Eine unbeabsichtigte Steilvorlage

Der FC Bayern München versprach gestern Mittag – fünf Tage vor Transferschluss – eine “spektakuläre Neuverpflichtung für die Offensive” und lud zur Pressekonferenz eine Stunde später auf Facebook ein.
Nun, die Sache ging ziemlich in die rote Hose. Der Verein, der sowohl mit dem Internet als auch mit den Fans auf Kriegsfuß steht, kündigte nur “The New FCB Star” an. Jeder Fan darf sich nun auf Facebook im Bayerntrikot zeigen und seine Verbundenheit mit dem Verein optisch zum Ausdruck bringen.

(Screenshot: Bayerischer Rundfunk)

Das Gros der Fans war not amused. Von Wut über Fassungslosigkeit bis hin zu Fremdschämen war alles dabei. Ich werde das nicht zusammenfassen, denn das haben schon andere übernommen.
Der Bayerische Rundfunk war sogar so freundlich, einen Tweet von mir als Steilvorlage für eine Überschrift zu verwerten. München 24 hat das Geschehen im Netz auch dargestellt.
 

Abgang mit Adrenalin

825. Tatort: Verschleppt (Kappl & Deininger/SR)

Der Abschied des jungen wie ungleichen Ermittlerpaares Franz Kappl/Stefan Deininger übertönte ihren letzten Fall, der wieder die Frage aufwirft, was innerhalb der Reihe gezeigt werden darf.

Deiningers Darsteller Gregor Weber, ob des nicht verlängerten Vertrages sichtlich angefressen, warnte vor dem Film, weil „dramaturgische Schwächen des Drehbuchs mit Horroreffekten aufgeblasen“ wurden. In der Tat ist es Khyana el Bitar und Dörte Frank vor allem in den ersten 60 Minuten nicht gelungen, ein Spannungsfeld aufzubauen. Zu klischeehaft, zu schablonenhaft, zu hektisch und zu laut werden die Ermittlungen Entführung und das langjährige Verschleppen dreier Mädchen dargestellt. Deininger schreit in dem SOKO-Großraumbüro nur herum, der behandelnde Psychiater wird als ein alles beschönigender Menschenversteher gezeigt, Vorurteile werden zu sehr gepflegt, anstatt Tätermotive deutlicher zu zeichnen. Adrenalin statt Besonnenheit. Nach den Fällen Kampusch und Fritzl, die innerhalb weniger Wochen abermals Vorbild für einen Tatort waren, gibt es selbstverständlich nicht die Erklärung, aber ein wenig mehr als Boulevard-Niveau, das über Pädophilie im Hartz IV-Milieu hinausgeht, darf von einem abendfüllenden Krimi erwartet werden. Besser wird der Film erst, als die Kommissare das Versteck ausfindig machen. Daß sie dabei vollkommen eigenmächtig handeln – geschenkt. Auch der Schluss, der wirklich überraschend ist, kann gefallen.

Hannu Salonen umgeht geschickt Längen, indem er die Geschichte optisch aufpeppt. Dabei bedient er sich des Horrorfilms und zeigt wirklich schauderhafte Bilder. Es gelingt ihm zu beklemmen, wenn er in Rückblenden in Kisten kauernde Mädchen zeigt, oder immer wieder angekettete Füße zu sehen sind. Das ist keine große Filmkunst, weil die Bilder leider nicht im Kontext zum schwachen Drehbuch stehen, hinterlässt dennoch Eindruck. Die Darstellung mag plakativ sein, weil das psychische Element, was einen guten Horrorfilm ausmacht, fehlt. Dennoch zeigt Salonnen, daß zumindest in der Bildsprache mehr möglich ist. Filmische Experimente können jedoch nur überzeugen, wenn sie aus einem Guss sind. Das ist bei “Verschleppt” nicht der Fall.

