damals den Watschenmann der Münchner Ermittler darstellte, nun den Kommissar Peter Haller spielte. Ein Jahr darauf wurde der erste Fall von Kommissar Kluftinger verfilmt. Offenbar traf man auch damit den richtigen Zuschauernerv.

Will man die Meldungen der Abendzeitung und des Tatort-Fundus nicht als Sommerloch-Ente abtun, wird Kniebundhosenträger Kluftinger zum Tatort-Kommissar befördert.

Was ist von dieser Entscheidung zu halten?
Die Zahl der Tatort-Kommissare ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. Inzwischen wird in München, Frankfurt, Leipzig, Hamburg, rund um Hannover, Berlin, Konstanz, Ludwigshafen, Stuttgart, Kiel, Köln, Münster, Wien (und Tirol), Bremen und Saarbrücken ermittelt. Dazu gesellen sich dieses Jahr noch Wiesbaden und Luzern. 17 Teams klären also am quotenträchtigen Sonntag Abend Mordfälle auf und werden dabei noch von vier Ermittlern des Polizeiruf 110 unterstützt. Es herrscht ein dichtes Gedränge am Tatort.
Für den Bayerischen Rundfunk ist es natürlich lukrativer, einen prominenten, in 40 Jahren ritualisierten Sendeplatz zu haben, als im eigenen Programm gegen den ZDF-Samstagskrimi oder gegen Shows wie “Wetten dass” oder “Deutschland sucht den Superstar” anzusenden. Dennoch tun die Redakteure dem Allgäuer Kauz keinen Gefallen, ihn ins sonntägliche Rampenlicht zu schieben. Es ist ihm, wie man aus seinen Büchern weiß, viel zu grell. Der Hochkaräter muss sich neben vielen durchschnittlichen Krimis behaupten. Es werden jetzt schon zu viele Tatorte gezeigt, von denen inzwischen nur noch wenige wirklich überzeugen können.
Man gab sich mit der ersten Kluftinger-Verfilmung sehr viel Mühe, leider ist es nicht gelungen, die Stimmung, die in den Büchern ausgedrückt wird, adäquat umzusetzen. Fünf Bücher haben Volker Klüpfel und Michael Kobr inzwischen geschrieben. Es gibt also noch Filmstoff. Dennoch muss man befürchten, daß der Kluftinger verwässert wird, wenn die Romanvorlagen fehlen.
Dennoch ist es eine mutige Entscheidung, weil Dialektgefärbtes von einigen Zuschauer und vor allem Programmverantwotlichen abgelehnt wird. (Ich erinnere dabei gerne wieder an den verhinderten Tatort-Kommissar Trautmann.)

Die Verantwortlichen haben sich für die Quote und die Öffentlichkeit entschieden. Angesichts des wachsenden Rechtfertigungsdrucks durch die Rundfunkgebühren ist die Entschediung nachzuvollziehen. Allerdings fehlt mir der Mut zur Nische. Um es mit Kluftinger auszudrücken: Priml.

Bröckelnde Fassaden

34. Tatort: Tote brauchen keine Wohnung (BR; EA: 11.11.1973)

Ermittler: Kriminaloberinspektor Melchior Veigl (Gustl Bayrhammer), Kriminaloberwachtweister Ludwig Lenz (Helmut Fischer), Kriminalwachtmeister Brettschneider (Willy Harlander), Kriminalassistent Faltermayer (Henner Quest), Kriminlarat Härtinger (Hans Baur); Gastkommissar Böck (Hans Häckermann)
Besetzung: Josef Bacher (Andreas Seyferth), Rudi Mandl (Arthur Brauss), Mutti Mandl (Maria Singer), Opa Hallbaum (Wilhelm Zeno Diemer), Liese Hallbaum (Elisabeth Karg), Terry Hallbaum (Veronika Fitz), Geliebter von Terry (Günther Maria Halmer), Jürgen Hallbaum (Robert Seidl), Nadja Bacher (Mady Rahl), Ruth Bacher-Segova (Veronika Faber), Erwin Kramm (Holger Hagen), Frau Altmann (Herta Worell), Frau Kreipl (Hanna Burgwitz), Pröpper (Walter Sedlmayr), Streifenpolizist (Frank Keck), Erster Assistent (Manfred Ebel), Zweiter Assistent (Bernd Wiegmann) (sowie Jaspar von Oertzen, Franz Hanfstingl, Helmut Oeser, Walter Fiedler, Adolf Ziegle, Hans Pössenbacher, Willy Haibel, Helga Ballhaus, Hertha von Walter, Georg Blädel)
Drehbuch: Michael Molsner; Regie: Wolfgang Staudte