Franz Kappl und Stefan Deininger werden mit einem durchwachsenen Film nicht verabschiedet – ihre Darsteller erfuhren erst nach Abschluss der Dreharbeiten vom Ende der Zusammenarbeit – und wirken am Ende gerädert wie ratlos. (6/10)
 

Besetzung: Maximilian Brückner (Hauptkommissar Franz Kappl), Gregor Weber (Hauptkommissar Stefan Deininger), Lale Yavaş (Gerichtsmedizinerin Dr. Rhea Singh), Hartmut Volle (Kriminaltechniker Horst Jordan), Alice Hoffmann (Gerda Braun);
Manuel Andrack, Mathilde Bundschuh, Andreas Anke, Saskia Petzold, Thomas Bastkowski, Alisa Hanke, Michelle Boullay, Alisa Hanke, Andreas Anke, Christiane Motter
Drehbuch: Khyana el Bitar und Dörte Franke; Regie: Hannu Salonen
Erstausstrahlung: 22.01.2012 (Co-Produktion mit ARD-Degeto)
Hintergrund: Tatort-Fundus, Saarländischer Rundfunk, Tatort-Blog des SR, Gespräch des Fernsehlexikons mit Gregor Weber
Meinungen: Michael, Bandschublade, Der Wahlberliner, Anna im Wunderland, Tatort-News, Tittelbach.tv, Tatort-Forum
Bild: SR/Manuela Meyer

 
Vielen Dank an @Leseguenni für die Überschrift!
 

Tschüß Bayernland!

Zum Abschied der Biermösl Blosn

Heute hatten sie noch einmal einen gemeinsamen Auftritt. Gesungen haben sie allerdings nicht mehr. Stofferl, Michal und Hans Well haben mit Gerhard Polt, ihrem Bruder im Geiste, Helge Schneider den “Großen Karl-Valentin-Preis” überreicht.
Gesungen hat die Biermösl Blosn letztmals unter der Woche. Der Sonntag ist auch in Bayern allenfalls ein verschiebbarer Ruhe,- und Trauertag.

Bild: Pressefoto/biermoesl-blosn.de

Es mögen viele innerhalb und außerhalb Bayerns nicht erkennen: die Renaissance der bayerischen Volksmusik, ja, der außerpolitischen Opposition, hat sich getrennt. Innerhalb einer kinderreichen Familie.

(Offener Vollzug – Vorsätzlicher Oraganunterschleif) mit Gerhard Polt

Unterschiedliche Auffassungen, erzählt man sich. Wenn erwachsene Männer – wir sprechen nicht von einer klassischen Boy Group wie New Kids On The Block oder den Backstreet Boys – sagen, sie wollen getrennte Wege gehen. Nicht mal die Beatles wurden vor ihrer ersten Platte weniger gecastet (nachzufragen bei Pete Best). Respektieren muss man die Trennung, auch wenn Mit- bis Enddreißger wie ich nicht auf die Idee kämen, bei Dr. Sommer anzurufen. Wenn Akzeptanz und Resignation sich küssen und erkennen: „Was hilft’s?“

(‘s Diandl liabn)

Ihren letzten ihrer zumeist fulminanten musikalischen Auftritte hatten sie am vergangenen Mittwoch in Fürth. In der Diaspora der bayerischen Diaspora. Ob beabsichtigt oder nicht – es gibt schlechtere Bühnen für ein letztes Ansingen gegen Missstände in Bayern.
Der Bayerische Rundfunk, der nach “Gott mit Dir Du Land der Baywa” sehr lange die einzige ernstzunehmende Oppositionsbewegung mied wie Franz-Josef Strauß Mineralwasser, entsandte Hörfunk und Fernsehen, um dieses traurige Ereignis zu dokumentieren.

(BayWa-Lied)

Vielleicht war es auch nur die Erleichterung in den oberen Etagen, diese renitenten Volksmusiker endlich losgeworden zu sein.

(Der Stolz von der Au; mit Dr. Georg Ringsgwandl an der Stromgitarre)

Was bleibt: die CSU.
Sie ist immer noch die regierende Partei.
Daß sie sich inzwischen in einer eine Koalition mit einer ebenfalls absteigenden Partei befindet, ist auch auch der Verdienst der Biermösl Blosn. Die SPD genießt ihren Minderheitesnchutz, der nicht regierungsfähig ist.

(Am Grab)

Christian Ude tritt an, die Biermösl Blosn tritt ab. Bayern hat schon bessere Zeiten erlebt.

Aber eigentlich ist’s wurscht…

(Bauernregeln)

Und auch das wird dieses Land überleben. Denn die Biermösl Blosn hat Bayern nicht nur politisch befruchtet, sondern auch musikalisch.
Unbefleckte Empfängnis, wie man sie sich nicht besser wünschen könnte.

(Coconami: Isarmärchen)

(LaBrassBanda: Bayerischer Techno)

(Moop Mama)

Bayern ist einfach, gell?
Und doch so schwer, gell?
 
Ohne die Biermösl Blosn wäre das Bayern der 80er-, 90er- und 00er Jahre nicht das, wie ich es auch schätzen gelernt habe.
Aber welche Chance hätte ich sonst gehabt?

Wir (mit den Toten Hosen)
 

Dokumentation
Bayern 2-radioSpitzen: Biermösl Blosn & Gerhard Polt: Abschied (mp3-Datei; ca. 25 Min.)
ARD-Mittagsmagazin: Filmbeitrag zum Abschied (vom BR!)
Nordbayern.de: Drei Brüder beenden den Kampf mit der bayerischen Staatsregierung | Gewaltiger Medienrummel zum Finale
Passauer Neue Presse: Zapfenstreich für die Biermösl Blosn
inFranken.de Biermösl Blosn geben letzte Konzerte
B*LD: Letzte Auftritte der Biermösl Blosn in Fürth | Nach 35 Jahren spielt die Biermösl Blosn heute in Fürth ihr absolut letztes Konzert
Westdeutsche Zeitung: Biermösl Blosn nimmt Abschied: Die CSU unter 50 Prozent gespielt
Süddeutsche Zeitung: Jeder hat ein Fürther
Abendzeitung: Standing Ovations für die Biermösl Blosn

Tschüß Bayernland ist auch der Titel der zweiten Langspielplatte der Biermösl Blosn; so hieß das damals noch, als FJS Ministerpräsident und Alfred Dick Umweltminister Bayerns waren.
 

Neunnachneun

Roy Orbison: You Got It

“Das Travemündebuch „Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein“ ist längst erschienen, die Jugend ist damit sozusagen durcherzählt und literarisch abgefertigt. Die Geschichten in dem Buch ergeben zusammen Sinn, sie bilden einen Bogen, der sich beim Lesen für mich gut und richtig anfühlt. ”
Herzdamengeschichten: Die Geschichte vom Mantelmännchen gibt es nicht

“„Ich habe Angst, dass du mich übersiehst und vergisst.“ „Das kann gar nicht passieren. Ich kann dich überhaupt nicht mehr vergessen.“”
Käthe Feinstrick: Eine Nichtbeziehung

“Im Hausflur.
Ich verlasse meine Wohnung und gehe die Treppe hinunter.”
Draußen nur Kännchen: Neue Nachbarn

“Zur Frage, wie es einem schwulen Fußballer nach einem Outing ergehen würde, muss man gar nicht erst potenzielle Reaktionen „der Gesellschaft“ mit Stadionzuschauern, Medien und sonstig Interessierten betrachten.”
Trainer Baade: Den Trash talken, wie er eben so fällt

“Neulich bei der Hausaufgabenbetreuung im Problembezirk unserer Stadt:”
Krümelkram: Neulich bei der Hausaufgabenbetreuung

“und dann mal wieder die impfdiskussion – ich zwinge mich, nicht langeweile aufkommen zu lassen im gemüt, aber in der regel bringen mich die diskussionen ausreichend in rage, um nicht demonstrativ zu gähnen”
Kids and me: für die seelenbalance

“Es ist ja immer so eine Sache, wenn das Inter­net lacht.
Zuletzt hat ein großer Teil des Inter­nets über kleine Kinder gelacht. Also, deren Namen
Patsch / Bella / Blog: Patschismus

“er steht mitten auf der straße zwischen büro und uni, fußgängerzone, aber nicht allzu groß, leute auf dem weg durch das abendliche bermudadreieck laufen um ihn herum”
bloggold: niemensstraße

“Zieht man bei Ihnen daheim die Schuhe beim Reinkommen aus? Ich habe den Eindruck, dass sich unsere Gesellschaft in Schuhauszieherwohnungen und Nichtschuhauszieherwohnungen unterteilen lässt und dass die Zugehörigkeit zu einer der beiden Gruppen Aufschluss über viele andere Gewohnheiten und Gebräuche gibt.”
Vorspeisenplatte: Schuhausziehwohnungen

“Das Gefühl, älter zu werden. Dafür gibt es gewisse Anzeichen. Sicherlich gehört das erste graue Haar dazu. Sicherlich auch die Erkenntnis, dass frühes aufstehen auch früheres zu Bett gehen einfordert.”
Notebook München: Si Sie!
 