Im Lehel und in Schwabing begannen in den 70er Jahren die aufwendigen Wohnungssanierungen und einhergehenden Immoblienspekulationen, die im weiteren Verlauf alle innenstadtnahen Viertel umfassten. Vor diesem Hintergrund spielt “Tote brauchen keine Wohnung”.

Der Entmieter
Der Immobilenbesitzer Pröpper, skrupellos und zynisch von Walter Sedlmayr verkörpert, will seine Grundstücke im Lehel neu bebauen. Das gelingt ihm mehr schlecht als recht, weil sich seine langjährigen Mieter mit Demonstrationen und Anwohnerversammlungen öffentlichkeitswirksam dagegen wehren. Da kommt es ihm gelegen, daß der ehemalige Strafgegfangene Josef Bacher nach München zurückkehrt und eine passabel bezahlte Beschäftigung sucht. Der Hausbesitzer hat nun einen Assistenten, der ihm die Drecksarbeit abnimmt und mit Reparaturen die Wohnungen noch unbehaglicher macht. Pröpper quartiert ihn spontan bei bei der alten Frau Altmann ein, der er bei einem Auszug eine schöne Zwei-Zimmer-Wohnung in Aussicht stellt.

Der unkanalisierte Zorn
Dreh- und Angelpunkt der Proteste ist die Wirtschaft “St. Anna Vorstadt”, die von Rudi Mandl und seiner Mutter betrieben wird. Hier treffen sich die Anwohner, um ihren Unmut über die Praktiken Pröppers Luft zu verschaffen. Der Zorn erreicht einen neuen Höhepunkt, als sie sie erfahren, daß Frau Altman vergiftet wurde. Der Grundstückhai hat die alte Frau auf dem Gewissen.
Die Mieter haben zwar in Pröpper ein gemeinsamen Feindbild, aber ihre Interessen und Ansichten sind doch grundverschieden. Ressentiments gegenüber Farbigen, die Pröpper in seinen Häusern wohnen lässt, stehen junge Menschen gegenüber, die für ihren Lebensform Wohngemeinschaft bezahlbaren Wohnraum haben wollen. Aber andere Bewohner haben mit diesen Menschen ein gehöriges Problem, weil sie Sex-Orgien und anderen Sittenverfall in den anständigen Häusern befürchten.

Familien als bröckelnde Fassaden
NIcht nur die Fassaden der Häuser bröckeln, auch die in diesem Tatort gezeigten Familien biten kein harmonisches Bild. Josef Bacher ist in seinem Elternhaus nicht willkommen und bekommt zu spüren, warum ihn seine Mutter Nadja frühzeitig zur Adoption freigegeben hat. So kann man es auch als Rache auffassen, daß Bacher sich beim Hausbeitzer Pröpper verdingt. Zu den Nachbarn der toten Frau Altmann gehört auch die Familie Hallbaum, die in drei Generationen dort lebt. Der Opa kann sich nur schwer zwischen zwei Frauen entscheiden. Frau Altmann hat kein Geld, das die Familie so dringend benötigt. Aber die Konkurrentin Frau Kreipl schaut sehr genau genau aufs Geld und rationiert die Butter. Hallmanns Tochter Terry sucht eine Absicherung für sich und ihren Freund. Ihren Söhnen schenkt sie nur wenig Aufmerksamkeit, so daß sich Jürgen auf seinen Großvater fixiert.

Schwierige Ermittlungen
Oberinspektor Veigl und seine Assistenten müssen in der aufgehitzen Atmosphäre kühlen Kopf bewahren und auch in Richtungen ermitteln, die ihnen den Vorwurf einbringen, ihr Feindbild Pröpper zu schützen. Selber lange im Dunkeln tappend hört sich Veigl alle Seiten an. Seine besten Stellen hat dieser Tatort, als sich Pröpper und Veigl gegenüberstehen. Der zynische, auf Profit bedachte Hausbesitzer und der väterlich wirkende Ermittler zeigen zwei hervorragende Gegenpole.
Als Bacher in den Isarauen tot aufgefunden wird, reift in Veigl die Erkenntnis, daß er den Bewohnern nicht den gewünschten Mörder bieten kann.

Wer ist der Täter? »

Pröpper und Bacher haben sich die Hände nicht schmutzig gemacht. Der Hausbesitzer lässt weiterhin fragwürdige Reparaturen durchführen und kalkuliert Bauernopfer wie Bucher bewusst ein. Der 13.jährige Jürgen Hallbaum hat die Partnerin seines Opas vergiftet, weil sie nach dem wahrscheinlichen Auszug ausihrer Wohnung nur eine Zwei-Zimmer-Wohnung beziehen wollte. Jürgen sah darin keinen Platz für sich. Allerdings hat der bei der Toten einquartierte Bacher den Jungen beobachtet, wie er das Gift in die Zuckerdose gemischt hat.

Kraftvoll
“Tote brauchen keine Wohnung” ist ein kraftvoller Tatort, der mit Klischees und Überzeichnungen spielt. Das wenig Schmeichelhafte wird allerdings nicht nur an Pröpper deutlich, sondern auch an seinen Mietern, die über den Feind hinaus grundverschiedene Lebensentwürfe und Probleme haben. Das verhindert, daß die Darstellung Pröppers zulasten der Geschichte einseitig wird. Autor Michael Molsner griff ein aktuelles Thema auf und fand mit dem Lehel die passende Kulisse für diese Geschichte. Die Folge bleibt dennoch in ihrer Darstellung sehr derb. So derb, daß man beim Bayerischen Rundfunk nach der Erstausstrahlung wohl kalte Füße bekam. Es dauerte 19 Jahre, bis dieser Tatort erstmals wiederholt wurde.
(7/10)

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus, Bayerischer Rundfunk, “Bierschaum an der Dackelschnauze” – ein Bericht über Veigls Dackel Oswald
Meinungen gibt’s im Tatort-Forum.
“Tote brauchen keine Wohnung” ist auf DVD erschienen.

(Bilder: BR/Foto Sessner)

Unter Tage

704. Tatort: Das schwarze Grab) (SR/ARD-Degeto; EA: 14.09.2008)

Ermittler: Hauptkommissar Franz Kappl (Maximilian Brückner), Hauptkommissar Stefan Deininger (Gregor Weber), Gerichtsmedizinerin Dr. Rhea Singh (Lale Yavas), Kriminaltechniker Horst Jordan (Hartmut Volle), Gerda Braun (Alice Hoffmann)
Figuren: Ben Müller (Urs-Fabian Winiger), Mark Steinmetz (Tobias Oertel), David Steinmetz (Adrian Topol), Edgar Simmerling (Dirk Borchardt), Heiner Dietz (Rainer Reiners), Walter Gruhl (Bruno F. Apitz), Rüdiger Conradi (Christian Körner), Claude Werner (Lutz Blochberger), Heinz Barenz (Thomas Bestvater)
Drehbuch: Thomas Kirchner; Romanvorlage: Martin Conrath; Regie: Gregor Schnitzler

Ich mag die Tatorte aus Saarbrücken. Der junge Bayer Maximilian Brückner und die saarländischen Größen Gregor Weber und Alice Hofmann sorgen für einen Lokalkolorit, den es sonst nur noch bei den Österreichern und den Münchnern gibt. Aber die Geschichten sind bis auf eine Ausnahme durchschnittlich. So auch dieser Fall, der eigentlich nur von der Atmosphäre in der Grube Luisenthal und im Bergwerk Reden.