Der Kater nach Katar

Wäre ich Experte, könnte ich fundiert über die Anforderungen eines Trainingslagers schreiben. In Katar will Jupp Heynckes das beste Trainingslager seiner langen Trainerlaufbahn erlebt haben. Ich gehe sehr stark davon aus, daß er das nicht nur das Wetter bezogen hat. Die Spieler werden wahrscheinlich nicht nur Kondition gebolzt, sondern auch Spielzüge einstudiert haben.

Gesehen hat man davon gestern Abend in Mönchengladbach jedoch nichts, was sicher nichts mit fehlender Sonne im Borussia-Park zu tun hatte. Es wäre auch nicht angebracht, der Mannschaft Lust- oder Willenlosigkeit vorzuwerfen. Die Einstellung war einwandfrei.
Es fehlten die Mittel, einer taktisch hervorragende eingestellten Mannschaft Paroli zu bieten.
Die Defensive des Gegners war ein Bollwerk, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Leider. Sonst hätte der Gegner auch 1. FC Köln heißen können. Fokussierte sich die Offensive des FC Bayern, zu der auch Schweinsteiger nach seiner Verletzungspause gehörte, zu sehr auf den Torerfolg, vergab sie zu zu viele Bälle in der gegnerischen Hälfte, was Gladbach Gelegenheit gab, seine Konter, die in jedem Lehrbuch stehen könnten, aufzuziehen.
Zwei davon führten zum Erfolg. Juan Arango hatte vor dem 2:0 leider keine Probleme, Arjen Robben den Ball streitig zumachen, bevor er auf den links ungedeckten Patrick Herrmann passen kann, der sich über zu viel Platz und das schon zu dem Zeitpunkt verdiente 2:0 freuen darf. Wie auch über das 3:0, das ihm Marco Reus mustergültig aufgelegt hat, während der FCB noch überlegt hat, wie er hinten am besten die Räume zumachen kann. (Daß das 1:0 ein Geschenk von Manuel Neuer war, war nicht die Ursache der verdienten wie niederschmetternden Niederlage.)
Wie oben schon angedeutet war die Mannschaft bemüht, sowohl das Führungstor zu erzielen, als auch die drohende Niederlage abzuwenden.
Allein: Ihr fehlten abermals die Mittel, gegen die diesmal noch besseren Gladbacher erfolgreich zu sein. Bastian Schweinsteiger sah seine Berufung vor allem vorne. Das ging gehörig schief. Sein Co-Sechser Anatoly Tymoshchuk hatte alle Füße voll zu tun, das hinten wett zu machen. Arjen Robben versuchte sein bekanntes Spiel aufzuziehen – aber es gelang ihm nicht. Abermals. Das lag nicht nur an ihm, sondern auch an einem vollkommen derangierten Jérôme Boateng, der auf Rechts vieles gewesen sein mag – aber kein Impuls. Dagegen waren Philipp Lahms Bemühungen, dem auf Links postierten Toni Kroos den – Pardon – Arsch freizuhalten, wesentlich hilfreicher, auch wenn es die Defensive es ausbaden musste. Auch wenn Kroos, vor allem in der zweiten Halbzeit, als er mehr Freiheiten in der Mitte hatte, noch der beste in einer enttäuschenden Mannschaft war.
Man mag sich auf Arjen Robben fixieren, der seinen Anteil am 2:0 hat, aber Thomas Müller konnte weder in der Mitte noch in der in der zweiten Halbzeit praktizierten (nur) halbwegs durchgeführten Rotation überzeugen. Er irrlichterte durch die Gladbacher Hintermannschaft, ohne gefährlich zu werden. Robben verließ sich zu sehr auf seine Hintermänner (in dem Fall: Boateng), was nicht zum ersten Mal schiefging. Daß die gut organisierten Gladbacher auf seinen Standardtrick nicht reinfielen – nun ja. Ein andermal geht’s gut. Wahrscheinlich sogar in der Champions League.

Der eigentliche Verlust ist der verspottete wie auf seine Art und Weise zuverlässige Daniel van Buyten, der nach einem Zweikampf mit Marco Reus mit einem Mittelfußbruch lange ausfällt. Nein, für mich war das keine Absicht, auch wenn das andere anders sehen mögen, womit wir auch schon bei den Katar’schen Winterthema wären..