Der Mord an der Bergmannsgattin Wiebke Steinmetz scheint aufgeklärt. Der Ehemann soll’s gewesen sein. Um ihn zu überführen, muss sich der Kommissar aus dem Chiemgau unter Tage begeben, wo die Stillegung der Grube feierlich mit Streicherklängen begangen wird. Der Staatssekretär findet schöne Worte, als es zu einer Explosion kommt, bei der ebendieser ums Leben kommt. Der letzte Arbeitstag verlängert sich als auf unbestimmte Zeit. Kappl ermittelt in der Grube, in der Zeit und Luft knapp werden. Auf den Politiker hat es der Mörder wohl abgesehen, denn ein Einstich am Hals deutet darauf hin, daß er vergiftet wurde. Der Anschlag war wohl auch von langer Hand geplant, denn ein großer Vorrat an Mineralwasser lässt die Gefangenen zumindest nicht verdursten. Deininger stößt bei seinen Ermittlungen auf den ehemaligen Bergmann und geschiedenen Mann der Witwe.
Unabhängig voneinander lösen die Kommissare beide Fälle, die natürlich zusammenhängen und viel mit dem Stolz der Grubenarbeiter zu tun haben.

Ein atmosphärisch sehr interessanter Tatort, der darunter leidet, eine Geschichte mit arg vorhersehbarem Ausgang zu haben. (6/10)

(Link:YouTube)

Anhang
Hintergrund: Saarländischer Rundfunk, Tatort-Fundus

(Bildausschnitt: SR/Manuela Meyer)

Boxer

248. Tatort: Blutwurstwalzer (SFB; EA: 22.09.1991)

Ermittler: Hauptkommissar Franz Markowitz (Günter Lamprecht), Kommissar Pohl (Hans Nitschke), “Kollege” (Thomas Bestvater)
Figuren: Alex (Jürgen Vogel), Hansi Budenski (Harald Kempe), Rolf “Randy” Kenter (Ralf Richter), Lizzi (Iris Disse), Horst Bannasch (Heinz Hoenig), Alex’ Mutter (Ingeborg Westphal), Hansis Vater (Branko Samarovski), Bierfahrer (Ernst-Georg Schwill) (sowie Wolfgang Bathke, Vera Kluth, Dan Rogers, Willi Schrade, Wolfram Teufel)
Drehbuch: Horst Sczerba; Regie: Wolfgang Becker

Hansi Budenski, ein talentierter Boxer, ist für das kleinkriminelle Milieu zu weich und steht sowohl Randy als auch dem Kneipenbeseitzer Horst Bannasch im Weg. Außerdem fühlt sich Randys Freundin Lizzi zu ihm hingezogen. Dem Brandanschlag in seiner Wohnung entkommt er verletzt. Vor dem Krankenhaus, in dem Kommissar Markowitz nach Entfernung seiner Galle liegt, wird Hansi von Randy überfahren. Markowitz, ein klassischer Kiezermittler, macht sich auf die Suche nach Motiv und Täter. Dabei stößt er in einem Boxstudio auf Alex, Hansis besten Freund. Der Kommissar taucht in eine trostlose Welt, die sich ausschließlich in Hinterhöfen und einer Kneipe abspielt. Er kann nicht verhindern, daß Randy auch sein Leben lassen muss.
Wenn die Dunkelheit über die Stadt zieht, erwacht die Kleinkriminalität und spült ihre trostlosen Protagonisten nach oben. In der Kneipe singen sie schlecht kostümiert “Non, je ne regrette rien”, während im Keller geklaute Waffen und Videorekorder versteckt werden.