Vielleicht war es auch die Ferne vom heimischen Geschehen, die den Blick auf das Wesentliche trübte. Sowohl die Führung als auch Teile der Mannschaft entblödeten sich nicht, den bevorstehenden Wechsel von Marco Reus zu Borussia Dortmund über Gebühr zu kommentieren. Das muss einige recht verletzt haben. Warum, kann ich nicht nachvollziehen. Mit einer Offensive, die mit David Alaba, Toni Kroos, Thomas Müller, Franck Ribéry und Arjen Robben nicht schmalspurig besetzt ist, wäre es für Reus schwer, sich durchzusetzen. Sich gegen Shinji Kagawa oder gar Kevin Breitkreutz zu behaupten, dürfte weitaus einfacher sein.
Daß besagter Reus dennoch ein herausragender Bundesligaspieler ist, zeigte er gestern wieder eindrucksvoll.

Es bleibt der Kater nach Katar.
Der ist nicht schön, aber hoffentlich wirkungsvoll.

Hasan Salihamidžić wird dafür nach den umfangreichen Investitionen seines Trainers Felix Magath im Winterschlussverkauf dafür nicht büßen müssen, weil er höchstens auf der Bank sitzt.

Kotzen am Bahnhofsvorplatz

Würzburg ist wirklich eine schöne Stadt. Das habe ich hier schon erwähnt. Verlässt man den Hauptbahnhof, bekommt man leider einen anderen Eindruck. Der Vorplatz vermittelt trotz seiner schier unendlich wirkenden Weite den Eindruck des Hasses der Stadtplaner gegenüber seinen Bürgern. Einzig der Kiliansbrunnen vermittelt so etwas wie Wärme. In den zu kotzen, ist wenig hilfreich.

Wer seiner Verdauung nachgeben will, sollte dies eher an der weitläufigen Trambahnhaltestelle oder am greisligen ZOB tun. Platz ist genügend vorhanden.
Das ist die Schande. Es gibt einen für Bahnhofsvorplätze nahezu riesiges Gelände ohne Autoverkehr, das aber so unmenschlich gestaltet wurde, das man jede schlagende Jugend verstehen kann. Eine Schande für ein Areal, das grün strahlen und eine Visitenkarte für Besucher sein könnte.
Passend dazu sind auch die Trambahnen. Schuhschachteln, wie sie Deichmann nicht schlimmer gestalten könnte.

Dabei ist Würzburg wirklich eine lebenslustige und lebenswerte Stadt. Man muss sich nur überwinden, nach dem berechtigten Kotzen am Bahnhofsvorplatz in die Stadt zu wagen.
Wer in die hässlichen Trambahnen nicht einsteigen will, was ich nachvollziehen kann, bewegt sich einfach per pedes nach Überquerung des Röntgenrings – soll ich an dieser Stelle etwa Ausstrahlung erwähnen? – geradeaus in Richtung Altstadt. Von dort aus ist es nicht mehr weit zu den wirklich schönen Stellen, die nicht nur am Main liegen.

Wirklich!
 

Twitter-Rückblick Januar 2012, Vol. I

Auch 2012 gibt’s auf Twitter keinen Sex, dafür mitgeteilte Gedanken.

Beziehungsstatus: Er ist facebook, ich bin twitter.
Bin anscheinend schon wieder in einer Randgruppe angekommen. Twitterer die nachts schlafen.
@PatschBella
Isabella Donnerhall
Ich nannte meine Band "Katze vermisst". Du hast bestimmt schon mal unsere Poster gesehen.
Winter ist, wenn der Nachbar seine Genitalien statt in der Radlerhose in der langen Laufhose zur Schau stellt.
@Wondergirl
Wondergirl
Und während Schwesterherz noch ihren Kater ausschläft, baue ich ihre Doku-Bögen für die Facharbeit. Als Diktatorin würde sie Karriere machen
@PatschBella
Isabella Donnerhall
Quelle: Internet. Quelle: YouTube. Quelle: Twitter. Und ich Idiot dachte, Quelle wäre pleite.
@ol_sen
ol_sen
jetzt erstmal die runde durch die sozialen netzwerke machen und gucken, was seit 11 uhr cool ist und wen wir jetzt doof finden. und kaffee!
Hier streiten sich zwei Fünfjährige, wer beim Fussball Götze und wer Özil sein darf. Schlichte jetzt: Wer 2+2 rechnen kann, ist nicht Özil.
@Regendelfin
Marie von den Benken
Gestern "Das Prinzip LIDL" geguckt, heute direkt dort eingekauft.Diese Werbeplatzierungen um 20:15 in der ARD funktionieren bei mir super!
@ktschk
katischakalaka
Er blickte sich um. Der Kittel war ihm fremd. Die Neonröhren blendeten ihn. Die Schere machte ihm Angst. »Ganz ruhig«, sagte die Friseurin.
@LizasWelt
Lizas Welt
Selbstreinigende Katzenklos oder wie wir Hundebesitzer sagen: "Pikante Häppchen für den Liebling"
@Emillota
Emillota
Als erste über die geschlossene Schneedecke laufen. Kleines Eisprinzessinnenglück.
@_Elara
Elara