“Blutwurstwalzer” ist mehr eine Milieustudie als ein Kriminalfilm. Mit langen Kameraführungen und einem leisen Erzählstil wird die Trostlosigkeit der Figuren im Berlin unmittelbar nach dem Mauerfall dargestellt. Sie sind bis auf einige wenige Wutausbrüche nahezu emotionslos. Zu lachen haben sie nichts. Sie haben außer blutigen Nasen nichts erreicht, nur unerfüllte Träume. Der von seinem Darsteller Günter Lamprecht mitentwickelte Kommissar Markowitz ermittelt mist sehr viel Empathie für diese Verlierer und kann sie wohl deshalb stellen. Herausragend ist in diesem Tatort Jürgen Vogel in einer seiner ersten Hauptrollen.
(8/10)

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus

(Bild: SFB/Kindermann)

Verwirrende Rollenspiele

111. Tatort: Der Zeuge (WDR; EA: 07.04.1980)

Ermittler: Kommissar Paul Enders (Jörg Hube), Willy Kreutzer (Willy Semmelrogge), Scheffner (Bernd Schäfer);
Figuren: Inge Weiss (Claudia Demarmels), Otto Baumann (Uwe Dallmeier), Clever (Peter Bongartz), Gerd Grund (Hannes Schäfer), Hanni [Enders Geliebte] (Suzanne Geyer), Heller (Wolfgang Kaus), Hostess (Christa Maria Netsch), Klaus Brender (Heinz Hoenig), Kommissar Fischer (Walter Renneisen), Schneider (Wolfgang Zerlett), Sekretärin (Hildburg Schmidt), Taxifahrer (Pit Krüger), Uwe Draeger (Heinz Werner Kraehkamp), Wirtin (Erika Wackernagel)
Drehbuch & Regie: Peter Adam

Der heute vor einem Jahr verstorbene Jörg Hube war auch einmal Tatort-Ermittler. In Essen war er als Kommissar Enders die Urlaubsvertretung von Oberkommissar Haferkamp. Hintergrund war, daß dessen Darsteller Hansjörg Felmy das Drehbuch zu “Der Zeuge” ablehnte. Für den im Fernsehen noch weitgehend unbekannten Hube war es die erste Hauptrolle in einem überregionalen Format.

In Frankfurt wird eine Bank überfallen. Das Schema gleicht zwei Überfällen in Essen, mit registrierten Scheinen aus einem der Raubzüge wird ein Auto gemietet. Enders reist nach Frankfurt, um die dortigen Kommissare bei der Lösuung des Falls behilflich zu sein. Es gibt einen Zeugen, der die Täter bei der Flucht beobachtet hat. Enders bietet an, die Rolle des Zeugen Otto Baumann zu übernehmen und arbeitet undercover in der Autovermietung.
Es entwicklet sich eine schlechte Klamotte, bei der niemand weiß, wen er nun vor sich hat. Die angebliche Journalistin, die Fahrerin des gemieteten Fluchtautos, erliegt dem Charme des angeblichen Autowäschers und glaubt, daß ihr Bruder im Gefängnis sitzt. Der wirkliche Zeuge fühlt sich im Hotel nicht wohl und kehrt in seine Wohnung zurück, die gerade Klaus Brender (Gertenschlank und lockig: Heinz Hoenig), einer der Täter durchsucht. Der nachgereiste Assistent Kreutzer weiß nicht, was er tun soll. Sich als Taxifahrer ausgebend kommt er seinem Vorgesetzten zur Hife. In der Wohnung der Gangster kommt es zum Finale einer seltsamen Geschichte, die weder Krimi, noch Komödie, sondern einfach nur ein misslungenes Experiment mit verirrenden Rollenspielen ist. Dieser Tatort hätte ohne Mühe Lokalkolorit und Originalität bekommen können, wenn die hessischen Darsteller gebabbelt hätten.
(3,5/10)

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus

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