 

Das Sommerloch der 1. Januarhälfte: Politik und Fußball

Dass das #Wullf Interview im ZDF um 20:15Uhr "Rette die Million" verdrängt ist auch realsatire oder?
@helmi
Helmi
Kommt drauf an, wie weit Jermaine Jones entfernt ist. RT @: Reus - Kagawa - Götze im Mittelfeld. Kann das funktionieren? #bvb
Meine Timeline ist derzeit auch eher was für den Reuswulff. Äh. Reisswolf.
@hirngabel
hirngabel
Wenn ich mir meine Timeline so ansehe, bleibt mir eigentlich nur ein Fazit: Den Reus-Transfer hat Wulff verdammt geschickt eingefädelt.
@LizasWelt
Lizas Welt

 

Dazwischen fegte Orkan Andrea übers Land

Mädels, solltet ihr sämtliche Blicke auf euch ziehen wollen, tragt heut einen Rock und stellt euch auf eine Brücke. Lächeln nicht vergessen!
@tough_toph
Heide Witzka
Von wegen überall ist der Orkan.Orkan sitzt bei meiner Mutter in der Klasse in der letzten Reihe und hat in Mathe 'ne 5.
@JuTime
Judith 
So krass wie das stürmt und regnet, müssen die Kinder heute wohl alleine aus der Kita nach Hause laufen. Ich geh da nicht raus.
@dasnuf
dasnuf

Wegen umgestürzter Bäume ist die S-Bahn-Stammstrecke zwischen Marienplatz und Isartor gesperrt. #sbahn #münchen #gerüchteküche
@maennig
Jens Arne Männig

 

Anderswo

Anke Gröner: Twitter-Lieblinge im Januar 2012, Teil 1

Vorspeisenplatte: Twitterlieblinge aktuell
 

…und da waren noch Buchteln. Bergische!

Dank @mingo713 bin ich nach über zehn Jahren wieder in den Genuss von Buchteln gekommen. Sie war so freundlich, mir ihr Rezept zu überlassen. Feinste österreichische Backkunst – küss die Hand schöne Frau!

Hefeteig

    500 g Mehl (Type 550)
    1 Würfel frische Hefe/Germ
    1/4 l Milch
    1 Ei + 1 Eidotter
    Schale einer unbehandelten Zitrone
    1 EL weiche Butter (weich, aber nicht zerlassen)
    3 EL Zucker
    1 Prise Salz

Mehl in eine Rührschüssel geben. Die Hefe in die Mitte bröseln und mit
einem TL Zucker, etwas lauwarmer Milch und ein bisschen Mehl zu einem
Vorteig verrühren. Zudecken und an einem warmen Ort gehen lassen. Der
Vorteig soll sich verdoppeln, das dauert im Normalfall 30 Minuten. (Man
kann ihn aber auch ganz entspannt vier Stunden rumstehen lassen, wie ich
seit gestern weiß, ohne dass es ihm schadet.)

Dann die restlichen Zutaten einarbeiten (Salz zuletzt) und kneten, bis
sich der Teig schön vom Schüsselrand löst. Das geht natürlich auch per
Hand, ich benutze aber leidenschaftlich gern meine Küchenmaschine mit
Knethaken, sonst bin ich hinterher wirklich reif für die Physio.

Zudecken und wieder gehen lassen, der Teig muss sich nochmals verdoppeln.

Buchteln

    Powidl/Pflaumenmus
    mehr weiche Butter
    Puderzucker (Pro-Tipp: nicht schmelzender Staubzucker)

Mit einem Holzlöffel kleine Teigstücke abstechen, auf der Hand zu einer
handtellergroßen Scheibe drücken, dann etwa einen halben TL Powidl rein
und die Enden zusammendrücken. Die Buchtelrohlinge nicht allzu eng in
die ausgebutterte Backform setzen, sie gehen noch mal auf (20-30
Minuten). Mit reichlich Butter bestreichen und ab ins Rohr für ca. 25
Minuten bei 175 °C. Ober- und Unterhitze tun’s besser als Umluft.

Dazu einen guten Kaffee, zurücklehnen und genießen. Vielleicht legen Sie noch Georg Danzer ein.


 

Neunnachneun

Was sich zwischen den Jahren so angesammelt hat…

Cœur de Pirate: La petite Mort

“Zweiter Weihnachtstag. Besuch bei Unsaomma.
Als ich ihr Zimmerchen betrete, sieht sie seltsam abgezehrt aus. Ihr Mund ist eingefallen. Sie schmatzt mit hohlen Wangen an einem gestippten Keks.”
Draußen nur Kännchen: Früher war mehr Lametta

“Eltern zu haben, ist nicht immer leicht. Das weiß ich aus eigener Erfahrung und natürlich ist mein Elternsein oft von dem Wunsch getrieben nicht so wie die eigenen Eltern zu sein. Doch tatsächlich reift mit dem Elternsein auch das Verständnis für die Nöte der eigenen Eltern.”
Das Nuf Advanced: Slim-Baggy-Fit

“„Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich Ihnen!“ Die Bäckereifachverkäuferin begrüßt mich in jauchzend glücklicher Stimmlage. „Schön, dass Sie so früh schon zu uns gefunden haben!“ Sie legt den Kopf schief und versucht, meinen Blick einzufangen.”
Herzdamengeschichten: Darf es noch etwas anderes sein?

“Ein Wissenschaftler sucht einen Assistenten. Das ist normalerweise keine Nachricht, die es bis in die Medien schaffen würde – wenn der Wissenschaftler nicht Stephen Hawking heißen würde und zwischen Weihnachten und Neujahr nicht sowieso schon journalistisch Saure-Gurken-Zeit wäre.”
Behindertenparkplatz: Was ich mir für 2012 von den Medien wünsche

“Eine der Gründe warum ich blogge ist ja, dass ich hier soviel oder so wenig schreiben kann wie ich will. Ins Detail gehen oder kryp­tisch bleiben. Auf Nach­fra­gen kann ich reagieren, muss aber nichts. Weil die Kon­fronta­tion nicht direkt ist.”
Patsch / Bella / Blog: Über die eigene Sprachlosigkeit

“Falls Sie sich in den vergangenen Tagen etwas über meine penetranten Postings in diversen sozialen Netzwerken gewundert haben, würde ich Sie jetzt erstmal gerne beruhigen: Nein, ich suche keinen Job, ich will mich beruflich nicht verändern. Lieb von Ihnen, wenn Sie an mich gedacht haben — und sorry, wenn ich Ihnen ggf. etwas Mühe bereitet haben sollte, aber das war ein Fake.”
JakBlog: Wie ich mal beim Karrierehelfer beinahe keinen Job fand

“Die Wulff-Affäre – ein Machtkampf zwischen Politik und Medien. Alte Absprachen gelten nicht mehr, in Zeiten neuer Medienrealitäten lautet die Devise: anything goes. Das Publikum ist angewidert und wünscht sich den Rücktritt; den Rücktritt des Bundespräsidenten und von allen beteiligten Journalisten.”
Gutjahr’s Blog: Politiker und Journalisten: Freunde, die einander verdienen

“Dafür, dass ich gerne alles wüsste, weiß ich erschreckend wenig. Es hat immer geklappt, sich mit „hey, ich bin 14!“ oder „hey, ich bin doch erst 15!“ rauszureden, aber dieses Jahr werde ich 17. Und ich werde nicht noch ein weiteres Jahr verschwenden. (Was ich mir auch schon seit 2010 sage, aber heute bin ich mal nicht so verbittert.) Ich will ein Jahr, nachdem ich etwas weiß, ein bisschen mehr Ahnung vom Leben habe.”
flugunfähig: irgendwann muss man eben anfangen

“Man versteht es nicht. Aber irgendetwas muss an der Idee dran sein. Irgendetwas treibt bis dahin ganz normale Leute, mit Mitte 30 die Innenstadt zu verlassen und sich irgendwo am Stadtrand ein Haus zu bauen. Irgendetwas muss diesem Haus anhaften, dass Leute ein klein bißchen den Verstand verlieren, denn bei Licht betrachtet ist es doch so:”
Melancholie Modeste: Elend Einfamilienhaus

“And now for something completely different, um es mit Monty Python zu sagen. Nach langem Zögern, reiflichem Überlegen und eingehender Beratung hatte ich Ende des vergangenen Jahres den Beschluss gefasst, mir eines dieser nahezu omnipotenten Wischtelefone zuzulegen, ohne die ja kaum noch ein mondäner Mensch das Haus verlässt. Ein Samsung Galaxy SII (i9100) sollte es sein.”
Lizas Welt: Nice try, Verbraucherzentrale!

(Eigenlob stinkt. In dem Fall: meins.
Oder ist es Stolz?
Vieleicht beides.
Ich freue mich einfach nur.)
Fanny Heather: Donnerstag abends in Düsseldorf

“Worte. Hoffnungsgeber, Hoffnungsnehmer. Welterheller, Weltverdunkler. Worte, die fliegen lassen. Die fallen lassen. Die zerstören. Die Hoffnung schenken.”
Das Trümmermädchen: Worte

…zum Nachkochen…

“Für 4 Personen als Vorspeise oder einen hungrigen Menschen”
Halbbluthobbit: Futtercontent: Kartoffel-Möhren-Cremesuppe
 

Laute(r) Unglücke

824. Tatort: Todesbilder (Saalfeld & Keppler/MDR)

Ich mag die Leipziger Tatorte nicht. Das liegt nicht nur an Simone Thomalla, sondern an den Geschichten, die sich sehr schnell zu emotionalen Blutbädern entwickeln. Ruhe und Stille gibt es nicht, was die Filme sehr anstrengend und eben auch nicht gut macht.

Eine Hochzeit endet mit der Ermordung des frisch getrauten Paares. Die Mutter der Toten fällt in einen Schreikampf. Das ist noch nachvollziehbar. Aber Miguel Alexandre belässt es in seinem ersten Tatort nicht dabei. Ein Unglück nach dem anderen wird zutage gefördert und ausgebreitet. Ein Kriegsphotograph (noch der überzeugendste Nebendarsteller: Merab Ninidze), kommt mit den Erinnerungen aus den Krisenregionen nicht klar und verdingt sich für den Lokalteil der örtlichen Zeitung. Leider ist er die Jugendliebe der Kommissarin. Der Layouter dieses Blatts hat seine Familie verloren, ein junger Mann seine Ex-Freundin und so weiter. Es wird laut lamentiert und viel photographiert in diesem Tatort, aber die Bilder überzeugen ebenso wenig wie die Geschichte, die erwartungsgemäß auf ein Finale zusteuert, das so spektakulär wie anstrengend ist und leider das nächste Unglück ans Tageslicht spült.

Überzeugen können lediglich Martin Wuttke als widerwilliger Partner seiner Ex-Fau und Kollegin Saalfeld und Maxim Mehmet als Spurensicherer. Seine stärksten Momente hat „Todesbilder“ folglich auch, als sich die beiden Männer über Arbeitseinsatz und Spuren auslassen. (32/10)
 

Besetzung: Simone Thomalla (Hauptkommissarin Eva Saalfeld), Martin Wuttke (Hauptkommissar Andreas Keppler), Maxim Mehmet (Kriminaltechniker Wolfgang Menzel), Kai Schumann (Rechtsmediziner Reichau);
Merab Ninidze, Peter Kremer, Lisa Bitter, Gudrun Ritter, Lea Ruckpaul, Lars Jokubeit, Jörg Malchow, Jakob Knoblauch, Cornelia Köndgen, Tanja Schleiff, Michael Schernthaner, Marina Krogull, Esther Esche, Andreas Keller, Andrej Kaminsky, Benjamin Trinks, Ruth Reinicke
Drehbuch & Regie: Miguel Alexandre
Erstausstrahlung: 15.01.2012
Hintergrund: Tatort-Fundus, Pressemappe
Meinungen: Tittelbach.tv, Tatort-News, Tatort-Fundus
Bildausschnitt: MDR/Saxonia Media/Steffen Junghans

 

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